Die Bilderberg-Konferenzen sind informelle Treffen von hochgestellten Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Militär, dem europäischen Adel, Gewerkschaften, Medien und Hochschulen. Die meisten Teilnehmer kommen aus den NATO-Staaten. Seit 1989 nahmen auch Personen aus anderen Staaten an den Konferenzen teil.
Die Konferenz wurde zum ersten Mal im Mai 1954 im Hotel de Bilderberg in Oosterbeek (Niederlande) veranstaltet. Bei der „Bilderberg-Gruppe” handelt es sich um keine formelle Organisation, es existieren weder Mitgliedschaft, Gründungsvertrag noch ein gewählter Vorsitz.
Die jährliche große Konferenz ist das wichtigste Ereignis, das die Bilderberg-Organisatoren veranstalten. Nachdem in den 1950er Jahren zwei Treffen pro Jahr abgehalten wurden, ist es heute nur mehr eines. Bei den Treffen werden keine schriftlichen Beschlüsse gefasst, keine Abstimmungen vorgenommen und keine offiziellen Stellungnahmen abgegeben. Seit 1954 wurden 53 Konferenzen abgehalten. Die jeweiligen Teilnehmerlisten sowie die vereinbarten Tagesordnungspunkte werden der Presse zur Verfügung gestellt, die jedoch kaum über die Tagungen berichtet. Über informelle Gespräche und Absprachen untereinander wird öffentlich nicht informiert. 1960 wurde der Name von „Bilderberg-Gruppe” zu „Bilderberg-Konferenz” geändert. Jede vierte Konferenz findet in Nordamerika statt, um den amerikanischen und kanadischen Teilnehmern entgegenzukommen.
Die Teilnehmerlisten der Konferenzen werden auch im Internet veröffentlicht, siehe unter Weblinks.
Unter der US-amerikanischen Führung wurde eine Reihe von internationalen, ökonomischen, politischen und strategischen Institutionen gegründet: so die Vereinten Nationen (UNO), der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank (IBRD), die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie der Nordatlantikpakt (NATO).
Körperschaften, wie der US-amerikanische Council on Foreign Relations, die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, das British Royal Institute of International Affairs und ihre transnationalen Pendants wie Bilderberg oder die Trilaterale Kommission sowie die deutsch-amerikanische „Atlantik-Brücke e.V.”, spielen eine entscheidende Rolle im Formierungsprozess politischer Richtungen, bilden den gewünschten Konsens innerhalb des geopolitischen Establishments und testen vorab selber alle wahrscheinlichen Oppositionshaltungen durch und beziehen diese gleich mit ein. Diese Institutionen propagieren ihre erarbeiteten Politikergebnisse durch ihre Netzwerke, bestehend aus vorab autorisierten Kanälen und setzen damit die Grenzen respektierter Debatten zur Außenpolitik. Wie gut oder schlecht dieser Apparat der Elite funktioniert, lässt sich vor allem an der Nachkriegspolitik der USA gegenüber Europa ablesen. Die Rolle der Bilderberg-Konferenzen besteht in diesem Prozess aus zweierlei ambivalenten Tendenzen, einmal hin zu einem stärker miteinander verbundenen Europa, andererseits zu einer Allianz von Europa mit den anglophonen Ländern der USA, Großbritannien und Kanada.
„Die Gründung Bilderbergs ist dem brillanten Hirn Dr. Józef Hieronim Retingers entsprungen * einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, die durch Europa huschte und in vertrautem Verhältnis sich mit Premierministern, Gewerkschaftsführern, Industriemagnaten, Revolutionären und Intellektuellen - kurz mit allen nicht kommunistischen Führern und Möchtegernführern der freien Nationen Europas unterhielt”, so der Biograph von Prinz Bernhard der Niederlande, Alden Hatch.
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges stand Retinger in engem polit. Kontakt zu General Sikorski, dem sehr sturen, später verunfallten, Vorsitzenden der in London angesiedelten polnischen Exilregierung und Oberbefehlshaber der polnischen Truppen. Untersuchungen zu Sikorskis Tod durch einen Flugzeugabsturz lassen Zweifel zu, ob dieser weniger ein Unfall als vielmehr vorsätzlicher Mord war. In London arbeitete Retinger als Verbindungsmann zu den anderen Exilregierungen und organisierte regelmäßige Tagungen zwischen den Außenministern der kontinental-europäischen Staaten. In diesen Konferenzen, die zwischen Oktober 1942 und August 1944 stattfanden, wurde das Nachkriegs-Zollabkommen zwischen den Benelux-Staaten geboren, der erste Schritt hin zu einer geplanten europäischen Einigung nach dem Krieg. Seine spektakulärste Tat im Krieg war eine geheime Mission für die S.O.E. (die streng geheime Special Operations Executive) im August 1944, als er im Alter von 56 Jahren mit dem Fallschirm westlich von Warschau über dem von den Nazis besetzen Gebiet absprang und den polnischen Partisanen mehrere Millionen US-Dollar überbrachte. Damit suchte er der polnischen Exil-Regierung eine regierungstreue Truppe zu sichern, welche die Sowjets daran hindern sollte, nach dem deutschen Rückzug in Warschau ein kommunistisches Regime einzusetzen.
Nach dem Krieg legte Retinger während einer Konferenz im Chatham House seine Position hinsichtlich einer europäischen Einigung dar: „The end of the period during which the white man spread his activities over the whole globe saw the Continent itself undergoing a process of internal disruption.”
Am Ende zweier Weltkriege sind in Kontinental-Europa keine Großmächte mehr zurückgeblieben. Die Europäer, so Retinger, haben sowohl Hitlers Neue Ordnung als auch den Kommunismus abgelehnt; aber dauerhafte Lösung der europäischen Schwäche sei es, sich hin zu einer föderalen Union von nachbarschaftlichen europäischen Staaten zu bewegen, in der die Staaten Teile ihrer Souveränität aufgeben.
Zu diesem Zeitpunkt war Retinger Generalsekretär der, unter der Leitung des belgischen Premierministers Paul van Zeeland stehenden, Economic League for European Cooperation (ELEC), aus der später die Europäische Bewegung hervorging. Bald nach seiner Londoner Rede machte er die Bekanntschaft von W. Averell Harriman, dem amerikanischen Botschafter für England, der ihm einen USA-Aufenthalt arrangierte, um sich die Unterstützung der Neuen Welt für die ELEC zu sichern. Hier traf er auch Adolf Berle Jr. und John Foster Dulles, der später in besonderem Maße die Europäische Bewegung unterstützte.
Dank der Wichtigkeit der europäischen Einheitsbestrebungen für die amerikanische Politik wurden der Europäischen Bewegung beträchtliche finanzielle Zuwendungen sowohl von Seiten der US-Regierung/CIA als auch aus privaten Quellen über das American Committee for a United Europe (ACUE) und anderen Institutionen zu teil. Der sogenannte Kalte Krieg erzeugte in der westlichen Welt das Gefühl „der Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit zum Schutz ihrer moralischen und ethischen Werte, ihrer neuen demokratischen Institutionen und sogar ihrer Unabhängigkeit gegenüber der wachsenden kommunistischen Bedrohung”. Mit dem Marshall-Plan und der Gründung der NATO übernahmen die USA die Führung im sich verfestigenden Systemantagonismus. „Die Koreakrise (der Koreakrieg begann im Juni 1950 und wurde von den USA dazu benutzt, die Europäer zu verängstigen, um so ein Wiederbewaffnungsprogramm durchsetzen zu können, welches auch eine deutsche Wiederbewaffnung mit US-Waffen umfassen sollte) zeigte, wie weitsichtig die strategischen Drahtzieher in den Vereinigten Staaten und Europa waren, als sie sich zu einer engen Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten des Nordatlantiks konspirativ zusammenfanden. „Politische Entscheidungen solcher Größenordnung werden von der Öffentlichkeit selten verstanden”, kommentierte Retinger die „Vorgänge” in Asien, dabei klar nicht-demokratische „Entscheidungsfindungsprozesse” vor den Augen habend.
Aber der Weg zur europäischen Einigung war steinig. Während des Jahres 1952 wuchsen die Spannungen zwischen Europa und den USA. Misstrauen gegenüber den USA machte sich breit, und nationale sowie isolationistische Meinungen griffen immer stärker um sich, ähnliches wurde auch von US-amerikanischer Seite formuliert. Retinger war einer der Männer, denen klar war, dass, wenn diese Tendenzen nicht im Vorfeld bereits geklärt werden würden, es beklagenswerte Konsequenzen zeitigen würde, die zu einer katastrophalen Schwächung des Westens führen würden. Retinger entschloss sich dazu, etwas zu unternehmen und legte sein Amt als Generalsekretär der Europäischen Bewegung nieder. „Retinger war immer der Ansicht, dass die öffentliche Meinung der Führung einflussreicher Personen folge. Er bevorzugte es, über sorgfältig ausgewählte Personen sehr öffentlichkeitswirksam zu arbeiten.” Und Retinger, eine Graue Eminenz in der europäischen Politikszene, zählte eine Menge einflussreicher Menschen zu seinen Freunden.
Er konsultierte den ehemaligen belgischen Premierminister Paul van Zeeland, der zu diesem Zeitpunkt Präsident des OEEC war, sowie Paul Rykens, den damaligen Vorsitzenden der Unilever und vormaligen Berater der in London exilierten niederländischen Regierung. Beide stimmten Retingers Überlegungen zu, aber da jedes Land und jede Partei betroffen waren, stellte sich das Problem, dass jedes Vorgehen von der einen oder anderen Seite als suspekt betrachtet werden könnte, würde es doch als Initiative eines bedeutenden Landes oder einer großen politischen Partei erscheinen. Die Schwierigkeit lag darin zu erörtern, wer Europas Führungsrolle übernehmen konnte, ohne Argwohn zu beschwören. Retinger wollte dafür Prinz Bernhard; der war politikinteressiert, unterstützte den europäischen Einigungsprozess, war allseits geschätzt und in den USA sehr populär.
Wenngleich die offizielle Stellung als Prinzgemahl seine offene Handlungsfreiheit einschränkte, so war er doch bereit zu helfen, wenn es ihm wichtig erschien. Rykens, der mit dem Prinzen nahe stand, arrangierte ein erstes Zusammentreffen. Retingers Plan war es, für eine angeblich nötige Versöhnung zwischen Amerika und Europa die Meinungsführer der wichtigsten europäischen Staaten zu einer Bewertung hinsichtlich der Amerikaner zu bekommen, wo diese in ihrer Einschätzung falsch lägen * um anschließend auf einem völlig privaten Treffen von Spitzenkräften beider Kontinente in freiem Gespräch diese Kritikpunkte vorzutragen und den Amerikanern die Möglichkeit zu geben, sich dazu zu äußern.
Die Idee war es, jeweils zwei Personen aus den bedeutenderen europäischen Staaten zu finden, um so den konservativen und liberalen Blickwinkel offenzulegen. Durch Bernhards Stellung und Retingers Verbindungen waren in kurzer Zeit zehn Personen gefunden:
Worin die Vorbehalte der europäischen Staaten gegenüber den USA bestanden, wurde auf der ersten Konferenz der europäischen Kerngruppe am 25. September 1952 erörtert. Eine erarbeitete Zusammenfassung sollte den Amerikanern überbracht werden. Auf vertraulichem Wege gelangte das Papier in die Vereinigten Staaten, wo jedoch die Präsidentschaftswahlen des Jahres 1952 in vollem Gange waren. Für die Belange Prinz Bernhards war in dieser hektischen Situation kein Raum, so dass ein erneuter Versuch für die Zeit nach den Wahlen sinnvoll erschien. Aber erneut wurde die Idee zurückgewiesen, ehe sich Bernhard an Bedell Smith wandte. Smith war zu diesem Zeitpunkt Direktor der CIA. Dieser informierte seinerseits C.D. Jackson (Special Assistant to the President) über die Angelegenheit.
In Zusammenarbeit mit John S. Coleman und dem Committee for a National Trade Policy wurde ein Antwortschreiben formuliert. Weitere Personen wurden mit einbezogen, so Joseph E. Johnson (Carnegie Endowment for International Peace), Dean Rusk (Direktor der Rockefeller Foundation) sowie David Rockefeller und H.J. Heinz II.. Dennoch dauerte es noch bis 1954 ehe alle organisatorischen Fragen geregelt werden konnten.
Max Brauer und Rudolf Müller übernahmen die Aufgabe, für die BRD sieben Personen für die Teilnahme an der „vertraulichen Tagung” zu benennen, bei der es „sich nicht um eine Organisation oder um eine mit der Europa-Bewegung oder irgendwelchen überstaatlichen Organisationen rivalisierende Angelegenheit”, handeln sollte. Anfang Mai 1954 konnten die personellen Fragen abgeschlossen werden, so dass die letzten Wochen vor dem Treffen nochmals intensiv zur inhaltlichen Vorbereitung genutzt werden konnten. Am Nachmittag des 28. Mai trafen sich die Mitglieder der Gruppe im niederländischen Soestdijk Palace zu letzten abschließenden Besprechungen.
Als die Konferenz am folgenden Morgen um 10 Uhr durch Prinz Bernhard, der den Vorsitz hatte, eröffnet wurde, war die allgemeine Popularität der Vereinigten Staaten in Europa an einem Tiefpunkt angelangt. Auch der persönlich hoch angesehene amerikanische Präsident Eisenhower konnte darüber nicht hinwegtäuschen. Zum ersten Mal seit 20 Jahren war die US-Regierung in den Händen der konservativen Republikaner und Senator Joseph McCarthy befand sich auf Kommunisten-Suche in den USA. Unter diesen Umständen war eine hitzige Tagung im Hotel de Bilderberg zu erwarten. Auf der Tagungsordnung des Treffens wurden die Standpunkte gegenüber „dem Kommunismus und der Sowjetunion”, „den Kolonien und ihren Bevölkerungen”, „den Wirtschaftspolitiken und ihren Problemen” sowie „die europäische Integration und die Europäische Verteidigungsgemeinschaft” thematisiert. Bis heute sind die Themen der Bilderberg-Konferenzen stets von geopolitischer, militärischer und marktliberaler Natur.
Es sollten für diese Themenbereiche „keine Lösungen erarbeitet” werden, sondern um zu „study the effect which these problems have on public opinion, and the ways in which it can be favourably influenced”. Denn „democratic governments can lead the opinion of their countries, but they must also follow its trends, and that is why we believe that at the present time, when every effort is being made by the western governments to maintain unity, the proper task of private individuals is to try to move public opinion in their own countries as close as possible to that of the other countries of the western alliance”.
Obgleich die Themen für die Tagung vorgegeben waren, kamen die Europäer während der Konferenz doch immer wieder auf Senator Joseph McCarthy zu sprechen. Einige erkannten in seinem Eifer die Gefahr, dass die USA „was heading for a Fascist dictatorship”, so dass sich Prince Bernhard am dritten Besprechungstag an C. D. Jackson wandte, um nun von ihm die amerikanische Sicht zu diesem Punkt zu hören. Jackson beruhigte die europäische Seite, erläuterte kurz das amerikanische Regierungssystem und verwies darauf, dass „we are certain to get this kind of supercharged, emotional freak from time to time”.
„Wenn ein amerikanischer Senator einen Tobsuchtsanfall bekommt, existiert keine Parteidisziplin mehr und es gibt auch keine Möglichkeit ihn zu bremsen”. Zwar gab er den Europäern recht, sich für die Angelegenheit zu interessieren, machte aber deutlich, dass McCarthy keineswegs der erste Schritt hin zu einem faschistischen Staat sei.
Abschließend äußerte Jackson: „Entweder McCarthy stirbt durch die Kugel eines Attentäters oder aber er stirbt den gewöhnlichen amerikanischen Weg, Beulen vom Körper der Politik zu entfernen, ich prophezeie, dass er zum Zeitpunkt unseres nächsten Treffens die amerikanische Szenerie verlassen haben wird”. Als McCarthy kurze Zeit später vom Senat mit großer Mehrheit eine Standesrüge - eine sehr seltene Maßnahme - erhielt, spürten die Europäer sie hatten die Wahrheit über die USA gehört. Und Mister McGhee vom amerikanischen Außenministerium kommentiert diesen Umstand: „die wirklich schweren Missverständnisse zwischen den Europäern und den Amerikanern waren beim ersten Bilderberg verschwunden. Seither gab es nie mehr eine klare Teilung zwischen uns und den Europäern.”
Von Anbeginn an wurde Bilderberg von einer kleinen Kerngruppe organisiert. Im Jahre 1956 wurde ein Lenkungsausschuss - das sogenannte 'Steering Commitee' - geschaffen, welcher Prinz Bernhard bei den Vorbereitungen zu weiteren Bilderberg Konferenzen unterstützen sollte, ergänzt durch die Advisory Group, dessen Mitglieder offenbar erst nach deren Ableben ersetzt werden. Allerdings handelt es sich beim Steering Commitee nicht um einen gewählten Ausschuss. Die Mitglieder werden vom Vorsitzenden der Konferenz ernannt und, nach Rücksprache mit diesen Mitgliedern, werden die Teilnehmer an der jeweils kommenden Konferenz ausgewählt. Da die Mitglieder des Lenkungsausschusses außerhalb der Bilderberg-Gruppe ihren Berufen nachzukommen haben, finden zwischen den jährlichen großen Bilderberg-Konferenzen nur zu wichtigen Anlässen Zusammenkünfte des Steering Commitees statt. Die ständige Kerngruppe besteht aus dem Vorsitzenden der Konferenz, dem ehrenamtlichen amerikanischen Generalsekretär, dem ehrenamtlichen europäischen und auch für Kanada zuständigen Generalsekretär, dem europäischen wie amerikanischen Sekretariat sowie dem ehrenamtlichen Leiter für Finanzen.
„Offensichtlich”, so Retinger, müssen die Teilnehmer an den jährlich stattfindenden Bilderberg-Konferenzen „einflussreich und allgemein respektiert sein sowie über Spezialwissen oder reichlich Erfahrung” verfügen, um durch ihre „persönlichen Kontakte und ihren Einfluss in nationalen wie internationalen Kreisen den von Bilderberg gesetzten Zielen” genügen zu können. Die Teilnehmer sollten von großer Offenheit sein, keine offensichtlich nationalen Überzeugungen vertreten und nicht mit Vorurteilen belastet sein, sowie die westlichen kulturellen und ethischen Werte teilen, um so dem Ziel, so viele Personen als möglich aus den verschiedensten Kreisen zu erreichen, entsprechen zu können. Die Organisatoren achten darauf, parteipolitisches Gleichgewicht zu halten, denn „es kann nicht schaden, wenn Kontroversen auch im Rahmen [dieser Konferenz polar ausgetragen werden”. Für die jeweilige Zusammensetzung jedes Treffens, so Retinger, wird ein Gleichgewicht angestrebt, welches so gut als möglich die vorherrschende Meinung des jeweiligen Landes zu den vorgegebenen Themen widerspiegelt.
Egon Bahr beschreibt in seiner Autobiographie Zu meiner Zeit die Zusammensetzung: „wenn Tausende von Milliarden Dollar in Gewicht von Zentnern zu rechnen wären, dann würde der Fussboden einsturzgefährdet sein, auf dem sich die Herren Rockefeller, Giovanni Agnelli, Ford, Rothschild, Heinz, kleinere Millionäre wie Otto Wolff von Amerongen, Herren der Banken, Minister, Präsidenten und sonstige Koryphäen bewegten, die etwas zu sagen haben, dank ihrer Stellung oder ihres Gehirns.” John Pomian, der langjährige Sekretär Retingers, stellt fest, „die alles entscheidende Auswahl der Teilnehmer während der ersten drei bis vier Jahre eine delikate und schwierige Aufgabe war. Dies galt vor allem hinsichtlich der Politiker. Es war nicht einfach, Personen in Spitzenpositionen zur Teilnahme zu überzeugen. *" target="_blank" >Retinger zeigte großes Geschick und geradezu unheimliche Fähigkeit Personen auszusuchen, welche einige Jahre später dann Spitzenpositionen in ihren Ländern antraten. * jeder Teilnehmer ist geschmeichelt, eine Einladung zu erhalten.”
Fritz Erler formuliert in einem Schreiben an den damaligen Vizekanzler der Bundesrepublik Österreich, Bruno Pittermann, exakt, wie eine Bilderberg-Konferenz organisiert und gehandhabt wird: „Im Steering Committee war man bei seiner letzten Sitzung in Rom, an der ich teilgenommen habe, der Meinung, dass Österreich nicht nur durch den vorgeschlagenen Journalisten Hugo Portisch vertreten sein sollte. Ich bin daher gebeten worden, Dich zu fragen, ob Du bereit wärst, an dieser Konferenz, die einen persönlichen Charakter ohne Publizität hat und also eine völlig ungezwungene und daher wertvolle Aussprache sichert, teilzunehmen. Man war übereinstimmend der Meinung, dass Deine Teilnahme wegen Deiner staatlichen und politischen Funktion für die Konferenz besonders wichtig wäre. Dennoch würdest Du dort in keiner Weise die SPÖ oder gar die Bundesrepublik Österreich binden, sondern nur Deine persönliche Meinung sagen. Es wird auch niemand später für das zitiert, was er dort gesagt hat. Dieser Brauch hat sich sehr bewährt. Bei der beschränkten Teilnehmerzahl ging man davon aus, dass Österreich einen Teilnehmer entsenden würde (die Bundesrepublik Deutschland z.B. fünf). Um nun doch einen zweiten österreichischen Teilnehmer in Deiner Person einladen zu können, ohne die Quoten für andere Länder erhöhen zu müssen, war man der Meinung, dass Du in Deiner Eigenschaft als Präsident der Sozialistische Internationale eingeladen würdest. Es ist ständige Praxis der Bilderberg-Konferenz, aus dem internationalen Bereich, wegen der speziellen Erfahrungen, Persönlichkeiten einzuladen, die dann nicht als Angehörige eines bestimmten Landes gezählt werden.”
Innerhalb der Europäischen Gemeinschaften / EU spiel(t)en die Bilderberger Schlüsselrollen. So etwa Max Kohnstamm, der heute im 1959 gegründeten Beratungsausschuss der Bilderberg-Gruppe seinen Platz in der Riege der Grauen Eminenzen eingenommen hat. Der Beratungsausschuss kommt immer dann zusammen „wenn für notwendig empfunden” und besteht heute aus acht Mitgliedern. Auch der erste Präsident der EEC, Walter Hallstein, war innerhalb von Bilderberg mit von der Partie. Das ehemalige Mitglied des Steering Committees, George McGhee, sagte dem Biographen von Prinz Bernhard über die Fähigkeiten der Teilnehmer von geheimen Bilderberg-Konferenzen: „Ich glaube, sie können sagen, dass die Römischen Verträge, welche den Gemeinsamen Markt einleiteten, auf diesen Tagungen geboren wurden.”
Retinger definierte den Einfluss der nicht-öffentlichen Bilderberg-Konferenzen folgendermaßen: Es war nie beabsichtigt, irgendwelche befördernden Aktivitäten zu betreiben, allerdings führten einige der auf Bilderberg entwickelten Ideen zu konkreten Aktionen, von denen keine in direktem Zusammenhang mit Bilderberg stand. * Es kann angenommen werden, dass diejenigen, die über Probleme - welche die Interessen der USA, Kanada und West-Europa betreffen - entscheiden, dass diese Verantwortlichen sich bestimmt an die vertrauliche und freundschaftliche Atmosphäre von Bilderberg erinnern und durch die Diskussionen, an denen sie teilnahmen, beeinflusst wurden.
Prinz Bernhard der Niederlande führte bis zur Aufdeckung seiner Verwicklung in den Lockheed-Bestechungsskandal den Vorsitz. Wie alle Bilderberg-Aktivitäten, wurde Bernhards Verstrickung äußerst diskret gehandhabt. So dass das für den 22. bis 25. April 1976 angesetzte Treffen in Hot Springs, Virginia, abgesagt wurde, um der öffentlichen Aufmerksamkeit durch seinen Vorsitz zu entgehen. Prinz Bernhard legte im August des selben Jahres sein Amt nieder. Im April 1977 wurden die Tagungen, unter Vorsitz von Lord Home of the Hirsel, an alter Stelle aufgenommen und die Arbeit, unter mehrfach geändertem Vorsitz, bis zum heutigen Tag fortgeführt.
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