Der Begriff Bildende Kunst hat sich seit dem frühen 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum als Sammelbegriff für die visuell gestaltenden Künste eingebürgert. Im Deutschen wird Bildende Kunst - anders als im Französischen (les Beaux-Arts) oder im Italienischen (le belle arti) - unterschieden von den darstellenden Künsten (Theater, Tanz, Filmkunst) und der Literatur sowie der Musik, wobei es zunehmend Überschneidungen gibt. Während sich Werke der anderen Künste im zeitlichen Ablauf vollziehen, existiert ein Werk der bildenden Kunst meist als körperlich-räumliches Gebilde, das durch sich selbst wirkt und keinen Interpreten benötigt, um vom Rezipienten wahrgenommen zu werden.
Zur Bildenden Kunst zählten ursprünglich die Baukunst, Bildhauerei, Malerei und Grafik sowie das Kunstgewerbe, das auch als Angewandte Kunst oder Gebrauchskunst bezeichnet wird. In Folge der Entwicklung neuer Medien und der fortschreitenden Ausweitung des Kunstbegriffes im 20. Jahrhundert wird der Begriff Bildende Kunst heute sehr viel weiter gefasst und ist im Einzelfall nicht mehr eindeutig von anderen Kunstformen abzugrenzen. So wird das bis zum Beginn der Moderne vor allem visuell und oft haptisch erfahrbare Kunstwerk im 20. und 21. Jahrhundert fallweise prozessorientiert, wandelt sich etwa zur reinen Idee oder existiert nur als Handlungsanweisung. Anstelle des Gattungsbegriffs definiert sich die aktuelle bildende Kunst im engeren Sinne durch den Begriff des Betriebssystems Kunst, zu dem etablierte Vertreter der Kunstkritik, des Kunsthandels, Sammler und die Kunstmuseen gehören.
Vermeer Allegory-of-the-Painting.jpg | tungchichang.jpg (1555–1636)]]
Künstlerische Techniken und Fachbegriffe
Eine ausführliche Liste aller Techniken der Bildenden Kunst samt einschlägiger Fachbegriffe findet sich hier:
Eine alphabetische Sortierung künstlerischer Techniken bieten die Kategorien:
Bedeutende Künstler
Die umfassendste Liste bedeutender Vertreter der Bildenden Kunst - nach Epochen, Gattungen und zum Teil nach Ländern sortiert - bietet das Portal.gif Bildende Kunst.
Darüber hinaus gibt es derzeit folgende Speziallisten:
- nach Gattungen
- nach Epochen
- nach Ländern
- nach deutschen Bundesländern
- Alphabetisch sortiert findet man Bildende Künstler außerdem in unter diesen Stichworten:
- Künstler - Maler - Bildhauer - Fotograf - Architekt - Kupferstecher - Lithograf - Radierer - Zeichner - Goldschmied - Stuckateur - Keramiker - Konzeptkünstler - Installations-Künstler - Medienkünstler - Performancekünstler - Notname
Die ersten Kunstwerke des Menschen waren religiös/kultisch motiviert, später handelte es sich bei Malerei und Bildhauerei meist um
Auftragskunst für religiöse Institutionen (in Europa: die
Kirche) oder Angehörige gesellschaftlicher Oberschichten (in Europa: der
Adel und nachfolgend das
Bürgertum). Die Motive und Bildsprache unterlagen in den meisten Kulturen oft strengen Konventionen. In Europa veränderten die Entdeckung der
Perspektive und andere technische Erfindungen die Kunst radikal. Die Entstehung einer Kunst, die als Selbstzweck keinem speziellen Nutzen mehr diente (L'art pour l'art), veränderte wiederum das Verhältnis von Künstler, Gesellschaft und Kunstwerk. Kunst wurde ausgehend vom europäischen Kulturraum oft zum Ausdruck und einzig möglichem Ort von Utopien oder übernahm Aufgaben der
Religion. Heute ist die professionelle bildende Kunst von einem global agierenden
Kunstmarkt bestimmt, der immer weiter wächst. In den westlichen Ländern werden zunehmend auch öffentliche Gelder oder Kunstorte wie Museen durch privatwirtschaftliche Institutionen und private Stiftungen ersetzt. Diskussionen um den zeitgenössischen
Kunstbegriff finden in der
Kunstkritik,
Kunsttheorie und an den Kunstakademien statt.
Der ursprünglich in Europa und Nordamerika konzentrierte
Kunstbetrieb wird seit den 1990er Jahren zunehmend von den
Schwellenländern, wie z.B.
Brasilien,
Südafrika,
Korea oder den Golfstaaten mit eigenen
Biennalen u.a. in ein weltweites Netzwerk erweitert.
Geschichte und Epochen der Bildenden Kunst
'''An dieser Stelle wird eine kurze Geschichte der Bildenden Kunst beschrieben. Für eine Entwicklung des Kunstbegriffs siehe den Artikel Kunst, für eine Entwicklung der allgemeinen Ästhetik siehe den Artikel Ästhetik. Zum Kunstbegriff Asiens, Afrikas, Altamerikas und Ozeaniens siehe Afrikanische Kunst, Chinesische Kunst, Buddhistische Kunst, Islamische Kunst.
Die heute übliche Epochenteilung der Kunst wurde von der Kunstwissenschaft und ihren Teildisziplinen im 19. und 20. Jahrhundert etabliert, zumeist mit Hilfe formeller Kriterien und auf der Grundlage der Periodisierung der allgemeinen Geschichte. Dabei standen die Diziplinen der agyptischen und klassischen Archäologie sowie die europäischen Kunstregionen (und dabei Italien, Frankreich, der deutschsprachige Raum) im Mittelpunkt der Betrachtung, die aber für absolut genommen wurde. Erst seit den 70er Jahren beginnt die Kunstwissenschaft diesen eurozentristischen Blickwinkel zu reflektieren und zu relativieren.'''
Die Prähistorie, also die
Vorgeschichte, umfasst den Zeitraum vom Beginn der Menschwerdung bis zur Einführung der
Schrift. Da die Schrift nicht allerorts zur gleichen Zeit eingeführt wurde, ist die Vorgeschichte etwa in Ägypten schon um das 4. Jahrtausend vor Chr. zuende, während sie z.B. in
Nordeuropa mancherorts noch bis ins 12. Jahrhundert nach Chr. andauert. Entsprechend vielfältig sind die künstlerischen Hinterlassenschaften, die aus dieser Zeit fast nur durch
Ausgrabungen überliefert sind.
Zu den frühesten Zeugnissen künstlerischer Gestaltung gehören Höhlenmalerei, Felszeichnung und Felsritzung. Ähnlich wie bei den Funden kleiner Statuetten (Löwenmensch) datiert man die ältesten Höhlenbilder (Chauvet-Höhle) auf rund 30.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Und sie alle haben vormutlich einen kultischen Hintergrund. Interessante Siedlungsfunde gibt es z.B. in Çatal Hüyük, wo vor rund 8000 Jahren auch Wandmalereien entstanden sind.
Mit Beginn der Sesshaftigkeit in der Jungsteinzeit werden unterschiedliche Materialien intensiver und geschickter bearbeitet: Ton, Keramik, Holz, später Metalle wie Bronze (Bronzezeit), Kupfer und Eisen. Verzierte Gefäße, Gürtelschnallen, Schwertknäufe, Gewandspangen (Fibeln) und ähnliche, am Körper von Bestatteten gefundene Gegenstände sowie Totenmasken oder Münzen sind die häufigsten Artefakte, an der die Archäologie den Gestaltungsdrang der vorgeschichtlichen Menschen festmachen können. Von "Kunst" im heutigen Sinne kann noch nicht gesprochen werden. Gestaltete Gegenstände jenseits des täglichen Gebrauchs wie die jüngst gefundene Himmelsscheibe von Nebra, die die erste bekannte kosmologische Darstellung zeigt, sind extrem selten.
Die Eisenzeit bringt in Europa die keltische Kultur hervor, die vom 4. vorchristlichen bis zum 5. nachchristlichen Jahrhundert eine beachtliche künstlerische Produktion vorweisen kann. Von der Keltischen Kunst wirkt besonders die Ornamentik stark bis ins Hohe Mittelalter nach, wo die Buchmalerei auf die verschlungenen Knoten und Ranken dieses geometrisierenden Stils zurückgreift.
Bildende Kunst Europas und des Mittelmeerraumes
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Ca. 3100 v. Chr. wurde Ägypten unter der Herrschaft des Menes vereinigt, mit dem die erste der 30 Dynastien begann, in die Ägyptens alte Geschichte geteilt wird:
Altes Reich,
Mittleres Reich und
Neues Reich. Mit den
Hieroglyphen entwickelt sich eine
Bilderschrift, der die Vermittlung von Inhalten über Bilder selbstverständlich ist.
Die ägyptische Kunst dient ausschließlich dem Totenkult und der Götterverehrung. Der charakteristische ägyptische Stil der Darstellungen - ausschließlich Profil oder Frontalansicht bei Personen, starke Schematisierung bei gleichzeitigem Bestreben, Ähnlichkeiten herzustellen - bildet sich bereits im Alten Reich heraus und bleibt, abgesehen von gewissen Änderungen unter dem Einfluss der Politik Echnatons, 3000 Jahre quasi unverändert. Wandmalereien oder Reliefs in Grabkammern waren nicht zur Betrachtung durch ein reales Publikum bestimmt, sondern "es wird Leben aufbewahrt zur Verfügung des Toten" (P. Meyer). Zeitlosigkeit ist ein zentrales Anliegen aller Darstellungen. Die Toten sollen für die Ewigkeit gerüstet sein. Das führt in der Plastik soweit, das hockende Figuren, die in dieser Stellung ihre Existenz im Totenreich überdauern sollen, ab einem bestimmten Moment nur noch als Kubus dargestellt werden.
In der alt-ägyptischen Architektur wird vieles angestoßen, das über die griechische Antike an die europäische Kunstgeschichte weitervermittelt wird. So ist das Lotuskapitell der ägyptischen Säule (die ihre eigenen Wurzeln in den Steinmalen der Megalithkulturen hat) ein stilistischer Vorläufer der Korinthischen Säule und die ägyptische Palmettenranke entwickelt sich in antiken Friesen ornamental weiter.
3. - 2. Jahrtausend v. Chr.
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Die griechische Kunst der Antike entstand ab etwa 1050 v. Chr. Ihr wird in der jüngeren Forschung auch die vorangehende
Kretisch-Mykenische Kunst zugerechnet, die bereits Zeugnisse aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. hinterlassen hat. Die wichtigsten, künstlerisch bedeutenden Funde der Archäologie sind Skulpturen aus Bronze oder Marmor, bemalte Vasen und Wandfresken.
Die kretisch-mykenischen Funde werden eingeteilt in die Perioden Frühmykenisch (Mykenisch I: ca. 1600–1500 v. Chr.), Mittelmykenisch (Mykenisch II: ca. 1500–1400 v. Chr.) und Spätmykenisch (Mykenisch III: ca. 1400–1050 v. Chr.).
Die Griechische Kunst wird in die kunsthistorischen Epochen Geometrischer Stil (ca. 1050–675 v. Chr.), Archaik (700–500 v. Chr.), Klassik (500–325 v. Chr.) und Hellenismus (325–150 v. Chr.) eingeteilt.
Von der griechischen Malerei ist leider so gut wie nichts mehr erhalten, obwohl es eine Fülle von literarischen Zeugnissen und nicht wenige bekannte Namen von Malern gibt (Apelles, Zeuxis usw. siehe auch Liste der antiken Künstler).
Statue-Augustus.jpg
Die römische Kunst entfaltete sich etwa vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. und wurde lange Zeit unter dem Aspekt ihrer Abhängigkeit von der griechischen bewertet. In der Tat verdankt sich etwa die heutige Kenntnis der griechischen Skulptur in hohem Maße der Tatsache, dass wichtige Werke der griechischen Bronzegießer – die wegen des hohen Materialwertes längst wieder eingeschmolzen waren – als römische Marmorkopien überliefert worden sind. Dennoch hat die Kunst des
Römischen Reiches in Malerei, Skulptur und vor allem in der Architektur auch neue Wege beschritten. So ermöglichte z.B. der Einsatz von
Zement in der
römischen Architektur erstmals weitgespannte Kuppeln (
Pantheon). Ausgebildet wurden in Rom und seinen Provinzen auch bereits die meisten Bautypen, die vom frühen Christentum für seine Sakralarchitektur übernommen wurden:
Zentralbau,
Basilika und
mehrschiffige Halle.
Zeitgenössische Beschreibungen von Kunst und Kunsttheorie lieferten zum Beispiel der Schriftsteller
Plinius der Ältere und der Architekt
Vitruv.
Meister von San Vitale in Ravenna 003.jpg |
Frühchristliche Kunst ist an den ersten Stätten, an denen sich die neue Religion verbreitet hat, seit dem ersten Jahrhundert nach Chr. nachweisbar: im
Heiligen Land und in
Rom. Gemäß den Lebensbedingungen einer unterdrückten Bewegung sind in diese Fundorte in Rom zum Teil versteckt: Wandmalereien und einfache Altäre in
Katakomben zählen zu den frühesten Zeugnissen.
Mit der Machtübernahme Kaiser Konstantins wird das Christentum im Jahr 313 zuerst den anderen Religionen gleichgestellt und in der Folge dann Staatsreligion, weshalb seine symbolischen Zeichen, Bauten und Bilder die konspirativen Orte der Frühzeit verlassen können. Durch die Teilung des Römischen Reiches in Westrom und Ostrom, wo Konstantin das alte Byzantion zur neuen Hauptstadt Konstantinopel ausbaute, entwickeln sich zwei unterschiedliche Konfessionen, die ihre Differenzen zu einem nicht geringen Teil im jeweiligen Umgang mit den Bildern des Heiligen sehen. Während das alte Rom nach den Stürmen der Völkerwanderungszeit zum Zentrum der römisch-katholischen Kirche aufsteigt, entfaltet sich in Konstantinopel das orthodoxe Christentum.
Zu dessen besonderen Leistungen gehört die Entwicklung eines mobilen Kultbildes, der Ikone, die zu einem zentralen Bestandteil der orthodoxen Liturgie wird. Solitär oder als Bilderwand (Ikonostase) steht sie im Zentrum der Bilderverehrung und bildet viele neue Darstellungsformen aus. Ihr Erfolg ruft als Gegenbewegung den Bilderstreit hervor, in dem sich die beiden grundsätzlichen Haltungen zu Bildern für die gesamte Geschichte der Kunst exemplarisch gegenüber stehen: Ikonoklasten und Ikonodulen.
Unter Kaiser Justinian entstehen neue kulturelle Zentren auch im Westen, besonders Ravenna wird mit Bauwerken und Bilderschmuck aufgewertet. Die Mosaiken von San Vitale und Sant'Apollinare in Classe zählen zu den besterhalteten Zeugnissen dieser spezifisch byzantinischen Kunstform. Sowohl im Mosaik wie auch bei den Ikonen entwickeln sich festgelegte Bildtypen, die die theologischen Inhalte in festgelegten Formen abbilden.
Die typische Bauform der othodoxen Kirche ist die Kreuzkuppelkirche.
Kreuzzug
Das Byzantinische Reich und damit auch seine Kunst endet mit dem Fall Konstantinopels 1453 und seiner Inbesitznahme durch die Türken. Die orthodoxen Kirchen Osteuropas pflegen weiterhin die Tradition der Ikonenmalerei, aufgrund der streng reglementierten Gestaltung wiederholen diese Werke in der Regel jedoch nur ältere Vorbilder.
Meister der Ada-Gruppe 001.jpg
Als sich
Karl der Große im Jahr
800 in Rom zum
Kaiser krönen lässt, begründet er nicht nur eine bis ins 16. Jahrhundert dauernde politische Praxis, sondern erneuert auch ästhetisch eine europäische Tradition. Seine Rückkehr an die in der
Völkerwanderungszeit zu einem Dorf geschrumpfte römische Ex-Metropole lässt sich zum einen als die erste nachantike Anknüpfung an die große Zeit des
Römischen Reiches lesen, weshalb die Kunstproduktion unter Karl auch
karolingische Renaissance genannt wird. Zweitens verbindet sich das
Kaisertum engstens mit der fortan wichtigsten Macht, die auch die meisten Bauten und Bilder produzieren wird: der
römisch-katholischen Kirche. Während sich die
merowingische Kunst und ihre Vorgänger noch der
keltischen Kultur zurechnen lässt, entfaltet die
karolingische Kunst bereits den Reichtum und die Vielfalt eines "
Stils", der sich dank der Machtausdehnung Karls in ganz
Mitteleuropa verbreitet. In der Malerei ragen Werke der
Buchmalerei und der
Wandmalerei hervor, eine Reihe von illustrierten
Handschriften ordnet man einer
Hofschule Karls des Großen zu. In der Architektur wird etwa mit der
Aachener Pfalzkappelle versucht, die Tempelbauformen der römischen Kaiserzeit zureaktivieren.
Die den
Karolingern nachfolgenden
Ottonen führen die qualitätvolle Buchmalerei fort (z.B. die
Reichenauer Malerschule) und sorgen, wie die darauffolgenden
Salier und
Staufer für viele neue Kirchenbauten u.a. in den Gebieten der Expansion nach Osten. Die
romanische Architektur zeichnet sich, v.a. im Vergleich zur nachfolgenden Gotik, durch ihre feste Bauweise und einen wehrhaften Charakter aus. Kirchen mussten oftmals noch die Funktion von
Burgen erfüllen (
Wehrkirche), große Fenster waren technisch noch nicht möglich und aus Sicherheitsgründen nicht erwünscht. Dagegen stand ein hoher Bedarf an Mauerfläche für die Wandmalerei. Weiterer Schmuck waren zweifarbige
Bänderungen der
Pfeiler und
Gewölbegurte, sowie Skulpturen an
Portalen und
Lettnern Wichte romanische Bauten sind z.B. der
Speyerer Dom, die Abtei von
Cluny. Bedeutende skulpturale Kunstwerke sind außerdem aus
Bronze erhalten, u.a. die Hildesheimer
Bernwardssäule. Dem Kunsthandwerk kommt der aufblühende
Reliquienhandel zugute, der die Nachfrage nach prächtigen
Reliquiaren erzeugt sowie die liturgischen Erfordernisse der Kirche (
Tabernakel,
Vortragekreuze,
Meßkelche, bestickte liturgische Gewänder,
Radleuchter etc.). Mit der Entstehung neuer
Reformorden (
Cluniazenser,
Zisterzienser etc.) entstehen strengere Bauordnungen und präzise Vorschriften für künstlerische Gestaltung, die die Formenentwicklung immer mehr ausdifferenzieren.
Duccio di Buoninsegna 009.jpg
Mit der Entwicklung eines neuen Baustils zu Beginn des 12. Jahrhunderts in Frankreich wird eine Epoche eingeleitet, die unter dem nachträglich gewählten und ursprünglich abwertend gemeinten Begriff Gotik bis zum Ende des Mittelalters die Kunst des Abendlandes prägen wird. Durch die Entdeckung, dass sich das Gewicht von Baulasten, insbesondere Decken, durch
Strebebogen von der Wand weg nach außen verlagern lässt, wurden große Fensterflächen möglich, die die gotische
Kathedrale zum lichtdurchfluteten Baukörper werden ließen. Als Gründungsbauwerk gilt der
Chor der
Abteikirche von
Saint-Denis bei Paris, als Höhepunkte der französischen
Hochgotik die Kathedralen von
Chartres,
Reims,
Notre-Dame de Paris und die
Sainte-Chapelle. Im damals deutschsprachigen Raum sind besonders zu nennen das
Freiburger Münster, das
Straßburger Münster, der
Kölner Dom und der
Prager
Veitsdom.
Die Entwicklung der Malerei verdankte einem kriminellen Akt ihren größten Impuls: die
Venezianer bringen von ihrer
Plünderung Konstantinopels im Rahmen des
vierten Kreuzzuges von
1204 einen neuen
Bildtyp in den Westen. Die
Ikone ist ein mobiles
Tafelbild und wird bald als wichtigster Träger für Malerei triumphieren, wo bisher nur auf Wände - ob als
Fresko oder
Glasmalerei auf den größer gewordenen Fensterflächen - und in
Handschriften gemalt wurde. In Italien, wo die Ikone zuerst eintrifft, entwickelt sich auch zuerst eine westliche Maltradition, die mit
Duccio einen ersten großen Maler hervorbringt und mit dem ersten Anwender der
Perspektive,
Giotto di Bondone, die Flächigkeit, die
Bedeutungsperspektive und die Naturferne des Mittelalters schon wieder zu überwinden versucht.
Die Skulptur entfaltet sich wie in der Romanik vor allem an den Fassaden und Portalen der großen Kirchenbauten, nördlich der Alpen aber vor allem in einer Spezialform des
Flügelaltares, dem
Schnitzaltar. Besonders im süddeutschen Raum entstehen in der
Spätgotik Spitzenwerke in den Werkstätten von
Tilman Riemenschneider,
Veit Stoß und den
Erhards aus Ulm.
Masaccio 003.jpg
Mit der Emanzipation der Kaufleute und Seefahrer in den italienischen
Stadtstaaten und Fürstentümern wie
Florenz (
Toskana),
Mantua,
Urbino,
Genua und
Venedig entsteht ein neues Publikum für Kunst jenseits kirchlicher oder feudaler Auftraggeber, das dank internationalem Handel kulturelle Einflüsse verschiedenster Kunstzentren aufnehmen kann. Zugleich befördern zufällige und gezielte Funde antiker Kunstwerke vor allem in Rom eine neue Sicht auf den Menschen und sein gestaltetes Ebenbild. Die Renaissance nimmt im Italien des
14. Jahrhunderts ihren Anfang und erreicht dort im
15. und
16. Jahrhundert ihren Höhepunkt. In den anderen europäischen Ländern zieht die neue Kunst ab ca.
1500 endgültig ein.
Sowohl in der Architektur wie in der Bildhauerei nimmt man sich die
Antike unmittelbar zum Vorbild:
Proportionen, klassische
Säulenordnungen, Bauformen wie der
Portikus, die
Ädikula werden übernommen und mit anderen Elementen (
Kuppeln) kombiniert. Die
Künstler befreien sich aus den
zünftischen Berufsorganisationen des Mittelalters, werden selbstbewusst,
signieren ihre Werke und stellen sich selbst dar. Die immer gekonntere Anwendung der
Zentralperspektive (deren erste mathematisch korrekte Übertragung ins Bild
1426 Masaccio in seinem
Dreifaltigkeitsfresko in
Santa Maria Novella in Florenz gelungen sein soll) ermöglicht immer naturnähere Darstellungen.
16. Jh.
1600–1720
1600–1770
1760–1830
1720–1770
1790–1840
1750–1850
1830–1870
1842–1945
Impressionismus,
Symbolismus,
Jugendstil,
Expressionismus,
Fauvismus,
Kubismus,
Futurismus,
Dadaismus,
Surrealismus,
Konstruktivismus,
Art Déco,
Bauhaus,
Abstrakter Expressionismus,
Pop-Art,
Phantastischer Realismus
Christo The Gates New York City path.jpg
nach 1950
Minimalismus,
Fotorealismus,
Konzeptkunst,
Afrikanische Kunst
Präkolumbische Kunst
Palenque Relief.jpg
(Tarasken)
Asiatische Kunst
Alanen,
Awaren,
Hsiung-nu,
Hunnen,
Kimmerier,
Magyaren,
Massageten,
Mongolen,
Parther,
Petschenegen,
Polowzer,
Saken,
Sarmaten,
Skythen,
Tataren
Angkor Wat
Hinduistische Kunst -
Buddhistische Kunst
Ozeanische Kunst
Literatur
- E. H. Gombrich: Die Geschichte der Kunst. Phaidon, Berlin 1996
Siehe auch
Eine umfassende Schlagwortliste zu allen Gattungen, Epochen, Techniken, Inhalten und Teilbereichen der Bildenden Kunst findet sich im Portal Bildende Kunst.
- Auswahl:
Kunst,
Künstler,
Kunstgeschichte,
Kunsttheorie,
Kunstwerk,
Kunsterziehung,
Kunsthistoriker,
Kunstbetrieb,
Volkskunst ...
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