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Als Biergarten bezeichnet man Gaststätten bzw. den Teil einer Gaststätte, deren Bewirtung im Freien stattfindet. Der Ursprung dieser Einrichtungen (im klassischen Sinne) ist in Bayern zu finden. Hierbei wird dort zwischenzeitlich zwischen Biergärten im allgemeinen und traditionellen Biergärten unterschieden.
Die traditionelle Bezeichnung in Franken ist Bierkeller. In Österreich wird ein Biergarten auch Gastgarten genannt. In der Schweiz ist der Begriff Gartenwirtschaft gebräuchlich.
Man sitzt auf einer Biergarnitur.
Entstehung
Adolf Friedrich Erdmann von Menzel 031.jpg: Im Biergarten, 1883]]
Biergärten entstanden in Bayern im
19. Jahrhundert in
München, als vorwiegend
untergäriges Bier getrunken wurde. Dieses durfte nur in den kalten Monaten hergestellt werden, so lautete ein entsprechendes
Dekret von König
Ludwig I., da die Gärung bei Temperaturen zwischen vier und acht Grad erfolgen musste. Damit auch im Sommer dieses
Bier ausgeschenkt werden konnte, legten größere Bierbrauer in den Flusshängen der
Isar Bierkeller an, in denen man in der Lage war, das gebraute Bier entsprechend gut kühl zu halten. Um die Durchschnittstemperatur des Lagers weiter zu senken, wurden
Kastanien gepflanzt, die mit ihrem dichten Blätterwerk im Sommer guten Schatten boten und auf dem Boden des Hangs
Kies gestreut. Allgemein wird angenommen, dass die Leute einen großen
Maßkrug mitbrachten, um das gekaufte Bier mit nach Hause zu nehmen. In den heißen Sommermonaten wurde das Bier jedoch oft bereits direkt vor Ort verzehrt.
Hierzu ein Auszug aus der Begründung zur Bayerischen Biergartenverordnung in der neuesten Fassung vom 20. April 1999:
- „Der typische bayerische Biergarten ist eine Gaststätte bzw. der im Freien gelegene Teil einer solchen, deren Betrieb im wesentlichen auf Schönwetterperioden während der warmen Jahreszeit beschränkt ist. Das Erfordernis des Gartencharakters verlangt eine Situierung des Betriebs im Grünen, jedenfalls im Freien. Das Idealbild des Biergartens ermöglicht, unter großen Bäumen im Schatten zu sitzen. Insoweit bestehende Defizite können durch kleinere Anpflanzungen innerhalb der Anlage nur beschränkt kompensiert werden. Der Gartencharakter wird entweder durch eine auf dem Betriebsgelände selbst in erheblichem Umfang vorhandene Bepflanzung oder durch eine in der Umgebung in erheblichem Umfang vorhandene Bepflanzung bestimmt. Entscheidend ist das Gesamtbild der Anlage.“
010505 spitalgarten-regensburg-schweinshaxn-obatzder 1-640x480.jpg und
Obatzter sind typische (bayerische) Biergarten-Essen]]
Der nächste logische Schritt erfolgte bald und neben der reinen Lagerung wurden die Bierkeller bald auch für den
Ausschank genutzt, indem man einfache Bänke und Tische unter die Bäume stellte. Dies führte dazu, dass diese Plätze bald ein beliebtes Ausflugsziel der Münchner wurden, sehr zum Verdruss der kleineren, in München verbliebenen Bierbrauer. Um der zunehmenden Abwanderung von Gästen entgegenzuwirken, traten diese an Ludwig I heran, der verfügte, dass die um München herumliegenden Bierkeller zwar weiterhin den Ausschank betreiben, dort jedoch keine Mahlzeiten servieren durften. Jeder, der dort essen wollte, musste die dafür notwendige
Brotzeit nunmehr selbst mitbringen.
Diese Verfügung ist inzwischen zwar nicht mehr gültig, so dass es möglich ist, z.B. an entsprechenden Ständen etwas zum Essen zu kaufen oder sich etwas servieren zu lassen, jedoch erlauben es weiterhin viele Biergärten, dass die Gäste ihre eigenen Nahrungsmittel (bayrisch auch als Brotzeit bezeichnet) mitbringen. Diese werden zur besseren Unterscheidbarkeit als traditioneller Biergarten bezeichnet.
Bedeutung
Die
soziologische Bedeutung der bayerischen bzw. münchnerischen Biergärten für die Gesellschaft kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werde.
Biergarten_Muenchen_Hinweisschild.JPGIn diesem „geschützten“ Bereich können sich alle Gesellschaftsschichten ungezwungen treffen, alle Nationalitäten, Einheimische sowie Touristen, ältere und jüngere Menschen. In den traditionellen Biergärten dürfen auch heute noch eigene Nahrungsmittel mitgebracht werden, lediglich die Getränke müssen an der Schänke erworben werden – also ist auch für weniger begüterte Gesellschaftsgruppen eine Teilnahme an diesem gesellschaftlichen Leben möglich. Kommunikation und Vergnügen sind die wohl wesentlichen Elemente eines Biergartenbesuch (neben dem Genuss des Hopfengetränks natürlich). Spielplätze für Kinder helfen, dass die gesamte Familie sich unkompliziert im Biergarten aufhalten kann. Krawall und Stress werden von so gut wie allen Besuchern nicht geschätzt, also entstehen diese auch nur in seltenen Ausnahmefällen (und werden ggf. sehr schnell durch Ordnungskräfte beendet). Wohl einzigartig für gastronomische Einrichtungen ist, dass es für die meisten Besucher selbstverständlich ist, auch völlig unbekannten Tischnachbarn „zuzuprosten“ und sich mit diesen oft auch intensiv zu unterhalten. Damit entsteht eine tatsächliche klassenüberschreitende Kommunikation, die letztlich auch dem elemtaren friedlichen Zusammensein höchst inhomogener Menschengruppen nützt (übersehen wird oft, dass München schon immer eine Stadt der Zuwanderer war – weit über die Hälfte der heutigen Bevölkerung sind Nicht-Münchner und Nicht-Bayern).
Dass diese Effekte nicht unbeabsichtigt sind, zeigt diese Passage aus der Begründung der noch heute gültigen Bayerischen Biergartenverordnung:
- „Biergärten erfüllen wichtige soziale und kommunikative Funktionen, weil sie seit jeher beliebter Treffpunkt breiter Schichten der Bevölkerung sind und ein ungezwungenes, soziale Unterschiede überwindendes Miteinander ermöglichen. Die Geselligkeit und das Zusammensein im Freien wirken Vereinsamungserscheinungen im Alltag entgegen. Sie sind vor allem für die Verdichtungsräume ein ideales und unersetzliches Nahziel zur Freizeitgestaltung im Grünen. Sie sind regelmäßig gut zu erreichen und bieten gerade Besuchern mit niedrigem Einkommen und Familien, insbesondere durch die Möglichkeit zum Verzehr mitgebrachter Speisen, eine erschwingliche Gelegenheit zum Einkehren.“
Bekannte Biergärten in München
Zu den ältesten Biergärten zählen die
Kugler Alm bei
Oberhaching und die
Waldwirtschaft bei
Pullach, die beide für sich die Erfindung des
Radlers beanspruchen. Von der Waldwirtschaft ging im Jahr 1995 die so genannte
Biergartenrevolution aus.
Der größte traditionelle Biergarten der Welt ist der Münchner Hirschgarten. Der bei Münchnern und Touristen bekannteste und zugleich zweitgrößte Biergarten liegt im Englischen Garten am Chinesischen Turm.
Der zentralste Biergarten der Stadt befindet sich mitten im Viktualienmarkt. Der Biergarten auf dem Nockherberg ist durch die Paulaner Fernsehwerbung bundesweit bekannt geworden.
Weblinks
Biergarten | Wortexport
Beer garden | ビアガーデン