article

Die Gleichung der Biegelinie ist ein Teil der Balkentheorie. Sie wird verwendet, um die Durchbiegung prismatischer Balken im Bereich des linear-elastischen Materialverhaltens zu bestimmen. Dabei wird die Annahme zugrunde gelegt, dass die eintretenden Verformungen so klein sind, dass die biegebedingte Veränderung der Balkengeometrie bei der Aufstellung der Gleichung vernachlässigt werden kann.

Für kleine Biegewinkel \varphi gilt die folgende Beziehung zur Durchbiegung w:

{dw(x) \over dx} = -\varphi(x)

Hieraus folgt unter Berücksichtigung des Hookeschen Stoffgesetzes eine lineare homogene Differentialgleichung:

-{d\varphi(x) \over dx} = {d^2 w(x) \over dx^2} = w''(x) = -{M_y(x) \over EI_y}

Durch diese Differentialgleichung ist somit ein Zusammenhang zwischen der Durchbiegung w und dem Schnittmoment M_y(x) im Balken gegeben. Dies führt zu drei Gleichungen, für die ein Zusammenhang zwischen der Durchbiegung w und den Schnittlasten im Balken (Biegemoment M_y(x) und Querkraft Q_z(x)) sowie der äußeren Flächenlast q_z(x) gegeben ist. (Die Koordinate x wird hierbei entlang der Balkenachse gezählt. Die Biegung erfolgt um die Koordinaten-Achse y. Die Koordinate z verläuft in Richtung der Querkraft.)

EI_y\,w''(x) = -M_y(x)
EI_y\,w'''(x) = -Q_z(x)
EI_y\,w(x) = q_z(x)

Damit die Durchbiegung berechnet werden kann, muss der Elastizitätsmodul E des Materials bekannt sein. Weiterhin muss vorab das Flächenträgheitsmoment I_y des Balkenquerschnitts ermittelt werden. Zusätzlich muss vorab der Verlauf der äußeren Streckenlast q_z(x) oder der Verlauf von Biegemoment M_y(x) oder der Querkraft Q_z(x) bestimmt werden. Die Gleichung kann dann mehrmals integriert werden, bis auf der einen Seite die Durchbiegung w(x) steht. Hierbei ergeben sich mehrere Integrationskonstanten, die durch eine entsprechende Anzahl von Randbedingungen bestimmbar sind.

Das folgende Beispiel zeigt das Vorgehen, wenn vorab der Verlauf des Biegemoments M_y(x) ermittelt wurde:

EI_y\,w''(x) = -M_y(x)
EI_y\,w'(x) = -\int M_y(x)dx + C_1
EI_y\,w(x) = -\int \int M_y(x)dx + xC_1 + C_2

Es ergeben sich die zwei unbekannten Konstanten C_1 und C_2. Diese können nun durch zwei Randbedingungen bestimmt werden. Z. B. gilt bei einem Auflager an der Stelle x = a, welches eine Querkraft aufnehmen kann: w(a) = 0. Für ein Auflager an der Stelle x = b, welches ein Moment aufnehmen kann, gilt: w'(b) = 0.

Kreismembran


Kreismembran.gif | Membranelement.gif
Im Falle einer kreisrunden Membran werden oft auch vereinfacht die Formeln aus der Balkentheorie verwendet. Unter der Annahme einer homogenen Membran wird dann bei rotationssymmetrischen Kräften eine einfache Biegelinie berechnet. Also nur ein Querschnitt der Membran.

Mit dem tangentialen und radialen Biegemoment M_t und M_r und unter Vernachlässigung von Differentialen höherer Ordnung ergibt sich die Momentgleichung M_r + \frac{d M_r}{dr}\cdot r - M_t + Q \cdot r = 0

Die Biegemomente lassen sich über die Poissonzahl \mu angeben zu:

M_r = -D \left( \frac{d^2w}{dr^2} + \frac{\mu}{r}\frac{dw}{dr} \right)
M_t = -D \left( \mu \frac{d^2w}{dr^2} + \frac{1}{r}\frac{dw}{dr} \right)

D ist hierbei das Widerstandsmoment, das sich über das Elastizitätsmodul E_M der Membran mit Dicke d wie folgt schreiben läßt:

D = \frac{E_M\cdot d^3}{12\cdot (1 - \mu^2)}

Die Biegelinie einer Kreismembran lautet dann in Differentialform, unter Vernachlässigung von kleinen Termen höherer Ordnung sowie von Zugspannungen (nur zulässig für geringe Dehnungen):

\frac{d^3w}{dr^3} + \frac{1}{r}\frac{d^2w}{dr^2} - \frac{1}{r^2}\frac{dw}{dr} = \frac{Q}{D}

Technische Mechanik | Baustatik

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Biegelinie".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld