Heidelberg_Heiliggeistkirche_Innen.jpg]] altstetten.jpg: Autorbild Konrads von Altstetten]] Die Bibliotheca Palatina in Heidelberg war eine der wichtigsten deutschen Bibliotheken der Renaissance mit umfangreichen Beständen an mittelalterlichen Handschriften und frühen Drucken Inkunabeln.
Auf Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz (reg. 1410-1436) geht die Gründung der Stiftsbibliothek an der Heiliggeistkirche in Heidelberg zurück, die den Kern der späteren „Bibliotheca Palatina“ bildete. Aber erst Kurfürst Ottheinrich (reg. 1556-1559) vereinigte die Buchbestände der Universität, der Stiftsbibliothek in der Heiliggeistkirche und der Schlossbibliothek der Kurfürsten von der Pfalz zur eigentlichen Bibliotheca Palatina. Unter den Beständen befanden sich u.a. das „Lorscher Evangeliar“ aus der Hofschule Karls des Großen, der „Codex Manesse“ (cpg 848) und das „Falkenbuch“ (cpl 1071) von Kaiser Friedrich II. Nach dem Tode des Augsburgers Ulrich Fugger (1526-1584) gingen 86 weitere zum Teil sehr berühmte Handschriften in den Besitz der Bibliothek über, so die Otfrid-Handschrift (cpl 52) und die Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (cpg 164). Mit solch bedeutenden Manuskripten besaß die Bibliotheca Palatina den Charakter einer Reichsbibliothek und galt zur Zeit ihrer Blüte - nach den Erwerbungen des 16. Jahrhunderts - als die „Mutter aller Bibliotheken“.
Besonders wegen der umfangreichen Sammlung theologischer (überwiegend protestantischer) Literatur galt sie den Katholiken als der Hort der Ketzerei. Als im August 1622 die Kurpfalz von Truppen der katholischen Liga erobert wurde, wollte der bayerische Herzog Maximilian I. die berühmte Bibliothek nach München mitnehmen, musste sie aber dem Papst Gregor XV. auf dessen ausdrücklichen Wunsch überlassen. Nur die Ottheinrich-Bibel und ein Prachtchorbuch Ottheinrichs gelangten nach München. Ab Dezember 1622 wurde der Abtransport nach Rom durch den päpstlichen Gesandten und Bibliothekar der Vaticana Leone Allacci (1586-1669) organisiert. Auch ausgesuchte Bücher anderer Heidelberger Bibliotheken, so der Privatbibliothek des Kurfürsten, der Universitätsbibliothek, der kurfürstlichen Kanzlei und der Privatbibliothek von Jan Gruter, dem letzten Bibliothekar der Palatina, wurden mitgenommen und auf den Rücken von 200 Mauleseln über die Alpenpässe nach Italien transportiert.
Im August 1623 übernahm die Bibliotheca Apostolica Vaticana 184 Kisten mit 3.500 Handschriften und 12.000 Drucken, die großteils zur Gewichtsverminderung ihrer Einbände beraubt worden waren (Allacci behielt 12 weitere Kisten für sich). Im 17. Jahrhundert wurden sie neu eingebunden. Da schon Ottheinrich viele seiner Bücher neu einbinden ließ, sind heute kaum Einbände von vor 1550 in der Palatina zu finden.
Auf Grund von Vereinbarungen während des Wiener Kongresses konnten 1816 die deutschen Handschriften in die Universitätsbibliothek Heidelberg zurückkehren. Sämtliche Drucke und die fremdsprachigen Manuskripte liegen noch heute in Rom. Die deutschsprachigen mittelalterlichen Handschriften (Codices Palatini Germanici) bilden heute eine verhältnismäßig geschlossene und literaturhistorisch bedeutende Sammlung.
Nur wenige hundert Bände, die wohl als Dubletten angesehen wurden, waren in Deutschland verblieben. Dort fanden sie den Weg in verschiedene Bibliotheken. 1998 wurden in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln 67 Bände der Bibliotheca Palatina entdeckt. Der Rest wird auch heute noch im Vatikan aufbewahrt. Zum Uni-Jubiläum kamen viele Bücher für eine einmalige Ausstellung an ihren alten Standort zurück.
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