Biberist ist eine politische Gemeinde im Bezirk Wasseramt des Kantons Solothurn in der Schweiz.
Mit einer Fläche von 12.4 km² ist Biberist die grösste Gemeinde des Bezirks Wasseramt. Sie umfasst einen Abschnitt der grundwasserreichen Schotterebene im inneren Wasseramt und des westlich angrenzenden Molassehügellandes. Den zentralen Teil bildet die Ebene, die von der Emme und dem Dorfbach (Biberbach) durchflossen wird. Östlich der kanalisierten Emme reicht das Gebiet über die Eichmatt bis an den Grüttbach. Westlich des Flusses schliesst sich die rund 1 km breite Talebene des untersten Teils des Bibernbachs an. Der Altisberg (496 m ü. M.), ein bewaldeter Ausläufer des Bucheggberges, reicht bis an den Südrand von Biberist und trennt die Ebenen von Emme und Biberntal.
Nördlich des Dorfes umfasst das Gemeindegebiet die rund 500 m breite, von den Hauptverkehrsträgern zwischen Solothurn und Biberist benutzte Talsenke zwischen dem Bleichenberg (498 m ü. M.) im Osten und dem Oberwald (bis 541 m ü. M.) im Westen. Auch die Wohnhäuser am Nordabhang des Gisihübeli (484 m ü. M.), die baulich mit der Stadt Solothurn zusammengewachsen sind, gehören zu Biberist.
In einem schmalen Streifen erstreckt sich der Gemeindeboden nach Nordwesten bis an die Aare oberhalb von Solothurn und umfasst den nordöstlichsten Teil des Bucheggberges mit Oberwald, dem Wildmannwald, dem dazwischen liegenden Wildmanngraben, dem Hunnenberg (491 m ü. M.) und erreicht im Bereich westlich der Rodungsinsel Buechhof (Teil von Lohn-Ammannsegg) mit 543 m ü. M. die höchste Erhebung von Biberist. Die westliche Grenze verläuft entlang des Bärenbachs, eines kurzen rechten Zuflusses der Aare. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 25 % auf Siedlungen, 35 % auf Wald und Gehölze, 38 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 2 % war unproduktives Land.
Biberist besteht aus den ehemaligen Siedlungskernen Unterbiberist (444 m ü. M.) an der Emme südlich des Bleichenbergs, Oberbiberist (455 m ü. M.) am Dorfbach, ausgedehnten Industrie- und Wohnquartieren sowie einigen Einzelhöfen. Nachbargemeinden von Biberist sind Lohn-Ammannsegg, Lüsslingen, Bellach, Solothurn, Zuchwil, Derendingen und Gerlafingen im Kanton Solothurn sowie Bätterkinden im Kanton Bern.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1850 | 1071 |
| 1900 | 2871 |
| 1920 | 3541 |
| 1940 | 4774 |
| 1950 | 5283 |
| 1960 | 7188 |
| 1970 | 7769 |
| 1980 | 7519 |
| 1990 | 7413 |
| 2000 | 7603 |
| 2005 | 7895 |
Heute bietet Biberist rund 3500 Arbeitsplätze an. Mit 3 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, hat die Landwirtschaft (vorwiegend Ackerbau und Forstwirtschaft) nur noch einen geringen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Etwa 52 % der Erwerbstätigen sind im industriellen Sektor tätig, während der Dienstleistungssektor 45 % der Arbeitskräfte auf sich vereinigt (Stand 2001).
Die grösseren Industrie- und Gewerbegebiete von Biberist befinden sich östlich der Emme. Wichtigster Arbeitgeber der Gemeinde ist noch heute die Papierfabrik, die früher der Biber Holding AG gehörte, nach deren Konkurs 1997 an einen finnischen Papierkonzern ging und heute unter dem Namen M-real Biberist läuft. Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts diversifizierte sich die Industrie, so dass heute viele verschiedene Branchen in Biberist vertreten sind. Dazu gehören Unternehmen des Metallbaus, der elektronischen Industrie, des Baugewerbes, des Automobilhandels, der Holzverarbeitung, des Gartenbaus sowie verschiedene mechanische Werkstätten.
Arbeitsplätze im tertiären Sektor finden sich vor allem in der Verwaltung, im Bildungswesen, im Verkauf, in der Gastronomie, im Banken- und Versicherungswesen. Biberist ist ferner Standort der kantonalen Strafanstalt Oberschöngrün (1924 gegründet). Das Dorf hat sich auch zu einer Wohngemeinde entwickelt. Neben zahlreichen Zupendlern sind viele Erwerbstätige Wegpendler, die hauptsächlich in Solothurn, aber auch in der Region Bern arbeiten.
Am 26. Mai 1875 wurde die Eisenbahnlinie von Solothurn nach Burgdorf mit einem Bahnhof in Biberist in Betrieb genommen. Die Strecke von Solothurn nach Zollikofen, die heute von der Regionalverkehr Bern-Solothurn betrieben wird, mit zwei Haltestellen in der Gemeinde wurde am 10. April 1916 eröffnet. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen die Buslinien der BSU, welche die Strecken von Solothurn nach Bätterkinden und von Solothurn nach Gerlafingen bedienen.
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte bereits im Jahr 763 unter dem Namen Biberussa; noch im 8. Jahrhundert ist die Schreibweise Biberusse überliefert. Später erschienen die Bezeichnungen Pibirsin (10. Jahrhundert), Bibirussa, Biberhusen, Bubrusche (1251), Bibersche (1268), Bierösch, Biberesche und Bibersech. Von 1508 ist erstmals der heutige Name überliefert. Der Ortsname ist keltischen Ursprungs, worauf die Endung -ussa der ersten Nennung hinweist. Er bedeutet kleines Wasser, Bach.
Im Mittelalter gehörte Biberist zur Landgrafschaft Kleinburgund. Seit dem frühen 11. Jahrhundert ist eine Adelsfamilie von Bibirusa erwähnt, die ihren Sitz möglicherweise auf dem Burghubel (Altisberg) hatte. Nachdem das Geschlecht im 14. Jahrhundert erloschen war, kam der Besitz an begüterte Familien der Stadt Solothurn. Der Bleichenberg, im 14. Jahrhundert noch ein kleines Dorf, gehörte der Familie Spiegelberg. Das Sankt-Ursen-Stift in Solothurn hatte die niedere Gerichtsbarkeit über Biberist inne, die von den Grafen von Buchegg ausgeübt wurde. 1370 gelangte das niedere Gericht direkt an die Stadt Solothurn. Als die Herrschaft Halten 1466 an Solothurn gelangte, wurde Biberist der neuen Vogtei Kriegstetten zugeteilt und zum Gerichtsort erhoben. Die hohe Gerichtsbarkeit über das Dorf kam 1516 ebenfalls an Solothurn.
Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime (1798) bildete Biberist während der Helvetik einen Distrikt (umfasste das Gebiet der ehemaligen Vogteien Bucheggberg und Kriegstetten) im Verwaltungsbezirk Solothurn. Ab 1803 gehörte das Dorf zum Bezirk Kriegstetten, der 1988 offiziell in Bezirk Wasseramt umbenannt wurde. Das früher aus zwei voneinander separierten Ortschaften, Unterbiberist (auch Niederbiberist genannt) und Oberbiberist, bestehende Biberist wurde 1857 in einer politischen Gemeinde vereinigt.
Die Industrialisierung fasste um 1860 Fuss im Dorf, als ein Seitenkanal östlich der Emme errichtet wurde, an dem 1862 die Papierfabrik Biberist gegründet wurde. Sie verhalf dem Ort zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und zu einem markanten Bevölkerungswachstum. Später kamen zahlreiche Handwerksateliers und Zulieferbetriebe für die Uhrenindustrie hinzu. So entwickelte sich Biberist im Lauf des 20. Jahrhunderts immer mehr zu einem Industrie- und Wohnvorort von Solothurn.
Ort in der Schweiz | Ort im Kanton Solothurn | Schweizer Gemeinde
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Biberist".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world