MarkEvangelist.jpg Unter Bibelstudium versteht man eine tiefergehende Beschäftigung mit den Texten der Bibel als Heilige Schriften des Glaubenslebens im Christentum. Dabei ist hier vor allem die private Beschäftigung mit der Bibel gemeint, weniger die liturgische im Gottesdienst und auch nicht das akademisch-fachwissenschaftliche Studium. Im Judentum spricht man analog vom Tora-, im Islam vom Koran-studium, zum wissenschaftlichen Bibelstudium siehe Biblische Hermeneutik und Biblische Exegese
Die Bibel wird studiert
Beachtenswert ist der Grund, warum man die Bibel studiert. Damit nicht jeder aus der Bibel die Ansichten heraushebt und für allein gültig erklärt, die ihm persönlich „in den Kram“ passen, sollten auch beim privaten Studium der Bibel bestimmte Interpretations-Regeln beachtet werden, so z.B. dass Einzelverse nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden dürfen, dass die Aussageabsicht des Verfassers in seinem damaligen Umfeld mitbedacht werden muss usw. (Beispiel: Mit dem Verbot des Blutvergießens im Alten Testament kann also nicht gemeint sein, dass heutzutage eine Bluttransfusion gegen ein göttliches Gebot verstoßen soll!).
Ob die Bibel - ähnlich wie Tora und Koran - ein in jedem einzelnen Buchstaben unfehlbares, wörtlich zu befolgendes Buch ist(wie der Fundamentalismus behauptet), oder (nur) eine belanglose Sammlung alter und somit überholter Märchen und Legenden, oder eine Zwischenstufe beider Ansichten, ist umstritten. Viele Erzählungen, seien sie auch noch so alt, enthalten - neben vielerlei Inhalten symbolischer Bedeutung - historisch zuverlässige Kerne, die nicht nur durch die Bibelüberlieferung selbst archäologisch belegt werden konnten. Auch enthalten sie kostbare Glaubens- und Lebenserfahrungen und „-weisheiten“ vieler Generationen, Erfahrungen von Liebe und Leid, Tod und „Schicksal“, aus denen man lernen kann (und die man, ihrer Schmerzhaftigkeit wegen, nicht alle selbst machen muss), - Erfahrungen, die schließlich den Glauben an Gott bewirkt haben und aus diesem Glauben heraus auch gedeutet worden sind. Als Hilfsangebot zur Verarbeitung von Erfahrungen aller Art, als Deutungs- und/oder Sinnangebot an jeden einzelnen Menschen kann die Bibel daher auch heute noch in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden.
In Ländern, in denen die Ausübung des christlichen Glaubens gesetzlich eingeschränkt ist (z.B. Nordkorea, Malediven), findet Bibelstudium auch im Geheimen statt. Selbst in Konzentrationslager der Zeit des Nationalsozialismus wurden Bibeln eingeschmuggelt.
Nützlich auch beim privaten Studium der Bibel ist die Verfügbarkeit mehrerer Bibelübersetzungen, sodass ein Vergleich bei schwer verständlichen Passagen oder fraglichen Übersetzungen möglich ist. Dabei ist es hilfreich, wenn man ein Grundverständnis der verschiedenen dort verwendeten Übersetzungsmethoden (texttreu, sinntreu) hat. In Zweifelsfällen an der Angemessenheit der Übersetzung einer Passage ist eine Urtext-Ausgabe (auch Interlinearausgabe genannt) hilfreich, in der die Originalsprache und die Zielsprache spaltengleich nebeneinander stehen. Für die vier Evangelien des neuen Testamentes wäre dies entsprechend auf der linken Seite die altgriechische Originalfassung und auf der rechten Seite die deutschsprachige Fassung. Ebenso kann es hilfreich sein, mehrere verschiedene Übersetzungen, insbesondere solche mit unterschiedlichen Ansätzen, einander gegenüber zu stellen.
Studienbibeln bieten Erklärungen zum Text, Hinweise auf ähnliche oder aufeinander bezogene Textabschnitte (Parallelstellen), kartographische Materialien und Stichwortregister zum schnellen Auffinden gesuchter Aussagen. Die meisten Studienbibeln sind von einem bestimmten konfessionellen Standpunkt geprägt, daher kann es auch hier hilfreich sein, mehrere verschiedene zu vergleichen.
Konkordanzen ermöglichen schnellen Einblick über den Gebrauch von bestimmten Worten in verschiedenen Kontexten. Außerdem helfen sie, erinnerte Textpassagen bequem wieder zu finden.
Bibel-Lexikon und Bibel-Atlas leisten nützliche Dienste bei der Klärung von Fragen, die sich beim Bibelstudium ergeben. Computer-Programme ermöglichen blitzschnellen Zugriff auf Textstellen. Mehrere Übersetzungen können gleichzeitig angezeigt werden. Komfortable Suchfunktionen, integrierte Lexika und Wörterbücher und grammatische Analysefunktionen erlauben eine tiefgehende Beschäftigung.
Auch die "Bibelstudien"-Kurse der Institute und Fortbildungseinrichtungen verschiedener Glaubensgemeinschaften, Volkshochschulen und Bildungshäuser ermöglichen und bereichern private Bibelstudien.
Neben Internet-Recherchen über gängige Suchmaschinen gibt es auf biblische Themen spezialisierte Internetseiten. Eine Chance ist dies auch für Menschen in Gegenden, in denen Bibeln und entsprechende Literatur legal nicht zu beschaffen sind. (Siehe auch Web-Links)
Bücher zu biblischen Themen beleuchten bestimmte Aspekte aus biblischer Sicht (Ethik, Erziehung, Gebet etc.). Auch lohnt es sich, Gedankengänge über Jahrhunderte lang diskutierte Fragen nachzulesen. Darüber hinaus kann die Lektüre historischer und wissenschaftlicher Literatur das Bibelstudium bereichern.
Das Erlernen der Urtextsprachen (hebräisch, aramäisch, griechisch) sowie der fachwissenschaftlichen Methoden einer Biblischen Exegese eröffnet die Möglichkeit, einzelne Aspekte biblischer Texte sachgemäß und tiefer zu beleuchten.
Für Gehörlosigkeit existieren zudem in Gebärdensprache Hilfsmittel auf Videomedien. Vor allem in den nordischen Ländern wird dies eingesetzt, während dies in deutschsprachigen Ländern nicht der Fall ist. Dort erhält man Unterstützung vor allem in Selbsthilfegruppen (CGG), welche Personen, die die Bibel verstehen möchten, unterstützen.
Die Vorgehensweise bei einem Studium der Heiligen Schrift hängt von dem Ziel, der persönlichen Vorbildung, der verfügbaren Zeit, dem religiösen Hintergrund, den zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln und weiteren Umständen ab.
Im Alltag der Gläubigen geht es in der Regel darum, den Text (gegebenenfalls mit Hilfsmitteln, siehe oben) in Beziehung zum eigenen Leben zu setzen und daraus Entscheidungshilfen abzuleiten. Aus der Betrachtung der biblischen Schilderungen und deren Helden gewinnen sie Einsichten über Gott und das Leben. Das Bibelstudium verbinden viele Gläubige mit Gebet und betrachten es als Dialog mit ihrem Gott. Sie empfangen dabei Trost und Ermutigung für im Alltag anstehende Aufgaben.
Drei Methoden sind gebräuchlich:
Wenn keine Bibel verfügbar ist, kann das Nachsinnen über erinnerte Passagen einen Ersatz bieten. Dies geschieht oft in Notsituationen, z.B. in Zeiten und Gebieten, in denen Gläubige verfolgt werden und das freie Glaubensleben nicht möglich ist.
Das Studium der Heiligen Schrift war für die Juden der Antike schon in der Zeit vor Christi Geburt eine heilige Pflicht. Sie besuchten, vor allem am Sabbat, die Synagogen, wo die Schriftrollen der Tora vorgelesen wurden. Im sogenannten Königsgesetz heißt es:
Jüdische Eltern waren nach dem Mosaischen Gesetz verpflichtet, ihre Kinder aus der Tora zu belehren. Dazu heißt es in 5. Mose 6,6+7:
Auf diese Weise ist wahrscheinlich auch Jesus von Nazareth von seinen Eltern gelehrt worden, so dass er bereits als Zwölfjähriger die Schriftgelehrten im Tempel von Jerusalem über sein Bibelwissen in Erstaunen versetzte. Das Lukasevangelium berichtet:
Nach den Berichten der Bibel appellierte Jesus in seinen Reden immer wieder an die Bibelkenntnisse seiner Zuhörer und setzte sie bei ihnen offenbar voraus, indem er betonte: „Denn es steht in der Heiligen Schrift ...“.
Jesus erwartete geradezu von den Menschen ein Studium der Schriften des Altes Testaments, wobei er ihnen oft geradezu vorwurfsvoll vorhielt: „Habt ihr nie gelesen ...?“. Darüberhinaus bezog sich Jesus gemäß den Evangeliumsberichten häufig auf alttestamentliche Ereignisse.Dass Jesus diese Geschehnisse ohne weitere Erläuterungen erwähnte, beweist, dass er auf das Wissen seiner Zuhörer baute. Er setzte die Kenntnis der Schrift mit der Nahrungsaufnahme gleich: "Es ist geschrieben: Der Mensch soll nicht allein vom Brote leben, sondern von jeglichem Wort jeglicher Rede, das durch den Mund Gottes ausgeht." (Mat 4,4) Auch nach seiner Auferstehung soll er seinen Jüngern seinen himmlischen Auftrag anhand der Auslegung der Schriften erklärt haben.
Die ersten Christen besuchten weiterhin die jüdischen Synagogen und hörten dort die Lesungen der Tora, die sie auch in ihren eigenen Gottesdiensten pflegten und bald durch Lesungen aus Briefen der Apostel und den Evangelien ergänzten. Diese Lesungen waren in der griechischen Umgangssprache gehalten. Im lateinischsprachigen Westen des Römischen Reiches gab es schon im 2. Jahrhundert Übersetzungen davon, die Vetus Latina. Während wegen der hohen Buchpreise die wenigsten Christen privat eine Heilige Schrift besaßen, kannten sie diese durch die häufigen Lesungen oft auswendig. Dazu kamen im Gottesdienst ausführliche Predigten über die gelesenen Texte. Im Katechumenat wurden Texte aus dem Alten und Neuen Testament ausgelegt, um den neuen Christen, von denen die meisten keinen jüdischen Hintergrund hatten, die Lehre beizubringen und das Taufbekenntnis zu erläutern.
Waren die Christen in den ersten drei Jahrhunderten eine kleine Minderheit im Römischen Reich und häufig Verfolgungen seitens der Behörden ausgesetzt, so war das Bekenntnis zum Christentum eine bewusste Entscheidung des einzelnen, die meist nach reiflichen Studien erfolgte. Das änderte sich im 4. Jahrhundert, als das Christentum zunächst gleichberechtigt und dann schließlich Staatsreligion im Römischen Reich wurde. Damit war jeder römische Bürger automatisch Kirchenmitglied, ohne dass dazu bewusste Entscheidungen, Gottesdienstbesuche oder gar ein Studium der Bibel notwendig war.
Durch diese Veränderung und auch aufgrund des geringen Alphabetisierungsgrades verlagerte sich das Studium der Bibel teilweise in die neu entstandenen Klöster. Dies geschah nicht zuletzt auch durch das Wirken Basilius des Großen, der das Bibelstudium zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Mönchsregel machte, die bis heute in der orthodoxen Kirche in Gebrauch ist. Dadurch bekamen auch einfache Leute Gelegenheit, Lesen und Schreiben zu lernen und sich in die Heilige Schrift zu vertiefen.
Aber auch die nichtmönchischen Prediger der Spätantike betonten immer wieder die Notwendigkeit des Bibelstudiums. Johannes Chrysostomos etwa forderte seine Höhrer auf, sich zumindest Kopien der vier Evangelien anzuschaffen und darin häufig zu lesen. Das genaue Bibelstudium durchzog seine gesamte Predigttätigkeit.
Während im ostkirchlichen Bereich der Alphabetisierungs- und Volksbildungsgrad recht hoch blieb, beschränkte sich im Westen im frühen Mittelalter das Bibelstudium auf die Klöster und Klosterschulen. Verwendet wurde die Vulgata, die in der damaligen Kirchen- und Gelehrtensprache Latein geschrieben war. Abgesehen von Geistlichen konnte im Frühmittelalter sogar im höheren Adel kaum jemand lesen und schreiben.
Auch im Hochmittelalter wurden Bibeln von Hand abgeschrieben und waren teurer als ein gutes Fachwerkhaus, also nur für Kirchen, Klöster, Universitäten, reiche Bürger, wohlhabende Adlige, Herzöge, Fürsten und Könige erschwinglich.
Andererseits bekam das Vorlesen der Bibel, insbesondere der Evangelien, in der Liturgie eine immer wichtigere Stellung. Ebenso wurden die Kirchen mehr und mehr mit biblischen Darstellungen geschmückt, die dem einfachen Volk die biblischen Inhalte näher brachten.
Die Reformbewegungen des 9. bis 11. Jahrhunderts betonten die Wichtigkeit des Bibelstudiums sowohl für Mönche wie auch für Weltpriester.
Bibelübersetzungen in die Volkssprache gab es im späteren Mittelalter bei den Waldensern, bei den Katharern, bei den Lollarden (Wyclif) und den Hussiten, während in der Römisch-Katholischen Kirche Bibelübersetzungen über Jahrhunderte teils erbittert bekämpft wurden.
In den Klöstern gab es jedoch seit dem 12. Jahrhundert die Lectio divina, eine Methode der betenden Meditation über Bibeltexten.
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Durch die Erfindung des Buchdrucks konnte sich die Bibel weiter verbreiten. 1452 druckte Johannes Gutenberg das erste Mal eine lateinische Bibel. Ein neues Interesse an der Bibel erwachte im Humanismus und im Zuge der Reformation, insbesondere in der Schweiz durch Ulrich Zwingli, in Holland durch Erasmus von Rotterdam, in Frankreich (siehe Hugenotten) und in Deutschland durch Martin Luther.
Getreu dem Motto der Reformation sola scriptura -- allein die Schrift war ein neues Interesse an den Heiligen Schriften erwacht. Die Bibel wurde im Urtext wiederentdeckt. Die griechische Ausgabe von Erasmus erschien 1516 im Druck und verbreitete sich wie ein Lauffeuer an den Universitäten. Das Studium der hebräischen Sprache, welches bis dahin fast ausschließlich von jüdischen Gelehrten betrieben wurde, setzte nun auch unter den Christen ein.
Es erschienen zahlreiche Bibelübersetzungen: (Lutherbibel, Zürcher Bibel und Piscator-Bibel in Deutsch, Tyndale und King James Bibel in Englisch, Diodati-Bibel in Italienisch, Olivetan-Bibel in Französisch. Durch den Buchdruck fanden diese Bibeln weite Verbreitung, hauptsächlich in protestantischen Gegenden. Das ausgiebige Studium der Bibel brachte neue christliche Bewegungen hervor (z.B. Täuferbewegung)
In den Volksschulen wurde jetzt mit der verbreiteten Bibel lesen gelernt.
Ein weit verbreitetes Bibelstudium auch im einfachen Volk entstand unter den Christen in der Neuzeit als Gegenbewegung zur Aufklärung und der Biblischen Exegese der Theologie erst im 18. Jahrhundert, insbesondere im Pietismus (Deutschland), im Methodismus (England) und im "First Awakening" (USA). Im Pietismus wie im Methodismus gehörte das intensive, nichtwissenschaftliche Bibelstudium der Gläubigen in kleinen Gruppen zur Glaubenspraxis. In den Vereinigten Staaten entwickelte sich die Sonntagsschule, wo zumeist evangelikale Erwachsene und Kinder vor und nach dem Gottesdienst die Bibel studierten.
Auch in den Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts und den sich daraus entwickelnden Freikirchen spielte das Bibelstudium eine wichtige Rolle.
Im 20. Jahrhundert hat in vielen Teilen Europas das Interesse an der Bibel deutlich abgenommen, während in Osteuropa seit dem Fall des Eisernen Vorhangs (1989) der gegenteilige Trend spürbar ist.
Die Großkirchen haben zusätzlich zum schulischen Religionsunterricht unter anderem den Konfirmandenunterricht bzw. eine religiöse Unterweisung vor der Firmung eingeführt, um dabei auch Bibelkenntnisse zu vermitteln. Theologen beklagen allerdings zunehmend, dass Konfirmanden und Firmlinge häufig nicht einmal in der Lage sein sollen, einige Bibelbücher aufzuzählen, das Vaterunser sowie das Glaubensbekenntnis aufzusagen.
Um dem Desinteresse und der mangelnden Bibelkenntnis entgegenzuwirken, wurde 2003 von mehreren christlichen und kirchlichen Trägern zum "Jahr der Bibel" ausgerufen und in diesem Rahmen zahlreiche Angebote, auch im Internet (siehe unter Weblinks), gemacht, um zum vermehrten Studium der Bibel anzuregen.
Ferner wollen vor allem Freikirchen durch Evangelisationen zum Studium besonders des Neuen Testaments anregen; dazu gehören auch im zwei- bis dreijährigen Turnus europaweit durchgeführte Großveranstaltungen wie ProChrist.
Verschiedene christliche Gemeinschaften, vorwiegend Evangelikale, andere christliche Gruppen sowie die Zeugen Jehovas, führen auch "missionarische" Haus- und Straßeneinsätze durch. Das heißt sie gehen von Tür zu Tür, organisieren Büchertische oder sprechen Leute auf der Straße an, um sie für das Buch der Bücher zu interessieren. Sie begründen diese Tätigkeit meist mit dem Missionsbefehl Jesu, der die Taufe ihrer Ansicht nach untrennbar mit einer Kenntnis der Heiligen Schrift verbindet.
Nicht ungefährlich ist ein Bibelstudium auch heute noch in bestimmten islamischen Ländern, weil Bibeln und religiöse Literatur dort nicht eingeführt werden dürfen, nach Saudi-Arabien und Brunei nicht einmal zum persönlichen Gebrauch. Bei illegalem Einschmuggeln von Schrifttum und verbotenem Zusammenfinden zum Bibelstudium drohen Ausländern teilweise hohe Haftstrafen, einheimischen Moslems in Einzelfällen gar die Todesstrafe.
Während die Bibel im Rahmen von christlichen Bibelstudien meist in modernen, immer wieder überarbeiteten und dem veränderlichen Sprachgebrauch angepassten Übersetzungen gelesen wird, betont man im Islam die Bedeutung des arabischen Originals für das Studium des Korans, der heiligen Schrift der Muslime. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Bibel großenteils in gewöhnlicher Prosa verfasst ist, der Koran aber in poetisierter und rhythmischer Reimprosa, die sich nur schwer in anderen Sprachen wiedergeben lässt. Allerdings muss man hinzufügen, dass im Judentum auch die hebräische Bibel bevorzugt in der Originalsprachen hebräisch und aramäisch studiert wird.
In islamischen Ländern ist es normal, dass Kinder und Jugendliche Koranschulen besuchen, wo jedoch - sofern es sich nicht um ein arabisch-sprachiges Land handelt - zuerst das Erlernen des Arabischen - zumindest der Aussprache - höchste Priorität hat. Dann wird im Gegensatz zur Bibel, bei deren Studium meist die Auslegung (Exegese) im Mittelpunkt steht, sehr viel Wert auf richtiges Rezitieren gelegt, wobei zahlreiche nichtarabische Leser zwar vorlesen, aber oft gar nicht die Inhalte verstehen, weil ihre Sprachkenntnisse nicht ausreichen oder auch die arabische Sprache des 7. Jahrhunderts, in der der Koran abgefasst ist, befremdet. Dennoch ist das für Moslems ein wichtiges Ritual. Exegese wird natürlich auch im Islam betrieben, ihre Inhalte sind aber oft nur Imamen oder anderen Geistlichen näher bekannt.
Es ist für gläubige Moslems nicht ungewöhnlich, vor allem in der Zeit des Ramadan, einzelne Suren oder auch den ganzen Koran im arabischen Original auswendig zu lernen, was als sehr verdienstvoll und als notwendig für die Bewahrung der mündlichen Form des Korans gilt. Durch die poetische Form des Korans ist der Text relativ leicht erlernbar. Bei Bibellesern dürfte das eine seltene Ausnahme sein, dort beschränkt man sich meist auf die Kenntnis wichtiger Verse oder die Wiedergabe bestimmter Passagen in eigenen Worten; im Judentum ist das auswendige Vortragen heiliger Schriften sogar ausdrücklich verboten. Koranübersetzungen gelten nicht als vollwertiger Koran, sie sind daher auch nicht in so großer Vielfalt wie bei der Bibel erhältlich, die zur Zeit in mehr als 2000 Sprachen zumindest in Teilen verfügbar ist.
Unzählige Personen sind im Laufe der letzten Jahrtausende durch das Studium der Bibel in ihrem Denken nachhaltig beeinflusst worden. Manche haben unter Lebensgefahr an ihren gewonnenen Überzeugungen festgehalten. Andere sind sogar bis in den Tod standhaft für ihren Glauben eingetreten. Die Mehrheit ihrer Namen ist in der Geschichte verloren gegangen. Daher kann die untenstehende Auflistung nur eine kleine unvollständige, vorläufige Auswahl darstellen:
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