article

Bibelkritik ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Inhalt der Bibel, der heiligen Schrift des Christentums bzw. (beim Alten Testament) auch des Judentums.

Der Begriff wird im alltäglichen Sprachgebrauch auch unspezifisch für Kritik am Christentum, an einer bestimmten christlichen Kirche oder für den Ausdruck antireligiöser Überzeugungen gebraucht. In diesen Fällen sind jedoch die Ausdrücke Religionskritik oder Kirchenkritik zutreffender.

Von Bibelkritik ist die wissenschaftliche Auswertung der biblischen Schriften zu unterscheiden, die nach der sogenannten Historisch-kritischen Methode verfährt. Hierbei wird im Rahmen philologischen Textkritik die bestmögliche Rekonstruktion des ursprünglichen Texts versucht. Auch für andere Arten von Literatur wird auf diese Weise eine verlässliche Textbasis erarbeitet. Weitere Methodenschritte der Historisch-kritischen Methode beziehen sich stärker auf die inhaltliche Analyse und teilweise auch Deutung. Die Entstehungsbedingungen finden dabei ebenso Berücksichtigung wie unterschiedliche Bearbeitungsstufen und Redaktionen und die (oft inhaltlich widersprüchlichen) Verhältnisse zu anderen Textabschnitten.

Verschiedene Seiten der Bibelkritik


Vorkommen und Motivation

Bibelkritik gibt es
  • außerhalb des Christentums durch andere Weltanschauungen und Religionen, aber auch in Naturwissenschaft und Geschichte
  • innerhalb des Christentums von theologischen Richtungen, angefangen beim Markionismus und der Gnosis bis heute, aber auch bei manchen Interessengruppen beispielsweise von der feministischen Theologie, der schwulen Theologie oder der Befreiungstheologie.

Die zugrundeliegende Motivation des Bibelkritikers reicht von polemischer Ablehnung des Christentums, Mission für die eigene Religion oder Weltanschauung, apologetischer Verteidigung der eigenen Sichtweise über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Bibeltexten und ihren Aussagen bis hin zum Wunsch, durch kritische Durchleuchtung das Verständnis für die Bibel und ihr Kerygma zu fördern.

Legitimität

Es hängt vom weltanschaulichen Standpunkt ab, ob und inwieweit man Kritik an der Bibel für legitim hält. In Deutschland ist durch die Meinungsfreiheit Kritik an der Bibel durchaus legitimiert (erlaubt). Viele Anhänger der sich auf die Bibel als heilige Schrift beziehenden Religionen und Bekenntnisse halten jede Art der Kritik an der Bibel für eine Form von Blasphemie, demnach wäre letztlich eine kritiklose und vollständige Akzeptanz der Bibel als autoritatives Wort Gottes erforderlich. Siehe dazu auch Evangelikal, Fundamentalistische Hermeneutik und Biblizismus.

Andererseits wird von bibelkritischen Theologen Forschung unter der Prämisse betrieben, als sei Gott nicht existent (etsi Deus non daretur - eine auf Hugo Grotius zurückgehende Formel). Grundlage allen Erkennens ist daher unter dieser Prämisse nicht der Glaube an einen in der Bibel sich ausdrückenden Gott als Herrn der Geschichte. Sondern die grundlegende Voraussetzung bibelkritischer Theologie ist, dass der disziplinierte, fachlich geschulte und kritische menschliche Verstand die letzte Instanz in der Frage nach der Wahrheit sei. Diese Prämisse ist für andere Zweige der Wissenschaft ebenso gültig wie für die Bibelforschung.

Unterschiede gibt es noch in der Art und Weise, wie mit Zweifelsfällen in der Interpretation umzugehen ist. Während in manchen Bekenntnissen die Interpretation den religiösen Autoritäten vorbehalten bleibt, die vom Gläubigen angenommen werden muss (z. B. in der Römisch-Katholischen Kirche untersteht „alles das nämlich, was die Art der Schrifterklärung betrifft, ... letztlich dem Urteil der Kirche, die den göttlichen Auftrag und Dienst verrichtet, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Absatz 119)), überlassen andere Bekenntnisse (z. B. die der Evangelischen Kirche) diese Interpretation dem Einzelnen, der sich dazu ggf. auch des Gebets, der Meditation, und der Konsultation weiterführender Literatur und religiöser Autoritäten bedient. (vgl. dazu auch sola scriptura)

Demgegenüber sind diejenigen, die sich an keine der Buchreligionen gebunden fühlen, frei in Art und Umfang der Bibelkritik. Für sie hat die Bibel keinen autoritativen Charakter, der sie in ihrer Interpretationsfreiheit einschränken würde. Das heißt nicht, dass von diesem Standpunkt aus jede beliebige Kritik, oder jeder beliebige Umgang mit der Bibel für alle legitim erscheint. So halten manche es für legitim, die Bibel verächtlich oder lächerlich zu machen, während andere davon Abstand nehmen und ein solches Vorgehen für schlechten Stil halten. Umstritten ist dabei auch, welches Ausmaß an Rücksichtnahme auf die religiösen Gefühle der betroffenen Religionsanhänger geboten ist. Der Respekt und die Rücksicht vor Gläubigen und deren Religion, unabhängig davon, ob man selbst einen Glauben vertritt, wird in der Gesellschaft zunehmend gefordert, weil die Annahme vertreten wird, dass auf diese Weise Konflikte vermieden werden können. Dies bedeutet aber nicht, dass der Glaube undifferenzierter betrachtet werden soll, als der Einzelne für angemessen empfindet.

So nimmt Bibelkritik verschiedene Formen an. Das Spektrum der Formen erstreckt sich von offener Verunglimpfung über die Karikatur, die Satire, die Ironie, die indirekte Kritik in romanhafter oder gleichnisartiger Form, die direkte Kritik in Prosaform bis hin zu wissenschaftlichen Abhandlungen für ein spezialisiertes Publikum.

Entsprechend zur Form ist auch umstritten, wer die Bibel kritisieren darf. Auch hier findet man, je nach der einzelnen Meinung, alle Zwischenstufen von „Jeder“ bis „Niemand“. Manche wollen die Legitimation dabei auf Personen mit einer bestimmten wissenschaftlichen Qualifikation oder religiösen Autorität beschränkt sehen, andere machen es eher von der Qualität der vorgebrachten Argumente abhängig oder vom Ergebnis (im Sinne von: Jeder darf Bibelkritik betreiben so lange er zum richtigen Ergebnis kommt).

Schließlich ist auch umstritten, was Gegenstand von Bibelkritik sein kann und was nicht. Auch hier wird das volle Spektrum von „alles“ bis „nichts“ abgedeckt. So halten z.B. viele Christen die historisch-kritische Methode für legitim, in der es darum geht herauszufinden, wie die Bibel im Einzelnen zu verstehen ist, lehnen aber jede Kritik am Inhalt der Bibel ab. Andere halten Kritik am Inhalt der Bibel für insoweit legitim, als nicht der Wille Gottes selbst oder gar seine Existenz in Frage gestellt wird. Einige Christen sind auch der Ansicht, dass die Kritik an der Bibel oder auch an der Existenz Gottes den eigenen, persönlichen Glauben nicht beeinflussen sollte und das jeder Gläubige seinen Glauben unterschiedlich in Art und Kraft gestalten kann. Zu diesem Zweck existieren in vielen Bekenntnissen eine Anzahl von Dogmen. Aus der Sicht solcher Bekenntnisse ist Bibelkritik legitim, so lange sie sich innerhalb der von den Dogmen gesetzten Grenzen abspielt. Bibelkritik, die über diese Grenzen hinausgeht, wird dabei u.U. von den religiösen Autoritäten mit Sanktionen belegt. Solche Sanktionen können im Beispiel der heutigen Katholischen Kirche z.B. der Entzug der Lehrerlaubnis oder andere Einschränkungen der beruflichen Tätigkeit sein. Im Mittelalter waren die Sanktionen dagegen weit drastischer und haben so manchem Kritiker (Häretiker) das Leben gekostet.

Dieser Artikel führt Kritikpunkte an der Bibel ohne Rücksicht auf ihre Legitimität an. Dadurch kann vermieden werden, sich einer bestimmten Auffassung über die Legitimität anschließen zu müssen. Aus dem Vorkommen eines Kritikpunktes hier im Artikel kann weder darauf geschlossen werden, dass er aus einer bestimmten (oder gar jeden) Sichtweise heraus legitim sei, noch dass seine inhaltliche Korrektheit allgemein anerkannt sei. Es handelt sich um Argumente, auf die man bei der Lektüre der Bibel kommen kann und auf die im Verlauf der Geschichte Leser der Bibel gekommen sind. Nicht wenige davon sind seit Langem und bis heute stark umstritten, und manche haben im geschichtlichen Verlauf zur Spaltung der Religionen in verschiedene Bekenntnisse beigetragen – sie liegen damit auch an der Wurzel etlicher kriegerischer und gewalttätiger Auseinandersetzungen, die diese Spaltung begleitet haben.

Geschichte

Die moderne Bibelkritik geht vor allem auf Renaissance und Aufklärung zurück. Das Aufkommen kritischer Wissenschaften, die sich nicht direkt der Religion verpflichtet fühlten, wie z.B. der vergleichenden Geschichte, führte recht schnell zu Auseinandersetzungen mit den klerikalen Autoritäten. Hobbes, Simon, und vor allem Spinoza veröffentlichen im 17. Jahrhundert bibelkritische Texte. Spinoza sagte z.B., die Bibel sei von einfachen Menschen geschrieben, voller Irrtümer und Widersprüche, über weite Strecken nicht authentisch, und das auf ihr beruhende Christentum ein vorübergehendes Phänomen.

Die steigende Verfügbarkeit übersetzter Bibeln öffnet dabei auch dem Laien die Möglichkeit, die Bibel zu studieren, und dabei stoßen auch Gläubige auf Widersprüche innerhalb der Bibel und zwischen der Bibel und anderen antiken Überlieferungen. Nicht selten haben dabei Gläubige im Bemühen, die Bibel untermauernde Fakten zutage zu fördern, im Effekt den Bibelkritikern in die Hände gespielt. So kam man z.B. auf Chronologien der ägyptischen Dynastien, die bis weit vor den angenommenen Zeitpunkt der Sintflut zurückreichten (z.B. die von Manetho). Auch von naturwissenschaftlicher Seite erwächst Kritik. Robert Hooke veröffentlichte mit Blick auf die Fossilien eine Theorie des Verschwindens der Arten, die mit dem biblischen Schöpfungsplan im Widerspruch stand - was schließlich in die Evolutionstheorie von Charles Darwin mündete.

Diese auf breiter Front auftauchende Bibelkritik führt in relativ kurzer Zeit dazu, daß die Religion durch weite Bevölkerungskreise in Frage gestellt wird (z.B. England. Jonathan Swift 1708: "Ich betrachte die große Menge oder die Masse des englischen Volkes als ebensolche Freidenker, das heißt als ebenso unerschütterliche Ungläubige wie die vornehmsten Kreise.") In diese Zeit fällt auch der Skandal des Abbé Meslier, von dem nach seinem Tod ein radikal religionskritisches Testament gefunden wurde - die Spitze des Eisbergs in dem Sinne, dass auch unter den Klerikern der Zeit kritische Einstellungen weit verbreitet waren. Meslier geht aber in seiner Radikalität über die meisten seiner Zeitgenossen hinaus, seine Kritik ist ihm Grundlage für eine dezidiert atheistische Einstellung, die in dieser Konsequenz erst später weitere Verbreitung gefunden hat. Viele der hier im Artikel angeführten bibelkritischen Argumente finden sich auch schon in Mesliers Werk, so z.B. der Hinweis auf viele Widersprüche in der Bibel, die er zum Anlass nimmt, die Bibel als ein von Menschen in betrügerischer Absicht geschriebenes Buch aufzufassen.

Diese Sichtweisen nahmen im Zuge der Aufklärung im Verlauf des 18. Jahrhunderts an Verbreitung stark zu, und wurden dabei immer offener atheistisch. Kritik an der Bibel läßt sich von der Kirchenkritik und der Religionskritik immer weniger trennen. Georges Minois nennt das 18. Jahrhundert das Jahrhundert des Unglaubens. Durch eine bornierte und doktrinäre Reaktion des Klerus auf die wachsende Kritik erfuhr die Position der Kritiker noch weitere Verbreitung und erhöhte Glaubwürdigkeit, was im Klerus zu teils ratlosen, teils panischen Reaktionen führte.

Die Aufzählung prominenter Bibel- und Religionskritiker beinhaltet viele bekannte Namen der Aufklärung, z.B. D'Holbach, Voltaire, La Mettrie, Diderot. Entsprechend dem Motto der Aufklärung gebrauchte man zunehmend den eigenen Verstand, auch bei religiösen Fragen. Man akzeptierte nicht einfach die kirchliche Doktrin, sondern forderte Nachweise, las die Bibel selbst mit einem kritischen Blick, und maß die kirchliche Lehre daran. Einmal auf diesem Kurs, machten viele nicht bei der Kritik der Bibel halt, sondern stellten die gesamte kirchliche Doktrin und Autorität und die christliche Religion in Frage, einschließlich der Existenz Gottes. Exemplarisch sei dafür der zu Ende der Aufklärung erschienene Roman "Siebenkäs" von Jean Paul genannt, der in einer Szene Jesus selbst die Existenz Gottes verneinen läßt.

Den Schritt zum Atheismus machten jedoch viele nicht, und wandten sich stattdessen dem Deismus zu, von dem Minois schrieb, er sei "eine Warteposition für Menschen, die das Christentum nicht mehr hinnehmen können, die jedoch [... noch einen Gott brauchen". Der Deismus ist aus dieser Perspektive eine Position, welche die Bibel oder andere Offenbarungen als religiös autoritative Quelle verwirft, und dabei zugleich am Glauben an eine Gottheit festhält. Es ist der Versuch, den Glauben an einen Gott mit eben der kritischen Vernunft in Einklang zu bringen, die gerade die Bibel demontiert hatte. Es ist auch der Versuch, einem im Atheismus gesehenen moralischen Vakuum bzw. einer Sinnleere auszuweichen (siehe dazu auch Kant und Fichte).

Im 19. Jahrhundert - im Gefolge der französischen Revolution - entstehen offen atheistische Gesellschaftsmodelle, die teils die Religion von Staat trennen, teils die Religion ganz durch Vernunft und Wissenschaft ersetzen wollen. In diesem Klima reagiert die katholische Kirche mit trotziger Abschottung, sie beharrt ohne Abstriche auf den Dogmen und Traditionen, also auch der Lehre von der göttlichen Inspiration der Bibel (so z.B. auf dem Vaticanum I mit dem Dei Filius). Im Protestantismus wird dagegen die Bibelexegese unter den Prämissen der historisch-kritischen Methode betrieben (David Friedrich Strauß), was katholischen Theologen oft als Zerstörungswerk an der Bibel beargwöhnten (z.B. Lamennais). Hier wird die Überzeugung deutlich, daß die christliche Religion die Dogmen, Wunder und Mysterien brauche, und die Rückführung der Religion auf die Vernunft letztlich in den Atheismus münden müsse.

Das daraus erwachsende grundlegende Dilemma für die Exegese beschreibt Minois: "Ein grausames Dilemma: entweder die Bibelkritik (d.h. die historisch-kritische Methode) zu akzeptieren und die Bibel zu einem gewöhnlichen Studienobjekt zu erklären, auf die Gefahr hin, das übernatürliche Element zu töten, *" target="_blank" >festzuhalten, * Köpfe zu entmutigen, die sich nicht dazu durchringen können, ihre Vernunft zu opfern...". Es ist letztlich die Frage: Was steht zuoberst, die Vernunft oder die Offenbarung?

Dieses Dilemma ist real und hat gerade im 19. Jahrhundert viele Christen letztlich in den Unglauben geführt (z.B. Ernest Renan, Friedrich Engels, David Friedrich Strauß, Friedrich Nietzsche), aber wirkt heute nach wie vor (z.B. Gerd Lüdemann). Man kann davon ausgehen daß es umgekehrt auch Einige dazu gebracht hat, eine strengere evangelikale Haltung anzunehmen, die dem Dilemma in der anderen Richtung ausweicht, indem man Kritik an der Bibel gänzlich ablehnt (z.B. Eta Linnemann).

Relevanz für Religion und Religionskritik

Unstimmigkeiten bei Tatsachenbehauptungen
Widersprüche zwischen Aussagen der Bibel und Widersprüche zu Ergebnissen von naturwissenschaftlicher und historischer Forschung sind von unterschiedlicher Bedeutung, je nachdem, welches Verständnis der Bibel zugrunde gelegt wird.

Noch heute begreift ein großer Teil der evangelikalen Bewegung die Bibel als Geschichtsbuch und betont, dass „die Bibel absolut irrtumslos und unfehlbar“ sei (Johannes Vogel, Breckerfeld; in: idea-Pressedienst 46/004). Die „Chicago Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift“ von 1978, betont, „dass die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos und damit frei von Fehlern, Fälschungen oder Täuschungen ist“ (zitiert nach idea-Pressedienst 25/2003); dies umfasse auch naturwissenschaftliche Aussagen (Biblischer Fundamentalismus). – Diese Auffassung wird durch den kleinsten Widerspruch innerhalb der Bibel und durch den kleinsten Widerspruch zu Natur- und Geschichtswissenschaften in Frage gestellt. Bibelkritiker nehmen das zum Anlass, auf diese Widersprüche hinzuweisen.

Inzwischen sind jedoch viele Christen mehr oder weniger weit von der Vorstellung abgerückt, die Bibel sei ein Geschichtsbuch nach heutigen Maßstäben:

  • Weit verbreitet ist, auch unter Laien, die Auffassung, dass die Schöpfungsgeschichten sowie die Geschichten von der Sintflut und vom Turmbau zu Babel keine Tatsachenberichte seien, sondern Glaubensaussagen, eingekleidet in naturkundliche und mythologische Vorstellungen ihrer Entstehungszeit.
  • Teilweise wird diese Auffassung auf weitere Teile der Bibel ausgedehnt, z. B. auf die Geschichten von den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob. Teilweise wird für die Tatsachenbehauptungen der gesamten Bibel anerkannt, dass sich im Laufe der Überlieferung Ungenauigkeiten und Fehler eingeschlichen haben könnten.
  • Die Katholische Kirche lehrt: „* ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, dass sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Absatz 107). Dies kann so verstanden werden, dass Irrtumslosigkeit nur für Glaubensaussagen in Anspruch genommen wird, aber nicht unbedingt für naturwissenschaftliche und historische Tatsachenbehauptungen.
  • Einige Theologen, unter ihnen Rudolf Bultmann, befürworten eine weitgehende Entmythologisierung der Bibel. Sie erklären bestimmte Geschichten als Mythen, die nicht zur Überlieferung von Tatsachen bestimmt seien, sondern zur Verkündigung von Glaubensaussagen.

So sind die religiösen Überzeugungen vieler Christen heute kaum noch oder überhaupt nicht mehr mit dem Argument angreifbar, dass es innerhalb der Bibel Widersprüche gebe und/oder Widersprüche zwischen Bibel und Wissenschaft. Entsprechende Hinweise von Bibelkritikern sind deshalb keine Argumente der Religionskritik an den Vorstellungen aller Christen; sie sind Argumente der Religionskritik an den Vorstellungen von bestimmten Christen.

Kritik an ethischen Vorstellungen der Bibel
Bibelkritiker sehen bedeutsame Widersprüche zwischen ethischen Vorstellungen in der Bibel und ethischen Vorstellungen aus neuerer Zeit, wie sie z. B. in den Menschenrechten zum Ausdruck kommen. Die Diskussion darüber hat allerdings bisher nicht sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, verglichen mit den Auseinandersetzungen um den Tatsachengehalt der Bibel. Nichtsdestotrotz stehen ethische Auffassungen oft hinter der Bibelkritik. Dabei geht es im Grunde um die Frage, inwiefern die Bibel Grundlage für eine zeitgemäße Ethik sein kann (Theologische Ethik).

Bibelkritiker neigen oft dazu, ihre Ethik ohne Rückgriff auf die Bibel auf humanistischen Idealen zu gründen, und kritisieren dann ausgehend von dieser Position die ethischen Maßstäbe der Bibel. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, daß die Ethik keines religiösen Fundaments bedarf, und sich ethische Maßstäbe aus der Vernunft und/oder dem Sozialgefüge herleiten lassen. Auf der Grundlage dieser Maßstäbe wird biblische Ethik kritisierbar. Wer dagegen die Bibel als Grundlage der Ethik betrachtet hat keinen unabhängigen Maßstab, anhand dessen die biblische Ethik kritisiert werden könnte - die Bibel ist selbst der Maßstab. Hier kann man dann allenfalls die innere Konsistenz der biblischen Ethik untersuchen.

So ergeben sich zwei verschiedene Arten der Ethikkritik:

  • Kritik an der inneren Konsistenz der biblischen Ethik. Hier stellt sich insbesondere die Frage inwieweit die ethischen Aussagen des neuen Testaments mit denen des Alten Testaments im Widerspruch stehen. Um ein Beispiel zu nennen: Wie paßt die Aussage "Liebet eure Feinde" (Lukas 6,27ff) zur Aussage "du sollst an ihnen unbedingt den Bann vollstrecken" (5 Mose 20,16-17)?
  • Kritik an der Konsistenz der biblischen Ethik mit anderen Ethikansätzen, besonders derjenigen, die auf den Humanismus zurückgehen. Siehe dazu die Beispiele im Kapitel weiter unten.

Welche Bedeutung diese ethischen Widersprüche für die Religion haben – und damit für die Religionskritik – ist umstritten.

Gegenstand der Bibelkritik

Bibelkritik kann sich äußern:
  • als Kritik an der Bibel als Ganzes (z.B. an ihrem universellen Anspruch),
  • als Kritik an einzelnen Teilen (z.B. durch Feststellung und Deutung von Widersprüchen ihrer Autoren) oder an einzelnen ihrer Passagen,
  • als Kritik an den Aussagen einzelner Teile, beispielsweise moralischer oder historischer Art

Kritik an der Bibel als Ganzes


Kritikpunkte bezüglich Zuverlässigkeit, Kanonisierung und Übersetzung der Bibel

Zuverlässigkeit der Bibel

Teile des Alten Testaments sind viele hundert Jahre nach den ursprünglichen Ereignissen bzw. ersten mündlichen und schriftlichen Überlieferungen in ihre endgültige Fassung gebracht worden. Die Autoren sind zum größen Teil historisch nicht fassbar. Siehe auch Septuaginta, Masoretischer Text und Textgeschichte des Neuen Testaments.

Die Evangelien des Neuen Testaments, die Apostelgeschichte und die Offenbarung sind etwa 30 bis 70 Jahre nach dem Tod Jesu in ihre heutige Form gebracht worden. Dies schließt nicht aus, dass es schon früh neben einzelnen Briefen auch Sammlungen von Aussprüchen Jesu oder einen Passionsbericht in schriftlicher Form gegeben haben könnte.

Vorwürfe von Bibelkritikern bezüglich Zuverlässigkeit der Bibel lauten unter anderem:

  • Die alttestamentlichen Texte sind Mythen ohne historischen Hintergrund
  • Aufgrund der jahrzehntelangen mündlichen Überlieferung haben sich die Ereignisse durch Mythenbildung in der Erinnerung verändert, so erklären sich die Wunderberichte
  • Die Schilderung der neutestamentlichen Ereignisse viele Jahre nach dem Geschehen wurden in gewissem Ausmaß an die Erfordernisse der Situation angepasst
  • Moslems in Palästina sehen insbesondere die alttestamentlichen Berichte über Israel als unhistorisch an bis hin zu der Behauptung, die Juden hätten nie in Palästina gelebt (während einige sich auf die biblischen Philister zurückführen wollen)

Kanonisierung

Bei einigen Schriften gibt es unterschiedliche Traditionen bezüglich ihrer Zugehörigkeit zum Kanon. Bibelkritiker interpretieren das dahin, dass Menschen entscheiden würden, was Gottes Wort sei. Siehe hierzu Kanon des Alten Testaments und Kanon des Neuen Testaments.

Eine andere Richtung der Kritik des biblischen Kanons ist erst in den letzten Jahrzehnten aktuell geworden: der Vorwurf, dass gewisse Texte nicht in die Bibel aufgenommen wurden, um gnostische Lehren zu unterdrücken.

Eine spezifische Variante dieser Kritik ist die in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts von Shirley MacLaine verbreitete These, Kaiser Konstantin I. (oder der Papst) habe im vierten Jahrhundert sämtliche Stellen bezüglich Reinkarnation aus der Bibel streichen lassen - eine These, die weder von Historikern noch von Theologen als vertretbar angesehen wird.

Verschiedene Handschriften und Übersetzungen
Die Bücher der Bibel liegen unterschiedlichen Fassungen vor. Die Unterschiede kommen nicht nur durch unterschiedliche Übersetzungen zustande, sondern auch dadurch, dass die Texte in Handschriften mit verschiedenen Varianten überliefert wurden. Diese Varianten betreffen großenteils nur Details (Datierungen, Truppenstärken, Verwandtschaftsgrade etc.) oder nur die Wortwahl und grammatische Unterschiede. Viel seltener wurden Bücher mit zusätzlichen bzw. fehlenden Passagen überliefert.

Einige Christen betrachten die Bibel als das zuverlässige und verbindliche Wort Gottes. Nach Ansicht von Kritikern bleibt dabei die Frage, welche der unterschiedlichen Fassungen denn als dies zuverlässige und verbindliche Wort Gottes aufzufassen sei.

Die Bezeichnung der Bibel als Wort Gottes – gelehrt in der Katholischen wie in der Evangelischen Kirche – schließt die Auffassung nicht aus, dass die Bibel der Auslegung bedürfe.

Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es zwar in Absatz 104: „In der Heiligen Schrift findet die Kirche ständig ihre Nahrung und ihre Kraft DV 24., denn in ihr empfängt sie nicht nur ein menschliches Wort, sondern was die Heilige Schrift wirklich ist: das Wort Gottes l Thess 2,13..“ Absatz 100 zeigt jedoch, dass eine Auslegung nicht für überflüssig gehalten wird: „Die Aufgabe, das Wort Gottes verbindlich auszulegen, wurde einzig dem Lehramt der Kirche, dem Papst und den in Gemeinschaft mit ihm stehenden Bischöfen anvertraut.“

Martin Luther vertrat den Grundsatz Sola scriptura: Den Maßstab für die rechte Auslegung der Heiligen Schrift habe man in der Heiligen Schrift selbst zu suchen.

Moralische und Ethische Kritikpunkte

Zahlreiche Bibelkritiker lehnen die gesamte Bibel ab, weil ihrer Auffassung nach viele der v.a. im Alten Testament dargestellten Begebenheiten heutigen Moralvorstellungen widersprechen, wie den Menschenrechten und dem Ideal der Toleranz.

Von der anderen Seite wird darauf hingewiesen, in der Regel seien das die besonders rigorosen Texte, die in Zeiten besonderer Bedrohung entstanden und als Durchhaltetexte dienten. Außerdem wird versucht, mit Hilfe historisch-kritischer Analysen die hermeneutisch korrekten Kernaussagen der Texte herauszufiltern.

Umstritten ist, ob oder inwieweit Moralvorstellungen aus unserer Gegenwart auf historische Dokumente angewendet werden dürfen, die aus einem fremden sozio-kulturellen und historischen Kontext stammen. Diese Frage ist insbesondere auch deswegen schwierig, weil die Bibel einerseits als Quelle und Grundlage für Moral angesehen wird, andererseits die Meisten bei der Übernahme moralischer Standards aus der Bibel eine gewisse Auswahl treffen, indem sie biblische Moralvorschriften einteilen in solche, die heute noch gelten, und solche die auf unsere Zeit und unseren Kontext nicht mehr anwendbar sind. Man kann argumentieren daß eine solche Auswahl letztlich darauf hinaus läuft daß sich der so Auswählende über die Bibel setzt, weil er (außerbiblische) Auswahlkriterien voraussetzt, die noch vor bzw. über der Bibel stehen.

Religiöse Intoleranz im neuen und alten Testament
Schon im ersten der zehn Gebote (2. Mose 20,5) wird Gott von Bibelkritikern als eifersüchtiger und rachsüchtiger Gott verstanden. Im ganzen Alten Testament gibt es zahlreiche Beispiele, in denen Gott die Bestrafung oder Ausrottung von Andersgläubigen und deren Kult fordert, veranlasst oder gutheißt (z.B. 2. Mose 34,11ff; 5. Mose 9).

Dass im Alten Testament auch andere Gottesbilder vermittelt werden oder die Gründe vieler Aussagen im "Reinhalten" des Monotheismus liegen könnten, wird bei dieser Kritik nur wenig berücksichtigt.

Das findet seine Fortsetzung im Neuen Testament, wenn der ansonsten als sanftmütig dargestellte Jesus nach Ansicht von Bibelkritikern religiöse Intoleranz predigt oder praktiziert (z.B. Mt 15,21-28; Mk 16,16). In diesem Sinn werden auch Aussagen von Paulus interpretiert, z.B. wenn er hinsichtlich Roms vom Zorn Gottes spricht (Römerbrief 1,18ff).

Bei solchen Bibelstellen - die aus gläubiger Sicht eher als "kantig" interpretiert werden - unterscheidet sich die Bibelkritik bei verschiedenen Motivationen (s. oben, 1.1) und Herangehensweisen stark.

Es kommt vor, dass Christen die Auffassung vertreten, dass Toleranz die falsche Haltung gewesen wäre gegenüber Religionen, die Menschenopfer fordern, und dass der gewaltsame Kampf der Israeliten gegen diese Religionen deshalb gerechtfertigt gewesen sei. Kritiker hingegen sehen das Ausmaß der Gewalt, das auf diese Weise gerechtfertigt werden könnte, in vielen Fällen bei weitem überschritten, z. B. beim Einmarsch in das „Land der Verheißung“, wo die Israeliten in einer Stadt nach der anderen die gesamte Bevölkerung getötet haben sollen (Josua, ab Kapitel 6). Diese Berichte mögen von Historikern als nicht authentisch angesehen und als nationalpoetische Überhöhung betrachtet werden – dennoch werfen sie ein Licht auf den Charakter der Kultur, in der diese Texte verfasst und in heilige Schriften aufgenommen wurden. Es war offensichtlich eine Kultur, in der Angriffskrieg und Völkermord als gottgewollt und damit als „gerechtfertigt“ angesehen wurden. Bibelkritiker sprechen einem Buch, das an vielen Stellen von einer solchen Kultur geprägt ist, die Eignung ab, als sittliche Autorität zu gelten.

Gewalt in der Bibel

Die Schilderung exzessiver Gewaltanwendungen z.B. Kriege zwischen Israel und anderen Völkern, und moralischer Abweichungen nehmen im Alten Testament viel Raum ein. Erstere werden zum Teil als von Gott gebilligt, gewünscht oder angewandt beschrieben. Eroberungskriege einschließlich damit einhergehendem Völkermord werden von Gott angeordnet (z.B. 4. Mose 31; 5. Mose 7; 5. Mose 20,10ff). Auch einige Praktiken der Entsühnung sind für uns heute nur schwer verständlich.

Meutereien, religiöse oder sexuelle Abweichungen, oder Aufsässigkeit werden bisweilen drakonisch - auch mit dem Tod - bestraft (2. Mose 22,17-22; 2. Mose 32,25ff; 5. Mose 13,7ff; 5. Mose 21;18ff). Nicht selten gerät der Alttestamentarische Gott in Zorn, weil seine Anhänger zu zaghaft vorgehen, und ermahnt sie, kein Mitleid bei der Bestrafung walten zu lassen (z.B. 5. Mose 25,12).

Gerechtigkeit
Der Begriff Gerechtigkeit hat in der Bibel häufig eine andere Bedeutung als im heutigen Sprachgebrauch. So wird Gott in vielen Passagen als gerecht gepriesen (z.B. 5. Mose 32,4; Nehemia 9,33), was dadurch nicht angefochten wird, dass Gott viele Taten verlangt oder begeht, die aus heutiger Sicht als ungerecht angesehen werden (z.B. Buch Ijob). Die so definierte Gerechtigkeit hat andere Ziele als Toleranz oder Langmut, die strenge Bestrafung oder gar Vernichtung Andersgläubiger wird als gerecht empfunden (z.B. Psalm 129,4).

Ein von Gott verhängtes Unglück oder eine Strafe wird als gerechte Strafe, vor allem für Gottlosigkeit, dargestellt (z.B. Daniel 9). Der erste Mord führt zum Fluch der Heimatlosigkeit (1. Mose 4,11f). Oft trifft die Strafe ein ganzes Volk, beim Bericht von der Sintflut (1. Mose 7) sogar nahezu die ganze Menschheit – also auch Unschuldige, z. B. Säuglinge.

In 2. Chronik 12 wird erzählt, wie demütige Umkehr bewirkt habe, dass Gottes Zorn besänftigt worden sei und die „Strafe“ abgemildert worden sei.

Widersprüchlich dazu erscheint das Gottesbild von (1. Mose 18, 23-32), wo Gott wegen der Anzahl "Gerechter" in Sodom mit sich handeln lässt. Doch für Vergehen des Pharao büßt dessen ganzes Volk (2. Mose 7-12). Für Sünden und Hass der Väter haben auch noch Nachkommen zu büßen (z.B. 5. Mose 5,9). Die Gleichheit aller vor dem Gesetz wird im Alten Testament zwar gefordert und ist heute eines der Grundrechte. Im Alten Testament ist es aber oft anderen Prinzipien nachgeordnet, so gibt es z.B. unterschiedliche Rechte für Angehörige des Gottesvolkes Israel gegenüber "Ausländern / Fremdlingen". Männer haben andere Rechte als Frauen, Sklaven andere als Freie etc.

Zorn, Fluch, Verdammung gegen Liebe, Segen, Errettung

Die Bibel betont in Bezug auf das Verhältnis des Menschen zu Gott, dass es nur ein Entweder-oder gibt. Ein abwägendes Sowohl-als-auch gibt es in diesem Bereich demnach nicht, während es in anderen Bereichen durchaus empfohlen wird, eine Sache von mehreren Seiten zu betrachten. Gott selbst kennt Liebe und Zorn, den er bisweilen bereut. Freude bereitet im Himmel jeder reuige Sünder. An einigen Bibelstellen lacht Gott über die Frevler (Psalm 37,13; Psalm 59,9). Von Jesus' Lachen wird nicht berichtet, doch ist es bei Feiern und Kanas Wein anzunehmen.

Wenn ein Mensch Gott erzürnt, kann seine Umkehr eine Strafe abmildern oder aufheben, wobei nach heutiger Vorstellung auch diese noch streng sein kann (z.B. 2. Mose 32.9ff; 1. Chr 21). In diesem Zusammenhang ist die archaische Vorstellung zu sehen, dass man Gott durch ein Opfer (z.B. Tieropfer) besänftigen und eine Schuld tilgen kann (1. Mose 22; 4. Mose 6,14). Seine Kulmination wäre der Tod von Jesus, dem Opfer-Lamm Gottes (Johannesevangelim 1,29; 1. Petrusbrief 1,18f). Doch gibt es auch andere Deutungen. Siehe auch Psalm 40,7: „Opfer und Brandopfer gefallen dir nicht; aber die Ohren hast du mir aufgetan“.

Der Mensch ist verderblichen Einflüssen ausgesetzt und benötigt daher zu seiner Errettung den Segen und die Liebe Gottes. Ihm vertrauen bedeutet Schutz und Zuversicht (Psalm 23, Psalm 18,31). Der Gegensatz zwischen dem Gottlosen, der sich selbst schadet, und dem Gläubigen, der errettet ist, wird auch von Jesus betont (Mk 16,16). Dieses Gegensatzpaar hat durch alle Zeiten hindurch einen starken Einfluss auf Menschen gehabt. Für Martin Luther z.B. war dies eine Grundmotiv seines Glaubens. Der starke Einfluss verwundert nicht, bringt einen doch die Empfindung des Gegensatzes dazu, sich eher für eine Seite zu entscheiden.

Einem Fluch zwischen Menschen wird in biblischen Zeiten offensichtlich große Wirkung (Verderben, Unglück und Leid) beigemessen. So erklärt sich die Häufigkeit, mit der das Wort gebraucht wird, und auch sein Vorkommen in der Gesetzgebung (z.B. 2.Mos 21,17; 3.Mos 24,14f; 5.Mos 27,13ff; Jos 8,34). Demgegenüber spricht die Bibel von Segen, der Nachkommenschaft, Wohlstand, und Glück bringt (z.B. 1. Mose 12,2; Psalm 37,22). Jesus bedient sich der gleichen Motivation (Mt 25,41; 1.Pet 3,9), und einmal verflucht er einen fruchtlosen Feigenbaum (Mk 11,13f). In 11,20f stellt er dem die positive Kraft des Gebets gegenüber.

Sünde, Opfer, Sühne und Buße

Der Begriff der Sünde und die Konsequenzen für den Menschen sind durch die ganze Bibel hindurch zentrale Themen, die auch profunde Auswirkungen auf die auf der Bibel basierenden Religionen und Bekenntnisse hatte. Sowohl die Behandlung des Themas in der Bibel als auch die religiösen und gesellschaftlichen Auswirkungen sind daher ebenfalls Gegenstand der Bibelkritik. Die unten aufgeführten Kritikpunkte betreffen weniger den biblischen Text selbst als theologische Ableitungen daraus in der westlichen/katholischen Tradition, die nicht von allen christlichen Kirchen (und auch nicht von allen heutigen katholischen Katholiken) geteilt werden.

Die christlich-biblische Position: Sünde wird sowohl als Tat als auch als Zustand und Schicksal verstanden. Die Bibel geht davon aus daß der Mensch seiner Natur nach sündig ist, dies letztlich als Folge seiner Vertreibung aus dem Paradies, bzw. der Erbsünde, und er daher einerseits nach einem sündefreien Leben streben kann und soll, andererseits das Erreichen dieses Ziels zu seinen Lebzeiten aussichtslos ist. Er wird daher zwangsläufig Sünden begehen, für die er nach seinem Tode, am jüngsten Tag, zur Rechenschaft gezogen werden wird, und für die er ggf. zu büßen hat (Hölle, Fegefeuer), sofern ihm nicht die Gnade Gottes zuteil wird, die ihm davon Erlösung gewähren kann. Um diese Erlösung zu erlangen und schon zu Lebzeiten Gott günstig zu stimmen, kann und soll der Gläubige neben seinem Bestreben, ein sündefreies und frommes Leben zu führen, für seine Sünden Buße tun. Für Christen erheblich wichtiger ist aber, daß Christus durch sein Opfer (seinen Tod am Kreuz als Opferlamm) stellvertretend die Sünden der Menschheit gesühnt hat. (siehe z.B. Römer 5,18ff)

Das auf Anselm von Canterbury zurückzuführende Konzept der stellvertretenden Sühne hat auch innerhalb des Christentums zahlreiche Kritiker, darunter z.B. Benedikt XVI. in seinem Buch EInführung in das Christentum.

Bibelkritiker finden daran u.A. Folgendes kritikwürdig:

  • Die Unausweichlichkeit der Sünde platziert den Menschen in eine Situation, in der er unausweichlich von der göttlichen Erlösung abhängig ist. So erzeuge die Bibel die Notlage selbst, für die sie sodann die Lösung anbiete. In den Augen der Kritiker existiert die Notlage aber nicht wirklich, sondern wird den Gläubigen über das biblische Konzept der Sünde erst eingeredet, wobei das oftmals schon im besonders suggestiblen Kindesalter geschieht. Dadurch, daß die religiösen Autoritäten mit Hilfe der Bibel sowohl festlegten, was Sünde sei, als auch die einzige Möglichkeit der Erlösung anböten, so argumentieren sie, würden sie die Gläubigen in einer emotionalen Abhängigkeit halten, die letztlich als ein Instrument der Kontrolle und Herrschaft eingesetzt werden könne.
  • Die Vorstellung, man könne durch ein Opfer, gar ein Menschenopfer, einen Gott gnädig stimmen, und so seine eigenen Interessen befördern, wird als archaisch abgelehnt.
  • Die Vorstellung, ein liebender Vater-Gott könne seinen eigenen Sohn der Folterung und Hinrichtung ausliefern wird als absurd abgelehnt - auch wenn dieser danach aufersteht. Es wird auch nicht akzeptiert daß damit ein Erlösungseffekt verbunden sein soll, zumal ein allmächtiger Gott ja sicher auch unblutigere Mittel zur Erlösung hätte finden können.
  • Gott hätte die Menschen von vorn herein so schaffen können daß sie der Sühne durch ein solches Opfer überhaupt nicht bedurft hätten.
  • Es sei auch inkonsequent, den Menschen durch das Opfer des Gottes-Sohnes die Erlösung vorab pauschal zu gewähren, und andererseits dennoch von ihnen das fromme und nicht-sündige Leben abzuverlangen, das im Prinzip das Alte Testament auch schon vor Christi Kreuzigung forderte. Es sei der Vorteil nicht zu erkennen, der sich aus dem Kreuzestod ergebe, nachdem die abschließende Bewertung ja ohnehin erst am jüngsten Tag erfolge.
  • Mit Hinweis auf das stellvertretende Leiden Christi werde dem Gläubigen angesichts seiner eigenen unausweichlichen Sündhaftigkeit ein Schuldkomplex eingeimpft, der ihn nicht selten das ganze Leben hindurch begleite, und seine psychologische Entfaltung behindere.

Patriarchat und Unterdrückung der Frau

Die Frau wird in der Bibel über weite Strecken dem Mann untergeordnet dargestellt, was insb. aus der Formung der Frau aus Adams Rippe (1. Mose 2,18ff) abgeleitet wird, eine Darstellung die einige als Umkehrung der biologischen Verhältnisse auffassen, obwohl der biblische Bericht aus clone-technischer Sicht im Gegensatz zur umgekehrten Reihenfolge prinzipiell möglich ist. Manche deuten dies aber auch als Verbundenheit zwischen Mann und Frau. Stammbäume werden über die männliche Linie angegeben, die Frauen spielen dabei wenig Rolle (z.B. 1.Chr 1-9). Ein Mann kann im Alten Testament mehrere Frauen und Nebenfrauen haben, aber nicht umgekehrt (5.Mos 21,15f; 5.Mos 25,5ff). Eine Frau ist nach der Geburt einer Tochter doppelt so lange unrein wie nach einem Sohn (3.Mos 12). Frauen werden als schwächer und unzuverlässiger dargestellt, Verräter sind oft weiblich (Nah 3,13; Jos 2; Ri 16). Der mindere Wert der Frau wird z.B. auch auf drastische Weise in der Geschichte der Greueltat der Benjaminiter von Gibea vorgeführt (Ri 19), wo eine Nebenfrau von ihrem Mann einer Gruppe von Männern zur Vergewaltigung überlassen wird, nachdem diese mit der Vergewaltigung seiner Gäste drohten. Dies schildert die Bibel allerdings als Skandal, der zu einem Krieg führte.

Andererseits stehen Frauen mehrfach als positive Heldinnen im Mittelpunkt des Geschehens, so z.B. Debora, Ruth und Ester.

Jesus zeigt Frauen gegenüber mehr Milde und Offenheit (Joh 8,3ff, Joh 4,7-29). Zudem beschneidet er die Rechte der Männer (z.B. Mt 5,27f; Mt 5,31f; Mt 19,3ff), was darauf hindeutet, dass sie ihre Rechte zu freizügig ausgenutzt hatten. Jesus hatte - vermutlich auch aus diesem Grund - besonders viele Frauen unter seinen Anhängern.

Paulus betont dann wieder eine traditionellere Sichtweise (1.Kor 11,7-12; 1.Kor 14,33ff; auch Petrus 1.Pet 3,1-7). Es wird hier deutlich, dass Paulus die Schöpfungsgeschichte bewusst patriarchalisch auslegt.

Kritik an der erzählerischen Perspektive

Der überwiegend begrenzte Fokus der alttestamentlichen Erzählungen auf Einzelpersonen, das Volk Israel und dessen politische und militärische Verwicklungen sowie die Beschränkung auf die Region des heutigen Nahen Ostens passt nach Auffassung von Bibelkritikern schlecht zum Anspruch auf universelle Gültigkeit und göttliche Inspiration der Bibel.

So werde auf der einen Seite Gott als Erschaffer, Herrscher und Richter der ganzen Welt angesehen, auf der anderen Seite habe er und sein Volk sich im Alten Testament ständig anderer Völker und ihrer Götter bzw. Götzen zu erwehren. Dies sei ein Gott, der zwar die Welt erschaffen habe, dessen Anhängerschaft sich aber auf ein paar Quadratkilometer am toten Meer zusammendränge, von feindlichen Völkern umzingelt und zeitweise beherrscht bzw. sogar versklavt und deportiert. Aus der Perspektive des damaligen jüdischen Volkes sei dies einleuchtend, und habe zum Zusammenhalt und Überleben des Volkes sicher wesentlich beigetragen, aber aus einer globalen Perspektive wirke dies absurd.

Kritik an einzelnen Bibelpassagen


Genesis

Schöpfungsgeschichte

Die Bibel enthält zwei Schöpfungsberichte, die in unterschiedlichem Maße den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entstehung des Universums und der Erde zu widersprechen scheinen, und jeweils zueinander auf der Erzählebene in Widerspruch stehen. Am auffälligsten sind Unterschiede in der Reihenfolge, in der die einzelnen Schöpfungselemente entstanden sein sollen. So erscheint im ersten Schöpfungsbericht (1. Mose 1,1-2,4a) der Mensch als letztes, während im zweiten Schöpfungsbericht (1. Mose 2,4b-25) zunächst die Erschaffung des Menschen berichtet wird, danach die der andern Lebewesen.

Die historisch-kritische Bibelforschung erklärt dies damit, dass die beiden Berichte von unterschiedlichen Autoren und aus unterschiedlichen Epochen stammten, und erst spät in einer Schlussredaktion ohne Rücksicht auf die Widersprüche zusammengefügt wurden. Der erste Schöpfungsbericht entstamme der Priesterschrift und sei etwa im 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden, während der zweite Bericht dem Jahwisten zuzuordnen sei. Detailfragen der Datierung sind durch neuere Forschungsergebnisse allerdings in Frage gestellt worden.

Die Unterschiede zwischen den beiden Schöpfungsberichten und die Widersprüche zwischen den biblischen Geschichten und den Ergebnissen naturwissenschaftlicher Forschung sind Argumente der Kritik gegen die Auffassung, die Schöpfungsgeschichten seien 100%ig wahre naturkundliche Tatsachenberichte. Gerade die Schöpfungsgeschichten – und die Geschichten von der Arche Noah – gehören jedoch zu denjenigen Geschichten der Bibel, bei denen sich auch unter Laien die Auffassung weit verbreitet hat, dass es sich nicht um naturkundliche Tatsachenberichte handle, sondern um Glaubensaussagen, eingekleidet in naturkundliche Vorstellungen ihrer Entstehungszeit. Folglich sind die genannten Unterschiede und Widersprüche für viele Christen ohne Bedeutung für ihren Glauben.

= Erster Schöpfungsbericht
= Die erste Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1,1 bis 2,4a) steht im Widerspruch zu naturwissenschaftlichen Theorien über die Entstehung des Universums, der Erde und der Lebewesen auf der Erde, einschließlich des Menschen. Die weithin anerkannten, wenn auch nicht unumstrittenen wissenschaftlichen Theorien dazu sind z.B. die Theorie vom Urknall und von der Entstehung der Galaxien, Sonnensysteme und Planeten einschließlich der Erde, und die Theorie von der Evolution. Siehe dazu auch Erdgeschichte, Geologie und Paläontologie.

Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel dagegen lässt Gott das Licht, die Erde, Pflanzen, Tiere und den Menschen in sechs Tagen erschaffen, mit einem folgenden siebten Tag der Ruhe. Wenn man diese Schilderung wörtlich nimmt entstehen daraus eine Reihe von Kritikpunkten der Bibelkritiker:

  • Die Dauer der Schöpfungsphase von 7 Tagen widerspricht den wissenschaftlichen Erkenntnissen dramatisch. Vom Urknall bis zur Entstehung des Menschen sind nach naturwissenschaftlichen Erkenntnissen in etwa 15 Milliarden Jahre vergangen (wobei noch einige Unsicherheit verbleibt), und sogar von der Entstehung der Erde ab gerechnet sind es noch mehr als 4 Milliarden Jahre.
  • Himmel und Erde (Letztere einschließlich "den Wassern") wurden vor dem Licht geschaffen. Das stimmt wohl noch nicht einmal wenn man das Entstehen des Lichts mit der "Entzündung" der Sonne identifiziert, und schon gar nicht wenn man es mit dem Urknall in Verbindung bringt.
  • Das Licht wurde laut Schöpfungsbericht vor der Sonne geschaffen (weswegen Einige die Schöpfung des Lichts mit dem Urknall in Zusammenhang bringen). Zugleich markiert dies auch den Beginn des Wechsels zwischen Tag und Nacht, also der (irdischen) Zeitrechnung, was wiederum nicht ohne weiteres zum Urknall paßt, und eher für die Identifikation des Lichts mit der Sonne spricht.
  • Die Teilung "der Wasser" in einen Teil "oberhalb der Wölbung" und einen "unterhalb der Wölbung" ist eine Beschreibung eines Weltbildes, das dem klassischen, in Mesopotamien in der Antike verbreiteten Weltbild mit der Erde als flache Scheibe, an allen Seiten umgeben von Wasser, entspricht. Die Wölbung ist dabei als die "Luftblase" zu verstehen, die die oberen Wasser von den unteren Wassern trennt. Regen kann man so als eine Art "Undichtigkeit" auffassen, durch die Wasser von den oberen Wassern auf die Erde herabtropft. Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es Gruppierungen, die auf die Bibel gestützt ein solches Weltbild propagierten (Flat Earth Society). Daß ein solches Weltbild heute völlig unhaltbar ist sollte keiner Erwähnung bedürfen.
  • Die Entstehung der Pflanzen erfolgt in der Schöpfungsgeschichte vor der Schöpfung der Gestirne, einschließlich der Sonne. Hier erkennt man erneut, daß die Sonne und andere Gestirne nicht als Quelle des Lichts angesehen wurden. In der Tat hielt sich bis in die Zeit der Aufklärung die Vorstellung, die Gestirne seien nicht die Quelle des Lichts, sondern eher eine Art von Lichtförderer. Die tägliche Erfahrung zeigt ja auch daß das Licht nicht bloß von der Sonne zu kommen scheint, sondern es ist der ganze "Himmel" mehr oder weniger hell, selbst wenn die Sonne (bei Bewölkung) gar nicht sichtbar ist. So wird verständlich daß für das Vorhandensein von Licht und für den Wechsel von Tag und Nacht die Sonne nicht als entscheidend angesehen wurde, und Pflanzen die Sonne zu ihrem Gedeihen nicht zu brauchen schienen. Entsprechend heißt es in der Schöpfungsgeschichte auch daß die beiden größten Gestirne (Sonne und Mond) "zur Beherrschung" von Tag und Nacht gemacht wären - und eben nicht zur Beleuchtung.
  • Auch die Reihenfolge der Erschaffung der Tierarten stimmt mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht überein. Die Schöpfungsgeschichte läßt die Wassertiere und die Vögel an einem Tag entstehen, und die auf der Erde lebenden Tiere am nächsten Tag. Der Stand der heutigen Wissenschaft läßt dagegen die erdbewohnenden Tiere aus den Wassertieren, und daraus dann die Vögel entstehen. Einige Wassertiere wie z.B. die Meeressäugetiere (die mit den Seeungeheuern der Schöpfungsgeschichte identifiziert werden) stammen ebenfalls von erdbewohnenden Tieren ab.

Solche Widersprüche zwischen Schöpfungsgeschichte und Wissenschaft haben die mannigfaltigsten Versuche hervorgebracht, beide in Einklang miteinander zu bringen. An konsequentesten ist dabei die Ansicht, bei der Schöpfungsgeschichte handle es sich nicht um eine historische Erzählung mit dem Anspruch faktischer Korrektheit, sondern um einen vom Zeitgeist gefärbten Mythos, dessen Kernaussage von der Wissenschaft letztlich unberührt bleibt, nämlich daß Gott letztlich "hinter" aller Schöpfung steht, wie immer sie auch konkret vor sich gegangen sein mag.

=Zweiter Schöpfungsbericht
=

Der Mythos vom Garten Eden (1. Mos 2,4b-25) gibt eine völlig andere Version der Schöpfungsgeschichte wieder: zunächst wird der männliche Mensch aus Lehm erschaffen, danach werden Pflanzen geschaffen, dann die Tiere, und schließlich der weibliche Mensch (Eva) aus der Rippe des Mannes (Adam). Im oben beschriebenen 1. Schöpfungsbericht werden dagegen beide miteinander erschaffen. Im weiteren Verlauf der Geschichte (1. Mose 3) kommt es zum Sündenfall, weil die Menschen Gottes Gebote missachten.

Eine Übereinstimmung mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entstehung der Arten ist bei diesem Schöpfungsbericht überhaupt nicht zu erkennen; der Mythos ist allein theologisch begreifbar: durch Gott wird das Gute geschaffen, das Böse hingegen kommt in die Welt, weil der Mensch sich nicht an Gottes Ordnung hält.

Kritikpunkte dabei sind:

  • Die Erschaffung Evas aus Adams Rippe, wodurch das Patriarchat gerechtfertigt werden kann. (Andere sehen darin lediglich einen Ausdruck der Verbundenheit zwischen Mann und Frau)
  • Der Sündenfall, bei dem Adam seine Frau verantwortlich macht, was ebenfalls der Rechtfertigung des Patriarchats sowie der Geburtsschmerzen dienen kann.
  • Das "Essen vom Baum der Erkenntnis", also das Streben nach Erkenntnis, die wissenschaftliche Neugier, wird als Ursache für die Vertreibung aus dem Paradies dargestellt, folglich als Ursache für die Mühsal, das Leiden und den Tod der Menschen.

Noach und die Sintflut
In der Geschichte von der Sintflut (1. Mose 6-8) sehen Bibelkritiker ein Beispiel dafür, wie im Alten Testament die Sippenhaftung als selbstverständlich gelte. Gott ist darüber betrübt, dass die Menschheit, seine Schöpfung, der Bosheit verfallen ist und beschließt, sie auszurotten (1. Mose 6,5-7). Bibelkritiker interpretieren diese Situation als Konstruktionsfehler, der Gott anzulasten sei. Die Bibel berichtet, wie Gott nicht nur die gesamte Menschheit - außer Noach und seiner Familie - ausrottet, was auch Unschuldige wie z.B. Säuglinge mit einschließe, sondern darüber hinaus auch die gesamte an Land lebende Tierwelt, außer den Exemplaren, die Noach in die Arche rettet. Sie fragen sich, ob Gott nicht "etwas zielgenauer" hätte vorgehen können.

Bibelkritiker monieren, dass die Operation nicht den Erfolg hatte, den sie erwartet hätten, denn wie sich im weiteren Verlauf der Bibel zeigt, ist auch danach an Bosheit kein Mangel, und es bieten sich weitere Anlässe zu summarischen Strafaktionen.

Historiker sehen in dem Bericht eine mythische Verarbeitung einer tatsächlich stattgefundenen Naturkatastrophe, die auch in den Mythen anderer Völker überliefert wurde.

Lot und der Untergang von Sodom und Gomorra
Sodom und Gomorra werden wegen der Sünden seiner Bewohner (wegen der hiernach benannten Sodomie) von Gott vernichtet, nur Lot mit seiner Familie entgeht dem Tod (1.Mos 19). Zuvor verhandelt noch Abraham mit Gott, um das Unheil abzuwenden (1. Mose 18,16ff), scheitert aber mangels genügend Gerechter in Sodom. Auch hier gilt wieder die Sippenhaftung, obwohl in diesem Fall angegeben wird, dass sich alle vom Knaben bis zum Greis an der Sodomie beteiligten (1. Mose 19,4). Lots Frau stirbt auf der Flucht allein deswegen, weil sie sich umsieht, gegen die ausdrückliche Anweisung Gottes.

Lot, der einzige Gerechte von Sodom, schwängert danach betrunken seine beiden Töchter. Dass weder Lot noch seine Töchter dafür bestraft werden, zeigt wie kulant Gott in diesem Fall ist. Indirekt wird dabei klar, als wie schlimm die Vergehen der Sodomiter angesehen worden sein müssen, die ihnen die Vernichtung eingebracht haben.

Exodus

Die zehn Gebote
Bei den zehn Geboten, (2. Buch Mose 20), einer Grundlage christlicher Moral, fällt z.B. auf, dass die ersten drei Gebote, die sich um religiöse Vorschriften drehen, besonders ausführlich formuliert sind, während die Übrigen eher knapp gehalten sind. Wenn man vom Umfang auf die Bedeutung schließen kann, dann sind offensichtlich die Gebote zur Ausschließlichkeit des christlichen Gottes und zu seiner Verehrung die wichtigsten. Das oft zitierte fünfte Gebot "Du sollst nicht töten" – "Du sollst nicht morden" laut Einheitsübersetzung – gehört demgegenüber mit den anderen "kriminellen" Geboten zu den knappsten. Im Zusammenhang mit weiteren Bibelstellen drängt sich die Vermutung auf, dass diese mit einem Körnchen Salz zu nehmen sind. So lässt zum Beispiel Moses kurz nach dem Empfang der Gebotstafeln eine Meuterei in seinem Lager - offensichtlich mit Billigung Gottes - blutig niederschlagen (2. Mose 32).

1. und 2. Buch Samuel

Das 1. Buch Samuel und das 2. Buch Samuel bildeten ursprünglich ein Buch im Alten Testament; erst bei der Übersetzung ins Griechische wurde es in zwei Bücher geteilt. In diesem Buch sind Texte aus verschiedenen Quellen zusammengefasst, sodass sich auch einzelne Widersprüche finden. Beispielsweise wird an zwei Stellen von der Tötung eines als riesig beschriebenen Kriegers namens Goliath aus Gath berichtet: In 1. Samuel 17, 4-51 wird die bekannte Geschichte des Kampfes zwischen David und Goliath erzählt, nach Vers 50-51 tötete David den Goliath; in 2. Samuel 21, 19 hingegen heißt es, jemand namens Elhanan habe Goliath aus Gath erschlagen.

Das Buch Ijob (auch: Hiob)

Das ganze Buch (Hi) beschreibt eine Art Wette zwischen Gott und dem Satan. Ijob wird mit allerlei Widrigkeiten geschlagen, um seine Glaubensfestigkeit zu testen. Er ist schließlich so weit, sich über Gott zu beklagen, sieht aber seinen Fehler ein und nimmt die Klage zurück. Er wird dann von Gott für seine Standhaftigkeit belohnt und besser gestellt, als er vorher war.

Die Geschichte hat auf der einen Seite das Potenzial des Trostes für Menschen, die sich vom Leben betrogen fühlen. Kritiker meinen jedoch darin, das üble 'Spiel' zu sehen, das Gott und Satan mit dem unschuldigen Mann treiben.

Die Psalmen (Ps)

Etliche der Psalmen haben die Bitte an Gott um Unterstützung gegen Feinde zum Thema. Das Wort "Feind" kommt in verschiedenen Kontexten bei 60 von 150 Psalmen vor. Dabei kommt es gelegentlich zu verbalen Exzessen mit hasserfülltem und grausamem Inhalt (z.B. Ps 109, Ps 137). Viele solche Psalmen stammen von David. Dabei hat David nach vielen Bibelstellen Gottes Wohlwollen genossen.

Evangelien

Siehe hierzu auch: Auferstehung Jesu Christi, Jesus Christus im Neuen Testament, Spekulative Theorien über Jesus von Nazaret und Leben-Jesu-Forschung

Geburt, Herkunft und Abstammung Jesu
Die Angaben der Evangelien über die Herkunft der Eltern Jesu stimmen anscheinend nicht miteinander überein. Im Markusevangelium erfährt man, Jesus stamme aus Nazareth in Galiläa (Mk 1,9). Bei Matthäus wohnen Maria und Josef in Betlehem, und ziehen dann nach der Geburt Jesu nach Nazareth. Lukas läßt die Familie dagegen zur Schätzung von Nazareth nach Bethlehem ziehen. Auch die Chronologie ist nicht mit den historischen Fakten in Einklang zu bringen. So soll der bei Lukas genannte Grund für die noch vor Jesu Geburt angetretenen Reise nach Bethlehem die von Statthalter Quirinius angeordnete Schätzung gewesen sein. Eine von Publius Sulpicius Quirinius im Jahr 6 n. Chr. in Judäa und Samaria veranstaltete Volkszählung ist bekannt, sie betraf aber nicht Galiläa. Matthäus schreibt demgegenüber daß Herodes zur Zeit von Jesu Geburt noch lebte und die Familie vor einer von ihm angeordneten Kindertötung nach Ägypten floh, und erst nach seinem Tod nach Nazareth zog. Herodes starb aber im Jahr 4 v. Chr., lange bevor Quirinius Statthalter in Syrien wurde. Die Zeit der Geburt Jesu ist demnach nicht mit Sicherheit zu bestimmen, die Evangelisten scheinen einige historische Ereignisse miteinander zu vermischen, die zu unterschiedlichen Zeiten stattgefunden haben, auf ihre Erzählung wäre demnach in historischer Hinsicht kein Verlaß.

Das Matthäusevangelium (Mt) beginnt mit der Stammlinie Jesu (Mt 1). Das entspricht zwar den patriarchalischen Vorstellungen der Zeit, und es soll offenbar Jesus' Legitimation als von König David abstammend demonstrieren, aber dadurch entsteht ein Konflikt zur Vorstellung der jungfräulichen Geburt Jesu. Wenn Maria vom Heiligen Geist empfangen haben sollte, dann kann ihr Mann Josef nichts damit zu tun gehabt haben - die über ihn laufende Linie wäre damit irrelevant.

Direkt nach der Aufzählung der männlichen Ahnen (Mt 1,18ff) wird deutlich, dass Josef zunächst Betrug witterte, dann aber von einem Engel dazu gebracht wurde, Maria nicht zu verlassen. Ein unvoreingenommener Leser könnte annehmen, dass Josef einen Seitensprung Marias nach anfänglicher Verärgerung schließlich nachgesehen hat und sich dazu entschlossen hat, das Kind als sein eigenes auszugeben. Das scheint sich auch bewährt zu haben: Wie man z.B. aus Mt 12,46f erfährt, hatte Jesus später Geschwister. Josef verschwindet demgegenüber recht schnell aus dem Blickfeld, es scheint fast, als hätte er mit der Zurverfügungstellung seiner Stammlinie seine Schuldigkeit getan.

Auch das Lukasevangelium (Lk) enthält eine Stammlinie Jesu (Lk 3,23ff). Dort heißt es über Jesus: „Man hielt ihn für den Sohn Josefs.“ Das passt zu der Angabe im Matthäusevangelium, nach der Josef der Mann von Jesu Mutter Maria war, relativiert aber auch die Bedeutung der Stammlinie im Hinblick auf Jesu' direkte göttliche Abstammung.

Beide Stammbäume stimmen in einer Reihe von weiteren Punkten überein, z. B. darin, dass König David und sein Vater Isai vorkommen.

Es gibt jedoch auch erhebliche Unterschiede: Nach dem Lukasevangelium soll Jesus – oder eigentlich Josef – von Davids Sohn Natan abstammen, nach dem Matthäusevangelium hingegen sollen Davids Sohn Salomo und eine Reihe weiterer Könige in diese Ahnenreihe gehört haben. Der Vater Josefs soll nach dem Lukasevangelium Eli geheißen haben, nach dem Matthäusevangelium Jakob.

Es gibt allerdings Überlieferungen des Lukas-Evangeliums, in denen der Stammbaum Jesu von David bis Josef wesentlich besser mit dem Stammbaum im Matthäus-Evangelium übereinstimmt.

Manche erklären die Unterschiede zwischen beiden Evangelien damit, daß in einem Fall die Abstammung Josefs, im anderen die Abstammung Marias berichtet werde. Beide stammten demnach von David ab. Dadurch werden aber nicht alle Widersprüche beseitigt, denn auch die Abstammungslinie von Abraham bis David stimmt in beiden Berichten nicht überein. Auch der Vergleich mit den Genealogien im alten Testament ergibt Widersprüche (1. Chronik 1-8, 1. Mose 5, 1. Mose 11)

Neben diesen Unstimmigkeiten in den Details kann man sich auch fragen, weshalb für einen Gottessohn überhaupt eine Ahnentafel nötig sein soll. Aus diesem Blickwinkel heraus scheint es eher so als hätte zumindest Matthäus in seinem Evangelium Jesus zunächst überhaupt nicht als Gottessohn und Erlöser wahrgenommen. So beginnt er sein Evangelium so: "Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams." Hätte nicht der christliche Standpunkt eher diese Formulierung erwarten lassen: "Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Gottes, des Allmächtigen."? Solche Überlegungen haben auf bibelkritischer Seite zur Annahme geführt, bei der Gottessohnschaft Jesu handle es sich um ein erst später aufgekommenes Konstrukt, das zu Lebzeiten Jesu und kurz danach noch überhaupt nicht präsent gewesen sei.

Auferstehung
Die historische Existenz von Jesus ist zwar allgemein anerkannt. Die Berichte seiner Auferstehung und Himmelfahrt jedoch rufen Widerspruch hervor, da die berichteten Wunder sich mit den gegenwärtigen Erkenntnissen der Naturwissenschaften widersprechen. Bibelkritiker suchen deshalb nach Erklärungen dieser Ereignisse, die auf die Annahme von Wundern verzichten.

Die Schilderung der Kreuzigung Jesu und dessen Tod zweifeln einige Bibelkritiker an. Sie argumentieren, dass Jesus am Kreuz ungewöhnlich schnell gestorben sei, nämlich nach schon sechs Stunden, was auch Pilatus verwunderte (Mk 15,44).

Sie spekulieren, Jesus könne möglicherweise noch gelebt haben, seine Kreuzigung könne inszeniert gewesen sein, oder er könne scheintot gewesen und in der Grabkammer wieder erwacht sein (z.B. Franz Alt. Weitere Spekulationen ranken sich darum, wie lange und wo Jesus danach gelebt haben könnte. Gegen die These des Weiterlebens sprechen jedoch neueste medizinische Versuche zum Kreislaufversagen nach schweren Traumata, insb. solchen, die beim "Durchnageln" von Händen und Füßen entstehen.

Andere Spekulationen ranken sich um einen eventuellen Diebstahl des Leichnams aus der Grabkammer - eine Theorie die auch von Mt 28,11ff inspiriert ist (z.B. Reimarus).

Himmelfahrt
Christi Himmelfahrt wird am ausführlichsten in Apg 1,4-14 beschrieben. Für ein so außergewöhnliches Ereignis erscheint der Text unerwartet oberflächlich. Noch knapper wird das Ereignis in den Evangelien von Markus (Mk 16,19) und von Lukas (Lk 24,50ff) erwähnt. Bei Lukas mag das daran liegen, dass er auch der Verfasser der Apostelgeschichte ist. Die anderen beiden Evangelien enthalten keine Schilderung der Himmelfahrt. Das ist insbesondere bei Johannes bemerkenswert, stellt doch sein Evangelium am meisten von allen Jesus als göttlich dar. Man kann sich fragen, warum so ein bedeutendes Ereignis so stiefmütterlich behandelt wird.

Ebenfalls fällt auf, dass die Angaben darüber, was Jesus zwischen Auferstehung und Himmelfahrt gemacht hat, variieren. Auch die Dauer dieses Zeitraums ist nicht klar ersichtlich, wenn auch die katholische Kirche immer von 40 Tagen ausging; für das von der Apostelgeschichte berichtete Ereignis sind keine 40 Tage erforderlich gewesen, also was ist sonst passiert? Angesichts der doch recht detaillierten Schilderungen der Kreuzigung bleiben die Texte hier ziemlich vage.

Eine weitere Auffälligkeit besteht darin, dass Jesus in Apg 1,6-7 die Antwort auf eine Frage zu geben scheint, die die Urchristen insbesondere zur Zeit der Abfassung der Apostelgeschichte, also wenigstens 40 Jahre nach Jesu Kreuzigung, beschäftigt haben dürfte: Die Frage der Zeit seiner Wiederkehr. Einige Kritiker vermuten, dass Lukas hier Worte in Jesu Mund legt, die insbesondere als Antwort auf Fragen seiner Leser gedacht sind.

Das Jesusbild im Johannesevangelium (Joh)
Das Johannesevangelium als das zeitlich am spätesten verfasste Evangelium unterscheidet sich inhaltlich stark von den anderen drei Evangelien. Wie man z.B. an der Kreuzigungsgeschichte (Joh 18f) erkennt, wird Jesus hier stark verklärt als göttliche Gestalt dargestellt, die mit den Vorgängen auf der Erde schon nicht mehr viel zu tun hat. Jeder Hinweis auf Schmerz, Agonie oder Verzweiflung wird vermieden. Wo im Markusevangelium Jesus noch ruft: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" (Mk 15,34) da sagt er bei Johannes: "Es ist vollbracht" und übergibt den Geist.

Dieses Verständnis von Jesus als göttlicher Figur findet seinen Niederschlag in vielen Formulierungen im Evangelium. Hier eine unvollständige Liste der Auffälligkeiten, die man im Vergleich mit den synoptischen Evangelien auch als Widersprüche auffassen kann:

  • Von Jesu Taufe ist nicht die Rede. Der Autor hat sie vielleicht weggelassen, weil die Taufe die Reinigung von der Sünde symbolisiert, die ein Gottessohn per Definition nicht nötig haben sollte.
  • Die Jesusmutter Maria wird nicht mit ihrem Namen genannt, und von Jesus als Frau angeredet.
  • Die Schilderung der Eucharistie fehlt bei Johannes.
  • Die Synoptiker schildern die Agonie von Jesus auf dem Ölberg, bei Johannes ist nur von einem gefaßten, fast souveränen Gebet zu lesen.
  • Lukas läßt Jesus am Kreuz beim Vater um Vergebung für die Sünden seiner Peiniger bitten, bei Johannes fehlt dies.

Aus bibelkritischer Sicht sind das klare Hinweise auf das Bestreben des Evangelisten, Jesus in göttlichem Licht, und frei von menschlichen Schwächen erscheinen zu lassen. Das Evangelium sei daher noch mehr als die anderen Evangelien nicht als historische Schilderung sondern als von einem theologischen Programm dominiertes Werk zu verstehen.

Paulusbriefe

Zur Freilassung von Sklaven - 1. Korinther (1. Kor)
Wenn Sklaven die Möglichkeit bekommen, freigelassen zu werden – sollen sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen oder nicht?

Zu dieser für das weitere Leben der Betroffenen wichtigen Frage hat Paulus im 1. Brief an die Korinther Stellung genommen. Aber was Paulus denn nun dort zu dieser Frage gemeint hat, dazu stehen die Angaben, die in verschiedenen Ausgaben der Bibel zu lesen sind, zueinander im Widerspruch:

Schon im altgriechischen Text gibt es unterschiedliche Überlieferungen von 1. Kor 7, 21.

Bibelkritik in der Diskussion


Erhebliche Unterschiede in der Qualität

Bibelkritik wird von sehr unterschiedlichen Menschen geübt, und entsprechend unterschiedlich ist die Qualität. Es gibt seriöse Bibelkritik, die auf fundierten Kenntnissen beruht. Es gibt unfundierte Bibelkritik von Menschen, die den größten Teil der Bibel nur aus zweiter Hand kennen, aus dem Religionsunterricht, aus Gottesdiensten, aus christlicher Sekundärliteratur oder auch aus bibelkritischer Sekundärliteratur. Es gibt sogar Bibelkritik, die unseriös genug ist, der Bibel Aussagen zu unterstellen, die man, wenn man nachschlägt, dort so nicht wiederfindet.

Seriöse Bibelkritik kann durchaus mit Werturteilen verbunden sein, mit positiven wie negativen Werturteilen über die Bibel oder über einzelne Teile oder Stellen der Bibel. Seriosität schließt emotionales Engagement nicht aus.

Unterschiedliche Interpretationen

Kritiker und Apologeten der Bibel üben teilweise scharfe Kritik aneinander, bis hin zum Vorwurf der Unredlichkeit. Nicht selten geht es dabei um die Interpretation der Bibel: Die einen wie die anderen werfen der Gegenseite vor, sie würde die Bibel "falsch" interpretieren oder gar "verfälschen".

Ein häufiger Streitpunkt ist die Frage, ob bestimmte Bibelstellen wörtlich zu verstehen sind. Moderne Apologeten werfen Bibelkritikern vor, sie würden Bibelstellen zu Unrecht wörtlich interpretieren. Bibelkritiker hingegen werfen einigen modernen Interpreten der Bibel vor, sie würden sich allzu weit von der ursprünglichen Aussage der Texte entfernen, würden willkürlich hineininterpretieren, was ihnen gefällt.

Frage der Bedeutung für die heutige Zeit

Kritik an vielen Bibelstellen wird von Gläubigen mit der Begründung zurückgewiesen, die Aussagen dieser Stellen seien zeitbedingt und für die heutige Zeit nicht mehr anwendbar. Einige bringen vor, diese Auffassung werde durch die historisch-kritische Methode bestätigt.

Bibelkritiker hingegen sehen einen Widerspruch darin, einerseits umfangreiche Passagen der Bibel für zeitbedingt und heute nicht mehr anwendbar zu erklären, andererseits aber den Anspruch zu erheben, die Bibel heute noch als Autorität in ethischen Fragen anzusehen.

Gläubige Christen gehen davon aus, dass ihnen der Heilige Geist dabei hilft, zu erkennen welche Stellen wörtlich zu nehmen sind (Maria gebar einen Sohn) und welche nicht (Jesus sagte: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben).

Literatur


Bibel- und Religionskritik

  • Wolfgang Bauer: "Was wir von der Bibel wissen". Stuttgarter Taschenbücher Bd.16. Kath. Bibelwerk, Stuttgart 1995, ISBN 3-460-11016-3
  • Franz Buggle: Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Alibri, Aschaffenburg 2004, ISBN 3-932710-77-0
  • Israel Finkelstein, Neil Asher Silberman: Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel. Beck, München 2002, ISBN 3-406-49321-1
  • Karlheinz Deschner: Der gefälschte Glaube. Knesebeck, München 2004, ISBN 3-89660-228-4
  • Norbert Rohde: Abschied von der Bibel. Books on Demand, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-1577-0
  • Johannes Maria Lehner: Und die Bibel hat doch NICHT Recht. Historia, Ulm 2005, ISBN 3-980-8691-1-3
  • Voltaire: La Bible enfin expliquée. (um 1750)
  • Walter-Jörg Langbein: Lexikon der biblischen Irrtümer. Von A wie Auferstehung Christi bis Z wie Zeugen Jehovas. Langen/Müller, München 2003, ISBN 378442922X
  • Walter-Jörg Langbein: Lexikon der Irrtümer des Neuen Testaments. Langen/Müller, München 2004, ISBN 3784429750

Reaktionen auf radikale Bibelkritik

  • Craig Blomberg: Die historische Zuverlässigkeit der Evangelien. 1998, ISBN 3-933372-16-X
  • Josh McDowell: Die Bibel im Test. Tatsachen für die Wahrheit der Bibel. 9. Aufl., CLV: Bielefeld 2002, ISBN 3-89397-490-3 (online, PDF)
  • Eta Linnemann: Gibt es ein synoptisches Problem? VTR: Nürnberg 1999, ISBN 3-933372-15-1
  • Eta Linnemann: Bibelkritik auf dem Prüfstand. 2. Aufl., VTR Verlag für Theologie und Religionswissenschaft: Nürnberg 2001, ISBN 3-933372-19-4 (Zusammenfassung)
  • Alfons Sarrach: Jahrhundert-Skandal. Von der unhaltbaren Kritik an den Evangelien. Miriam: Jestetten 2003, ISBN 3-87449-323-7
  • Vittorio Messori: Gelitten unter Pontius Pilatus? Eine Untersuchung über das Leiden und Sterben Jesu. Adamas-Verlag, 1997, ISBN 3925746722
  • Werner Gitt: So steht's geschrieben. Zur Wahrhaftigkeit der Bibel. 4. Aufl., ISBN 3775117032
  • Stephan Holthaus; Karl-Heinz Vanheiden (Hrsg.): Die Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel, ISBN 3-933372-38-0
  • Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft: Die Bibel - Gottes oder Menschenwort, 1989
  • D. Rhoton: Die Logik des Glaubens: Argumente, Denkanstöße, Neuhausen-Stuttgart: Hänssler, 9. Aufl., 1993, ISBN 3-7751-1174-3 (mit Abschnitten zur Kritik an den Wundern Jesu, seiner Auferstehung, der Genauigkeit der Bibel usw.)
  • Uwe Zerbst; Peter van der Veen (Hrsg.): Keine Posaunen vor Jericho? Beiträge zur Archäologie der Landnahme, Hänssler-Verlag: Holzgerlingen, 2005, ISBN 3775144196 (Inhaltsverzeichnis und Leseprobe)

Weblinks


Bibelkritische Links

Reaktionen auf Bibelkritik

Bibel | Religionskritik | Criticism of the Bible

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Bibelkritik".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld