Bibelkritik ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Inhalt der Bibel, der heiligen Schrift des Christentums bzw. (beim Alten Testament) auch des Judentums.
Der Begriff wird im alltäglichen Sprachgebrauch auch unspezifisch für Kritik am Christentum, an einer bestimmten christlichen Kirche oder für den Ausdruck antireligiöser Überzeugungen gebraucht. In diesen Fällen sind jedoch die Ausdrücke Religionskritik oder Kirchenkritik zutreffender.
Von Bibelkritik ist die wissenschaftliche Auswertung der biblischen Schriften zu unterscheiden, die nach der sogenannten Historisch-kritischen Methode verfährt. Hierbei wird im Rahmen philologischen Textkritik die bestmögliche Rekonstruktion des ursprünglichen Texts versucht. Auch für andere Arten von Literatur wird auf diese Weise eine verlässliche Textbasis erarbeitet. Weitere Methodenschritte der Historisch-kritischen Methode beziehen sich stärker auf die inhaltliche Analyse und teilweise auch Deutung. Die Entstehungsbedingungen finden dabei ebenso Berücksichtigung wie unterschiedliche Bearbeitungsstufen und Redaktionen und die (oft inhaltlich widersprüchlichen) Verhältnisse zu anderen Textabschnitten.
Die zugrundeliegende Motivation des Bibelkritikers reicht von polemischer Ablehnung des Christentums, Mission für die eigene Religion oder Weltanschauung, apologetischer Verteidigung der eigenen Sichtweise über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Bibeltexten und ihren Aussagen bis hin zum Wunsch, durch kritische Durchleuchtung das Verständnis für die Bibel und ihr Kerygma zu fördern.
Andererseits wird von bibelkritischen Theologen Forschung unter der Prämisse betrieben, als sei Gott nicht existent (etsi Deus non daretur - eine auf Hugo Grotius zurückgehende Formel). Grundlage allen Erkennens ist daher unter dieser Prämisse nicht der Glaube an einen in der Bibel sich ausdrückenden Gott als Herrn der Geschichte. Sondern die grundlegende Voraussetzung bibelkritischer Theologie ist, dass der disziplinierte, fachlich geschulte und kritische menschliche Verstand die letzte Instanz in der Frage nach der Wahrheit sei. Diese Prämisse ist für andere Zweige der Wissenschaft ebenso gültig wie für die Bibelforschung.
Unterschiede gibt es noch in der Art und Weise, wie mit Zweifelsfällen in der Interpretation umzugehen ist. Während in manchen Bekenntnissen die Interpretation den religiösen Autoritäten vorbehalten bleibt, die vom Gläubigen angenommen werden muss (z. B. in der Römisch-Katholischen Kirche untersteht „alles das nämlich, was die Art der Schrifterklärung betrifft, ... letztlich dem Urteil der Kirche, die den göttlichen Auftrag und Dienst verrichtet, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Absatz 119)), überlassen andere Bekenntnisse (z. B. die der Evangelischen Kirche) diese Interpretation dem Einzelnen, der sich dazu ggf. auch des Gebets, der Meditation, und der Konsultation weiterführender Literatur und religiöser Autoritäten bedient. (vgl. dazu auch sola scriptura)
Demgegenüber sind diejenigen, die sich an keine der Buchreligionen gebunden fühlen, frei in Art und Umfang der Bibelkritik. Für sie hat die Bibel keinen autoritativen Charakter, der sie in ihrer Interpretationsfreiheit einschränken würde. Das heißt nicht, dass von diesem Standpunkt aus jede beliebige Kritik, oder jeder beliebige Umgang mit der Bibel für alle legitim erscheint. So halten manche es für legitim, die Bibel verächtlich oder lächerlich zu machen, während andere davon Abstand nehmen und ein solches Vorgehen für schlechten Stil halten. Umstritten ist dabei auch, welches Ausmaß an Rücksichtnahme auf die religiösen Gefühle der betroffenen Religionsanhänger geboten ist. Der Respekt und die Rücksicht vor Gläubigen und deren Religion, unabhängig davon, ob man selbst einen Glauben vertritt, wird in der Gesellschaft zunehmend gefordert, weil die Annahme vertreten wird, dass auf diese Weise Konflikte vermieden werden können. Dies bedeutet aber nicht, dass der Glaube undifferenzierter betrachtet werden soll, als der Einzelne für angemessen empfindet.
So nimmt Bibelkritik verschiedene Formen an. Das Spektrum der Formen erstreckt sich von offener Verunglimpfung über die Karikatur, die Satire, die Ironie, die indirekte Kritik in romanhafter oder gleichnisartiger Form, die direkte Kritik in Prosaform bis hin zu wissenschaftlichen Abhandlungen für ein spezialisiertes Publikum.
Entsprechend zur Form ist auch umstritten, wer die Bibel kritisieren darf. Auch hier findet man, je nach der einzelnen Meinung, alle Zwischenstufen von „Jeder“ bis „Niemand“. Manche wollen die Legitimation dabei auf Personen mit einer bestimmten wissenschaftlichen Qualifikation oder religiösen Autorität beschränkt sehen, andere machen es eher von der Qualität der vorgebrachten Argumente abhängig oder vom Ergebnis (im Sinne von: Jeder darf Bibelkritik betreiben so lange er zum richtigen Ergebnis kommt).
Schließlich ist auch umstritten, was Gegenstand von Bibelkritik sein kann und was nicht. Auch hier wird das volle Spektrum von „alles“ bis „nichts“ abgedeckt. So halten z.B. viele Christen die historisch-kritische Methode für legitim, in der es darum geht herauszufinden, wie die Bibel im Einzelnen zu verstehen ist, lehnen aber jede Kritik am Inhalt der Bibel ab. Andere halten Kritik am Inhalt der Bibel für insoweit legitim, als nicht der Wille Gottes selbst oder gar seine Existenz in Frage gestellt wird. Einige Christen sind auch der Ansicht, dass die Kritik an der Bibel oder auch an der Existenz Gottes den eigenen, persönlichen Glauben nicht beeinflussen sollte und das jeder Gläubige seinen Glauben unterschiedlich in Art und Kraft gestalten kann. Zu diesem Zweck existieren in vielen Bekenntnissen eine Anzahl von Dogmen. Aus der Sicht solcher Bekenntnisse ist Bibelkritik legitim, so lange sie sich innerhalb der von den Dogmen gesetzten Grenzen abspielt. Bibelkritik, die über diese Grenzen hinausgeht, wird dabei u.U. von den religiösen Autoritäten mit Sanktionen belegt. Solche Sanktionen können im Beispiel der heutigen Katholischen Kirche z.B. der Entzug der Lehrerlaubnis oder andere Einschränkungen der beruflichen Tätigkeit sein. Im Mittelalter waren die Sanktionen dagegen weit drastischer und haben so manchem Kritiker (Häretiker) das Leben gekostet.
Dieser Artikel führt Kritikpunkte an der Bibel ohne Rücksicht auf ihre Legitimität an. Dadurch kann vermieden werden, sich einer bestimmten Auffassung über die Legitimität anschließen zu müssen. Aus dem Vorkommen eines Kritikpunktes hier im Artikel kann weder darauf geschlossen werden, dass er aus einer bestimmten (oder gar jeden) Sichtweise heraus legitim sei, noch dass seine inhaltliche Korrektheit allgemein anerkannt sei. Es handelt sich um Argumente, auf die man bei der Lektüre der Bibel kommen kann und auf die im Verlauf der Geschichte Leser der Bibel gekommen sind. Nicht wenige davon sind seit Langem und bis heute stark umstritten, und manche haben im geschichtlichen Verlauf zur Spaltung der Religionen in verschiedene Bekenntnisse beigetragen – sie liegen damit auch an der Wurzel etlicher kriegerischer und gewalttätiger Auseinandersetzungen, die diese Spaltung begleitet haben.
Die moderne Bibelkritik geht vor allem auf Renaissance und Aufklärung zurück. Das Aufkommen kritischer Wissenschaften, die sich nicht direkt der Religion verpflichtet fühlten, wie z.B. der vergleichenden Geschichte, führte recht schnell zu Auseinandersetzungen mit den klerikalen Autoritäten. Hobbes, Simon, und vor allem Spinoza veröffentlichen im 17. Jahrhundert bibelkritische Texte. Spinoza sagte z.B., die Bibel sei von einfachen Menschen geschrieben, voller Irrtümer und Widersprüche, über weite Strecken nicht authentisch, und das auf ihr beruhende Christentum ein vorübergehendes Phänomen.
Die steigende Verfügbarkeit übersetzter Bibeln öffnet dabei auch dem Laien die Möglichkeit, die Bibel zu studieren, und dabei stoßen auch Gläubige auf Widersprüche innerhalb der Bibel und zwischen der Bibel und anderen antiken Überlieferungen. Nicht selten haben dabei Gläubige im Bemühen, die Bibel untermauernde Fakten zutage zu fördern, im Effekt den Bibelkritikern in die Hände gespielt. So kam man z.B. auf Chronologien der ägyptischen Dynastien, die bis weit vor den angenommenen Zeitpunkt der Sintflut zurückreichten (z.B. die von Manetho). Auch von naturwissenschaftlicher Seite erwächst Kritik. Robert Hooke veröffentlichte mit Blick auf die Fossilien eine Theorie des Verschwindens der Arten, die mit dem biblischen Schöpfungsplan im Widerspruch stand - was schließlich in die Evolutionstheorie von Charles Darwin mündete.
Diese auf breiter Front auftauchende Bibelkritik führt in relativ kurzer Zeit dazu, daß die Religion durch weite Bevölkerungskreise in Frage gestellt wird (z.B. England. Jonathan Swift 1708: "Ich betrachte die große Menge oder die Masse des englischen Volkes als ebensolche Freidenker, das heißt als ebenso unerschütterliche Ungläubige wie die vornehmsten Kreise.") In diese Zeit fällt auch der Skandal des Abbé Meslier, von dem nach seinem Tod ein radikal religionskritisches Testament gefunden wurde - die Spitze des Eisbergs in dem Sinne, dass auch unter den Klerikern der Zeit kritische Einstellungen weit verbreitet waren. Meslier geht aber in seiner Radikalität über die meisten seiner Zeitgenossen hinaus, seine Kritik ist ihm Grundlage für eine dezidiert atheistische Einstellung, die in dieser Konsequenz erst später weitere Verbreitung gefunden hat. Viele der hier im Artikel angeführten bibelkritischen Argumente finden sich auch schon in Mesliers Werk, so z.B. der Hinweis auf viele Widersprüche in der Bibel, die er zum Anlass nimmt, die Bibel als ein von Menschen in betrügerischer Absicht geschriebenes Buch aufzufassen.
Diese Sichtweisen nahmen im Zuge der Aufklärung im Verlauf des 18. Jahrhunderts an Verbreitung stark zu, und wurden dabei immer offener atheistisch. Kritik an der Bibel läßt sich von der Kirchenkritik und der Religionskritik immer weniger trennen. Georges Minois nennt das 18. Jahrhundert das Jahrhundert des Unglaubens. Durch eine bornierte und doktrinäre Reaktion des Klerus auf die wachsende Kritik erfuhr die Position der Kritiker noch weitere Verbreitung und erhöhte Glaubwürdigkeit, was im Klerus zu teils ratlosen, teils panischen Reaktionen führte.
Die Aufzählung prominenter Bibel- und Religionskritiker beinhaltet viele bekannte Namen der Aufklärung, z.B. D'Holbach, Voltaire, La Mettrie, Diderot. Entsprechend dem Motto der Aufklärung gebrauchte man zunehmend den eigenen Verstand, auch bei religiösen Fragen. Man akzeptierte nicht einfach die kirchliche Doktrin, sondern forderte Nachweise, las die Bibel selbst mit einem kritischen Blick, und maß die kirchliche Lehre daran. Einmal auf diesem Kurs, machten viele nicht bei der Kritik der Bibel halt, sondern stellten die gesamte kirchliche Doktrin und Autorität und die christliche Religion in Frage, einschließlich der Existenz Gottes. Exemplarisch sei dafür der zu Ende der Aufklärung erschienene Roman "Siebenkäs" von Jean Paul genannt, der in einer Szene Jesus selbst die Existenz Gottes verneinen läßt.
Den Schritt zum Atheismus machten jedoch viele nicht, und wandten sich stattdessen dem Deismus zu, von dem Minois schrieb, er sei "eine Warteposition für Menschen, die das Christentum nicht mehr hinnehmen können, die jedoch [... noch einen Gott brauchen". Der Deismus ist aus dieser Perspektive eine Position, welche die Bibel oder andere Offenbarungen als religiös autoritative Quelle verwirft, und dabei zugleich am Glauben an eine Gottheit festhält. Es ist der Versuch, den Glauben an einen Gott mit eben der kritischen Vernunft in Einklang zu bringen, die gerade die Bibel demontiert hatte. Es ist auch der Versuch, einem im Atheismus gesehenen moralischen Vakuum bzw. einer Sinnleere auszuweichen (siehe dazu auch Kant und Fichte).
Im 19. Jahrhundert - im Gefolge der französischen Revolution - entstehen offen atheistische Gesellschaftsmodelle, die teils die Religion von Staat trennen, teils die Religion ganz durch Vernunft und Wissenschaft ersetzen wollen. In diesem Klima reagiert die katholische Kirche mit trotziger Abschottung, sie beharrt ohne Abstriche auf den Dogmen und Traditionen, also auch der Lehre von der göttlichen Inspiration der Bibel (so z.B. auf dem Vaticanum I mit dem Dei Filius). Im Protestantismus wird dagegen die Bibelexegese unter den Prämissen der historisch-kritischen Methode betrieben (David Friedrich Strauß), was katholischen Theologen oft als Zerstörungswerk an der Bibel beargwöhnten (z.B. Lamennais). Hier wird die Überzeugung deutlich, daß die christliche Religion die Dogmen, Wunder und Mysterien brauche, und die Rückführung der Religion auf die Vernunft letztlich in den Atheismus münden müsse.
Das daraus erwachsende grundlegende Dilemma für die Exegese beschreibt Minois: "Ein grausames Dilemma: entweder die Bibelkritik (d.h. die historisch-kritische Methode) zu akzeptieren und die Bibel zu einem gewöhnlichen Studienobjekt zu erklären, auf die Gefahr hin, das übernatürliche Element zu töten, *" target="_blank" >festzuhalten, * Köpfe zu entmutigen, die sich nicht dazu durchringen können, ihre Vernunft zu opfern...". Es ist letztlich die Frage: Was steht zuoberst, die Vernunft oder die Offenbarung?
Dieses Dilemma ist real und hat gerade im 19. Jahrhundert viele Christen letztlich in den Unglauben geführt (z.B. Ernest Renan, Friedrich Engels, David Friedrich Strauß, Friedrich Nietzsche), aber wirkt heute nach wie vor (z.B. Gerd Lüdemann). Man kann davon ausgehen daß es umgekehrt auch Einige dazu gebracht hat, eine strengere evangelikale Haltung anzunehmen, die dem Dilemma in der anderen Richtung ausweicht, indem man Kritik an der Bibel gänzlich ablehnt (z.B. Eta Linnemann).
Noch heute begreift ein großer Teil der evangelikalen Bewegung die Bibel als Geschichtsbuch und betont, dass „die Bibel absolut irrtumslos und unfehlbar“ sei (Johannes Vogel, Breckerfeld; in: idea-Pressedienst 46/004). Die „Chicago Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift“ von 1978, betont, „dass die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos und damit frei von Fehlern, Fälschungen oder Täuschungen ist“ (zitiert nach idea-Pressedienst 25/2003); dies umfasse auch naturwissenschaftliche Aussagen (Biblischer Fundamentalismus). – Diese Auffassung wird durch den kleinsten Widerspruch innerhalb der Bibel und durch den kleinsten Widerspruch zu Natur- und Geschichtswissenschaften in Frage gestellt. Bibelkritiker nehmen das zum Anlass, auf diese Widersprüche hinzuweisen.
Inzwischen sind jedoch viele Christen mehr oder weniger weit von der Vorstellung abgerückt, die Bibel sei ein Geschichtsbuch nach heutigen Maßstäben:
So sind die religiösen Überzeugungen vieler Christen heute kaum noch oder überhaupt nicht mehr mit dem Argument angreifbar, dass es innerhalb der Bibel Widersprüche gebe und/oder Widersprüche zwischen Bibel und Wissenschaft. Entsprechende Hinweise von Bibelkritikern sind deshalb keine Argumente der Religionskritik an den Vorstellungen aller Christen; sie sind Argumente der Religionskritik an den Vorstellungen von bestimmten Christen.
Bibelkritiker neigen oft dazu, ihre Ethik ohne Rückgriff auf die Bibel auf humanistischen Idealen zu gründen, und kritisieren dann ausgehend von dieser Position die ethischen Maßstäbe der Bibel. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, daß die Ethik keines religiösen Fundaments bedarf, und sich ethische Maßstäbe aus der Vernunft und/oder dem Sozialgefüge herleiten lassen. Auf der Grundlage dieser Maßstäbe wird biblische Ethik kritisierbar. Wer dagegen die Bibel als Grundlage der Ethik betrachtet hat keinen unabhängigen Maßstab, anhand dessen die biblische Ethik kritisiert werden könnte - die Bibel ist selbst der Maßstab. Hier kann man dann allenfalls die innere Konsistenz der biblischen Ethik untersuchen.
So ergeben sich zwei verschiedene Arten der Ethikkritik:
Welche Bedeutung diese ethischen Widersprüche für die Religion haben – und damit für die Religionskritik – ist umstritten.
Teile des Alten Testaments sind viele hundert Jahre nach den ursprünglichen Ereignissen bzw. ersten mündlichen und schriftlichen Überlieferungen in ihre endgültige Fassung gebracht worden. Die Autoren sind zum größen Teil historisch nicht fassbar. Siehe auch Septuaginta, Masoretischer Text und Textgeschichte des Neuen Testaments.
Die Evangelien des Neuen Testaments, die Apostelgeschichte und die Offenbarung sind etwa 30 bis 70 Jahre nach dem Tod Jesu in ihre heutige Form gebracht worden. Dies schließt nicht aus, dass es schon früh neben einzelnen Briefen auch Sammlungen von Aussprüchen Jesu oder einen Passionsbericht in schriftlicher Form gegeben haben könnte.
Vorwürfe von Bibelkritikern bezüglich Zuverlässigkeit der Bibel lauten unter anderem:
Bei einigen Schriften gibt es unterschiedliche Traditionen bezüglich ihrer Zugehörigkeit zum Kanon. Bibelkritiker interpretieren das dahin, dass Menschen entscheiden würden, was Gottes Wort sei. Siehe hierzu Kanon des Alten Testaments und Kanon des Neuen Testaments.
Eine andere Richtung der Kritik des biblischen Kanons ist erst in den letzten Jahrzehnten aktuell geworden: der Vorwurf, dass gewisse Texte nicht in die Bibel aufgenommen wurden, um gnostische Lehren zu unterdrücken.
Eine spezifische Variante dieser Kritik ist die in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts von Shirley MacLaine verbreitete These, Kaiser Konstantin I. (oder der Papst) habe im vierten Jahrhundert sämtliche Stellen bezüglich Reinkarnation aus der Bibel streichen lassen - eine These, die weder von Historikern noch von Theologen als vertretbar angesehen wird.
Einige Christen betrachten die Bibel als das zuverlässige und verbindliche Wort Gottes. Nach Ansicht von Kritikern bleibt dabei die Frage, welche der unterschiedlichen Fassungen denn als dies zuverlässige und verbindliche Wort Gottes aufzufassen sei.
Die Bezeichnung der Bibel als Wort Gottes – gelehrt in der Katholischen wie in der Evangelischen Kirche – schließt die Auffassung nicht aus, dass die Bibel der Auslegung bedürfe.
Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es zwar in Absatz 104: „In der Heiligen Schrift findet die Kirche ständig ihre Nahrung und ihre Kraft DV 24., denn in ihr empfängt sie nicht nur ein menschliches Wort, sondern was die Heilige Schrift wirklich ist: das Wort Gottes l Thess 2,13..“ Absatz 100 zeigt jedoch, dass eine Auslegung nicht für überflüssig gehalten wird: „Die Aufgabe, das Wort Gottes verbindlich auszulegen, wurde einzig dem Lehramt der Kirche, dem Papst und den in Gemeinschaft mit ihm stehenden Bischöfen anvertraut.“
Martin Luther vertrat den Grundsatz Sola scriptura: Den Maßstab für die rechte Auslegung der Heiligen Schrift habe man in der Heiligen Schrift selbst zu suchen.
Zahlreiche Bibelkritiker lehnen die gesamte Bibel ab, weil ihrer Auffassung nach viele der v.a. im Alten Testament dargestellten Begebenheiten heutigen Moralvorstellungen widersprechen, wie den Menschenrechten und dem Ideal der Toleranz.
Von der anderen Seite wird darauf hingewiesen, in der Regel seien das die besonders rigorosen Texte, die in Zeiten besonderer Bedrohung entstanden und als Durchhaltetexte dienten. Außerdem wird versucht, mit Hilfe historisch-kritischer Analysen die hermeneutisch korrekten Kernaussagen der Texte herauszufiltern.
Umstritten ist, ob oder inwieweit Moralvorstellungen aus unserer Gegenwart auf historische Dokumente angewendet werden dürfen, die aus einem fremden sozio-kulturellen und historischen Kontext stammen. Diese Frage ist insbesondere auch deswegen schwierig, weil die Bibel einerseits als Quelle und Grundlage für Moral angesehen wird, andererseits die Meisten bei der Übernahme moralischer Standards aus der Bibel eine gewisse Auswahl treffen, indem sie biblische Moralvorschriften einteilen in solche, die heute noch gelten, und solche die auf unsere Zeit und unseren Kontext nicht mehr anwendbar sind. Man kann argumentieren daß eine solche Auswahl letztlich darauf hinaus läuft daß sich der so Auswählende über die Bibel setzt, weil er (außerbiblische) Auswahlkriterien voraussetzt, die noch vor bzw. über der Bibel stehen.
Dass im Alten Testament auch andere Gottesbilder vermittelt werden oder die Gründe vieler Aussagen im "Reinhalten" des Monotheismus liegen könnten, wird bei dieser Kritik nur wenig berücksichtigt.
Das findet seine Fortsetzung im Neuen Testament, wenn der ansonsten als sanftmütig dargestellte Jesus nach Ansicht von Bibelkritikern religiöse Intoleranz predigt oder praktiziert (z.B. Mt 15,21-28; Mk 16,16). In diesem Sinn werden auch Aussagen von Paulus interpretiert, z.B. wenn er hinsichtlich Roms vom Zorn Gottes spricht (Römerbrief 1,18ff).
Bei solchen Bibelstellen - die aus gläubiger Sicht eher als "kantig" interpretiert werden - unterscheidet sich die Bibelkritik bei verschiedenen Motivationen (s. oben, 1.1) und Herangehensweisen stark.
Es kommt vor, dass Christen die Auffassung vertreten, dass Toleranz die falsche Haltung gewesen wäre gegenüber Religionen, die Menschenopfer fordern, und dass der gewaltsame Kampf der Israeliten gegen diese Religionen deshalb gerechtfertigt gewesen sei. Kritiker hingegen sehen das Ausmaß der Gewalt, das auf diese Weise gerechtfertigt werden könnte, in vielen Fällen bei weitem überschritten, z. B. beim Einmarsch in das „Land der Verheißung“, wo die Israeliten in einer Stadt nach der anderen die gesamte Bevölkerung getötet haben sollen (Josua, ab Kapitel 6). Diese Berichte mögen von Historikern als nicht authentisch angesehen und als nationalpoetische Überhöhung betrachtet werden – dennoch werfen sie ein Licht auf den Charakter der Kultur, in der diese Texte verfasst und in heilige Schriften aufgenommen wurden. Es war offensichtlich eine Kultur, in der Angriffskrieg und Völkermord als gottgewollt und damit als „gerechtfertigt“ angesehen wurden. Bibelkritiker sprechen einem Buch, das an vielen Stellen von einer solchen Kultur geprägt ist, die Eignung ab, als sittliche Autorität zu gelten.
Die Schilderung exzessiver Gewaltanwendungen z.B. Kriege zwischen Israel und anderen Völkern, und moralischer Abweichungen nehmen im Alten Testament viel Raum ein. Erstere werden zum Teil als von Gott gebilligt, gewünscht oder angewandt beschrieben. Eroberungskriege einschließlich damit einhergehendem Völkermord werden von Gott angeordnet (z.B. 4. Mose 31; 5. Mose 7; 5. Mose 20,10ff). Auch einige Praktiken der Entsühnung sind für uns heute nur schwer verständlich.
Meutereien, religiöse oder sexuelle Abweichungen, oder Aufsässigkeit werden bisweilen drakonisch - auch mit dem Tod - bestraft (2. Mose 22,17-22; 2. Mose 32,25ff; 5. Mose 13,7ff; 5. Mose 21;18ff). Nicht selten gerät der Alttestamentarische Gott in Zorn, weil seine Anhänger zu zaghaft vorgehen, und ermahnt sie, kein Mitleid bei der Bestrafung walten zu lassen (z.B. 5. Mose 25,12).
Ein von Gott verhängtes Unglück oder eine Strafe wird als gerechte Strafe, vor allem für Gottlosigkeit, dargestellt (z.B. Daniel 9). Der erste Mord führt zum Fluch der Heimatlosigkeit (1. Mose 4,11f). Oft trifft die Strafe ein ganzes Volk, beim Bericht von der Sintflut (1. Mose 7) sogar nahezu die ganze Menschheit – also auch Unschuldige, z. B. Säuglinge.
In 2. Chronik 12 wird erzählt, wie demütige Umkehr bewirkt habe, dass Gottes Zorn besänftigt worden sei und die „Strafe“ abgemildert worden sei.
Widersprüchlich dazu erscheint das Gottesbild von (1. Mose 18, 23-32), wo Gott wegen der Anzahl "Gerechter" in Sodom mit sich handeln lässt. Doch für Vergehen des Pharao büßt dessen ganzes Volk (2. Mose 7-12). Für Sünden und Hass der Väter haben auch noch Nachkommen zu büßen (z.B. 5. Mose 5,9). Die Gleichheit aller vor dem Gesetz wird im Alten Testament zwar gefordert und ist heute eines der Grundrechte. Im Alten Testament ist es aber oft anderen Prinzipien nachgeordnet, so gibt es z.B. unterschiedliche Rechte für Angehörige des Gottesvolkes Israel gegenüber "Ausländern / Fremdlingen". Männer haben andere Rechte als Frauen, Sklaven andere als Freie etc.
Die Bibel betont in Bezug auf das Verhältnis des Menschen zu Gott, dass es nur ein Entweder-oder gibt. Ein abwägendes Sowohl-als-auch gibt es in diesem Bereich demnach nicht, während es in anderen Bereichen durchaus empfohlen wird, eine Sache von mehreren Seiten zu betrachten. Gott selbst kennt Liebe und Zorn, den er bisweilen bereut. Freude bereitet im Himmel jeder reuige Sünder. An einigen Bibelstellen lacht Gott über die Frevler (Psalm 37,13; Psalm 59,9). Von Jesus' Lachen wird nicht berichtet, doch ist es bei Feiern und Kanas Wein anzunehmen.
Wenn ein Mensch Gott erzürnt, kann seine Umkehr eine Strafe abmildern oder aufheben, wobei nach heutiger Vorstellung auch diese noch streng sein kann (z.B. 2. Mose 32.9ff; 1. Chr 21). In diesem Zusammenhang ist die archaische Vorstellung zu sehen, dass man Gott durch ein Opfer (z.B. Tieropfer) besänftigen und eine Schuld tilgen kann (1. Mose 22; 4. Mose 6,14). Seine Kulmination wäre der Tod von Jesus, dem Opfer-Lamm Gottes (Johannesevangelim 1,29; 1. Petrusbrief 1,18f). Doch gibt es auch andere Deutungen. Siehe auch Psalm 40,7: „Opfer und Brandopfer gefallen dir nicht; aber die Ohren hast du mir aufgetan“.
Der Mensch ist verderblichen Einflüssen ausgesetzt und benötigt daher zu seiner Errettung den Segen und die Liebe Gottes. Ihm vertrauen bedeutet Schutz und Zuversicht (Psalm 23, Psalm 18,31). Der Gegensatz zwischen dem Gottlosen, der sich selbst schadet, und dem Gläubigen, der errettet ist, wird auch von Jesus betont (Mk 16,16). Dieses Gegensatzpaar hat durch alle Zeiten hindurch einen starken Einfluss auf Menschen gehabt. Für Martin Luther z.B. war dies eine Grundmotiv seines Glaubens. Der starke Einfluss verwundert nicht, bringt einen doch die Empfindung des Gegensatzes dazu, sich eher für eine Seite zu entscheiden.
Einem Fluch zwischen Menschen wird in biblischen Zeiten offensichtlich große Wirkung (Verderben, Unglück und Leid) beigemessen. So erklärt sich die Häufigkeit, mit der das Wort gebraucht wird, und auch sein Vorkommen in der Gesetzgebung (z.B. 2.Mos 21,17; 3.Mos 24,14f; 5.Mos 27,13ff; Jos 8,34). Demgegenüber spricht die Bibel von Segen, der Nachkommenschaft, Wohlstand, und Glück bringt (z.B. 1. Mose 12,2; Psalm 37,22). Jesus bedient sich der gleichen Motivation (Mt 25,41; 1.Pet 3,9), und einmal verflucht er einen fruchtlosen Feigenbaum (Mk 11,13f). In 11,20f stellt er dem die positive Kraft des Gebets gegenüber.
Der Begriff der Sünde und die Konsequenzen für den Menschen sind durch die ganze Bibel hindurch zentrale Themen, die auch profunde Auswirkungen auf die auf der Bibel basierenden Religionen und Bekenntnisse hatte. Sowohl die Behandlung des Themas in der Bibel als auch die religiösen und gesellschaftlichen Auswirkungen sind daher ebenfalls Gegenstand der Bibelkritik. Die unten aufgeführten Kritikpunkte betreffen weniger den biblischen Text selbst als theologische Ableitungen daraus in der westlichen/katholischen Tradition, die nicht von allen christlichen Kirchen (und auch nicht von allen heutigen katholischen Katholiken) geteilt werden.
Die christlich-biblische Position: Sünde wird sowohl als Tat als auch als Zustand und Schicksal verstanden. Die Bibel geht davon aus daß der Mensch seiner Natur nach sündig ist, dies letztlich als Folge seiner Vertreibung aus dem Paradies, bzw. der Erbsünde, und er daher einerseits nach einem sündefreien Leben streben kann und soll, andererseits das Erreichen dieses Ziels zu seinen Lebzeiten aussichtslos ist. Er wird daher zwangsläufig Sünden begehen, für die er nach seinem Tode, am jüngsten Tag, zur Rechenschaft gezogen werden wird, und für die er ggf. zu büßen hat (Hölle, Fegefeuer), sofern ihm nicht die Gnade Gottes zuteil wird, die ihm davon Erlösung gewähren kann. Um diese Erlösung zu erlangen und schon zu Lebzeiten Gott günstig zu stimmen, kann und soll der Gläubige neben seinem Bestreben, ein sündefreies und frommes Leben zu führen, für seine Sünden Buße tun. Für Christen erheblich wichtiger ist aber, daß Christus durch sein Opfer (seinen Tod am Kreuz als Opferlamm) stellvertretend die Sünden der Menschheit gesühnt hat. (siehe z.B. Römer 5,18ff)
Bibelkritiker finden daran u.A. Folgendes kritikwürdig:
Die Frau wird in der Bibel über weite Strecken dem Mann untergeordnet dargestellt, was insb. aus der Formung der Frau aus Adams Rippe (1. Mose 2,18ff) abgeleitet wird, eine Darstellung die einige als Umkehrung der biologischen Verhältnisse auffassen, obwohl der biblische Bericht aus clone-technischer Sicht im Gegensatz zur umgekehrten Reihenfolge prinzipiell möglich ist. Manche deuten dies aber auch als Verbundenheit zwischen Mann und Frau. Stammbäume werden über die männliche Linie angegeben, die Frauen spielen dabei wenig Rolle (z.B. 1.Chr 1-9). Ein Mann kann im Alten Testament mehrere Frauen und Nebenfrauen haben, aber nicht umgekehrt (5.Mos 21,15f; 5.Mos 25,5ff). Eine Frau ist nach der Geburt einer Tochter doppelt so lange unrein wie nach einem Sohn (3.Mos 12). Frauen werden als schwächer und unzuverlässiger dargestellt, Verräter sind oft weiblich (Nah 3,13; Jos 2; Ri 16). Der mindere Wert der Frau wird z.B. auch auf drastische Weise in der Geschichte der Greueltat der Benjaminiter von Gibea vorgeführt (Ri 19), wo eine Nebenfrau von ihrem Mann einer Gruppe von Männern zur Vergewaltigung überlassen wird, nachdem diese mit der Vergewaltigung seiner Gäste drohten. Dies schildert die Bibel allerdings als Skandal, der zu einem Krieg führte.
Andererseits stehen Frauen mehrfach als positive Heldinnen im Mittelpunkt des Geschehens, so z.B. Debora, Ruth und Ester.
Jesus zeigt Frauen gegenüber mehr Milde und Offenheit (Joh 8,3ff, Joh 4,7-29). Zudem beschneidet er die Rechte der Männer (z.B. Mt 5,27f; Mt 5,31f; Mt 19,3ff), was darauf hindeutet, dass sie ihre Rechte zu freizügig ausgenutzt hatten. Jesus hatte - vermutlich auch aus diesem Grund - besonders viele Frauen unter seinen Anhängern.
Paulus betont dann wieder eine traditionellere Sichtweise (1.Kor 11,7-12; 1.Kor 14,33ff; auch Petrus 1.Pet 3,1-7). Es wird hier deutlich, dass Paulus die Schöpfungsgeschichte bewusst patriarchalisch auslegt.
So werde auf der einen Seite Gott als Erschaffer, Herrscher und Richter der ganzen Welt angesehen, auf der anderen Seite habe er und sein Volk sich im Alten Testament ständig anderer Völker und ihrer Götter bzw. Götzen zu erwehren. Dies sei ein Gott, der zwar die Welt erschaffen habe, dessen Anhängerschaft sich aber auf ein paar Quadratkilometer am toten Meer zusammendränge, von feindlichen Völkern umzingelt und zeitweise beherrscht bzw. sogar versklavt und deportiert. Aus der Perspektive des damaligen jüdischen Volkes sei dies einleuchtend, und habe zum Zusammenhalt und Überleben des Volkes sicher wesentlich beigetragen, aber aus einer globalen Perspektive wirke dies absurd.
Die Bibel enthält zwei Schöpfungsberichte, die in unterschiedlichem Maße den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entstehung des Universums und der Erde zu widersprechen scheinen, und jeweils zueinander auf der Erzählebene in Widerspruch stehen. Am auffälligsten sind Unterschiede in der Reihenfolge, in der die einzelnen Schöpfungselemente entstanden sein sollen. So erscheint im ersten Schöpfungsbericht (1. Mose 1,1-2,4a) der Mensch als letztes, während im zweiten Schöpfungsbericht (1. Mose 2,4b-25) zunächst die Erschaffung des Menschen berichtet wird, danach die der andern Lebewesen.
Die historisch-kritische Bibelforschung erklärt dies damit, dass die beiden Berichte von unterschiedlichen Autoren und aus unterschiedlichen Epochen stammten, und erst spät in einer Schlussredaktion ohne Rücksicht auf die Widersprüche zusammengefügt wurden. Der erste Schöpfungsbericht entstamme der Priesterschrift und sei etwa im 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden, während der zweite Bericht dem Jahwisten zuzuordnen sei. Detailfragen der Datierung sind durch neuere Forschungsergebnisse allerdings in Frage gestellt worden.
Die Unterschiede zwischen den beiden Schöpfungsberichten und die Widersprüche zwischen den biblischen Geschichten und den Ergebnissen naturwissenschaftlicher Forschung sind Argumente der Kritik gegen die Auffassung, die Schöpfungsgeschichten seien 100%ig wahre naturkundliche Tatsachenberichte. Gerade die Schöpfungsgeschichten – und die Geschichten von der Arche Noah – gehören jedoch zu denjenigen Geschichten der Bibel, bei denen sich auch unter Laien die Auffassung weit verbreitet hat, dass es sich nicht um naturkundliche Tatsachenberichte handle, sondern um Glaubensaussagen, eingekleidet in naturkundliche Vorstellungen ihrer Entstehungszeit. Folglich sind die genannten Unterschiede und Widersprüche für viele Christen ohne Bedeutung für ihren Glauben.
Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel dagegen lässt Gott das Licht, die Erde, Pflanzen, Tiere und den Menschen in sechs Tagen erschaffen, mit einem folgenden siebten Tag der Ruhe. Wenn man diese Schilderung wörtlich nimmt entstehen daraus eine Reihe von Kritikpunkten der Bibelkritiker:
Solche Widersprüche zwischen Schöpfungsgeschichte und Wissenschaft haben die mannigfaltigsten Versuche hervorgebracht, beide in Einklang miteinander zu bringen. An konsequentesten ist dabei die Ansicht, bei der Schöpfungsgeschichte handle es sich nicht um eine historische Erzählung mit dem Anspruch faktischer Korrektheit, sondern um einen vom Zeitgeist gefärbten Mythos, dessen Kernaussage von der Wissenschaft letztlich unberührt bleibt, nämlich daß Gott letztlich "hinter" aller Schöpfung steht, wie immer sie auch konkret vor sich gegangen sein mag.
Der Mythos vom Garten Eden (1. Mos 2,4b-25) gibt eine völlig andere Version der Schöpfungsgeschichte wieder: zunächst wird der männliche Mensch aus Lehm erschaffen, danach werden Pflanzen geschaffen, dann die Tiere, und schließlich der weibliche Mensch (Eva) aus der Rippe des Mannes (Adam). Im oben beschriebenen 1. Schöpfungsbericht werden dagegen beide miteinander erschaffen. Im weiteren Verlauf der Geschichte (1. Mose 3) kommt es zum Sündenfall, weil die Menschen Gottes Gebote missachten.
Eine Übereinstimmung mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Entstehung der Arten ist bei diesem Schöpfungsbericht überhaupt nicht zu erkennen; der Mythos ist allein theologisch begreifbar: durch Gott wird das Gute geschaffen, das Böse hingegen kommt in die Welt, weil der Mensch sich nicht an Gottes Ordnung hält.
Kritikpunkte dabei sind:
Bibelkritiker monieren, dass die Operation nicht den Erfolg hatte, den sie erwartet hätten, denn wie sich im weiteren Verlauf der Bibel zeigt, ist auch danach an Bosheit kein Mangel, und es bieten sich weitere Anlässe zu summarischen Strafaktionen.
Historiker sehen in dem Bericht eine mythische Verarbeitung einer tatsächlich stattgefundenen Naturkatastrophe, die auch in den Mythen anderer Völker überliefert wurde.
Lot, der einzige Gerechte von Sodom, schwängert danach betrunken seine beiden Töchter. Dass weder Lot noch seine Töchter dafür bestraft werden, zeigt wie kulant Gott in diesem Fall ist. Indirekt wird dabei klar, als wie schlimm die Vergehen der Sodomiter angesehen worden sein müssen, die ihnen die Vernichtung eingebracht haben.
Die Geschichte hat auf der einen Seite das Potenzial des Trostes für Menschen, die sich vom Leben betrogen fühlen. Kritiker meinen jedoch darin, das üble 'Spiel' zu sehen, das Gott und Satan mit dem unschuldigen Mann treiben.
Das Matthäusevangelium (Mt) beginnt mit der Stammlinie Jesu (Mt 1). Das entspricht zwar den patriarchalischen Vorstellungen der Zeit, und es soll offenbar Jesus' Legitimation als von König David abstammend demonstrieren, aber dadurch entsteht ein Konflikt zur Vorstellung der jungfräulichen Geburt Jesu. Wenn Maria vom Heiligen Geist empfangen haben sollte, dann kann ihr Mann Josef nichts damit zu tun gehabt haben - die über ihn laufende Linie wäre damit irrelevant.
Direkt nach der Aufzählung der männlichen Ahnen (Mt 1,18ff) wird deutlich, dass Josef zunächst Betrug witterte, dann aber von einem Engel dazu gebracht wurde, Maria nicht zu verlassen. Ein unvoreingenommener Leser könnte annehmen, dass Josef einen Seitensprung Marias nach anfänglicher Verärgerung schließlich nachgesehen hat und sich dazu entschlossen hat, das Kind als sein eigenes auszugeben. Das scheint sich auch bewährt zu haben: Wie man z.B. aus Mt 12,46f erfährt, hatte Jesus später Geschwister. Josef verschwindet demgegenüber recht schnell aus dem Blickfeld, es scheint fast, als hätte er mit der Zurverfügungstellung seiner Stammlinie seine Schuldigkeit getan.
Auch das Lukasevangelium (Lk) enthält eine Stammlinie Jesu (Lk 3,23ff). Dort heißt es über Jesus: „Man hielt ihn für den Sohn Josefs.“ Das passt zu der Angabe im Matthäusevangelium, nach der Josef der Mann von Jesu Mutter Maria war, relativiert aber auch die Bedeutung der Stammlinie im Hinblick auf Jesu' direkte göttliche Abstammung.
Beide Stammbäume stimmen in einer Reihe von weiteren Punkten überein, z. B. darin, dass König David und sein Vater Isai vorkommen.
Es gibt jedoch auch erhebliche Unterschiede: Nach dem Lukasevangelium soll Jesus – oder eigentlich Josef – von Davids Sohn Natan abstammen, nach dem Matthäusevangelium hingegen sollen Davids Sohn Salomo und eine Reihe weiterer Könige in diese Ahnenreihe gehört haben. Der Vater Josefs soll nach dem Lukasevangelium Eli geheißen haben, nach dem Matthäusevangelium Jakob.
Es gibt allerdings Überlieferungen des Lukas-Evangeliums, in denen der Stammbaum Jesu von David bis Josef wesentlich besser mit dem Stammbaum im Matthäus-Evangelium übereinstimmt.
Manche erklären die Unterschiede zwischen beiden Evangelien damit, daß in einem Fall die Abstammung Josefs, im anderen die Abstammung Marias berichtet werde. Beide stammten demnach von David ab. Dadurch werden aber nicht alle Widersprüche beseitigt, denn auch die Abstammungslinie von Abraham bis David stimmt in beiden Berichten nicht überein. Auch der Vergleich mit den Genealogien im alten Testament ergibt Widersprüche (1. Chronik 1-8, 1. Mose 5, 1. Mose 11)
Neben diesen Unstimmigkeiten in den Details kann man sich auch fragen, weshalb für einen Gottessohn überhaupt eine Ahnentafel nötig sein soll. Aus diesem Blickwinkel heraus scheint es eher so als hätte zumindest Matthäus in seinem Evangelium Jesus zunächst überhaupt nicht als Gottessohn und Erlöser wahrgenommen. So beginnt er sein Evangelium so: "Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams." Hätte nicht der christliche Standpunkt eher diese Formulierung erwarten lassen: "Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Gottes, des Allmächtigen."? Solche Überlegungen haben auf bibelkritischer Seite zur Annahme geführt, bei der Gottessohnschaft Jesu handle es sich um ein erst später aufgekommenes Konstrukt, das zu Lebzeiten Jesu und kurz danach noch überhaupt nicht präsent gewesen sei.
Die Schilderung der Kreuzigung Jesu und dessen Tod zweifeln einige Bibelkritiker an. Sie argumentieren, dass Jesus am Kreuz ungewöhnlich schnell gestorben sei, nämlich nach schon sechs Stunden, was auch Pilatus verwunderte (Mk 15,44).
Sie spekulieren, Jesus könne möglicherweise noch gelebt haben, seine Kreuzigung könne inszeniert gewesen sein, oder er könne scheintot gewesen und in der Grabkammer wieder erwacht sein (z.B. Franz Alt. Weitere Spekulationen ranken sich darum, wie lange und wo Jesus danach gelebt haben könnte. Gegen die These des Weiterlebens sprechen jedoch neueste medizinische Versuche zum Kreislaufversagen nach schweren Traumata, insb. solchen, die beim "Durchnageln" von Händen und Füßen entstehen.
Andere Spekulationen ranken sich um einen eventuellen Diebstahl des Leichnams aus der Grabkammer - eine Theorie die auch von Mt 28,11ff inspiriert ist (z.B. Reimarus).
Ebenfalls fällt auf, dass die Angaben darüber, was Jesus zwischen Auferstehung und Himmelfahrt gemacht hat, variieren. Auch die Dauer dieses Zeitraums ist nicht klar ersichtlich, wenn auch die katholische Kirche immer von 40 Tagen ausging; für das von der Apostelgeschichte berichtete Ereignis sind keine 40 Tage erforderlich gewesen, also was ist sonst passiert? Angesichts der doch recht detaillierten Schilderungen der Kreuzigung bleiben die Texte hier ziemlich vage.
Eine weitere Auffälligkeit besteht darin, dass Jesus in Apg 1,6-7 die Antwort auf eine Frage zu geben scheint, die die Urchristen insbesondere zur Zeit der Abfassung der Apostelgeschichte, also wenigstens 40 Jahre nach Jesu Kreuzigung, beschäftigt haben dürfte: Die Frage der Zeit seiner Wiederkehr. Einige Kritiker vermuten, dass Lukas hier Worte in Jesu Mund legt, die insbesondere als Antwort auf Fragen seiner Leser gedacht sind.
Dieses Verständnis von Jesus als göttlicher Figur findet seinen Niederschlag in vielen Formulierungen im Evangelium. Hier eine unvollständige Liste der Auffälligkeiten, die man im Vergleich mit den synoptischen Evangelien auch als Widersprüche auffassen kann:
Aus bibelkritischer Sicht sind das klare Hinweise auf das Bestreben des Evangelisten, Jesus in göttlichem Licht, und frei von menschlichen Schwächen erscheinen zu lassen. Das Evangelium sei daher noch mehr als die anderen Evangelien nicht als historische Schilderung sondern als von einem theologischen Programm dominiertes Werk zu verstehen.
Zu dieser für das weitere Leben der Betroffenen wichtigen Frage hat Paulus im 1. Brief an die Korinther Stellung genommen. Aber was Paulus denn nun dort zu dieser Frage gemeint hat, dazu stehen die Angaben, die in verschiedenen Ausgaben der Bibel zu lesen sind, zueinander im Widerspruch:
Schon im altgriechischen Text gibt es unterschiedliche Überlieferungen von 1. Kor 7, 21.
Seriöse Bibelkritik kann durchaus mit Werturteilen verbunden sein, mit positiven wie negativen Werturteilen über die Bibel oder über einzelne Teile oder Stellen der Bibel. Seriosität schließt emotionales Engagement nicht aus.
Ein häufiger Streitpunkt ist die Frage, ob bestimmte Bibelstellen wörtlich zu verstehen sind. Moderne Apologeten werfen Bibelkritikern vor, sie würden Bibelstellen zu Unrecht wörtlich interpretieren. Bibelkritiker hingegen werfen einigen modernen Interpreten der Bibel vor, sie würden sich allzu weit von der ursprünglichen Aussage der Texte entfernen, würden willkürlich hineininterpretieren, was ihnen gefällt.
Bibelkritiker hingegen sehen einen Widerspruch darin, einerseits umfangreiche Passagen der Bibel für zeitbedingt und heute nicht mehr anwendbar zu erklären, andererseits aber den Anspruch zu erheben, die Bibel heute noch als Autorität in ethischen Fragen anzusehen.
Gläubige Christen gehen davon aus, dass ihnen der Heilige Geist dabei hilft, zu erkennen welche Stellen wörtlich zu nehmen sind (Maria gebar einen Sohn) und welche nicht (Jesus sagte: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben).
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