Biathlon (griechisch: Zweikampf) ist eine vornehmlich im Winter ausgetragene Sportart, die sich als Kombinationssportart aus den Disziplinen Skilanglauf und Schießen zusammensetzt. Die wichtigsten Biathlon-Wettkämpfe werden von der Internationalen Biathlon Union (IBU) veranstaltet. Damit ist Biathlon der einzige Skisport, der nicht von der Fédération Internationale de Ski (FIS) reglementiert wird. Der Biathlon-Sport wurde konsequent und erfolgreich zu einer Sportart weiterentwickelt, die publikumswirksam über das Fernsehen vermarktet werden kann. Seit den späten 1980er Jahren wird beim Biathlon in der Skating-Technik gelaufen. Biathlon ist trotz der Namensähnlichkeit nicht mit Biathle verwandt (Kombinationssportart Laufen- Schwimmen- Laufen). Biathlon Oberhof 2002.jpg beim Weltcup 2002]]
Die Ursprünge des Biathlonsports liegen aber vor allem im militärischen Bereich. Bereits zu Beginn der Wikingerzeit verteidigten sich die Ureinwohner Nord-Norwegens erfolgreich auf „Skiern“ gegen einfallende Horden dänischer Wikinger. Im Mittelalter waren die schnellen und flexiblen Skiregimenter fester Bestandteil der Armeen in Skandinavien und Russland.
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Skifahren zum wichtigsten Militärsport in Nordeuropa. Ein guter Skisoldat beherrschte sowohl das Schießen als auch den Langlauf. An der schwedisch-norwegischen Grenze maßen sich bereits im Jahre 1767 Grenzsoldaten der beiden Länder im Wettkampf, bei dem im vollen Skilauf mit dem Gewehr geschossen werden musste. Bis zur Veranstaltung erster organisierter Wettkämpfe im späten 19. Jahrhundert diente die Kombination aus Langlauf und Schießen jedoch ausschließlich der Jagd und militärischen Zwecken.
Aus diesen Wettkämpfen entwickelte sich bis 1910 der Militärpatrouillenlauf, der als Vorgänger des heutigen Biathlon angesehen wird. Während im Biathlon von jeher Einzel- und Staffelrennen gelaufen wurden, definierte sich die Militärpatrouille bis 1930 als reiner Mannschaftswettkampf. Eine Militärpatrouille hatte jeweils aus einem Offizier, einem Unteroffizier und zwei Soldaten zu bestehen. Die Streckenlänge betrug zwischen 25 und 30 km, wobei bei der Hälfte der Distanz eine Schussprüfung im Liegendschießen zu absolvieren war. Für jeden Treffer bekam die Mannschaft, die geschlossen das Ziel erreichen musste, eine Zeitbonifikation von dreißig Sekunden.
Die Hochblüte des Militärpatrouillenlaufes fand in den 1920er und 1930er Jahren statt. Bei der Internationalen Woche des Sports von 1924, die vom IOC nachträglich zu den ersten Olympischen Winterspielen erklärt wurde, war der Militärpatrouillenlauf Teil des offiziellen Programms und stand danach noch bei den Olympischen Winterspielen von 1928, 1936 und 1948 als Demonstrationsbewerb auf dem Programm. Zwischen 1930 und 1941 fanden Weltmeisterschaften im Militärpatrouillenlauf statt, bei denen sowohl Titel im Einzel- wie auch im Mannschaftskampf vergeben wurden. Im Rahmen von Heeresmeisterschaften und Militärweltmeisterschaften wird der Patrouillenlauf bis heute durchgeführt.
Das IOC erkannte Biathlon 1954 als eigenständige Sportart an. 1955 wurde von der UIPM das Konzept des modernen Winterbiathlons eingeführt. Die Wettkampfregeln wurden am 17. November 1956 in Australien genehmigt und die UIPM wurde offiziell der Verband beider Sportarten. 1957 erfolgt schließlich die formelle Aufnahme in den Internationalen Verband des Modernen Fünfkampfes (UIPM) und 1968 die Umbenennung des Verbandes in UIPMB. Diesem Verband blieb Biathlon bis zur Gründung der Internationalen Biathlon Union (IBU) als unabhängigem Verband innerhalb der UIPMB bis 1993 angeschlossen. Die formale Trennung beider Verbände erfolgte 1998.
Die Visiereinrichtung besteht aus einem Diopter, das jedoch keine vergrößernde Wirkung besitzen darf, und dem Ringkorn am vorderen Ende des Rohres. Das Korn ist auswechselbar, damit bei schlechter Sicht ein so genanntes Nebelkorn eingesetzt werden kann. Dieses hat eine größere Öffnung, damit mehr Licht einfallen kann und die Sicht verbessert wird. Die Waffe ist samt Munition vom Sportler während des gesamten Wettkampfes am eigenen Körper mitzuführen.
In den Anfangsjahren wurde auf Papierscheiben und Luftballons geschossen, danach wurden zerbrechliche Glasscheiben verwendet. Ab den Biathlon-Weltmeisterschaften 1981 setzten sich dann die schwarzen Metallscheiben durch, die bei einem Treffer automatisch abklappten. Diese werden teilweise auch heute noch verwendet. Mitte der 1990er Jahre wurde ein modernes System mit elektromechanischen Scheiben und computerisierter Auswertung der Treffer eingeführt. Dabei wird beim Aufprall des Geschosses auf die schwarze Scheibe mittels eines Sensor ein Impuls ausgelöst, durch den sich eine weiße Scheibe vor die schwarze schiebt und die somit den Treffer anzeigt.
Es wird je einmal liegend und stehend geschossen, wobei jeder Fehler mit einer etwa 25 Sekunden dauernden Strafrunde von 150 m Länge geahndet wird. Der Sprint ist mittlerweile die am häufigsten ausgetragene Disziplin im Biathlon-Weltcup.
Die Distanz des eigentlichen Verfolgungsrennens, das meist ein oder zwei Tage nach dem vorausgehenden Einzel- bzw. Sprintrennen stattfindet, beträgt dabei 12,5 km bei den Männern und 10 km bei den Frauen. Es müssen je zwei Schießprüfungen im Liegend- und Stehendschießen (liegend-liegend-stehend-stehend) absolviert werden, wobei für jeden Fehlschuss sofort eine Strafrunde von 150 m Länge gelaufen werden muss.
Diese Disziplin wird regelmäßig im Weltcup ausgetragen, da sie explizit mit Hinsicht auf die Fernsehtauglichkeit des Biathlons konzipiert wurde. Dies ergibt sich daraus, dass der erste Sportler im Ziel auch der Sieger des Rennens ist. Außerdem ergeben sich zusätzliche Spannungsmomente dadurch, dass sich die Athleten auf der Strecke und am Schießstand direkt miteinander messen. Die Rennen werden insbesondere dann spannend, wenn die Zeitabstände, mit denen die Sportler ins Rennen gehen, relativ gering sind.
Startberechtigt für den Massenstart sind nur die 30 bestplatzierten Biathleten im Weltcup. Ausnahme bilden hierbei die Massenstartrennen bei Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen. Hier sind die 15 Bestplatzierten des Gesamtweltcups sowie alle Medaillengewinner des laufenden Wettbewerbs (Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele) startberechtigt. Die zu 30 fehlenden Plätze werden durch die Skijäger ergänzt, die im Verlauf der Meisterschaften die meisten Weltcuppunkte erzielt haben. Dabei ist das Kontingent pro Nation, anders als im Weltcup, auf maximal vier Starter begrenzt. Das Massenstartrennen wird als letztes Einzelrennen der Meisterschaften ausgetragen.
Die Läufer starten gleichzeitig über die 15 km (Herren) bzw. 12,5 km (Damen) lange Strecke. Jeder Fehlschuss bei je zwei Liegend- und Stehendschießen (liegend-liegend-stehend-stehend) wird mit einer 150 m langen Strafrunde bestraft. Wegen der benötigten breiten Starttrasse kann dieser Wettbewerb nur an wenigen Weltcuporten ausgetragen werden. Er gehört aber aufgrund des Gedränges auf Startbahn und Strecke und der Tatsache, dass hier derjenige Sieger ist, der zuerst das Ziel erreicht, zu den spannendsten und beliebtesten Disziplinen des Biathlon.
Bei den Frauen wurden die Distanzen, über die das Staffelrennen ausgetragen wird, mehrfach geändert. Bis 1991 hatten drei Biathletinnen je 5 km zu absolvieren, später liefen vier Athletinnen jeweils 7,5 km. 2003 wurde die Distanz erneut geändert, momentan werden 4 x 6 km gelaufen.
Die neueste Form ist die gemischte Staffel über 4 x 6 km, wobei die ersten beiden Runden von den Frauen und die letzten beiden Runden von den Männern gelaufen werden. Für diesen Bewerb wurde im Rahmen des Weltcupfinales 2005 in Chanty-Mansijsk erstmals eine eigene als „Mixed Relay World Championship“ bezeichnete Weltmeisterschaft ausgetragen. Der Weltverband IBU überlegt, diese Weltmeisterschaft künftig jährlich zu veranstalten und mit weiteren Bewerben – z. B. einer 2-Personen-Staffel - auszustatten.
Eine Mannschaft wurde von vier Athleten einer Nation gebildet, die geschlossen eine Distanz von 20 km (Männer) bzw. 15 km (Frauen) laufen musste. Es waren vier Schießprüfungen zu absolvieren (liegend-stehend-liegend-stehend), wobei bei jeder Schießeinlage nur ein Athlet auf die fünf Scheiben schießen durfte. Die restliche Mannschaft wartete auf das Schussende, für jeden Fehlschuss wurde gemeinsam eine Strafrunde von 300 m gelaufen. Die Zeitnahme im Ziel wurde jeweils vom letzten Mannschaftsmitglied ausgelöst, der Abstand zwischen dem ersten und dem letzten Läufer durfte nicht mehr als 50 m oder 15 Sekunden betragen. Die Regeln dieses Wettbewerbs wurden mehrfach geändert, trotzdem konnte sich der Mannschaftswettkampf nicht durchsetzen und wurde durch das Massenstartrennen ersetzt.
Erst nach der Entwicklung hin zum rein sportlichen Biathlon wurde der Sport auch vom IOC anerkannt. 1960 wurde der Biathlonsport mit dem 20 km-Lauf der Männer erstmals ins offizielle Programm der Winterspiele aufgenommen. 1968 mit der 4 x 7,5 km-Staffel und 1980 mit dem Sprintbewerb wurden die nächsten Biathlonbewerbe olympisch. Bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville feierten dann auch die Biathlon-Frauen ihre olympische Premiere. Die Frauenbewerbe werden analog den Männerbewerben gegliedert, jedoch über kürzere Distanzen ausgetragen. Mit der Aufnahme des Verfolgungslaufes (2002 in Salt Lake City) und des Massenstarts (2006 in Turin) werden erstmals bei Olympischen Spielen je fünf Wettbewerbe für Männer und Frauen ausgetragen.
Die erste Biathlon-Weltmeisterschaft der Männer fand 1958 im österreichischen Saalfelden statt, die Zahl der Aktiven war mit nur 25 Athleten aus sieben Ländern noch sehr gering. Im Weltmeisterschaftsprogramm war nur der Einzelwettkampf, Staffel und Sprint wurden erst später ins Programm genommen.
Seit 1984 werden auch Weltmeisterschaften für Frauen veranstaltet, die bis 1988 getrennt von den Weltmeisterschaften der Männer stattfanden. Seit 1989 werden gemeinsame Weltmeisterschaften für Männer und Frauen veranstaltet, das Weltmeisterschaftsprogramm wurde nach und nach um neue Disziplinen (Verfolgung, Massenstart, Mixed-Staffel) erweitert.
Außerdem organisiert die IBU noch Weltmeisterschaften für gemischte Staffeln, Biathlon-Sommerweltmeisterschaften und Weltmeisterschaften für Junioren und Jugend.
Jährlich wird in der Wintersaison von Dezember bis März für Männer und Frauen der Biathlon-Weltcup ausgetragen, eine Serie von 27 einzelnen Wettkämpfen an neun verschiedenen Orten in sechs Ländern (Stand: Saison 2004/2005).
Der erfolgreichste Teilnehmer an Weltmeisterschaften ist Frank Luck mit 11 Goldmedaillen, 5 Silbermedaillen und 4 Bronzemedaillen. Ihm folgen Alexander Tichonow (11-4-1), Ricco Gross (9-5-4) und Jelena Golowina (9-5-3).
Den Gesamtweltcup konnten bei den Männern bisher drei Biathleten insgesamt je viermal gewinnen: Frank Ullrich (4x Erster, 1x Zweiter, 1x Dritter), Raphaël Poirée (4x Erster, 1x Zweiter, 1x Dritter) und Ole Einar Bjørndalen (4x Erster, 4x Zweiter, 2x Dritter). Bei den Frauen führt überlegen Magdalena Forsberg mit 6 Gesamtweltcupsiegen. Ihr folgen Eva Korpela mit zwei Siegen und einem zweiten Platz und Anfissa Reszowa mit 2 Siegen. Mit Martina Glagow (Saison 2002/03) und Kati Wilhelm (Saison 2005/06) gab es bisher zwei deutsche Gesamtweltcup-Siegerinnen.
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