Ein Bezugssystem oder Referenzsystem ist eine Methode, die Lage (Position, Stellung) oder die Bewegung eines Körpers im Bezug zu einem Bezugspunkt (Positionierung) zu beschreiben und mit anderen Lagen zu vergleichen.
Der Standpunkt des Beobachters bestimmt das Hier (Da) und Dort im umgangssprachlichen Gebrauch eines intuitiven Bezugssystems.
Es dient der Positionsangabe, entweder absolut (z. B. 48 Grad Nord / 15 Grad Ost, auf dem Gipfel der Zugspitze, Ecke Theresienstraße/Arcisstraße, Dritte Zeile) oder relativ (z. B. Drei Schritte vorwärts, zehn Kilometer nordwestlich von hier, von Dir aus links).
Für Problemstellungen, die eine Bewegung darstellen, verfügt ein Bezugsystem auch über einen Zeitbezug, entweder als Zeitparameter oder als Zeitdimension. In diesem Fall gibt es noch einen ausgewählten Zeitpunkt als Bezugspunkt eines Jetzt.
Intuitive Bezugsysteme
Der eigene Standort ergibt mit den
Seiten Links und
Rechts, der
Blickrichtung (
Vorne,
Hinten) und der
Schwerkraft (
Oben,
Unten) das persönlich offenkundlichste Bezugsystem zur
Orientierung im
Raum.
Hier bzw da bezeichnen also den Standpunkt des Beobachters, den Nullpunkt, die anderen Begriffe die Achsen, und dort ein zweites Bezugssystem.
- Da (gotisch þo über althochdeutsch do) und dort sind etymologisch verwandt mit der, die, das
[hier, da, dort, Einträge im Wiktionary:Willkommen – dort mit weiteren Belegstellen (9. Juli 2006)]. Die indogermanische Wurzel *tē (instrumentale Form zu to-)[to-, ko-, Einträge in The American Heritage® Dictionary of the English Language. Fourth Edition. 2000. (9. Juli 2006)] stellt einen Modellfall eines Demonstrativpronomens dar und beinhaltet eine kausale Wurzel. Von der zweiten Wurzel *kȏ leitet sich Hier ab, mit einer finalen Nebenbedeutung. Daher sind da und hier im Deutschen nicht exakt synonym, wie die Redewendung hier und da zeigt : So wie das Jetzt einen räumlichen Bezug beeinhaltet, impliziert das Da auch einen zeitlichen Bezug.
Dieses Bezugsystem wird schon in frühen
kindlichen Entwicklungsphasen verinnerlicht, und wird so selbstverständlich unbewusst, dass diese einfachen Bezugsbezeichnungen Anlaß zu einer Fülle von
Verwechslungswitzen bieten, etwa über den Sachverhalt, das bei einem
Gegenüber und dem
Spiegelbild rechts und links anders orientiert sind, oder die
Antipoden „am Kopf“ stehen. In einer reiferen Phase sollte ein Kind lernen, dass „Hier“ und „Dort“ nicht so selbstverständlich sind, und einer Abstimmung im Rahmen von
Kommunikation bedürfen.
Von diesen intuitiven und subjektiven Bezugssystemen leiten sich alle in den Wissenschaften verwendeten Bezugssysteme ab, suchen aber den oben erläuterten Widerspruch zu vermeiden.
Bezugssystem in Naturwissenschaft und Technik
Naturwissenschaften und
Technik benutzen als Bezugsystem
Koordinatensysteme.
Die theoretisch wichtigsten Systeme der Physik ist das Inertialsystem, welches frei von jeder Beschleunigung und Drehung ist, und das standpunktsbezogene Koordinatensystem der Relativitätstheorie.
Für Technik und Geowissenschaften sind terrestrische Systeme vorherrschend, die eine genaue Definition auf dem Erdellipsoid oder Geoid besitzen.
Positionsangabe im Referenzsystem
Geodäsie
Eine Positionsangabe in der
Geodäsie umfasst
Geographische Position und
Höhe: Hier wird die
geographische Breite und
Länge auf
Bogenminuten,
Sechzigstel Grad, angegeben, z. B.
Zugspitze 47° 25′ N, 10° 59′ E oder Ost.
- Eine Breitenminute entspricht auf der Erdoberfläche einer Strecke von 1,852 km (= eine Seemeile).
- Die Strecke, die einer Längenminute entspricht, beträgt zwar am Äquator ebenfalls 1,852 km, nimmt aber zum Pol hin bis auf Null ab. Sie ist also breitenabhängig. Innerhalb Europas liegt die Strecke zwischen 1 km und 1,5 km.
Im Vermessungswesen sind cm-Genauigkeiten gefragt – daher genügt die Angabe von Bogensekunden nicht (1″ = 31 bzw. ~20 m). Meistens wird die Lage der Festpunkte auf mm als Gauß-Krüger-Koordinaten angegeben.
- Siehe auch: GPS
Luftfahrt und Nautik
Genauere Positionsangaben sind in der
Luftfahrt und
Nautik erforderlich.
- Bogenminuten werden in der Nautik und Luftfahrt nicht in Sekunden, sondern dezimal weiter unterteilt.
- Gemäß DIN 13312, gültig für Luft- und Seefahrt, wird die geographische Breite mit Lat oder älter auch φ abgekürzt, die geographische Länge mit Lon oder λ. B und L bezeichnen geodätische Koordinaten und sind daher nicht normgemäß.
- Siehe auch: Navigation
Astronomie
Die
Position – insbesondere in der
Himmelsmechanik auch
Stellung genannt – eines
astronomischen Objekts sind seine
Koordinaten in einem astronomische
Koordinatensystem.
Aufgrund der zahlreichen, vom jeweiligen Fall abhängigen Koordinatensysteme, die in Astronomie und Raumfahrt verwendet werden, wird eine Position immer mit dem Zusatz des Referenzsystems in Raum und Zeit angegeben.
Beispiele: geozentrische ekliptikale Position zur Epoche J2000, aktuelle topozentrische horizontale Position, mittlere baryzentrische Position im Sonnensystem, Position im Galaktischen System II (Standardepoche), relative momentane Position im Hauptträgheitssystem u.s.w.
- Ausführliche Informationen hierzu siehe Astronomisches Koordinatensystem
Übergang in ein anderes Bezugsystem
Um von einem Bezugssystem zu einem anderen überzugehen, benützt man eine
Koordinatentransformation. Beispiele für Mengen solcher Koordinatentransformationen sind:
Quellen
Literatur
- Peter Rossmann: "Einführung in die Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters". Huber Verlag, Bern. 1996. ISBN 3-456-82723-7
Weblinks
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