Joseph Beuys (* 12. Mai 1921 in Krefeld; † 23. Januar 1986 in Düsseldorf) war ein deutscher Bildhauer, Zeichner sowie Aktions- und Environmentkünstler. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Moderne. Joseph Beuys galt auch als – wenngleich umstrittener – Anthroposoph.
Von 1946 bis 1952 studierte Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf, zunächst bei Joseph Enseling und ab dem Wintersemester 1947 als Meisterschüler bei Ewald Mataré. Er trifft auf Herbert Zangs, der wie er im zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe war, und ebenso vom Niederrhein stammt. Später (im Mai 1975) schreibt Beuys einmal über Zangs: „Er lieferte eine ganze Reihe von Gegenbildern, an denen man sehr viel Orientierung finden konnte.” Anfang der 1950er bezog Beuys ein Atelier in Düsseldorf und realisierte eine erste Ausstellung im Haus der mit ihm befreundeten Brüder van der Grinten in Kranenburg. Doch enttäuscht von dem mageren Publikumserfolg erlitt er 1950er eine Sinn- und Schaffenskrise; er litt unter schweren Depressionen, die vermutlich auch auf posttraumatischen Kriegserlebnissen beruhten. Er zog sich wochenlang in ein abgedunkeltes Zimmer auf den abgelegen Hof der van der Grintens zurück. 1958 bewarb sich Beuys um eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf, scheitert jedoch an dem Einspruch Matarés. 1959 heiratete er Eva Wurmbach, die Tochter eines Zoologieprofessors. Ab 1961 bis zu seiner Entlassung 1972 war er dann selbst Professor an der Kunstakademie, wo er die Klasse für monumentale Bildhauerei leitete; zu seinen Schülern zählte u.a. Jörg Immendorff. 1964 wurden seine Werke erstmals auf der documenta ausgestellt.
Im Kreis Kleve, in dem er viele Jahre auf dem Bauernhof seiner Freunde, der Brüder Hans und Franz van der Grinten, gelebt hat, befinden sich heute die größten Sammlungen seiner Arbeiten. Hier ist vor allem das Museum im Schloss Moyland in der Gemeinde Bedburg-Hau zu nennen. Dort befindet sich auch das Joseph Beuys Archiv (ein Institut der Kunstakademie Düsseldorf). Aber auch im heutigen Museum Kurhaus Kleve, dessen Räumlichkeiten Beuys von 1957 bis 1964 als Atelier genutzt hatte, finden sich viele seiner Werke. Ferner »Block Beuys« in Darmstadt; Kunstmuseum Bonn, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, Museum Ludwig, Köln, Staedel, Frankfurt, »Hamburger Bahnhof«, Berlin, in der Staatliche Sammlung in Kassel, Centre Pompidou, Paris; im MoMA New York, in Chicago und Minneapolis, Tokio etc.
Im Jahre 2005 wurde das Gesamtwerk von Joseph Beuys mit einer Retrospektive des Tate Modern in London gewürdigt.
Während Beuys anfangs noch als traditioneller Bildhauer sowie als Zeichner in Erscheinung trat, machte er ab den 1960er Jahren durch seine Beteiligung an Happenings, als Mitglied der Fluxus-Bewegung oder durch kultisch-liturgische Einzelaktionen von sich reden. Während des 24-Stunden-Happenings am 5. Juni 1965 in der Wuppertaler Galerie Parnass brachte Beuys mit seiner Aktion und in uns - unter uns - landunter durch die Verwendung von der Arte povera zugehörigen Materialien wie Honig, Fett, Filz und Kupfer ein symbolträchtiges Dingvokabular für Energiespeicherung, Spannung und Kreativität künstlerisch zur Anschauung. Weitere Aktionen mit Titeln wie Eurasia, mit Braunkreuz, wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt oder Manresa folgten. Später widmete er sich im Rahmen seines Konzepts des „erweiterten Kunstbegriffs“ verstärkt der „sozialen Plastik“, bei der der Prozess des kreativen Denkens und politischen Handelns wichtiger wird als das Herstellen eines materiellen Kunstobjekts. Joseph Beuys prägte die Sätze: „Jeder Mensch ist ein Künstler“ und „Kunst = Kapital“ (als Kommentar zu Karl Marx).
Dabei wurde die Aussage Jeder Mensch ist ein Künstler häufig missverstandenen und belächelt: Der Satz verneinte aber gar nicht unbedingt spezielle Begabungen etwa in der Malerei und stellte auch keine Anweisung an Jedermann dar, nun doch auch im klassischen Sinn künstlerisch tätig zu werden. Er meinte vielmehr, dass z.B. die Gesellschaft, die Demokratie auch als Kunstwerk betrachtet werden kann, zu dessen Gelingen vor allem individuelle Spiritualität, Offenheit, Kreativität und Fantasie notwendig sind - Einstellungen also, die eigentlich eher der Künstler gegenüber seinen Sujets hegt. Diese Eigenschaften und Fähigkeiten sprach er dann jedem Mensch zu. Er wendete sich damit auch gegen eine formalisierte, erstarrende Rollenverteilung in einer spezialisierten Gesellschaft, die der Kunst nur eine Nische zuweisen will.
Für manche Beobachter ist sein Denken auch von Rudolf Steiner und der Anthroposophie geprägt.
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Beuys gestalterisches Handeln bezog sich auf den freien Menschen und den Menschen als Natur- und Gesellschaftswesen; es war politisch gerichtet. 1967, wenige Tage nach dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg, gründete Beuys die Deutsche Studentenpartei. 1970 gründete er die Organisation der Nichtwähler, 1971 die Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung. 1976, als Spitzenkandidat der AUD bei den Bundestagswahlen in NRW, erhielt er in seinem Wahlkreis Düsseldorf-Oberkassel 600 Stimmen (3%).
Nachdem Beuys mit abgewiesenen Studenten 1972 das Sekretariat der Kunstakademie Düsseldorf besetzt hatte (wie schon 1971 mit 15 Studenten erfolgreich praktiziert), sprach der damalige Minister für Wissenschaft und Forschung, Johannes Rau, die fristlose Kündigung aus. Nach langem Rechtsstreit wurde diese 1978 für ungültig erklärt. Eine Stellungnahme von Johannes Rau aus dem Jahre 2001 zu der Kündigung findet sich unter *. 1979 kandidierte Beuys für das Europaparlament, 1980 für Die Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen, doch konnte er seine politischen Vorstellungen bei den Grünen selbst nicht durchsetzen.
Im Laufe seiner Arbeit hat Beuys eine Reihe von politischen Organisationen (vgl. beuys.org) begründet, wovon die Freie internationale Universität auch nach seinem Tod aktiv betrieben wurde, u.a. in der Düsseldorfer Kunstakademie.
1982 - während der Endphase des internationalen Wettrüstens - trat er auch als Politsänger mit dem Song Sonne statt Reagan auf. Im selben Jahr fand seine wohl spektalulärste Aktion auf der documenta 7 statt: Unter dem Motto „7000 Eichen - Stadt-verwaldung statt Stadt-verwaltung”, türmte er vor dem Fridericianum in Kassel 7000 Basaltblöcke auf, mit dem Ziel, den Berg aus riesigen Steinen nach und nach dadurch abzutragen, dass jeder, der 500 DM spendete, einen Basaltblock entfernen und dafür an anderer Stelle ein Eichenbäumchen einpflanzen dürfe, dem der jeweilige Steinblock zugesellt wird. Es kam ihm bei dieser spektakulären Aktion darauf an, „dass jedes einzelne Monument aus einem lebenden Teil besteht, eben dem sich ständig in der Zeit verändernden Wesen Baum, und einem Teil, der kristallin ist und also eine Form, Masse, Größe, Gewicht beibehält”. Beuys erlebte das Ende seiner Pflanzaktion nicht mehr; er starb am 23. Januar 1986, rund drei Monate vor seinem 65. Geburtstag, an einem Lungenleiden.
Nach seinem Tod pflanzte sein Sohn Wenzel Beuys 1987 zur documenta 8 den letzten Baum. Der Landschaftsarchitekt Johannes Steiner aus Stuttgart sammelte die Früchte der Eichen, steckte sie in Blumentöpfe und gibt die Pflanzen an Baumpaten weiter (Projekt Eichenfeld - Erste nachwachsende Generation).
Mann | Deutscher | Künstler | Bildhauer | Zeichner | Geboren 1921 | Gestorben 1986 | Documenta | AUD-Mitglied | Fluxus | Aktionskünstler | Arte Povera
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