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Betrug und Fälschung in der Wissenschaft sind unwahre Behauptungen oder gefälschte Messergebnisse, die vorsätzlich (Betrug) publiziert werden. Das Nicht-Wahrhaben-Wollen widersprüchlicher Messergebnisse und tendenziöse Berichterstattung sowie Weglassen von Ergebnissen stellen dagegen minder schwere, aber dennoch für den Wisssenschaftsbetrieb sehr schädliche Verhaltensweisen dar. Als Betrug in der Wissenschaft zählt auch das Plagiat und die Veröffentlichung der Arbeit von Ghostwritern unter eigenem Namen. In diesen Fällen sind die vertretenen Informationen bis auf den Autor aber i.A. korrekt. Universitäten und Forschungseinrichtungen versuchen in den letzten Jahren, mit der Verabschiedung von „Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis“ und Maßnahmen zum „Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten“ gegen solche Vorkommnisse vorzugehen.

Sonderfälle und Quellen für Missverständnisse

Im Einzelfall mag dabei die Abgrenzung zwischen Fälschung und wissenschaftlichem Witz für Außenstehende nicht sofort erkennbar sein.

Ursachen und Motivation


Die Ursachen und Motivation für Betrug und Fälschung in der Wissenschaft werden in der Regel individuell zu suchen sein. Es ist aber nicht auszuschließen, dass ganze Institute, soweit ihre finanzielle Ausstattung davon abhängt, Ergebnisse, die dem Auftraggeber konträr laufen, zumindest nicht veröffentlichen. Dies ist allerdings lediglich ein Grenzfall zu Betrug und Fälschung.

In Betracht kommen dabei häufig Ruhm und Ehre, die Forscher mit der Publikation neuer und sensationeller Erkenntnisse zu gewinnen suchen. Auf der anderen Seite können auch ein Publikationszwang und der Bedarf an Fördermitteln dazu führen, dass Versuchsdaten und Ergebnisse erfunden oder geschönt werden.

Nach der Aufdeckung von Fälschungen steht oft die Frage im Raum, warum die Fehler so lange unentdeckt blieben. Dabei handelt es sich teilweise jedoch nicht einfach um ein blindes Vertrauen in die Wissenschaft und ihre Forschungsergebnisse. Manchmal stehen strukturelle Mängel des Forschungsbetriebs einer Aufdeckung von Missständen im Weg:

  • Universitäten und Forschungseinrichtungen fürchten um ihren Ruf, wenn bekannt wird, dass wissenschaftliche Fehler in ihrem Haus gemacht werden.
  • Fachbereiche und Kollegen fürchten das Ausbleiben von Forschungsgeldern, wenn sie keine positiven Ergebnisse im Sinne der Geldgeber vorweisen können (siehe auch Problematik von Gutachten)
  • Falls es sich bei dem Fälscher um einen Professor oder eine einflussreiche Koryphäe des Fachs handelt, sind Mitarbeiter und Kollegen für die eigene Karriere auf ein gutes Einvernehmen mit dem Fälscher angewiesen.
  • Insbesondere wenn es sich bei einer fälschenden Koryphäe um den Leiter einer auf Jahre angelegten Projektgruppe handelt, würde ein Auffliegen des Schwindels meist auch zum Ende des Projektes und somit zu einer ungewissen Zukunft für die nachgeordneten Projektmitarbeiter führen.

Im Falle des Anthropologie-Professors Reiner Protsch versuchte eine interne Universitätskommission zu ergründen, warum Protschs Umfeld sein Verhalten jahrzehntelang tolerierte. Eine Mischung aus Angst, Ignoranz und falsch verstandener Solidarität, so die Diagnose, habe ein konsequentes Vorgehen von Fachbereich und Hochschulleitung gegen den Professor verhindert. Der Kommissionsbericht kritisiert, „dass die fehlende Sensibilität und Entschiedenheit bei Mitarbeitern, Kollegen, Dekanen sowie bei Hochschulleitung und -verwaltung konsequentes Handeln zu einem früheren Zeitpunkt vereitelt" habe.* Pressemitteilung Nr. 37/2005 der Universität Frankfurt vom 17. Februar 2005 Zudem habe man „Ausmaß und Tragweite des Fehlverhaltens von Protsch offensichtlich falsch eingeschätzt und es deshalb nicht konsequent verfolgt." Dieses Versagen der Universitätsangehörigen habe dazu geführt, dass Protsch „das Amt eines Universitätsprofessors in hohem Maße missbraucht und sich fachlich wie durch seine Amtsführung hierfür disqualifiziert“ habe.Pressemitteilung Nr. 38/2005 der Universität Frankfurt vom 17. Februar 2005

Nach dem Experimentalphysiker H.-J. Queisser wirken persönliche Kontakte in der Forschung dem wissenschaftlichen Betrug entgegen. * Hans-Joachim Queisser: Veröffentliche oder verende! Was uns der Betrugsfall Jan Hendrik Schön über die moderne Wissenschaftskultur lehrt / Von Hans-Joachim Queisser. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 229, 2. Oktober 2002, S. 50

Auswirkungen


Die Auswirkungen wissenschaftlicher Fälschungen sind je nach Forschungsbereich unterschiedlich ausgeprägt. Während in den anwendungsnahen Wissenschaftszweigen der Praxistest die Wahrheit sehr bald an den Tag bringt, ist eine Aufdeckung in den Grundlagenforschungen eher langfristig oder gar nicht zu erwarten.

Der Experimentalphysiker H.-J. Queisser dagegen vertritt z. B. die Auffassung, wissenschaftlicher Betrug wirke „längst nicht so dramatisch und nachhaltig wie Betrug in anderen Bereichen“. Unentdeckte Fälschungen würden mit der Zeit vergessen und von der Bildfläche verschwinden.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft weist in ihrer Statistik über die Anrufung des Ombudsmannes zur Einhaltung ihrer Empfehlungen für gute wissenschaftliche Praxis eine jährliche Zunahme der Fälle unkorrekten Verhaltens aus und befürchtet einen Vertrauensschwund für die Wissenschaft.

Beispiele


Die folgenden Fälle von Betrug und Fälschung haben Aufsehen über ihr Fachgebiet hinaus erregt:

In den Geisteswissenschaften

  • Die Sokal-Affäre: Im Mai 1996 veröffentlichte die Zeitschrift Social Text den Artikel „Transgressing the Boundaries: Towards a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity” („Grenzen überschreiten: eine transformative Hermeneutik der Quantengravitation“) des Physikers Alan Sokal. Kurz darauf gab Sokal in einer anderen Zeitschrift, Lingua Franca, bekannt, dass es sich bei dem Aufsatz um eine Parodie handele, die er verfasst habe, „um einen gegenwärtig modischen postmodernen/poststrukturalistischen/ gesellschaftskonstruktivistischen Diskurs und, allgemeiner, einen Hang zum Subjektivismus zu bekämpfen“. Er hatte die zusammengesuchten Zitate verschiedener postmoderner Denker mit dem typischen Jargon dieser Denkrichtung zu einem Text montiert, dessen unsinniger Inhalt bei Beachtung wissenschaftlicher Standards, so der Vorwurf an die Herausgeber von Social Text, als solcher hätte erkannt werden müssen.

Fälschungen von Geschichtsquellen

  • Die Konstantinische Schenkung ist eine Fälschung, die den Herrschaftsanspruch des Papstes im Allgemeinen und über den Kirchenstaat im Besonderen legitimieren sollte.
  • Die Vinland-Karte ist eine Weltkarte, deren Echtheit umstritten ist. Sollte sie echt sein, so wäre sie die früheste Karte, die die Küste Nordamerikas kartiert.
  • Die Protokolle der Weisen von Zion sind ein antisemtisches Pamphlet, das die Existenz einer jüdischen Weltverschwörung untermauern sollten.

  • Der ehemalige Nationalsozialist Hermann Rauschning veröffentlichte im Zürcher Exil ausführliche Aufzeichnungen seiner angeblichen Gespräche mit Hitler, die ein Bestseller wurden und lange Zeit als genuine Selbstaussagen Hitlers von der Forschung genutzt wurden. In Wirklichkeit hatte Rauschning Hitler nur selten persönlich getroffen, und auch dann nie unter vier Augen.

  • Viele Dokumente, die in der Reichstagsbrandkontroverse von Vertretern der Theorie vorgelegt wurden, die Nazis hätten das Gebäude angesteckt, erwiesen sich als Fälschung. So wurde z.B. die sensationelle Aussage des ehemaligen Heizers im Reichstagsgebäude, Johannes Wittkowski, aus dem Jahre 1969 vorgelegt, er habe die „Wache“ der Nazi-Brandstifter mit eigenen Augen gesehen. In Wahrheit war Wittkowski aber bereits 1963 verstorben. Hinter den Fälschungen soll der kroatische Publizist Eduard Calic stecken.

  • Ein Brief, den der ehemalige General und rechtsextreme Verschwörungstheoretiker Erich Ludendorff 1933 an seinen ehemaligen Vorgesetzten, den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg geschrieben haben soll, um ihn davor zu warnen, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, wurde in den neunziger Jahren als Fälschung enttarnt.

  • Das "Dossiers Secrets" in Bibliothèque Nationale in Paris, es sollte das Wirken der angeblich seit Jahrhunderten existierenden Prieuré de Sion nachweisen und Pierre Plantard, den Fälscher, zum rechtmäßigen Nachfolger der Merowinger erklären.

  • Die Hitler-Tagebücher, die die Illustrierte Stern 1983 mit großem Aplomb veröffentlichte („Die Geschichte des Nationalsozialismus muss neu geschrieben werden!“), erwiesen sich rasch als Machwerk des geschickten Fälschers Konrad Kujau.

Fälschungen in der Archäologie

  • Die gefälschte so genannte „Persische Mumie“ führte im Jahr 2000 zu Spannungen zwischen dem Iran und Pakistan.
  • Die Arbeiten des verstorbenen "Moorleichen-Papstes" Alfred Dieck waren wichtige Grundlage für Vorstellungen über germanische Kultur und Bestattungsriten. Bei der Auswertung seines wissenschaftlichen Nachlasses 2006 durch Sabine Eisenbeiß im Rahmen ihrer Magisterarbeit stellten sich Diecks Werke teilweise als stark ausgeschmückt oder sogar frei erfunden dar.* Bericht des Wissenschaftsmagazins nano vom Juni 2006 über den Schwindel mit Moorleichen

Fälschungen in der Anthropologie

  • Der Frankfurter Anthropologe Reiner Protsch hat nach Angaben einer Untersuchungskommission Schädelfunde aus der menschlichen Vorgeschichte bewusst und systematisch rückdatiert, teilweise um Zehntausende von Jahren.

Fälschungen in der Paläontologie

(→Wie der Archaeoraptor gefälscht wurde, →Das gefälschte Fossil)

Fälschungen in der Biologie

  • Lyssenko-Biologie. Mit Unterstützung der politischen Macht, vor allem Josef Stalins, wurde diese Lehre verbreitet, das Gedankengut der klassischen Genetik unterdrückt und Wissenschaftler mit anderer Auffassung bedroht, verbannt oder gar getötet.

  • Gregor Mendel stellte im 19. Jahrhundert Untersuchungen zur Vererbungslehre an, indem er verschiedene Erbsensorten züchtete. Seine Erkenntnisse (Mendelsche Gesetze) waren im Kern richtig, jedoch erscheinen die Ergebnisse zu „glatt“, so dass manche Forscher, wie Ronald Fisher, davon ausgehen, dass er möglicherweise abweichende Ergebnisse weggelassen hat. Gerade bei Erbsen spiele das Phänomen des Crossing Over eine Rolle, das damals aber noch unbekannt war. Die Vorwürfe gegen Mendel beruhen jedoch auf reinen Mutmaßungen.

Fälschungen in der Medizin

  • Dem Radiologen Robert Slutsky wurde Mitte der 1980er-Jahre von der University of California, San Diego, nachgewiesen, dass er wiederholt unkorrekte Daten in Fachzeitschriften veröffentlich hatte. Die Fachzeitschrift science berichtete im April 2006, 18 seiner 60 Veröffentlichungen seien wegen gefälschter oder zumindest fragwürdiger Daten widerrufen worden.

  • Der Biologe und Mediziner Karl Illmensee behauptete im Jahr 1981 drei Mäuse geklont zu haben. Seine Versuche hielten jedoch einer Überprüfung nicht stand.

  • Die Signifikanz der Hochdosischemotherapie bei Brustkrebs wurde von Werner Bezwoda gefälscht; er gab dies später im Deutschen Ärzteblatt(Nr. 7., 18. Februar 2000, S. 336) offiziell zu.

  • Der kanadische Forscher Eric Poehlman vom Vermont College of Medicine forschte jahrelang auf dem Gebiet der Menopause, des Alterns und der Fettleibigkeit. Bereits im Jahr 2000 wurden Vorwürfe gegen die Glaubwürdigkeit seiner Studien laut, aber erst im Jahr 2005 wies ihm eine Untersuchungskommission der University of Vermont nach, dass 10 seiner Veröffentlichungen verfälschte Daten enthielten. Wegen unkorrekter Angaben in Anträgen auf Forschungsförderungen wurden juristische Schritte gegen ihn eingeleitet.

  • „Impfung gegen Krebs“ (vermeintliche Therapie gegen Nierenzellkarzinom): Alexander Kugler, Urologe an der Universität Göttingen, und Gernot Stuhler von der Universität Tübingen werden 2001 methodische Ungenauigkeiten vorgeworfen. Kuglers Vorgesetzter Rolf-Hermann Ringert wird 2005 von der DFG für acht Jahre von Drittmitteln und Gutachten ausgesperrt.Harro Albrecht: „Das Ende der Nachsicht“ in: Die Zeit Nr. 29/2005, S. 36

  • Dem koreanischen Stammzellforscher Hwang Woo-suk wurde Ende 2005 von einer Untersuchungskommission seiner Hochschule nachgewiesen, einen in "Science" veröffentlichten, spektakulären Forschungsbericht über die Kultivierung von elf geklonten humanen Stammzell-Linien vollständig gefälscht zu haben.

  • Der norwegische Krebsforscher Jon Sudbø gab im Januar 2006 zu, mehrere hundert Patientendaten von Mundkrebskranken frei erfunden, sie zu einer Studie verarbeitet und diese in der angesehenen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht zu haben, zusammen mit 13 Co-Autoren. Die Aussage dieser Fälschung war, dass das Risiko für Mundkrebs bei Rauchern angeblich auf die Hälfte gesenkt werden könne, wenn man über längere Zeit Paracetamol einnehme. Ferner wurde ihm nachgewiesen, Abbildungen für eine Veröffentlichung im New England Journal of Medicine verfälscht zu haben. Daraufhin wurden sämtliche 38 von ihm in den vergangenen acht Jahren veröffentlichten Studien einer Prüfung unterzogen. Laut Presseberichten vom 25. Januar 2006 gab er auch die Fälschung einer Publikation im Journal of Clinical Oncology zu. FAZ vom 25.1.06, S. N1, SZ vom 18.1.06, S.8
  • Der japanische Biochemiker Kazunari Taira wurde Anfang 2006 von der Universität von Tokio vom Dienst suspendiert, nachdem er die Daten mehrerer, in hochrangigen Fachzeitschriften veröffentlichten Studien auf dem Gebiet der RNA-Interferenz nicht reproduzieren konnte. Auch konnte er weder die Rohdaten zu den Publikationen noch Labortagebücher vorweisen.Science Band 311 vom 3. Februar 2006, S. 595; vergl. a.a.O. vom 23. September 2005, S. 1973; Nature 439 vom 2. Februar 2006, S. 514

  • Leipziger Homöopathie-Studie: Eine Studie aus dem Jahr 2003, die angeblich einen empirischen Nachweis der Wirksamkeit hochpotenzierter Homöopathika geliefert hatte, wurde Ende 2005 zurückgezogen. Ein Forschungspreis, der den Forschern (der Apothekerin Franziska Schmidt und den Pharmakologen Prof. Dr. Karen Nieber und Prof. Dr. Wolfgang Süß) zugesprochen worden war, wurde zurückgegeben. Der Chemiker Dr. Klaus Keck (Konstanz), der Mathematiker Prof. Gerhard Bruhn (Darmstadt) und der Geophysiker Prof. Erhard Wielandt (Stuttgart) hatten zuvor öffentlich bemängelt, dass die Ergebnisse der Studie nicht auf objektiven Messungen, sondern auf "vorurteils- und methodisch bedingten Messfehlern" beruhten.

  • Der Strahlungsonkologe Steven Leadon von der University of North Carolina at Chapel Hill verlor seine Professur, nachdem ein Universitätsausschuss ihn schuldig gesprochen hatte, in einem 1997 in Science erschienenen Artikel gefälschte Daten veröffentlicht zu haben. Der Artikel, der zurückgezogen wurde, hatte den Einfluss des Brustkrebsgens BRCA-1 auf die zelleigenen DNA-Reparaturmechanismen zum Inhalt. Am 8. Juni 2006 sprach ihn auch das US Office of Research Integrity schuldig. Die Untersuchungen hätten zum Ergebnis geführt, dass insgesamt acht Publikationen von Datenmanipulationen betroffen gewesen seien. In einer Abmachung verpflichtete sich Leadon, drei weitere Publikationen zurückzuziehen und fünf Jahre lang keine staatlichen Forschungsgelder zu beantragen. Leadon bestritt auch nach dieser Abmachung jedes Fehlverhalten. Er habe der Abmachung nur zugestimmt, weil er die Kosten für den Klageweg nicht aufbringen könne. "Nature" Band. 441 vom 22. Juni 2006, S. 920 f.

Fälschungen in der Psychologie

Fälschungen in der Physik

  • Galileo Galilei wurde wiederholt vorgeworfen, einige der von ihm beschriebenen und als Beleg für die Korrektheit seiner Theorien ausgegebenen Experimente niemals selbst durchgeführt zu haben. Die von Galilei wiedergegebenen Ergebnisse seiner Pendelexperimente sowie die Darstellung der Experimente mit der schiefen Ebene weisen - so der Vorwurf - gemessen an den Versuchsbedingungen zu wenige Abweichungen auf, um realistisch zu erscheinen. Federico Di Trocchio etwa schrieb über das Experiment mit der schiefen Ebene:
„Entweder hatte Galilei das Experiment nie durchgeführt, oder er hatte seine Ergebnisse nicht mit der nötigen Genauigkeit wiedergegeben.“ So u.a. Federico Di Trocchio in Der große Schwindel (Campus Verlag, 1994, S. 16 ff.)

Beides empfand Di Trocchio als „kompromittierend“. Heinrich Zankl kam 2003 anhand der gleichen Quellenlage allerdings zu einem weit milderen Urteil: Das Vorgehen Galileis erscheine zwar „in unseren Tagen durchaus tadelnswert“, sei im 16. Jahrhundert aber „eventuell auch notwendig“ gewesen,
„weil er viele seiner grundlegenden Erkenntnisse aus den Bereichen der Mechanik und Dynamik vermutlich anhand tatsächlich durchgeführter Versuche gar nicht hätte gewinnen können. Die damaligen Versuchsbedingungen waren nämlich zum Teil so ungenau, dass die Ergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen mussten. Aus solchen stark streuenden Werten eine Gesetzmäßigkeit abzuleiten, wäre vermutlich nahezu unmöglich gewesen.“ Heinrich Zankl (2003): Fälscher, Schwindler, Scharlatane. Betrug in Forschung und Wissenschaft, S. 1 f.

Fälschungen im Gebiet der Mikroelektronik

Der vormalige Starforscher und Dekan des Instituts für Mikroelektronik der Jiaotong-Universität von Shanghai, Chen Jin, wurde im Mai 2006 entlassen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der von ihm angeblich im Jahr 2003 entwickelter Hanxin-Mikrochip in Wirklichkeit ein bloß äußerlich veränderter Chip des US-Herstellers Freescale Semiconductor war. In chinesischen Presseberichten hieß es, Chen habe Wanderarbeiter damit beauftragt, den US-Firmennamen von den Chips zu kratzen und mit dem Hanxin-Logo zu beschriften.

Wegen seiner angeblichen Erfindung war Chen seit 2003 vom chinesischen Staat wiederholt mit offiziellen Anerkennungen ausgezeichnet und mit - selbst für europäische Verhältnisse - imposanten Forschungsgeldern belohnt worden.Südddeutsche Zeitung Nr. 112 vom 16. Mai 2006, S. 22

Siehe auch


Literatur


  • William Broad, Nicholas Wade: Betrug und Täuschung in der Wissenschaft., ISBN 3764315601
  • Karl Corino (Hrsg.): Gefälscht! Betrug in Politik, Literatur, Wissenschaft, Kunst und Musik, Eichborn Verlag Frankfurt 1990, ISBN 3821811315
  • Federico Di Trocchio: Der große Schwindel. Betrug und Fälschung in der Wissenschaft. Campus Verlag, 1994, ISBN 3-593-35116-1
  • Marco Finetti, Armin Himmelrath: Der Sündenfall, ISBN 3-88649-351-2
  • Junge, Torsten und Ohlhoff. Dörthe: Wahnsinnig genial. Der Mad Scientist Reader, ISBN 3932710797, Alibri Verlag Aschaffenburg.
  • Heinrich Zankl: Fälscher, Schwindler, Scharlatane. Betrug in Forschung und Wissenschaft. Wiley-VCH-Verlag, 2003, ISBN 3-527-30710-9
  • Peter Haffner, Hania Luczak: Fälschungen in der Forschung. In: Geo 03/März 2003, Seiten 120-138.
  • Jennifer Couzin, Katherine Unger: Cleaning up the paper trail. In: Science Band 312 vom 7. April 2006, S. 38 - 43 (ein Artikel über die - geringen - Folgen nachgewiesenen Betrugs für die Betrüger)

Quellen


Weblinks


Siehe auch


Geschichtsfälschung

Wissenschaftspraxis | Wissenschaftliche Fälschung

Scientific misconduct

 

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