Als Bestie von Gévaudan (frz. La bête du Gévaudan) bezeichnet man den bis heute nicht bekannten Verursacher einer Serie von mörderischen Überfällen mit rund 100 Opfern, die sich von 1764 bis 1767 in der Gegend des Gévaudan (heutige Départements Lozère und Haute-Loire) ereignete. Wer oder was die Bestie von Gévaudan war, ist nie geklärt worden.
Die Geschichte der Bestie von Gévaudan ist kein Mythos, sondern beruht auf nachweisbaren Tatsachen. Mehrere zeitgenössische Dokumente erlauben es, die rätselhaften Ereignisse weitgehend nachzuvollziehen. Dies sind insbesondere:
Die ersten Berichte, die von einem „Tier“ berichten, das im zentral-südfranzösischen Gévaudan Menschen angefallen und einige von ihnen getötet hatte, gehen auf das Jahr 1764 zurück.
Danach verlagerten sich die Geschehnisse in die Umgebung des Mercoire-Waldes südlich Langognes. Dort wurden im August in Masméjean ein 15-jähriges Mädchen und kurz danach ein Junge aus Cheylard l’Eveque zerrissen. Im September starben eine 36-jährige Frau, danach ein Junge und ein kleines Mädchen. Anschließend verlagerte sich das Tätigkeitsfeld der Bestie erneut. Dieses Mal in nord-westlicher Richtung. Bis Ende 1764 geschahen weitere Mordtaten, die Opfer waren wieder nur nur Frauen und Kinder.
Nachdem Gerüchte aufgekommen waren, schaltete sich der Bischof von Mende ein. Monseigneur Gabriel-Florent de Choiseul Beaupré ließ in seiner Diözese ein Hirtenschreiben verlesen, das die Ursache der Plage erklären sollte. Gottes Zorn sei über die Menschen gekommen:
Die Bauern der Umgebung konnten sich der Bestie kaum erwehren. Wegen des Aufstands der Camisards hatte der König alle Schusswaffen sowie lange Hieb- und Stichwaffen einziehen lassen. Daher befestigten die Bauern der Gegend ihre Taschenmesser an langen Holzstangen, um sich überhaupt verteidigen zu können.
Nach einer Reihe von Vorfällen, von denen sogar der Königshof erfahren hatte, stationierte König Ludwig XV. eine Dragonereinheit unter dem Befehl von Captain Duhamel in der Region, das den Auftrag hatte, das Tier aufzustöbern und zu töten. Daraus ergab sich auch die Möglichkeit für den König, den Kampf der Jesuiten gegen die Hugenotten, die sich in die bergigen Gegenden geflüchtet hatten, unauffällig zu unterstützen. Die königlichen Befürchtungen, die Hugenotten könnten sich bewaffnen, konnten so zerstreut werden.
Drei Gruppen beteiligten sich an den Jagden:
Am 16. August beschuldigten zwei königlich vereidigte Wildhüter die beiden Brüder Chastel, sie in ein Schlammloch geführt zu haben, wo sie angeblich fast den Tod gefunden hatten; die beiden Chastel hätten daneben gestanden und nichts unternommen. Sie wurden Ende August verhaftet. Erstaunlicherweise blieb das Biest während der Haftzeit der beiden untätig. Doch bereits nach 12 Tagen kamen die Inhaftierten frei. Da sie in den Diensten von Madame d’Apcher de Chateauneuf standen, ist anzunehmen, dass „höhere“ Einfussnahmen dies bewirkt haben.
Bei der größten Treibjagd im Februar 1765 waren über 20.000 Personen beteiligt. Jedoch fanden auch während dieser Treibjagden weitere tödlich verlaufende Überfälle außerhalb des bejagten Gebietes statt.
Schließlich wurden über 9.000 Livres für die Ergreifung der Bestie ausgelobt. Der König steuerte 6.000 davon bei, der Bischof 1.000. Die Belohnung war für die damalige Zeit beträchtlich, sie entsprach etwa dem Wert von 100 Pferden.
Im September 1765 schoss der persönlich Beauftragte des Königs einen stattlichen Wolf. Antoine wollte wegen des Kopfgeldes sicher sein, auch die richtige Bestie erlegt zu haben. Er wartete daher einige Wochen, ob sich weitere Taten ereigneten. Als nichts geschah, reiste er ab, um sich in Paris feiern und belohnen zu lassen.
Am Südhang des Mouchet-Berges wurden am 2. Dezember 1765 erneut zwei Kinder angefallen. Da aber die Belohnung bereits ausgezahlt war, leugneten die Behörden die Geschehnisse. Was in den folgenden Monaten in der Gegend geschah, ist nur unzureichend dokumentiert, da die Jäger und Chronisten bereits abgereist waren. Jedenfalls fanden zahlreiche Pilgerzüge zur Kirche am Fuß des Chauvet-Berges statt. Als Waffe gegen übernatürliche Wesen ließ ein gewisser Jean Chastel de la Besseyre Saint Mary in der Kirche seine Kugeln segnen.
Der junge Marquis d’Apcher hatte ebenfalls Probleme mit den Unruhen in der Bevölkerung. Er veranstaltete daher regelmäßige Jagden mit seinen Bauern und Pächtern. Am 19. Juni 1767, „um 10 Uhr 15“ erlegte Jean Chastel ein riesiges Tier.
Der königliche Notar aus Langeac (Haute-Loire), Maître Marin, beschreibt die getötete Kreatur wie folgt: „Länge: 1,50 m; Schulterhöhe 0,77 m; Maulspannweite 19 cm.“
Der 1958 in den Archives Nationales wiederentdeckte Rapport Marin ( Bündel F 10-476, Sammlung: Landwirtschaft: Zerstörung schädlicher Tiere) wurde am 20. Juni 1767 von Notar Roch Etienne Marin im Schloss von Besques gefertigt:
Es folgt eine längere Aufzählung der weiteren Körpermaße sowie eine genaue Beschreibung des Gebisses, weiterhin eine Liste mit 26 Namen von Personen, die eine Konfrontation mit dem Tier überlebt hatten und so bezeugen konnten, dass es wirklich die gesuchte Bestie war.
Da der verwesende Körper nicht nach Paris mitgenommen werden konnte, begnügte sich Chastel mit einer abgeschnittenen Pfote. Der französische Naturforscher Buffon (Georges Louis Leclerc, Graf von Buffon) zeigte sich allerdings wenig beeindruckt.
Aus heutiger Sicht wäre denkbar, dass die Bestie von Gévaudan eine Kreuzung zwischen Hund und Wolf gewesen war. Ob sich jemand dieses Tieres als Angriffswaffe bediente, ob Chastel mit dem Biest in Verbindung zu bringen ist oder ob andere im Schatten der Ereignisse Verbrechen begingen, konnte bis heute nicht geklärt werden.
Im Frühjahr 2000 begann der französische Regisseur Christophe Gans in Esparros im französischen Departement Hautes-Pyrénées mit den Dreharbeiten zu diesem groß angelegten Film (30.000.000 Euro), der die Ereignisse im Gévaudan zum Thema hat. Gans, der Mitautor des Drehbuches, hatte sich intensiv mit den alten Dokumenten befasst. In der Rahmengeschichte schreibt der alte Marquis d'Apcher an seinen Memoiren, die dann in die eigentliche Handlung des Filmes hinüberführt, die sich zum Teil an den wahren Geschehnissen orientiert. Die einzige frei erfundene Figur im Film ist der Indianer Mani (dargestellt von Mark Dacascos), der Wegbegleiter des Protagonisten. Es gelingt Gans auf spektakuläre Weise, die rätselhaften Entwicklungen aufzuschlüsseln und die möglichen Hintergründe der Affäre zu beleuchten. Auch das Biest wird überzeugend präsentiert. Der Film lief im Januar 2001 in Frankreich an.
Eine weitere Verfilmung des Stoffes erfolgte unter dem Titel „Die Bestie der alten Berge“ (La bête du Gévaudan) als Fernsehfilm, Frankreich 2003, mit einer Erstausstrahlung bei ARTE am 7. Januar 2005. Regie: Patrick Volson mit Sagamore Stévenin (Pierre Rampal), Léa Bosco (Françounette), Jean-François Stévenin (Jean Chastel), Guillaume Gallienne (Abbé Pourcher), Vincent Winterhalter (Comte de Morangie) und Louise Szpindel (Judith).
Zitat von der ARTE-Homepage:
Beast of Gévaudan | Bestia de Gévaudan | Bête du Gévaudan | Bestia do Gévaudan | Beistet i Gévaudan | Beistet i Gévaudan | Bestia z Gévaudan
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"Bestie von Gévaudan".
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