Der Glaube an einem Leben nach dem Tod ist eines der wichtigsten Merkmale der altägyptischen Kultur. Über die Jahrtausende hinweg haben sich dabei die Bestattungssitten, und die Objekte, die mit in das Grab gelegt wurden, stark verändert.
Grundsätzlich lassen sich drei Objektgruppen unterscheiden, die ins Grab gelegt wurden:
1. Objekte, die schon im täglichen Leben benutzt wurden (z.B. Schmuck)
2. Objekte, die speziell für eine Bestattung hergestellt wurden (z. B. der Sarg).
3. Objekte, die bei religiösen Ritualen während der Bestattungsfeierlichkeiten benutzt und dann mit dem Toten begraben worden sind.
= Entwicklung über die Dynastien =
Je nach Periode und sozialem Status des Toten, sind die einen oder anderen Objekte bevorzugt mit in das Grab gelegt worden.
In vordynastischer und frühdynastischen Zeit sind die Toten meist in Gruben in Hockerstellung beigesetzt worden. Grabbeigaben sind einige Gefäße, die sicherlich Nahrung für alle Ewigkeit sicherstellen sollten. Daneben finden sich Schminkpaletten, Schmuck für Frauen und Waffen für Männer. Das Leben im Jenseits wurde offensichtlich als Fortsetzung des Lebens auf der Erde angesehen und alles was als wichtig angesehen wurde, wurde mit ins Grab gelegt. In den Grabkammern hoher Beamter fanden sich deshalb Möbel, Spiele und viele hunderte von Vorratsgefäßen, die das ewige Leben erleichtern sollten. Nur wenige Objekte sind anscheinend direkt für das Grab speziell angefertigt worden.
Seit der 4. Dynastie ist eine Veränderung in den Bestattungssitten feststellbar. Der König und hohe Beamte steckten alle Energie in den Bau des Graboberbaues (Pyramide, Mastaba), während die unterirdischen Teile der Grabanlagen relativ simpel blieben. Als Grabbeigaben finden sich meist nur ein einfacher Sarkophag, ein paar Töpfe, etwas Schmuck und einige Modellwerkzeuge. In dieser Zeit lassen sich auch verstärkte Bemühungen feststellen den Körper des Toten zu mumifizieren (Mumie). Die Dinge, die vorher mit ins Grab gegeben wurden, sind nun an den Wänden der Mastabas dargestellt worden.
Am Ende des Alten Reiches wird den unterirdischen Teilen der Grabanlagen wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Die Grabkammern der Pyramiden sind nun mit Texten versehen, Särge sind nun häufiger beschriftet und auch einige Grabkammern von Beamten sind mit Texten und mit Bildern von Grabbeigaben versehen. Es werden nun auch mehr Objekte mit ins Grab gelegt. Bei hohen Beamten sind dies oft Instrumente, die mit dem Totenkult zu tun haben, während ärmere Leute oftmals mit Statussymbolen oder Zeichen ihrer Identität versehen werden (bei Frauen z.B. Schmuck). Wie in der ganzen ägyptischen Geschichte finden sich niemals Objekte, die mit dem Beruf des Toten in Verbindung stehen.
In der Erste Zwischenzeit entwickelt sich eine Standardgrabausstattung. Der Tote liegt in einem Sarg mit einer Mumienmaske über dem Kopf. Neben dem Sarg finden sich Holzmodelle von Dienerfiguren, die die Herstellung von Nahrung und Gerät darstellen. Särge von wohlhabenden Personen sind aussen und innen oftmals mit langen religiösen Texten versehen.
Am Ende der 12. Dynastie ist wiederum eine Änderung in den Bestattungssitten feststellbar. Die Dienerfiguren verschwinden aus den Grabkammern und der Tote wurde stattdessen mit magischen Objekten ausgestattet, die anscheinend schon im Alltag Schutz boten. Es gab nun nur wenige Grabbeigaben, die direkt für das Grab hergestellt wurden (Sarg, Uschebti). In der Zweite Zwischenzeit verarmte das Land so sehr, dass selbst hohe Beamte es sich nicht mehr leisten konnten Objekte herzustellen, die nur für das Grab bestimmt waren. Die Grabkammern wurden nun mit vielen Alltagsobjekten gefüllt, nur der Sarg, blieb als speziell für das Grab hergestellte Objekt bestehen.
In der 18. Dynastie setzte sich die Tradition fort Alltagsgegenstände in die Grabkammer zu legen. Daneben gab es den Sarg, Uschebtis, Kanopenkrüge und das sog. Totenbuch. Die Grabkammern dieser Zeit sind wegen der vielen Haushaltsobjekte besonders reich (Tutanchamun) ausgestattet. In den königlichen Gräbern finden sich daneben noch zahlreiche Beigaben, die anscheinend speziell für das Begräbnis eines Pharaos hergestellt worden sind. Dazu gehört vor allem eine Serie von Götterstatuen, die in Schreinen gestellt wurden.
In der 19. Dynastie verschwinden alle Alltagsobjekte aus den Grabkammern. Der Tote wurde nun fast ausschlieslich mit Objekten ausgestattet, die speziell für das Grab hergestellt worden sind. Darunter sind vor allem Amulette zu nennen, die nun immer bedeutender werden. Auch die Anzahl der ins Grab gelegten Uschebtis steigt. Diese Reduzierung fällt besonders bei den Bestattungen armer Bevölkerungsschichten auf, da diese nun fast beigabenlos sind.
Die Reduzierung auf magische Objekte in der Grabkammer ist auch für die Dritte Zwischenzeit feststellbar. Eine reiche Bestattung bestand nun fast nur aus Amuletten, einen oder mehreren Särgen, Uschebtis und einem Totenbuch. In der 22. Dynastie verschwanden dann aber sogar diese Objekte. Der Tote wurde nur noch mumifiziert und in einen Sarg gelegt. In dieser Zeit kommen auch Kartonnagen auf. Weitere Grabbeigaben fehlen fast vollkommen.
In der 30. Dynastie kommen die sog. Kopfscheiben auf, runde Papyrus oder Metallscheiben, die mit religiösen Texten beschriftet waren und unter den Kopf der Mumie gelegt wurden.
= Literatur =
Bestattungsritual | Ägyptologie | Feste und Brauchtum (Antike)
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"Bestattungsritus (Altägypten)".
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