Eine Berufsarmee ist eine Armee, deren Personalbestand nicht aus Wehrpflichtigen, sondern aus Zeit- und Berufssoldaten auf freiwilliger Basis besteht.
Mögliche Vorteile einer Berufsarmee sind
Ein gutes Beispiel für die kontroversen Erfahrungen mit einer Berufsarmee sind die USA. Prinzipiell galt und gilt in den USA Wehrpflicht. Während des Vietnamkrieges jedoch kam es zu Demonstrationen gegen den Krieg und die Regierung, große Teile der Bevölkerung (zumeist junge, wehrpflichtige) standen gegen den Staat auf. Aus Angst, nach Vietnam geschickt zu werden, versuchten (wie bereits im Verlauf des Zweiten Weltkrieges) viele junge Männer auszuwandern, ein Studium zu beginnen, der Nationalgarde etc. beizutreten oder unterzutauchen. Schlussendlich mangelte es an Rekruten.
Seitdem wurde die Wehrpflicht in den USA „ausgesetzt“. Die USA etablierten eine Berufsarmee, die heute als die schlagkräftigste der Welt angesehen werden muss. Doch seit Beginn des zweiten Irak-Krieges mangelte es den Streitkräften wieder an Rekruten. Immer aufwändigere Kampagnen sind nötig, um die Soll-Stärke der Armee zu erreichen.
Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht wird immer wieder diskutiert, gilt aber bislang als unwahrscheinlich.
Als Beispiel für Nachteile einer Berufsarmee dient die der USA für im Prinzip alle oben genannten Nachteile. Die Berufsarmee ist zunehmend ein Sammelbecken gescheiterter Existenzen, perspektivloser Jugendlicher etc. Heftige Proteste gegen den Angriffskrieg auf den Irak wie zu Zeiten des Vietnamkrieges bleiben bislang aus. Es gibt zwar Proteste, doch sind diese sehr viel verhaltener als während des Vietnamkrieges.
Zur Problematik eines „Staates im Staate“ gibt es etliche Symptome: z. B. die ungeklärten Fragen zur Guantanamo-Bucht, dem Folterskandal im berüchtigten Abu-Ghuraib-Gefängnis etc.
Die Söldnerheere des späten Mittelalters und der Neuzeit können teilweise als Berufsarmeen angesehen werden, teilweise sind sie jedoch durch Zwangsrekrutierungen aufgestockt worden. Gleiches gilt für die Armeen im Dienste der Fürsten, Grafen und Herzöge im 17. und 18. Jahrhundert. Aufgrund der fehlenden Finanzmittel waren hier nur die Offiziere und Unteroffiziere Berufssoldaten, Mannschaften wurden generell zwangsverpflichtet. Die Repressionen und teilweise grausame Durchsetzung von Disziplin und Gehorsam hatte ungünstige Auswirkungen auf die Kampfkraft der Truppen im Vergleich mit aus Freiwilligen bestehenden Verbänden. Dies trat besonders im Aufeinandertreffen von Napoleonischen Truppen und preußischer Armee in der Schlacht von Jena und Auerstedt zu Tage, die mit der Zerschlagung der zahlenmäßig überlegenen preußischen Armee endete. Ein gutes Beispiel für die Unterschiedlichkeit in der Kampfmoral zwischen den als Stehendes Heer zu bezeichnenden Heeres und einer aus Freiwilligen bestehenden Truppe bildet die unter dem damaligen Kommandanten der Festung Kolberg (heute polnisch Kołobrzeg) Hauptmann Neidhardt von Gneisenau, dessen Truppe aus zahlreich frisch rekrutierten Freiwilligen bestand. Diese Festung wurde noch lange nach der Schlacht von Jena und Auerstedt gehalten und musste erst als die Verpflegung und Munition aufgebraucht war, im Jahre 1807 aufgegeben werden.
Dem französischen Beispiel folgend wurde ab 1812 in vielen Armeen die Wehrpflicht eingeführt. Bis zur Beendigung des Kalten Krieg in den 1990er waren Berufsarmeen eher selten, da die Militärstrategen eine große Armee als wichtiger ansahen als eine sehr gut ausgebildete kleine, aber schlagkräftigere Truppe. Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ wurden die europäischen Armeen Schritt für Schritt verkleinert und Mitte der 1990er wurde als erstes in Belgien auch konsquenterweise auf die Wehrpflichtigen verzichtet.
Derzeit sind alle westeuropäischen Staaten bis auf die Schweiz, Deutschland und Österreich auf eine Berufsarmee umgestiegen oder planen dies. In Deutschland wird die Frage heftig diskutiert.
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