Die Bertelsmann AG ist ein internationaler Verlags- und Medienkonzern mit Hauptsitz in Gütersloh.
Zum Bertelsmann-Konzern gehören Medienunternehmen wie der Gruner + Jahr Zeitschriftenverlag (u.a. Stern, Brigitte), die RTL-Group, die Verlagsgruppe Random House, die Bertelsmann Music Group (BMG), die Direct Group Bertelsmann (u.a. Bertelsmann Club) und Arvato.
Die Bertelsmann AG ist nicht börsennotiert; Aktionäre sind die Bertelsmann Stiftung, die Groupe Bruxelles Lambert und die Familie Mohn. Bertelsmann Stiftung: 57,6%; Familie Mohn: 17,3%; Groupe Bruxelles Lambert 25,1%, davon 0,1% stimmrechtslos. Die Stimmrechte der Bertelsmann Stiftung und der Familie Mohn übt die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) aus. Sie hat 75% und die Groupe Bruxelles Lambert 25% der Stimmrechte.
Aktuell: Die belgische Groupe Bruxelles Lambert (GBL) will Mitte Mai 2006 von ihrem Recht Gebrauch machen, ihr Aktienpaket von 25,1 Prozent am Finanzmarkt zu platzieren. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG: „Wir haben uns in den vergangenen Jahren auf einen möglichen Börsengang intensiv vorbereitet." Die Unternehmensführung erfolge aufgrund international anerkannter Steuerungsgrößen, der Konzernabschluss werde nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellt. "Wir haben von Banken- auf Kapitalmarktfinanzierung umgestellt, verfügen über Ratings und betreiben bereits aktiv Investor Relations." Börsenblatt-Newsletter 30. Januar 2006. Es zitiert das "Handelsblatt" anderer Meinung: "Die Ankündigung Frères, nach Ablauf der Sperrfrist im Mai seine Anteile von 25,1 Prozent über einen Börsengang zu verkaufen, hat die Mohns kalt erwischt. Sie glaubten, Frère werde angesichts guter Zahlen noch länger bleiben. Der einstige Stahlbaron hat sich noch nie gerne in die Karten schauen lassen. Mit seiner Entscheidung für einen Börsengang hat Frère dem Unternehmen einen Gefallen getan. Denn mit dem Rückzug von Frères Finanz-Holding Groupe Bruxelles Lambert (GBL) erhöht sich der Druck der externen Kontrolle - ganz im Sinne Mohns." Mai 2006: Das Unternehmen sei darauf vorbereitet, die Beteiligung von GBL "zu einem angemessenen Preis zurück zu erwerben, wenn sich die Gesellschafter darüber verständigen". Es wird spekuliert, dass die Familie Mohn alles tun wird, um einen Börsengang zu verhindern. Die Beteiligung von Frère wird auf einen Wert von vier bis fünf Milliarden Euro geschätzt. Ein Aktienrückkauf müsste entweder durch den Verkauf von Unternehmensteilen oder Kredite finanziert werden. (BBl. online, 23.5.2006)
"Das internationale Medienunternehmen Bertelsmann hat im ersten Quartal 2006 ein deutliches Umsatz- und Ergebniswachstum verzeichnet. Der Konzernumsatz stieg um 17,3 Prozent auf 4,5 Mrd. Euro nach 3,8 Mrd. Euro in den ersten drei Monaten des Vorjahres, sowohl in den europäischen Kernmärkten als auch in den USA(...) Massgeblich haben Vorjahresquartal noch berücksichtigte Akquisitionen beigetragen Bereinigt um Portfolio- und Wechselkurseffekte wuchs der Umsatz um 4,5 Prozent. Das Operating EBIT stieg um 35,2 Prozent auf das Rekordniveau von 215 Mio. Euro (Vorjahr: 159 Mio. Euro). (...) Man setzt "weiter auf gesunde Kerngeschäfte, gezielte Akquisitionen und Expansion in neue Märkte". Der Konzerngewinn betrug 90 Mio. Euro nach 48 Mio. Euro im Vorjahresquartal und hat sich damit nahezu verdoppelt. Die Investitionen im ersten Quartal 2006 betrugen 309 Mio. Euro (Vorjahr: 200 Mio. Euro). Die wirtschaftlichen Finanzschulden lagen zum 31. März wie erwartet bei 3,9 Mrd. Euro (31. Dezember 2005: 3,9 Mrd. Euro). Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf 89.409 (31. Dezember 2005: 88.516)." (Börsenblatt Online, 5.5.2006)
Umsatz im Geschäftsjahr 2004: 17,0 Milliarden Euro
Umsatz nach Geschäftsfeldern 2004:
Daneben besitzen die Haupt-Beteiligungen ca. 400 weitere Firmen und Firmenbeteiligungen.
Bertelsmann wurde im Zweiten Weltkrieg mit den sogenannten "Feldausgaben" zum wichtigsten Buchlieferanten der Soldaten an der Front. Es wurden u.a. Bücher von nationalsozialistischen Autoren wie Will Vesper oder Hans Grimm verlegt. Mit Titeln wie "Mit Bomben und MGs über Polen" und "Wir funken für Franco" erzielte man Millionenauflagen.
1944 verfügten die Nationalsozialisten die Schließung des Bertelsmanns Verlages, wobei nicht, wie noch bis weit in die 1990er Jahre vorgegeben, eine oppositionelle Haltung zum NS-Regime, sondern Wirtschaftskriminalität ausschlaggebend waren (siehe hierzu auch den eingehenderen Artikel zu Matthias Lackas). Der Verlag war keineswegs ein Hort des Widerstandes. Von der Schließung 1944 waren jedoch die Setzerei, Druckerei und Buchbinderei nicht betroffen. 1945 wurden durch einen alliierten Bombenangriff die Produktionsstätten völlig zerstört. Nach dem Kriegsende begann der sofortige Wiederaufbau.
1950 gründeten Reinhard Mohn und sein Mitarbeiter Fritz Wixforth zusammen mit dem Buchhandel den Bertelsmann-Lesering. 1954 wurde eine Verlagsgemeinschaft zur Betreuung der nun 1 Million Lesering-Mitglieder gegründet. Am 26. April 1955 starb Heinrich Mohn. 1956 gründete Bertelsmann den Schallplattenring. 1958 erfolgte der Eintritt in den Musikmarkt mit der Gründung des Schallplattenlabels Ariola. 1960 feierte Bertelsmann sein 125-jähriges Jubiläum. In Anerkennung um die Verdienste der Stadt Gütersloh wurde die zum Betriebsgelände führende „Wilhelmstraße“ in „Carl-Bertelsmann-Straße“ umbenannt. 1963 erfolgte die Übernahme des Europäischen Buchclubs und Europäischen Phonoclubs, der später in „Europäische Bildungsgemeinschaft“ umbenannt wurde. Es eröffnete die erste Partner-Bücherstube in der Buchhandlung „Fingerhut“ in Kleve. 1964 Start des Club-Reisedienstes für Lesering-Mitglieder. Die erste Bücherstube des Leserings wurde in Kiel eröffnet. 1964 stieg Bertelsmann in den Filmsektor ein und kaufte die Ufa-Filmproduktionsgesellschaft. Die Anteile an der gleichnamigen Kinokette wurden in den siebziger Jahren wieder verkauft. 1969 wurden die Bücherstuben der Verlagsgemeinschaft in Club-Center umbenannt. Im selben Jahr erwarb Reinhard Mohn eine Beteiligung von 25 % am Hamburger Verlagshaus (Gruner und Jahr), an dem Bertelsmann 1973 die Mehrheitsbeteiligung erwarb. Von 1965 bis 1970 war Manfred Köhnlechner der Generalbevollmächtigte des Konzerns. 1970 übernahm Bertelsmann ein Drittel des Medienimperiums Axel Springers mittels eines Betrages von 300 Millionen DM, der laut Spiegel-Magazin (11/1970) mit Hilfe eines aufgenommenen Kredites der West LB (damals 1/3 im Besitz des SPD-regierten Landes NRW) zu 3,5% verzinst wurde. Die Transaktion wurde noch im gleichen Jahr wieder rückgängig gemacht. Der Kress-Report gab am 20.Juli 1970 als Grund die "Schwierigkeiten, die sich aus der gleichzeitigen Beteiligung des Hauses Bertelsmann an den Häusern Axel Springer und Gruner+Jahr ergeben" an. Im April 1971 wurde Bertelsmann in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1974 erfolgte die Grundsteinlegung für ein neues Verlags- und Verwaltungsgebäude der Bertelsmann AG in Gütersloh. 1975 wurde der Bertelsmann-Lesering 25 Jahre alt und umfasst 7,5 Millionen Buchclub-Mitglieder, die 25 Buch- und Schallplattengemeinschaften in 18 Ländern angehörten. Am 11. April 1976 starb der Mitbegründer des Leserings, Fritz Wixforth. Bertelsmann versuchte zusehends weiter international an Gewicht zu gewinnen und erwarb 1977 eine Mehrheitsbeteiligung an Bantam Books, den bis dato größten Verlag der Welt. 1979 kam es zu einem Großbrand in der Druckerei Mohndruck. Im gleichen Jahr wurde das amerikanische Label Arista erworben. Später kamen auch noch das Plattenlabel RCA und das Verlagshaus Doubleday hinzu. Die Musikaktivitäten wurden fortan unter dem Label BMG gebündelt. 1980 besuchte Bundeskanzler Helmut Schmidt Bertelsmann und sprach vor 3000 Mitarbeitern. Am 29. Juni 1981 erhielt Reinhard Mohn anlässlich seines 60. Geburtstages die Ehrenbürgerschaft der Stadt Gütersloh. 1985 hatte Bertelsmann nunmehr 150 Jahre Bücher verlegt und den Buchclubs gehörten weltweit mehr als 16 Millionen Mitglieder an.
1995 trat Bertelsmann zusammen mit AOL in Europa ins Multimediageschäft ein, die Anteile wurden jedoch im Jahr 2000 schon wieder für einen zweistelligen Milliardenbetrag an AOL zurückverkauft. 1997 fusionierte die Ufa Film- und Fernseh-GmbH mit der luxemburgischen CLT. 1998 wurde der Verlag Random House mit Sitz in New York City aufgekauft. Im Jahr 2000 entstand unter dem Namen RTL Group der größte Hörfunk- und Fernsehveranstalter Europas. 1998 übernahm Thomas Middelhoff den Vorstandsvorsitz von Mark Wössner. Im Jahr 2000 wurde der Verkauf der Anteile an AOL Europe für 6,75 Milliarden US-Dollar verkündet. Im Jahr 2002 übernahm Bertelsmann unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Gunter Thielen Zomba Records und stützte damit seine Musiksparte BMG. 2003 erwarb die Tochter Random House auch den Heyne Verlag aus München. 2004 fusionierte BMG mit der Musiksparte des Sony Konzerns zu Sony BMG Music Entertainment. Das neue Unternehmen ist ein Joint Venture von Sony und Bertelsmann.
Die Bertelsmann AG ist mittlerweile eines der weltgrößten Medienunternehmen mit Niederlassungen in 63 Ländern und mehr als 88.000 Mitarbeitern. Der Umsatz betrug konzernweit im Jahre 2005 17,9 Milliarden €, der Gewinn vor Steuern (Operating EBIT) 1,6 Milliarden €.
Die Stimmrechtanteile liegen bis zum 30.06.2006 zu 25,1% bei der Groupe Bruxelles Lambert und zu 74,9% bei der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft. Mit Datum vom 01. Juli 2006 wird der 25%-ige Anteile der GBL von Bertelsmann zurückgekauft. Die Kapitalanteile der Bertelsmann AG verteilen sich ab Juli 2006 wie folgt: Bertelsmann Stiftung 82,7%, Familie Mohn 17,3%. Die Stiftung verfügt aber nur über stimmrechtlose Aktien. Die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft wiederum wird von der Familie Mohn kontrolliert. Das stärkste Gewicht fällt dabei auf die zweite Ehefrau Reinhard Mohns, Liz Mohn, die zugleich Mitglied im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG ist.
Im Jahr 2005 war Sony BMG das erste bekanntgewordene Unternehmen, welches Rootkits für das digitale Rechtemanagement (DRM) einsetzte. Nach heftigen Protesten von Kunden und Kritikern wurden diese jedoch zurückgezogen. Ein Imageschaden konnte jedoch nicht vermieden werden. Rootkits werden von den Programmieren von Mal- und Spyware verwendet um ihre illegalen Aktivitäten zu verbergen.
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