| Bernstein | |
| Amber.pendants.800pix.050203.jpgAnhänger aus Bernstein (Größe links 32 mm und 52 mm rechts) | |
| Chemismus | Angenäherte Summenformel: C10H16O+(H2S) |
| Kristallsystem | amorph |
| Kristallklasse | amorph |
| Farbe | honiggelb, gelbweiß, orange, rot, grünlich, braun, schwarz, selten blass |
| Strichfarbe | weiß |
| Mohshärte | 2–2,5 |
| Dichte | 1,05–1,096 g/cm3 |
| Glanz | Fettglanz, matt |
| Opazität | durchsichtig, durchscheinend, undurchsichtig |
| Bruch | muschelig, spröde |
| Spaltbarkeit | keine |
| Beschaffenheit der Fundstücke | unregelmäßige, rundliche Körner, stumpfe Knollen, geflossene Formen, Krusten; teilweise Einschlüsse von Insekten und Pflanzenteilen |
| Brechzahl | n = 1,540 (-0,001 bis +0,005) |
| Doppelbrechung | keine |
| weitere Eigenschaften | |
| chemisches Verhalten | reagiert mit Sauerstoff, schwach konzentrierten Säuren und Laugen sowie mit Ölen, resistent gegen Ether, Aceton und Schwefelsäure |
| ähnliche Minerale | keine |
| Radioaktivität | nicht radioaktiv |
| Magnetismus | nicht magnetisch |
| besondere Kennzeichen | brennbar, hoher elektrischer Widerstand (1018Ohm), lädt sich bei Reibung elektrostatisch auf |
Bernstein (mittelniederdeutsch Börnsteen „Brennstein“) bezeichnet einen klaren bis undurchsichtigen gelben Schmuckstein aus fossilem Harz, aus dem auch ein Holzlack hergestellt wird. Der dominikanische Bernstein kann durch chemische Einschlüsse sogar grünlich bis bläulich gefärbt sein – diese seltenen Varietäten sind extrem begehrt und teuer.
Bernstein ist bis zu 260 Millionen Jahre alt. Aus dem zähflüssigen Harz damals lebender Bäume wurde im Laufe der Zeit eine feste Substanz. Somit ist Bern„stein“ nicht mineralisch und zählt folglich streng genommen auch nicht zu den Edelsteinen.
Bernstein gehört zu den ältesten Schmucksteinen. Einige altägyptische Objekte sind über 6.000 Jahre alt. Das wohl berühmteste Kunstobjekt aus Bernstein war das Bernsteinzimmer, das seit dem Zweiten Weltkrieg verschwunden ist. In den Jahren 1979-2003 haben russische Spezialisten im Katharinenpalast bei Puschkin das seither für die Öffentlichkeit wieder zugängliche Bernsteinzimmer mit original Baltischem Bernstein detailgetreu rekonstruiert, nachdem bis dahin unbekannte Fotografien gefunden worden waren, die dieses einzigartige Projekt erst ermöglichten.
Für die Wissenschaft, insbesondere für die Paläontologie, ist Bernstein mit Einschlüssen, so genannten Inklusen, von Interesse. Diese Einschlüsse sind Fossilien von kleinen Tieren oder Pflanzenteilen, die im Bernstein über Jahrmillionen hinweg perfekt konserviert wurden.
In der Antike wurde er auch als Lyncirium (Luchsstein) bezeichnet, da man annahm, er wäre aus dem Harn des Luchses entstanden, der bei starker Sonneneinstrahlung hart geworden wäre. Der griechische Name des Bernsteins ist elektron und der römische Name ist electrum. Da Bernstein elektrostatisch aufgeladen werden kann, wurden frühe Versuche zur Elektrizität mit Bernstein durchgeführt. Bernstein wurde daher zum Namensgeber für das Elementarteilchen Elektron und die Elektrizität. Die Römer nannten den Bernstein succinum („Saft“) in der richtigen Vermutung, er sei aus Baumsaft entstanden. Die germanische Bezeichnung des Bernsteins lautete nach Tacitus, Germania 45, glaes(um) (Glas). Ein anderer Name für Bernstein lautet „gelbe Ambra“.
Pressbernstein wird im Handel als „Echtbernstein“, „Echter Bernstein“ oder „Ambroid“ angeboten. Damit ist jedoch nicht der natürlich entstandene Bernstein gemeint, sondern ein Produkt, das aus Schleifresten und kleinen Stücken in einem Autoklav gefertigt wurde. Pressbernstein wird hergestellt, indem gereinigte Bernsteinbröckchen erwärmt und dann unter starkem Druck zusammengepresst werden. Dies geschieht unter Luftabschluss und bei einer Temperatur von 200–250 °C. Danach wird die so entstandene stangen- oder bogenförmige Masse bei bis zu 3000 bar Druck verfestigt. Durch Variationen in Hitze und Druck lassen sich nicht nur unterschiedliche Farbtöne, sondern auch klare und trübe Pressbernsteine herstellen. Neben diesen drei Arten von Bernstein wird im Handel auch „Echtbernstein extra“ angeboten, ein Pressbernstein, der aufgrund seiner unregelmässigen Blitzer und seiner geringen und feingliedrigen Schlierenverteilung visuell kaum vom Naturbernstein zu unterscheiden ist. Er kann nur durch gemmologische Untersuchungsmethoden eindeutig bestimmt werden.
Kopale sind noch nicht völlig zu Bernstein umgebildete erstarrte Harze, die in den Deltas tropischer Flüsse zusammengeschwemmt werden, z. B. in Afrika. Sie sind höchstens einige zehntausende von Jahren alt und enthalten durchaus auch Einschlüsse. Sie beginnen bei Wärme klebrig zu werden. Kommen sie mit Ether in Berührung, werden ihre Oberflächen innerhalb kurzer Zeit weich, klebrig und schmierig. Die benetzten Stellen quellen auf.
Dies ist ein Überblick:
Bernstein kann im Gegensatz zu Imitationen aus Kunstharz leicht angezündet werden und zeigt während des Brennens eine helle Flamme, die stark rußt. Dabei duftet er harzig-aromatisch und verläuft an der Flamme zu einer schwarzen, spröde erhärtenden Masse. Der harzige Geruch entsteht, wenn die flüchtigen Bestandteile (z. B. ätherische Öle) des Bernsteins verbrennen. Daher eignet er sich zum Räuchern und wird zum Beispiel in Indien als Weihrauch-Ersatz für sakrale Zwecke verwandt. Foto: *
Bernstein ist nur wenig schwerer als Wasser. Wegen seiner geringen Dichte (um 1,07) geht er in Süßwasser zwar sofort unter, schwimmt aber in stark salzhaltigem Wasser, zum Beispiel in gesättigter Kochsalzlösung. Diese Eigenschaft erleichtert das Sammeln und Aussortieren ganz wesentlich.
Bernstein hat eigentlich keinen richtigen Schmelzpunkt. Bei 170–200 °C wird er weich und formbar. Bernstein schmilzt oberhalb von 300 °C und zersetzt sich dabei, das heißt er kann nicht wieder zu einem richtigen Bernstein abkühlen. Ein Rückstand dieses Prozesses ist dann Kolophonium.
Bernstein hat einen sehr hohen elektrischen Widerstand und eine sehr niedrige Dielektrizitätskonstante von 2,9 (Naturbernstein) beziehungsweise 2,74 (Pressbernstein). In trockener Umgebung kann er leicht durch Reiben mit textilem Gewebe oder Wolle elektrostatisch aufgeladen werden. Man bezeichnet diese Aufladung auch als Reibungselektrizität. Diese Eigenschaft kann als einfacher und zerstörungsfreier Echtheitstest verwendet werden: Der aufgeladene Bernstein zieht kleine Papierschnipsel, Stofffasern oder Wollfussel an. Dieser Effekt war bereits in der Antike bekannt und wurde durch die Werke von Plinius dem Älteren bis ins Spätmittelalter überliefert. Der englische Naturforscher William Gilbert widmete ihm in seinem 1600 erschienenen Werk De magnete magneticisque corporibus ein eigenes Kapitel und unterschied ihn vom Magnetismus.
Bernstein leuchtet unter UV-Bestrahlung (Wellenlänge 320–380 nm) in unverwittertem oder frisch angeschliffenen Zustand blau und in verwittertem Zustand in einem matten Olivgrün. Bernstein glänzt, wenn er feucht oder geschliffen ist, da er mit einer geschlossenen Oberfläche eine hohe Lichtbrechung aufweist. Er lässt bei Schichten bis zu 10 mm Dicke Röntgenstrahlung fast ohne Verlust passieren.
Bernstein ist weitgehend nicht in organischen Lösungsmitteln löslich. Allerdings verwittert er, besonders durch Luftsauerstoff und UV-Einwirkung. Dabei dunkelt er in den äußeren Schichten nach. Bei Trockenheit bilden sich gleichzeitig von der Oberfläche und vorhandenen Hohlräumen ausgehend kleine, fast kreisrunde Risse, die Sonnenflinten, die mit der Zeit zu einer rauen und bröckeligen Oberfläche des Bernsteins führen. Dadurch können auch eventuell vorhandene Einschlüsse zerstört werden.
Naturbernstein reagiert nur an der Oberfläche mit Ether, Aceton und Schwefelsäure. Bei längerer Einwirkungsdauer wird sie matt. Pressbernstein ist weniger widerstandsfähig. Er wird bei längerem Kontakt mit den oben genannten Substanzen teigig und weich. Dasselbe gilt prinzipiell auch für Kopal und Kunstharz, nur dass hier schon ein wesentlich kürzerer Kontakt ausreicht.
Die bekannteste Fundregion des Bernstein in Europa ist der gesamte Ostseeraum; insbesondere Orte auf der Samland-Halbinsel (Königsberg, Russland) zwischen Frischem und Kurischem Haff, in Polen und den baltischen Republiken sind ergiebig. Der Baltische Bernstein (Succinit) ist vor ca. 65–70 Millionen Jahren aus dem Harz der Bernsteinkiefer entstanden und eignet sich besonders gut zur Schmuckherstellung. Keine andere Bernsteinart wird in annähernd so großer Menge und gleich bleibender Qualität wie der Baltische Bernstein gefunden. Die größte, in Tagebau erschlossene Lagerstätte befand sich bis 2002 bei Jantarny (Palmnicken) an der Bernsteinküste bei Kaliningrad (Königsberg). Aber auch in Mecklenburg-Vorpommern und sogar im zwischenzeitlich rekultivierten Tagebau Goitzsche bei Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) wurde zu Zeiten der DDR Baltischer Bernstein systematisch abgebaut. Die Ostsee-Vorkommen erwähnte schon Tacitus in seiner Germania. Er sprach vom Volk der „Aesti“, das mit Bernstein handele.
In Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine gibt es ebenfalls Bernsteinvorkommen. Am bekanntesten sind hier der Mährische Bernstein, der Rumänische Bernstein (Rumänit) und der Ukrainische Bernstein, die jeweils ca. 100 Millionen Jahre alt sind.
An der niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküste, im dänischen Jütland (Jütländischer Bernstein), auf den dänischen Inseln sowie an der schwedischen Küste kann Bernstein nach Stürmen von Strandgängern gefunden werden. In Deutschland gibt es auch größere binnenländische Vorkommen in märkischen Gebieten – z. B. im Naturpark Barnim zwischen Berlin und Eberswalde (Brandenburg). Man fand sie in Talsandflächen des nach Thorn ziehenden Urstromtales bei Regulierungen und Kanalbauten. Archäologen vermuten nahe der Grenze zum heutigen Polen ein historisches Handelszentrum.
Sowohl in der Schweiz als auch in Österreich und Frankreich sind Bernsteinvorkommen bekannt. Bernstein aus den Schweizer Alpen ist ca. 55–200 Millionen Jahre alt, solcher aus Golling ca. 225–231 Millionen Jahre. Der bekannte Sizilianische Bernstein (Simetit) ist hingegen vor 10–20 Millionen Jahren entstanden.
In Afrika findet man Kopal an den Küstenländern Ost- und Westafrikas, vor allem aber auf Madagaskar. Dieser so genannte Madagaskar-Bernstein ist allerdings erst 1.000–10.000 Jahre alt und besteht aus dem erstarrten Harz der Bernsteinpinie. In Nigeria findet sich auch Bernstein, der ca. 60 Millionen Jahre alt ist.
Amerikas bekanntester Bernstein ist der durch seine Klarheit und seinen Reichtum an fossilen Einschlüssen begehrte Dominican Amber aus der Dominikanischen Republik. Er ist vor 35 Millionen Jahren aus dem Laubbaum Algarrobo (Prosopis pallida) entstanden.
In Asien findet man Bernstein vor allem im vorderen Orient und in Myanmar (früheres Birma/Burma). Der Libanon-Bernstein ist ca. 130–135 Millionen Jahre und der Burma-Bernstein (Burmit) ca. 50 Millionen Jahre alt.
Bernsteine des australisch-ozeanischen Raums kann man in Neuseeland und auf Borneo (Sawak-Bernstein) finden. Sie sind ca. 20–60, teilweise 70–100 Millionen Jahre alt.
Die ältesten Bernsteine sind sporadisch aus dem Devon bekannt.
Die Kiefernwälder versanken vor ca. 40–50 Millionen Jahren auf Grund von großen Klima- und Standortveränderungen in Sümpfen. Bei ansteigendem Meeresspiegel lockerten Wellen und Strömungen den überfluteten Waldboden auf, spülten das alternde Harz heraus und lagerten es an unterschiedlichen neuen Stellen ab. Große Mengen Bernstein wurden durch eine besonders starke Strömung in eine Bucht transportiert, die sich von der Samlandküste bis westlich von Danzig erstreckt. Er setzte ab und wurde von tonigem Substrat, Sand und Gesteinsschichten bedeckt. Die Sedimente verdichteten sich später zur „Blauen Erde“. Dabei entstand Braunkohle mit darin eingeschlossenem Harz, das sich unter dem Druck und Luftabschluss entwässerte. Dieser Prozess führte zur Oxidation der organischen Kohlenstoffmoleküle. Mit der Zeit bildete sich aus dem Harz so der Bernstein. Auf diese ergiebige Lagerstätte im Ostbaltikum lassen sich letztlich alle Bernsteinfunde Nordeuropas zurückführen, insbesondere aber entlang der „Bernsteinküste“.
Die Verbreitungs- und Fundgebiete des Succinits stehen in Zusammenhang mit den massiven eiszeitlichen Um- und Ablagerungen. Innerhalb der letzten Million Jahre erfuhr der Baltische Bernstein die größten Umlagerungen. Drei Eiszeiten, die Elster-, Saale- und zuletzt die Weichsel-Eiszeit überfuhren das heutige Ostseebecken und das nördliche Mitteleuropa mit ihren Gletschern von Nordosten her und erfassten sowohl Bernsteinablagerungen als auch beispielsweise Ablagerungen aus der Kreidezeit. Erdschollen, Gesteins-, Sand- und Schuttmassen sowie große Steine transportierte das Eis bis nach Dänemark und ins norddeutsche Tiefland. Die meisten Lagerstätten von Bernstein befinden sich in Sedimenten, die vor ca. 40 Millionen Jahren mit Meerwasser in Berührung waren. Selten wird Bernstein in fossilem Waldboden entdeckt.
Zum anderen gibt es eine Vielzahl von pflanzlichen Inklusen: Pilze, Moose und Flechten, aber auch Pflanzenteile, die von Lärchen, Fichten, Tannen, Palmen, Zypressen, Eiben und Eichen stammen. Manchmal werden auch Inklusen mit Wassertropfen oder Lufteinschlüssen entdeckt.
Obwohl die Artenvielfalt in der Zeit, als der Bernstein entstand, relativ groß war, sind Inklusenfunde selten. Nur etwa jedes 500. Bernsteinstück hat einen Einschluss, wobei in den Funden oft nur Fragmente der eingeschlossenen Lebewesen vorliegen. In Schlaubensteinen aus Baltischem Bernstein sind Einschlüsse so häufig, dass man in jedem zwanzigsten fündig werden kann, wenn Sie nicht vorher schon durchsucht wurden. Häufig sind die Inklusen auch beschädigt. Deshalb sind Stücke mit vollständig erhaltenen Zeugnissen des damaligen Lebens wissenschaftlich besonders wertvoll.
Ist das Insekt von nachfließendem Harz umschlossen, beginnt der Abbau der Weichteile in seinem Körperinneren. Dabei treten Muskeln, Drüsen und Körperflüssigkeit durch Körperöffnungen und Körperwandung aus. Deshalb ist die Umgebung der Inklusen häufig milchig-trübe. Mit der Zersetzung der Weichteile setzt bereits die Erhärtung des Harzes ein. Sind diese Prozesse beendet und ist das Harz im Waldboden eingebettet, so wird nach Millionen von Jahren das Harz zu Bernstein und das Insekt zur Inkluse.
Bernstein war neben Salz und Rohmetall (Bronze und Zinn) eines der begehrtesten und wichtigsten Handelsgüter. In Hortfunden und bei Graböffnungen taucht er regelmäßig auf. Durch ihn sind auch weitreichende Handelsbeziehungen nachgewiesen worden. Zwei breite Goldringe, in die je eine Bernsteinscheibe eingelassen war, fanden sich in Südengland (Zinnvorkommen), und ein beinahe identisches Exemplar ist aus dem griechischen Bronzezeit-Zentrum Mykene bekannt (Blütezeit vom 15. - 13. Jh. v. Chr.). Auch in einem frühbronzezeitlichen (um 1700 v. Chr.) Hortfund von Dieskau (Landkreis Saalkreis) befand sich eine Kette aus Bernsteinperlen.
Der Deutsche Orden sicherte sich im 13. Jahrhundert das gesetzliche Recht auf den alleinigen Handel mit Bernstein, welches ihm seinen Reichtum einbrachte. Aus den wertvollsten Bernsteinstücken fertigten sie vor allem in den Werkstätten Königsbergs und Danzigs künstlerische Gegenstände. Das „Bernsteinregal“ verpachtete der Deutsche Orden zunächst an die jeweiligen Landesherren, auf die es 1525 überging. Wiederum wurden die Küstenbewohner zum Sammeln von Bernstein angetrieben. Da die Fischer im Tausch gegen Bernstein das dringend benötigte Salz erhielten, lieferten sie viel ab und sammelten täglich. In abgemilderter Form galt das Gesetz bis 1945.
Im 16. und 17. Jahrhundert nutzten die preußischen Herrscher den Bernstein für Repräsentationszwecke und ließen verschiedene Zier- und Gebrauchsgegenstände daraus fertigen. Der preußische Hof gab hunderte von Bernsteinkunstgegenständen in Auftrag, vor allem Pokale, Dosen, Konfektschalen und Degengriffe, die als Hochzeits- und Diplomatengeschenke in viele Kunstsammlungen europäischer Fürsten- und Herrscherhäuser gelangten. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten größeren Bernsteinmöbel. 2002-11-15_071b_Puschkin_Bernsteinzimmer.jpg
Im 18. Jahrhundert ließ der preußische König Friedrich I. das Bernsteinzimmer für sein Charlottenburger Schloss in Berlin fertigen, das 1712 fertig gestellt wurde. 1716 verschenkte sein Sohn das Zimmer an den russischen Zaren Peter den Großen. Später wurde es in den Katharinenpalast bei St. Petersburg eingebaut, im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen geraubt und nach Königsberg gebracht, wo es 1945 wahrscheinlich verbrannte. Es gibt allerdings Gerüchte, wonach das Bernsteinzimmer noch immer in unterirdischen Stollen eingelagert sein soll. Durch den Fortschritt der Naturwissenschaften wurde erkannt, dass der Bernstein als fossiles Harz nicht mystischen, sondern natürlichen Ursprungs ist. Deswegen ging das höfische Interesse am Bernstein nach 1750 zurück.
Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Bernstein hauptsächlich durch Strandlese gewonnen. 1862 konnte beispielsweise mit dieser Methode 4000 kg gesammelt werden. Im Jahre 1837 überließ der preußische König Friedrich Wilhelm III. die gesamte Bernsteinnutzung von Danzig bis Memel gegen die Summe von 30.000 Mark den Gemeinden des Samlandes. Seit 1881 gab es Pressbernstein, so dass man um 1890 mit der großtechnischen Gewinnung des Bernsteins durch Baggern in Ostpreußen begann und damit Schmuck für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich wurde. Im Jahr 1890 konnten auf diese Weise bereits über 200.000 kg gefördert werden. In manchen Regionen Europas gehörten facettierte Bernsteinketten sogar zur Hochzeitstracht der Bauern.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Bernstein vor allem aus Ostpreußen, Estland, Lettland und Litauen (bzw. der späteren Sowjetunion) exportiert. Die dortige Küste erwies sich als eine der größten Fundstätten der Welt – 1912 förderte man 600 t. So entstand 1926 beispielsweise in Palmnicken, Ostpreußen die weltgrößte Manufaktur, die Staatliche Bernstein - Manufaktur Königsberg, in der bis 1945 künstlerische Produkte und Gebrauchsgegenstände aus Bernstein gefertigt wurden, man sprach sogar in der NS-Zeit vom „deutschen Gold“.
Um 1970 senkte die Sowjetunion die Jahreslieferung von zehn Tonnen auf eine herunter. Der Hauptabnehmer der Importware, der ostdeutsche „VEB Ostseeschmuck“, forderte daraufhin die Bürger der DDR durch Zeitungsanzeigen auf, Bernstein nach Ribnitz-Damgarten zu schicken. Die meisten Zusendungen kamen von Bitterfelder Bergleuten, und so beauftragte der Betrieb Geologen, den Braunkohletagebau Bitterfeld zu untersuchen. Da sie fündig wurden, wurde der Tagebau Bitterfeld (Grube Goitsche) zum Bernsteintagebau.
Von 1974 bis 1993 war das sachsen-anhaltische Bitterfeld ein wichtiges Abbaugebiet. Als die Sowjetunion in den 1970er Jahren ihre jährlichen Exporte drastisch senkte, gab dies den Anlass dazu, im Bitterfelder Braunkohlen-Tagebau den Bernstein zunächst mit Schürfharke und Schaufel, ab 1976 mit Löffelbaggern und einer Förderanlage mechanisch abzubauen. Ende der 1990er Jahre wurde die Grube geflutet und die bernsteinträchtigen Schichten dadurch unzugänglich.
Bis 2002 war der Hauptfundort die große Grube von Palmnicken bei Kaliningrad (Königsberg), das durch seine großen im Tagebau zugänglichen Bernsteinvorkommen bekannt wurde. Nach der Erschöpfung der Vorkommen in Schwarzort wurde 1827 bei Palmnicken das weltweit wohl einzige Bernsteinwerk durch die Firma „Stantien & Becker“ eingerichtet. Palmnicken wurde angelehnt an das russische Wort für Bernstein, jantar, in Jantarny umbenannt, nachdem es nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Sowjetunion geworden war. In Jantarny wurde der Succinit aus der „Blauen Erde“ gefördert.
Die „Blaue Erde“ ist eine mehrere Meter dicke, graugrüne Sedimentschicht, die Glaukonit und den Baltischen Bernstein enthält. An manchen Stellen enthält ein Kubikmeter zwei bis drei Kilogramm Bernstein. Das Vorkommen erstreckt sich großflächig an der Küste bis in 10 m und im Binnenland bis in 30 m Tiefe. Nachdem der Abraum über der „Blauen Erde“ abgetragen wurde, schrappte ein Bagger mit großer Schaufel eine Tonne Erde von der Wand ab und lud sie hinter sich ab. Dann wurde das Substrat mit Wasser aufgeschwemmt. Als nächstes wurde die schlammige Masse von großen Pumpen über kilometerlange Rohre ins Kombinat befördert. Dort siebte man den Bernstein heraus und führte ihn der weiteren Verwendung zu. Der verschlämmte Abraum floss über ein Rohrsystem in die Ostsee.
Nachdem durch den russischen Zoll große Mengen Diebes- und Schmuggelware (ca. 900 – 1000 kg Rohbernstein und bis zu 6000 Stück Fertigerzeugnisse innerhalb von zwei Jahren) beschlagnahmt worden waren, deren Spuren in das Bernsteinkombinat Jantarny zurückverfolgt werden konnten, erhöhte man die Sicherheitsvorkehrungen an der Palmnickengrube, die 90 % der jährlichen Weltlieferung förderte. Schließlich gab man sie im Jahr 2002 auf und flutete den Tagebau.
Die Schließung des Bernsteinabbaus in Jantarny hat für den Handel zur Folge, dass die Bernsteinpreise seitdem steigen. Da man in den letzten Jahren den Bernstein sogleich verkauft und nicht gehortet hat, ist ein Engpass entstanden. Auf der Bernsteinmesse „amberif“ in Danzig gab es zuletzt nur wenige gute Inklusen zu kaufen. Prognosen zufolge soll es in den nächsten Jahren einen Mangel an Bernstein im Angebot geben, der die Preise in großem Maße steigen lassen soll, auch wenn es weiterhin Gerüchte über eine neu eröffnete Gruben (Promorskoye) in der Exklave Kaliningrad gibt.
Da Polen in der Antike an der Bernsteinstraße lag, war das Material dort schon immer ein wertvoller Rohstoff, der besonders im 2. Jahrhundert gehandelt wurde. Auch in heutiger Zeit ist Polen ein wichtiger Bernsteinlieferant, dessen Vorräte auf 12.000 t geschätzt werden. Der polnische Bernstein stammt hauptsächlich aus Mozdzanowo, wo er in vielen unterschiedlichen Farbtönen gefunden wird. 60 % der Fundstücke sind durchsichtig. Auch an der Verbindungsstelle zur Halbinsel Hela findet sich Bernstein in 130 m Tiefe. Kürzlich wurden auf der Lubliner Hochebene Vorkommen entdeckt. Damit vergrößert sich wieder das Bernsteinangebot.
Seit der Erfindung des Pressbernsteins in den 1870er Jahren in Königsberg und seit der ersten industriellen Umsetzung 1881 in Wien und dann später auch in der Staatliche Bernstein - Manufaktur Königsberg findet man es bei Gebrauchsgegenständen wie Zigarettenspitzen, Mundstücke von Tabakspfeifen oder der türkischen Tschibuk, Nippes und billigem Schmuck. Anfangs wurden Pressbernsteine vielfältig verwendet, aber der noch billigere Kunststoff, es begann mit Bakelit, verdrängte es fast vollständig. So kommt es, dass Pressbernstein und natürlich ganz besonders Naturbernstein heute den Eindruck von etwas Besonderem erzeugt. Ein weiteres sehr seltenes Einsatzgebiet sind elektrische Isolatoren, da sein Spezifischer Widerstand ungefähr 1016 Ωm beträgt und damit größer ist als der von Porzellan.
Zermahlener Bernstein wurde innerlich gegen verschiedene Krankheiten eingesetzt, so unter anderem bei Nieren-, Gallen-, Leberkrankheiten, bei Problemen im Magenbereich und des Verdauungssystems. Daneben nutzte man ihn als Räuchermittel. Ab dem 19. Jahrhundert wurde das aus Bernstein gewonnene Bernsteinöl zum Einreiben bei Rheuma verwendet.
In der Esoterik gilt Bernstein bis heute als „Heil- und Schutzstein“, der Ängste nehmen und Lebensfreude schenken soll. Um seine volle Wirkung zu entfalten, soll er lange ohne Unterbrechung auf der Haut getragen werden. Bei manchen Müttern ist Bernstein als „Zahnungshilfe“ beliebt: Eine Bernsteinkette um den Hals des Babys gelegt soll dem Kind das Zahnen erleichtern und ihm die Schmerzen nehmen, wenn es die Kette in den Mund nimmt. Bernstein soll nämlich entzündungshemmend wirken. Ebenfalls werden „positive Schwingungen“ in der Steinheilkunde erwähnt, die vom Bernstein ausgehen sollen.
Im zweiten Schritt wird der Bernstein der Politur, dem letzten Arbeitsgang beim Schleifen, unterzogen. Dazu wird ein Leinen- bzw. Baumwolltuch mit Spiritus angefeuchtet und mit Schlämmkreide bestrichen. Mit dem so präparierten Tuch wird der Bernstein in kreisenden Bewegungen poliert und anschließend unter Wasser ausgewaschen. Zum Schluss wird der Bernstein mit einem Fensterleder nachpoliert.
Im dritten Schritt wird in den Bernstein, falls gewünscht, ein Loch gebohrt. Der Bohrer wird in eine elektrische Handbohrmaschine eingespannt. Die verwendete Drehzahl sollte niedrig sein, und eine gewisse Übung in der Handhabung von Bohrern ist nicht nur aus Sicherheitsgründen von Vorteil. Der Bohrer darf nicht verkannten oder mit großem Druck durch den Bernstein getrieben werden, da Bernstein sehr druckempfindlich ist und damit die Bruchgefahr sehr groß. Sollte der Bernstein doch einmal brechen, hilft ein handelsüblicher Sekundenkleber.
Matte, wenig glänzende, stumpfe oder ältere Bernsteine bekommen mit etwas Möbelwachs einen schönen Glanz.
(Wikipedia übernimmt keine Haftung für Unfälle. Das Befolgen dieser Anleitung erfolgt auf eigene Gefahr.)
Bisweilen wird auch der Bernstein selbst gefälscht. Abgesehen von ihrem Brenngeruch und ihrer geringen Härte bzw. Dichte sind manche Bernsteinsorten nur schwer von entsprechend gefärbten Kunststoffen zu unterscheiden. Häufig werden auch Mischungen von Bernstein und Kunstharzen als Bernstein angeboten. Sie sind jedoch durch die deutlich abgesetzten, eingegossenen Bernsteinstücke leicht zu erkennen.
In der DDR wurde künstlicher Bernstein aus Polyester und Bernsteinstücken als Polybern verkauft.
Weniger leicht zu identifizieren sind Rekonstruktionen aus pulverisiertem Schleifabfall oder kleinen Bruchstücken des puren Bernsteins, die miteinander verschmolzen werden. Bernsteinrekonstruktionen dürfen als „Echt Bernstein“ verkauft werden, da die Grundlage tatsächlich echter Bernstein(staub) ist. Er ist auch als Pressbernstein bekannt
Zum Prüfen, ob es sich bei einem Bernstein um ein Original oder ein Imitat handelt, kann eine glühende Nadel verwendet werden. Diese hält man an den Stein und zieht sie mit etwas Druck darüber. Bildet sich eine Rille und wird der Stein schmierig bzw. riecht er harzig, während die Nadel an einer Stelle bleibt, ist es Bernstein. Andernfalls ist es ein Imitat.
Alternativ kann man auch die Dichte des Bernsteins zum Test nutzen. Bernstein sinkt in Süßwasser (z. B. normalen Leitungswasser) schwimmt jedoch in konzentriertem Salzwasser. Man benutzt zwei Gefäße, eines mit Süßwasser, eines mit Salzwasser (etwa zwei Esslöffel Salz auf einen Viertelliter Wasser). Bernstein versinkt im ersten Glas, schwimmt jedoch im zweiten. Plastik schwimmt auch auf Süßwasser, Steine und Glas versinken im Salzwasser.
Künstlich geklärte Bernsteine sind keine Seltenheit. Dabei werden trübe Naturbernsteine (95 % der Naturbernsteine) über mehrere Tage langsam in Rüb- oder Leinsamenöl erwärmt, um sie zu klären. Durch geschickte Temperaturregelung während des Klärungsprozesses können auch Sonnenflinten, Sonnensprünge und Blitzer, die in Naturbernsteinen äußerst selten vorkommen, gezielt hergestellt werden. Oft wird auch ein hohes Alter des Steins vorgetäuscht. Beim so genannten Antikisieren wird das Material in einem elektrischen Ofen in gereinigtem Sand mehrere Stunden auf 100 °C erhitzt, um einen warmen Braunton zu erzeugen. Alle diese Manipulationen sind leider nur schwer nachzuweisen.
Bernstein wird oft mit durchscheinendem gelbem Feuerstein verwechselt, dessen Oberfläche auch glänzt. Aber im Gegensatz zum leichten und warmen Bernstein ist Feuerstein kalt und härter als Glas. Um selbst gefundene Bernsteine von Feuerstein zu unterscheiden (bei kleineren Splittern ist das Gewicht nicht ohne weiteres zu bestimmen), kann man den Stein vorsichtig gegen einen Zahn schlagen. Gibt dies einen weichen Ton, wie er zum Beispiel entsteht, wenn man mit dem Fingernagel gegen den Zahn schlägt, so ist es kein Feuerstein.
Falsch ist auch die Behauptung, es gäbe Einschlüsse von Meereslebewesen im Bernstein. Es handelt sich bei den eingeschlossenen Lebewesen ausschließlich um Landbewohner (70% aller Inklusen) und Süßwasserlebewesen (30%) der Bernsteinwaldgebiete.
Bernstein | Schmuckstein | Geologie | Paläontologie | Pflanzenprodukt
Jantar | Ambr | Rav | Amber | Sukceno | Simetita | Merevaik | Meripihka | Ambre | ענבר | Sucino | Raf | Ambra (resina) | コハク | 호박 (화석) | Gintaras | Barnsteen | Rav | Bursztyn | Âmbar | Янтарь | Jantar | Bärnsten | Hổ phách | 琥珀
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