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Bernhard Heinrich Martin Karl von Bülow (* 3. Mai 1849 in Klein Flottbek bei Altona; † 28. Oktober 1929 in Rom), seit 1899 Graf, seit 1905 Fürst, war ein deutscher Politiker.

Leben


Bernhardvonbuelow.jpg | Franz von Lenbach Portrait Marie Gräfin Dönhoff.jpg, 1873]] Bülow wurde als Sohn von Bernhard Ernst von Bülow und seiner Frau Luise Victorine Rücker geboren. Sein Vater war Staatssekretär im Auswärtigen Amt unter Otto von Bismarck. An der Universität Lausanne, in Berlin und an der Universität Leipzig studierte er Jura und nahm als Freiwilliger am Deutsch-Französischen Krieg teil. In Metz bereitete er sich bis 1874 auf den Justiz- und Verwaltungsdienst vor. Danach trat er in den Auswärtigen Dienst ein und arbeitete bis 1888 als Diplomat in Rom, Sankt Petersburg, Wien, Athen und Paris. 1888 wurde er Gesandter in Bukarest, 1893 Botschafter in Rom. 1886 heiratete er Marie Prinzessin di Camporeale, die in vorheriger Ehe mit einem Grafen von Dönhoff verheiratet gewesen war. 1897 kehrte er nach Berlin zurück und wurde für drei Jahre Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Hier prägte er in Zusammenhang mit der wilhelminischen Kolonialpolitik das Wort vom "Platz an der Sonne".

Er pflegte die Freundschaft zum Kaiserfreund Philipp zu Eulenburg, der wesentlich dazu beitrug, ihn als Kanzlerkandidaten aufzubauen. Dabei bediente er sich auch dicker Schmeicheleien. So schrieb er einmal an Eulenburg: 'Er (der Kaiser) ist so bedeutend. Nach Friedrich dem Großen der bedeutendste Hohenzoller'. Natürlich rechnete er damit, daß diese Äußerungen dem Kaiser mitgeteilt wurden.

Am 17. Oktober 1900 wurde Bülow preußischer Ministerpräsident und Reichskanzler. Der Kaiser setzte große Hoffnungen in ihn; 'er soll mein Bismarck werden'. Als Kanzler bemühte er sich, seinem Herrn genehm zu sein. Gegen die Selbstherrschaft des Kaisers unternahm er nichts. In seiner Amtszeit ereignete sich der Doggerbank-Zwischenfall, bei dem russische Kriegsschiffe versehentlich ein britisches Fischerboot in der Nordsee versenkten. Im Zuge dieses Konfliktes suchte von Bülow die Annäherung an Russland. Tatsächlich erzielte er nur eine Verschärfung des bereits bestehenden Konflikts mit England.

Am 14. Juli 1909 reichte Bülow seinen Rücktritt ein, nachdem es innerhalb seines Blockes zu Problemen im Haushalt und in der Reform der Erbschaftssteuer gekommen war. Bereits zuvor hatte er in Zusammenhang mit seinem Verhalten vor und während der so genannten "Daily-Telegraph-Affäre" das Vertrauen des Kaisers verloren. Diese Zeitung hatte einen den Kaiser kompromittierenden Artikel über das deutsch-englische Verhältnis veröffentlicht, der Gespräche des Kaisers mit einem englischen Adligen wiedergab. Obwohl Wilhelm II. die Druckfahnen Bülow zur Gegenzeichnung vorgelegt hatte, prüfte dieser nicht ordnungsgemäß, so dass es zur Veröffentlichung und danach zu einem Sturm der Entrüstung im Reich kam. Der Ruf nach Mäßigung des Kaisers und Beschränkung auf die ihm verfassungsgemäß zukommende Rolle war bis hin in eigentlich kaisertreue Kreise vernehmbar. Für diese nicht unernste Staatskrise machte der Kaiser, der sich zeitweilig mit dem Gedanken an Abdankung trug, Bülow verantwortlich.

1914 wurde er angesichts der sich dramatisch zuspitzenden außenpolitischen Lage Sonderbotschafter in Rom und hatte den Auftrag, Italien zu einem Verbleib im Dreibund zu bewegen. Mit diesem Auftrag wurde Bülow wegen seiner besonderen familiären Beziehungen und der engen Beziehungen zu führenden Staatsmännern Italiens betraut. Gleichwohl hatte er keinen Erfolg. Hierfür machte er später die Unentschlossenheit und fehlende Weitsicht seines verachteten Nachfolgers Theobald von Bethmann Hollweg verantwortlich, der ihn nicht ausreichend unterstützt habe. 1917 kam Bülow wiederum als möglicher Nachfolger von Bethmann Hollweg ins Gespräch, wurde aber vom Kaiser nicht in Betracht gezogen. Die Zeit nach 1918 verbrachte er vorwiegend in der berühmten Villa Malta, seinem Wohnsitz in Rom.

In den 1920er-Jahren veröffentlichte er seine vier Bände umfassenden "Denkwürdigkeiten", die insbesondere wegen der Charakterisierung Wilhelms II. einen Skandal verursachten. Bülow galt als begnadeter Gesellschaftslöwe mit großem Charme und bestechender rednerischer Brillanz. Ob seine politisch bleibenden Leistungen diesem Oberflächenbild entsprochen haben, muss heute bezweifelt werden.

Literatur


  • Wolfgang Mommsen: War der Kaiser an allem schuld?, Ullstein Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-548-36765-8

Weblinks


Geboren 1849 | Gestorben 1929 | Mann | Deutscher | Reichskanzler (Deutsches Reich) | Ministerpräsident (Preußen) | Deutsche Kolonialgeschichte | Staatssekretär (Deutsches Reich)

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