Berndeutsch (auch Bärndütsch) sind die schweizerdeutschen Dialekte, die im Berner Mittelland gesprochen werden. Sie zählen zum Hochalemannischen.
Diese Ausspracheregeln gelten für das Berndeutsch im Mittelland (siehe Abschnitt Innere Unterschiede).
Ihr auffallendstes Merkmal ist die Höflichkeitsform: Es wird nicht gesiezt, sondern geihrzt. Anstelle von Grüezi (Grüss Sie) wird also in Bern Grüessech (Grüss Euch) verwendet.
Wie im gesamten westlichen Schweizerdeutschen hat der Plural beim Verb nicht nur noch eine Form, sondern deren zwei, da die 2. Person Plural eine eigene Endung bewahrt vgl.:
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass, wie in anderen Schweizerdeutschen Dialekten, die Zahlwörter "zwei" und "drei" ein grammatisches Geschlecht aufweisen (doch ist diese Unterscheidung im Rückgang begriffen):
Berndeutsch ist hauptsächlich eine gesprochene Sprache, auch wenn eine vergleichsweise umfangreiche berndeutsche Literatur existiert. Es gibt keine einheitliche Rechtschreibung, aber trotzdem lassen sich zwei Hauptrichtungen der berndeutschen Rechtschreibung ausmachen, wobei jedoch jeder einzelne Autor jeweils persönlichen Gepflogenheiten folgt:
Wie alle anderen Dialekte der Deutschschweiz ist Berndeutsch als geschriebene Sprache gegenwärtig in Bereichen im Vormarsch, wo eine "quasi-mündliche" Ausdrucksweise verwendet wird, d.h. in SMS, Chat und persönlichen Briefen und E-Mails. Dabei wird meist "nach Gefühl" und mehr oder weniger phonetisch geschrieben. Dabei lassen sich die Schreibungen nicht in die zwei oben genannten Ansätze einordnen, was einerseits daran liegen mag, dass die jungen Schreiber kaum Kenntnis von der Mundartliteratur haben, andererseits daran, dass sie sich nicht an etablierte Regeln halten wollen oder können.
Innerhalb der Stadt Bern gab es noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Vielzahl von Soziolekten (Gliederung von Dialekten nach sozialer Schicht): Die Oberschicht sprach das archaisierende Patrizier-Berndeutsch (keine l-Vokalisierung, keine nd-Velarisierung, Rachen-r wie im Französischen); die alteingesessenen Burger sprachen das altertümliche Stadt-Berndeutsch; die Unterschicht im Mattequartier sprach das sogenannte Mattenenglisch; die aus dem Umland Zugewanderten sprachen bäuerliche Landdialekte.
Der moderne Stadtdialekt beruht zu grossen Teilen auf den Landdialekten, weist aber auch viele Wörter des Mattenenglischen auf (nebst einer Menge neuer Lehnwörter aus dem Deutschen und dem Englischen). Seinerseits strahlt dieser Stadtdialekt wieder auf das Land aus: Im Einzugsgebiet der Agglomeration Bern ist eine zunehmende Nivellierung der Dialektunterschiede festzustellen.
Die auffälligste Variation, die heute noch ausgeprägt ist, ist der ja/jo-Unterschied. Im nördlichen Kantonsteil, d.h. im Seeland, im Oberaargau und in Teilen des Unteremmentals wird in vielen Wörtern a zu o (ja/jo, Jahr/Johr, Fraag/Froog). Das jo-Gebiet ist allerdings auf dem Rückzug.
Typisch für die Gegend südlich von Bern ist der Übergang von den Diphthongen ei, öi und ou zu den Monophtongen ii, üü und uu, welche so offen gesprochen werden, dass sie von einigen sogar als ee, öö und oo empfunden werden. Beispiele sind Geiss/Giiss, zwöi/zwüü und gloube/gluube. Diese Variante ist jedoch ebenfalls im Rückzug begriffen; war sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch in weiten Teilen des mittleren und südlichen Mittellandes (ohne die Stadt Bern) verbreitet, so findet man sie heute fast nur noch in ländlichen Gegenden der Voralpen und des Oberlandes.
Im Berner Oberland trifft man auf eine grössere Dialektvielfalt als im Mittelland. Die Oberländer Dialekte gehören zum Höchstalemannischen; erkennbar unter anderem am Vokalsystem, das die mittelhochdeutschen Monophthonge auch im Hiatus bewahrt hat (schneie/schnye, boue/buue). Auch fehlen im Oberland die für das Berndeutsch typische l-Vokalisierung (Milch/Miuch) und die nd-Velarisierung (Hund/Hung). Oft werden nur die Dialekte des Mittellands als Berndeutsch bezeichnet, während die Oberländer Dialekte Berner Oberländisch und Brienzer/Haslitaler Dialekt genannt werden.
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