Bernd Rabehl (* 30. Juli 1938 in Rathenow) war eines der bekanntesten Mitglieder des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds.
1960 nahm er für zwei Semester ein Studium der Agronomie an der Humboldt Universität in Ostberlin auf, ging allerdings noch vor dem Mauerbau nach Westberlin und begann dort Soziologie und Philosophie zu studieren. Hier war er lange Zeit Freund und Wegbegleiter Rudi Dutschkes. 1965 trat er zusammen mit Dutschke dem SDS bei. 1967/68 war er im Bundesvorstand des SDS tätig. Als Fluchthelfer schleuste er Freunde und Bekannte aus der DDR. Damit und auch mit seinen politischen Schriften handelte er sich ein langjähriges Einreiseverbot in den Ostblock ein.
1973 schloss er seine Dissertation ab. In den 70er Jahren war er Mitglied der Redaktionskonferenz der Zeitschrift "Probleme des Klassenkampfs" und des Rotbuchkollektivs. Zwischen 1973 und 1984 arbeitete er zunächst als Mitarbeiter und Dozent am Soziologischen Institut der Freien Universität Berlin. Er lehrte und forschte viele Jahre am Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung, zuletzt am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Ferner war er mehrere Jahre als Gastprofessor an der Bundesuniversität von Campina Grande (Brasilien) tätig. Neben unzählbaren Artikeln veröffentlichte er zahlreiche Monografien zu Marxismus und Arbeiterbewegung. Nach dem Zusammenbruch der DDR arbeitete er im "Forschungsverbund SED-Staat" der FU Berlin unter anderem zu Verbindungen des MfS mit dem SDS.
Zusammen mit Siegwart Lönnendonker und Jochen Staadt veröffentlichte er in diesem Zusammenhang Beiträge zu einer Geschichte des SDS. Hier stellte er die Verschiedenheit der Interessen von "Abhauern" aus der DDR und Westlern im SDS heraus. Rudi Dutschkes Hauptinteresse habe nicht wie bei den Westlern dem "Internationalismus", sondern der "Deutschen Frage" gegolten. Deutschland sei für Dutschke und die anderen "Abhauer" ein von den Besatzungsmächten in Unfreiheit gehaltenes Land gewesen.
Ende 1998 hielt Bernd Rabehl eine Rede vor der Burschenschaft Danubia. Dort warnte er unter anderem vor einer kulturellen "Überfremdung", die bürgerkriegsähnliche Zustände und Terrorismus in die westlichen Gesellschaften bringen könnte. Über Horst Mahler gelangte die Rede an die umstrittene Wochenzeitung Junge Freiheit und wurde dort - wie Rabehl behauptete - unautorisiert veröffentlicht. Den Redetext selbst bestritt er nicht, in der Folge schrieb er weiterhin zu verschiedenen Themen in der "Jungen Freiheit".
Aufgrund dieser Tatsachen und seiner provokanten Thesen zur Revolte von 68 wurde Rabehl oft ein "Rechtsruck" vorgeworfen. In einem Interview mit der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" sagte er dazu: "In letzter Konsequenz bin ich meinem Denken von damals treu geblieben, nur daß sich inzwischen die politischen Positionen verschoben haben. Was früher als »links« angesehen wurde, gilt heute als »rechts«.". Das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin versuchte ihm als Reaktion auf dieses Interview die Lehrbefugnis zu entziehen. Als sich dies als unmöglich herausstellte, beschloss das Institut, ihm keine Lehraufträge mehr zu erteilen und ihn nicht mehr an Prüfungen teilnehmen zu lassen. Die Rechtsabteilung der Universität erwirkte aber, Lehrveranstaltungen Rabehls wieder zuzulassen. Allerdings fanden sie außerhalb des prüfungsrelevanten Kanons statt.
Nachdem ihn die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung ohne Anhörung von seiner Funktion als Vertrauensdozent entband, verließ er 2000 den DGB und schloß sich später dem Deutschen Handels- und Industrieangestellten-Verband (DHV) im CGB an. Aus diesem wurde er zum 31. März 2005 ausgeschlossen.
2005 trat Bernd Rabehl mehrfach bei Veranstaltungen der NPD auf. In Interviews sagte er dazu, er plane eine wissenschaftliche Arbeit über die NPD und wolle sich auf diese Weise seinem Forschungsobjekt nähern. Die angekündigte Arbeit zur NPD ist noch nicht erschienen.
Bernd Rabehl ist pensioniert und lebt als freier Autor in Berlin.
Mann | Deutscher | Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Deutsch) | politische Literatur | Geboren 1938
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