mk Berlin Tram 6.jpg Die Berliner Straßenbahn ist eines der ältesten und bis heute größten Straßenbahnnetze der Welt. Betreiberin sind seit 1929 die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Das normalspurige Netz hat eine Streckenlänge von 190,4 km und 380 Haltestellen.
Berlin besaß bereits seit 1865 eine Pferdebahn, 1881 fuhr hier die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Zahlreiche private und städtische Verkehrsgesellschaften legten neue Strecken an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs das Netz rasant, wurde von Pferdebahnbetrieb auf elektrischen Betrieb umgestellt, um 1930 hatte es eine Streckenlänge von über 630 km und mehr als 90 Linien. 1929 wurden alle Verkehrsunternehmen in der BVG vereinigt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die BVG in einen westlichen und einen östlichen Betrieb gespalten, die 1992 wiedervereint wurden. Bis 1967 wurden alle Straßenbahnlinien in West-Berlin stillgelegt. Mit Ausnahme von zwei nach der Wiedervereinigung gebauten Strecken (Linien M10, M13 und 50) verkehrt die Berliner Straßenbahn deshalb ausschließlich im ehemaligen Ostteil der Stadt.
Im Folgejahr, am 22. Juni 1865, begann das Zeitalter der Straßenbahn in Deutschland. Die erste Pferdebahnlinie Berlins nahm den Betrieb auf, sie führte vom Brandenburger Tor über die heutige Straße des 17. Juni nach Charlottenburg. Sie wurde am 28. August des gleichen Jahres über die Dorotheenstraße zum Kupfergraben an der heutigen Museumsinsel verlängert. Die Endstelle ist heute noch in Betrieb. Wie zuvor beim Pferdebus, so folgten auch hier viele weitere Unternehmer der neuen Entwicklung und bauten in allen Teilen des heutigen Stadtgebiets Pferdebahnstrecken. 1873 eröffnete eine Strecke vom Rosenthaler Platz zum Gesundbrunnen, Betreiberin war die neu gegründete Große Berliner Pferde-Eisenbahn, die später unter dem Namen Große Berliner Straßenbahn (GBS) zum dominierenden Verkehrsunternehmen Berlins werden sollte.
Am 16. Mai 1881 schrieb die Region Berlin erneut Verkehrsgeschichte. In der Gemeinde Groß-Lichterfelde, die erst 39 Jahre später ein Teil von Berlin-Steglitz wurde, eröffnete Werner von Siemens die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Die Strecke diente zunächst nur als Versuchsanlage, Siemens bezeichnete sie als „von den Säulen und Trägern genommene Hochbahn“, denn sein eigentliches Ziel war der Bau eines elektrischen Hochbahnnetzes in Berlin. Um die zögernden politischen Entscheidungsträger von den Vorteilen des elektrischen Antriebs zu überzeugen, wählte Siemens die Kleinbahnstrecke in Lichterfelde als Demonstrationsobjekt. Die Bedenkenträger im Magistrat behielten trotzdem weiterhin die Oberhand, und Siemens konnte die erste Berliner Hochbahnstrecke erst 21 Jahre später in Betrieb nehmen (siehe Geschichte der Berliner U-Bahn).
mk Berlin Tram 2.jpg Die elektrische Straßenbahn in Lichterfelde erhielt ihren Fahrstrom über die Gleise, sodass die Strecke aus Sicherheitsgründen eingezäunt werden musste. Die meterspurige Strecke verlief vom heutigen S-Bahnhof Lichterfelde-Ost zur Kadettenanstalt in der Finckensteinallee. Eine Fahrt kostete mehr als ein damaliger Durchschnittsstundenlohn. Die Strecke wurde am 15. Februar 1930 stillgelegt und durch eine Buslinie ersetzt.
Der elektrische Betrieb verlief zunächst noch nicht zufriedenstellend, und es blieb bei der einen Versuchsstrecke. Die Elektrifizierung der Pferdebahnstrecken begann wie in anderen Städten erst am Ende des Jahrhunderts. Am 1. Mai 1896 eröffnete die GBS die erste elektrische Strecke von der Innenstadt zum Gelände der Gewerbeausstellung in der Gemeinde Treptow. Der elektrische Betrieb lieferte diesmal bessere Ergebnisse, sodass in der Folge immer mehr Strecken elektrifiziert wurden, bis im Jahr 1902 fast alle Linien elektrisch betrieben wurden.
Ab dem 18. Dezember 1899 konnte man in Berlin aber bereits, trotz der Hindernisse bei der Planung der U-Bahn, unterirdisch Bahn fahren, sogar unter der Spree hindurch: Der zur Gewerbeausstellung 1896 schon gezeigte, 450 Meter lange Spreetunnel zwischen Treptow und Stralau wurde der Straßenbahn übergeben. Der Tunnel wies leider Baumängel auf und musste am 15. Februar 1932 stillgelegt werden; nachdem er im Krieg durch einen Bombentreffer schwer beschädigt und von Spreewasser geflutet wurde, wurde er nach 1945 zugeschüttet. Die Straßenbahn besaß von 1916 bis 1951 außerdem einen zweiten Tunnel, den Lindentunnel, mit dem die Prachtstraße Unter den Linden unterirdisch gekreuzt werden konnte - Kaiser Wilhelm II. wollte den Boulevard nicht durch die Oberleitungen einer elektrischen Straßenbahn verunstaltet sehen.
Die wichtigste private Betreiberin war die Große Berliner Pferde-Eisenbahn, die sich nach Beginn der Elektrifizierung Große Berliner Straßenbahn (GBS) nannte und nach und nach fast alle anderen Unternehmen aufkaufte. 1920 fusionierte die GBS mit den städtischen Unternehmen BESTAG und SSB zur Berliner Straßenbahn, die 1929 in die neu gegründete, städtische Berliner Verkehrs-AG (BVG) überführt wurde. Die BVG übernahm außer der Straßenbahn auch die Hoch- und Untergrundbahnen sowie die überwiegend von der Allgemeinen Berliner Omnibus-Actien-Gesellschaft (ABOAG) betriebenen Buslinien.
Die folgende Tabelle enthält in chronologischer Reihenfolge alle Unternehmen, die vor der Gründung der BVG Straßenbahnstrecken in Berlin betrieben. Die Hintergrundfarbe der jeweiligen Zeile markiert die Traktionsart, in der die Gesellschaft ihre Strecken anfangs betrieb (blau = Pferdebahn, gelb = Dampfbahn, weiß = elektrische Bahn, rot = benzolbetriebene Bahn).
| Eröffnung | Betreibergesellschaft | Spurweite (mm) | übernommen am | übernommen durch | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| 22.06.1865 | Berliner Pferde-Eisenbahn-Gesellschaft (BPfEG) | 1435 | 26.09.1894 | BChS | erste Pferdebahn in Deutschland |
| 01.11.1871 | Westend-Terrain-Gesellschaft H. Quistorp & Co. | 1435 | 1878 | BPfEG | |
| 08.07.1873 | Große Berliner Pferde-Eisenbahn (GBPfE) | 1435 | 25.01.1898 | GBS | |
| 01.01.1877 | Neue Berliner Pferdebahn-Gesellschaft (NBPfG) | 1435 | 01.01.1900 | GBS | |
| 01.04.1879 | Große Internationale Pferde-Eisenbahn-Gesellschaft (GIPfEG) | 1435 | 1886 | GBPfE | bereits im März 1872 gegründet |
| 16.05.1881 | Electrische Straßenbahn der Gemeinde Groß-Lichterfelde | 1000 | 04.03.1895 | ESGLSS | erste elektrische Straßenbahn der Welt |
| 18.10.1882 | Cöpenicker Pferde-Eisenbahn (CPE) | 1435 | 1903 | SSC | |
| 13.06.1885 | Pferde-Eisenbahn der Gemeinde Rixdorf | 1435 | 01.01.1887 | GBPfE | |
| 05.05.1886 | Davy, Donath & Co. | 1435 | 22.12.1888 | BDK | |
| 06.08.1887 | Pferde-Eisenbahn der Gemeinde Mariendorf | 1435 | 01.01.1888 | GBPfE | |
| 18.05.1888 | Wilmersdorf-Schmargendorfer Dampfstraßenbahn Reymer & Masch (WSD) | 1435 | 22.12.1888 | BDK | |
| 01.07.1888 | Dampfstraßenbahn Groß-Lichterfelde - Seehof - Teltow | 1435 | 31.05.1891 | DLSTS | |
| 22.12.1888 | Berliner Dampfstraßenbahn-Konsortium (BDK) | 1435 | 01.10.1898 | WBV | betrieb auch Pferdebahnen |
| 17.05.1891 | Straßenbahn Friedrichshagen | 1000 | 16.12.1906 | SSC | 1894 durch die Gemeinde übernommen, mit Übernahme durch die SSC elektrifiziert und auf Regelspur umgebaut |
| 31.05.1891 | Dampfstraßenbahn Groß-Lichterfelde - Seehof - Teltow - Stahnsdorf | 1435 | 01.04.1906 | TKb | |
| 04.06.1891 | Pferdebahn Tegeler Chaussee - Tegel | 1435 | 04.06.1891 | GBPfE | |
| 01.08.1891 | Pferde-Eisenbahn der Gemeinde Britz | 1435 | 01.08.1891 | GBPfE | |
| 05.06.1892 | Spandauer Straßenbahn Simmel, Matzky & Müller (SpS) | 1000 | 08.12.1920 | Berliner Straßenbahn | am 01.09.1894 Betriebsführung an die Allgemeine Deutsche Kleinbahn-Gesellschaft, Abschluss der Elektrifizierung am 18.03.1896, ab 04.03.1899 Betriebsführung durch die AEG, Umspurung auf Regelspur am 26.10.1907, am 01.07.1909 durch die Stadt gekauft |
| 01.07.1892 | Pferde-Eisenbahn der Gemeinde Niederschönhausen | 1435 | 01.07.1892 | GBS | |
| 26.09.1894 | Berlin-Charlottenburger Straßenbahn (BChS) | 1435 | 15.05.1919 | GBS | Abschluss der Elektrifizierung am 01.10.1900 |
| 04.03.1895 | Elektrische Straßenbahnen Groß-Lichterfelde - Lankwitz - Steglitz - Südende (ESGLSS) | 1000 | 01.04.1906 | TKb | |
| 10.09.1895 | Siemens & Halske | 1435 | 01.07.1899 | BESTAG | |
| 25.01.1898 | Große Berliner Straßenbahn (GBS) | 1435 | 01.10.1920 | Berliner Straßenbahn | Abschluss der Elektrifizierung am 15.12.1902; am 20.09.1919 durch den Zweckverband Groß-Berlin erworben |
| 01.10.1898 | Westliche Berliner Vorortbahn (WBV) | 1435 | 15.05.1919 | GBS | betrieb auch Pferdebahnen, Abschluss der Elektrifizierung am 19.06.1900 |
| 01.07.1899 | Berliner Elektrische Straßenbahn-AG (BESTAG) | 1435 | 01.12.1920 | Berliner Straßenbahn | |
| 01.07.1899 | Südliche Berliner Vorortbahn | 1435 | 15.05.1919 | GBS | |
| 21.10.1899 | Elektrische Kleinbahn Berlin – Hohenschönhausen | 1435 | 10.12.1906 | NBSNO | |
| 18.12.1899 | Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen (Straßenbahn Schlesischer Bahnhof - Treptow) (SST) | 1435 | 22.06.1909 | Berliner Ostbahnen | betrieb den Spreetunnel |
| 15.08.1901 | Straßenbahn Niederschöneweide - Cöpenick (SNC) | 1435 | 22.06.1909 | Berliner Ostbahnen | |
| 01.10.1901 | Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin (Straßenbahn Warschauer Brücke-Zentralviehhof) | 1435 | 01.04.1928 | BSBG | am 01.01.1910 Verkauf der Strecke an die SSB, dafür Bau einer neuen von der Warschauer Brücke zur Scharnweber-/Gürtelstraße, später zum Wagnerplatz (heute Roedeliusplatz) in Lichtenberg verlängert |
| 1903 | Städtische Straßenbahn Cöpenick (SSC) | 1435 | 01.10.1920 | GBS | |
| Juli 1904 | Pferde-Eisenbahn der Gemeinde Französisch-Buchholz | 1435 | 19.12.1907 | BESTAG | mit Übernahme durch die BESTAG erfolgte die Elektrifizierung |
| 03.12.1905 | Straßenbahn der Gemeinde Steglitz | 1435 | 16.04.1921 | Berliner Straßenbahn | |
| 01.04.1906 | Teltower Kreisbahnen (TKb) | 1000/1435 | 16.04.1921 | Berliner Straßenbahn | Dampfbahn der DLSTS wurde erst am 30.03.1907 elektrifiziert |
| 10.12.1906 | Neue Berliner Straßenbahn Nordost (NBSNO) | 1435 | 03.05.1910 | NÖBV | |
| 23.03.1908 | Elektrische Straßenbahn Spandau-Nonnendamm | 1435 | 01.10.1914 | SpS | durch Siemens & Halske gegründet |
| 01.07.1908 | Städtische Straßenbahnen Berlin (SSB) | 1435 | 01.10.1920 | Berliner Straßenbahn | |
| 22.06.1909 | Berliner Ostbahnen | 1435 | 01.05.1920 | GBS | |
| 03.05.1910 | Nordöstliche Berliner Vorortbahn (NÖBV) | 1435 | 15.05.1919 | GBS | |
| 07.08.1910 | Straßenbahn des Flugplatzes Johannisthal | 1435 | Oktober 1910 | stillgelegt | letzte Pferdebahn auf Berliner Stadtgebiet |
| 09.03.1912 | Schmöckwitz-Grünauer Uferbahn | 1435 | August 1924 | Berliner Verkehrs-GmbH | Abschluss der Elektrifizierung am 23.07.1912 |
| 29.05.1913 | Straßenbahn der Gemeinde Heiligensee an der Havel | 1435 | 01.10.1920 | Berliner Straßenbahn | |
| 01.10.1920 | Berliner Straßenbahn | 1000/1435 | 10.09.1923 | BSBG | 1000mm-Strecken ex TKb |
| 08.01.1923 | Kleinbahn Spandau-West - Hennigsdorf | 1435 | 01.01.1929 | BVG | Elektrifizierung erst durch die BVG |
| 10.09.1923 | Berliner Straßenbahn-Betriebs-GmbH (BSBG) | 1000/1435 | 01.01.1929 | BVG | 1000mm-Strecken ex TKb |
| August 1924 | Berliner Verkehrs-GmbH | 1435 | 01.03.1925 | BSBG | |
Strassenbahn-TM34.jpg Am Gründungstag der BVG betrieb diese 89 Straßenbahnlinien und ein Netz mit 634 km Streckenlänge, besaß 4000 Straßenbahnfahrzeuge und beschäftigte 14.400 Personen allein bei der Straßenbahn. Die Straßenbahn leistete 170 Millionen Wagenkilometer pro Jahr und beförderte 1929 929 Millionen Fahrgäste. Ende dieses Jahres gab es bereits 93 Straßenbahnlinien.
Anfang der 1930er Jahre begann langsam der Abstieg des riesigen Berliner Straßenbahnnetzes. Nachdem 1930 bereits die historische, erste elektrische Straßenbahnstrecke in Lichterfelde stillgelegt wurde, folgte am 31. Oktober 1934 die älteste Straßenbahnlinie Deutschlands: die Charlottenburger Chaussee (heute Straße des 17. Juni) wurde von den Stadtplanern der Nazis zur monumentalen Ost-West-Achse umgebaut, die Straßenbahn musste weichen. 1938 gab es noch 71 Straßenbahnlinien, 2800 Fahrzeuge und rund 12.500 Beschäftigte. Das Omnibusnetz wurde dagegen konsequent erweitert, seit 1933 gab es in Berlin außerdem Oberleitungsbusse.
Während des 2. Weltkriegs wurden zur Einsparung von Mineralöl einige Verkehrsaufgaben von Omnibus und Lastkraftwagen auf die Straßenbahn (zurück-)verlagert, unter anderem wurde ein umfangreicher Güterverkehr eingerichtet; viele Unternehmen und einige Häfen erhielten einen Gleisanschluss an die Straßenbahn. Durch Luftangriffe (ab März 1943), Personal- und Strommangel gingen die Fahrleistungen der Straßenbahn im Verlauf des Krieges immer weiter zurück, bis der Betrieb während des Endkampfs um Berlin am 23. April 1945 völlig zusammenbrach.
Die BVG wurde in Folge der politischen Spaltung Berlins am 1. August 1949 geteilt. Es entstanden zwei getrennte Unternehmen, die BVG-West in den drei Westsektoren (36 Straßenbahnlinien) und die BVG-Ost (13 Linien), ab 1969 VEB Kombinat Berliner Verkehrsbetriebe (BVB) im sowjetischen Sektor. Am 14. Oktober 1950 wurden die Straßenbahnlinien von West-Berlin ins brandenburgische Umland (nach Kleinmachnow und Schönefeld), am 15. Januar 1953 die Linien über die innerstädtische Sektorengrenze eingestellt. Anlass für letzteres Ereignis war die Tatsache, dass die BVG-Ost Frauen als Fahrerinnen einsetzte, was man im Westen als Provokation ansah und den gemeinsamen Linienbetrieb aufkündigte. Die Linien der einen Stadthälfte endeten nunmehr an der Grenze, die Fahrgäste überquerten diese zu Fuß und fuhren mit der gleichnamigen Linie der anderen Stadthälfte (und demselben Fahrschein) weiter.
Die Straßenbahn wurde als überflüssig betrachtet, da Berlin zu jener Zeit bereits ein gutes Basis-U-Bahn-Netz besaß. Der damals stark wachsende Oberflächenverkehr würde die Straßenbahn (die damals vielfach eigenen Gleiskörper fuhr) nur behindern. Diesem Problem könne man nur mit Tunnelstrecken entgegen wirken. Aufgrund dieser Argumente wurde der Kredit schließlich umgewandelt und mit Zustimmung des Berliner Senats für den Kauf von 120 (Doppeldecker-)Bussen verwendet.
Dies war zwar kein direkter Beschluss zur Abschaffung der Straßenbahn, doch war dies die logische Konsequenz daraus, wenn der Wagenpark nicht erneuert werden würde. Ab 1954 wurden die Straßenbahnlinien nach und nach durch Omnibusse und in Einzelfällen durch die in den Folgejahrzehnten großzügig ausgebaute U-Bahn ersetzt. Den Anfang machten die Linien 76 und 79 auf dem Kurfürstendamm, sie wurden durch die Autobuslinien 19 (heute M 19) und 29 (heute M 29) ersetzt.
Zuerst wurde der Norden West-Berlins „straßenbahnfrei“, 1958 schlossen die Betriebshöfe Müllerstraße und Tegel, am 30. September 1960 der Betriebshof Reinickendorf sowie die Straßenbahnlinie 35, die letzte im französischen Sektor der Stadt. Ende 1962 gab es im Westteil der Stadt noch 18 Straßenbahnlinien.
Am 22. März 1965 wurde die letzte Obuslinie West-Berlins stillgelegt. Das Verkehrsmittel konnte sich hier, anders als in anderen Großstädten, nie recht durchsetzen und wurde zu keiner ernsthaften Konkurrenz für die Straßenbahn.
Ende 1965 betrieb die BVG-West noch acht Straßenbahnlinien, die Stillegungen wurden in hohem Tempo fortgesetzt. Am 2. Oktober 1967 fuhr zum letzten Mal eine Straßenbahn in West-Berlin; die letzte Linie mit der Nummer 55, die vom Bahnhof Zoo über den Ernst-Reuter-Platz - Rathaus Charlottenburg - S-Bahnhof Jungfernheide - Siemensdamm - Nonnendammallee - Falkenseer Platz - Neuendorfer Allee bis Spandau, Hakenfelde fuhr, wurde stillgelegt.
| Linie | von ... nach ... | eingestellt am | damals ersetzt durch | die Linie(n)derzeit ersetzt durch | die Linie(n)
|---|---|---|---|---|
| 2 | Bernauer Straße, Sektorengrenze ↔ Bahnhof Zoologischer Garten | 01.06.1964 | A 84, A 90 | 245 |
| 3* | Neukölln, Elsenstraße ↔ Grüntaler Straße/Osloer Straße | 01.08.1964 | A 89 | U7, M13, 126 |
| 6 | Charlottenburg, Richard-Wagner-Platz ↔ Britz, Buschkrug | 01.07.1961 | A 73 | M46 |
| 15 | Marienfelde, Daimlerstraße ↔ Neukölln, Schulenburgpark | 01.07.1966 | A 77 | M77, 177 |
| 21 | Straßenbahnhof Moabit, Wiebestraße ↔ Kreuzberg, Friesenstraße | 16.01.1953 | A 24 | TXL |
| 23* | Straßenbahnhof Moabit, Wiebestraße ↔ Wollankstraße, Sektorengrenze | 02.05.1960 | A 70 | M27 |
| 24 * | Bahnhof Gesundbrunnen ↔ Bernauer Straße, Sektorengrenze | 02.05.1960 | ohne Ersatz | ohne Ersatz |
| 25 | Schöneberg, Gotenstraße ↔ Bernauer Straße, Sektorengrenze | 01.09.1961 | U 9, A 64 | U 9, 328 |
| 26 | Spreewaldplatz ↔ Tempelhof, Industriestraße | 29.09.1963 | ohne Ersatz | 177 |
| 27 | Spreewaldplatz ↔ Buckow, Alt-Buckow | 01.10.1964 | A 91 | M44 |
| 28 | Bahnhof Gesundbrunnen, Rügener Straße ↔ Tegelort, Almazeile | 01.06.1958 | U 6, verl. A 20 | U 6, 222 |
| 29 | Bahnhof Gesundbrunnen, Rügener Straße ↔ Alt-Heiligensee | 01.06.1958 | U 6, verl. A 14 | U 6, 124 |
| 35** | Gartenfeld ↔ Kopenhagener Straße, Sektorengrenze | 01.10.1960 | A 72 | U7, X33, 127, 327 |
| 36** | Kopenhagener Straße, Sektorengrenze ↔ Bahnhof Gesundbrunnen, Rügener Straße | 02.05.1960 | A 71 | 327 |
| 40 | Dahlem, Clayallee ↔ Steglitz, Birbuschstraße | 01.10.1959 | A 68 | X83 |
| 41 | Bernauer Straße, Sektorengrenze ↔ Alt-Tegel | 01.06.1958 | A 61 | 328 |
| 44 | Sandkrugbrücke, Sektorengrenze ↔ Lichterfelde, Réamurstraße | 02.05.1963 | A 86 | U7, 186 |
| 47 | Britz, Gradestraße ↔ Rudow, Stadtgrenze | 01.10.1966 | A 41 | 171 |
| 51 | Bahnhof Zoologischer Garten ↔ Roseneck | 01.05.1957 | A 60 | 245 |
| 53 | Charlottenburg, Richard-Wagner-Platz ↔ Spandau, Hakenfelde | 02.05.1967 | A 56 | 136, 145 |
| 54 | Charlottenburg, Richard-Wagner-Platz ↔ Spandau, Johannesstift | 02.05.1967 | A 54, AS 1 | 145 |
| 55 | Bahnhof Zoologischer Garten ↔ Spandau, Hakenfelde (via Siemensstadt) | 02.10.1967 | A 55 | U7, 136, 139 |
| 57 | Bahnhof Zoologischer Garten ↔ Grunewald, Roseneck | 01.11.1954 | A 50 | 115 |
| 60 | Schöneberg, Lindenhof ↔ Charlottenburg, Königin-Elisabeth-Straße | 02.05.1962 | A 74 | U7, 204 |
| 66 | Schöneberg, Wartburgplatz ↔ Steglitz, Thorwaldsenstraße | 02.05.1963 | A 83 | 187 |
| 68 | Bahnhof Wedding, Nettelbeckplatz ↔ Bahnhof Wittenau (Nordbahn) | 01.06.1958 | A 62 | M 21, X 21 |
| 73* | Potsdamer Platz, Sektorengrenze ↔ Bahnhof Lichterfelde Ost | 02.05.1962 | A 48, verl. A 53 | 148, 186 |
| 74* | Potsdamer Platz, Sektorengrenze ↔ Lichterfelde, Finckensteinallee | 02.05.1963 | A 84 | 148, 186 |
| 75 | Bahnhof Zoologischer Garten ↔ Spandau, Hakenfelde (via Kantstraße) | 24.01.1964 | A 94, A97 | X34, X49, 136, 149 |
| 76 (I) | Grunewald, Roseneck ↔ Kreuzberg, Mehringplatz | 01.07.1954 | A 19 | M19 |
| 76 (II) | Bahnhof Zoologischer Garten ↔ Spandau, Johannissitft (ab 1959) | 24.01.1964 | A 94 | X34, X49, 145, ''149' |
| 77/78 | Bahnhof Zoologischer Garten ↔ Lichterfelde, Goerzallee oder Lichterfelde Süd, Lindenstraße | 02.05.1963 | A 85 | M85, 385 |
| 79 | Grunewald, Roseneck ↔ Kreuzberg, Oranienplatz | 01.07.1954 | A 29 | M29 |
| 88 | Kreuzberg, Wiener Brücke ↔ Steglitz, Stadtpark | 01.03.1963 | A 75 | M29, 183 |
| 95* | Sonnenallee/Schwarzer Weg ↔ Mehringplatz | 02.05.1965 | A 95 | M41 |
| 96* | U-Bahnhof Mehringdamm ↔ Lichterfelde Süd, Schwelmer Straße | 02.05.1966 | A 96 | 117, 184, 284 |
| 98 | U Tempelhof ↔ Marienfelde, Daimlerstraße | 01.10.1961 | A 77 | U6, M77, 177 |
| 99 | U Tempelhof ↔ Bahnhof Lichtenrade | 01.10.1961 | A 76 | U6, M76, X76 |
Auffallend ist, dass heute viele Metrobus-Linien (M) dem Verlauf früherer Tramlinien folgen.
Ende der 1970er Jahre wendete sich jedoch das Schicksal der Berliner Straßenbahn, denn um die neue entstandenen Großsiedlungen, wie Marzahn, später Hohenschönhausen und zuletzt Hellersdorf, zu erschließen, wurden viele verschiedene Straßenbahnstrecken gebaut, denn die S-Bahn reichte dort als Schnellbahn nicht aus. Teilweise sind diese neuen Strecken bereits vor der Fertigstellung der Siedlungen entstanden, sodass sogar die Bauarbeiter mit der Straßenbahn zur Baustelle fahren konnten. Bei der Errichtung dieser Strecken achtete man auf die Geschwindigkeit und Integration in das Stadtbild, und so erhielten die neuen Strecken zum Großteil einen vom Straßenverkehr unabhängigen Gleiskörper mit Rasengleis.
Auch energiepolitische Gründe spielten eine Rolle. Bekam die DDR zuvor noch Erdöl aus der Sowjetunion zum Vorzugspreis, war dies nach der Erdölkrise nicht mehr möglich und so bekam die durch heimische Energieträger (Braunkohle-Verstromung) angetriebene Straßenbahn, wie auch in vielen anderen Städten der DDR, die wichtigste Rolle im innerstädtischen Verkehr. Dennoch kam es nicht zu einer Wiedereinführung der Straßenbahn im Ost-Berliner Zentrum, hier wurden die Fahrgastströme durch die U-Bahnlinie A (heute Teil der Linie U2) und die S-Bahn aufgefangen.
Vor allem gab es Überlegungen, das Pankower Straßenbahnnetz stillzulegen, da einerseits die Straßenbahnen in der Schönhauser Allee parallel zur U-Bahnlinie U2 fahren und andererseits weil der Streckenast nach Rosenthal nicht ausgelastet war. Dies war jedoch, auch im Hinblick auf den Bau vieler neuer Straßenbahnnetze in Europa, kaum durchzusetzen und so präsentierte bald darauf der zuständige Senator für Verkehr, der CDU-Politiker Herwig Haase, Pläne für die Reaktivierung der Straßenbahn in West-Berlin. Eine neue Strecke sollte von der Warschauer Straße zum Hermannplatz führen, ebenso sollte die Straßenbahn von der Björnsonstraße die Seestraße weiter entlang fahren. Ebenso war angedacht, Strecken durch die Leipziger Straße zum Potsdamer Platz zu bauen, ebenso wie ein isoliertes Straßenbahnnetz in Spandau.
Berlin Tramway Friedrichstrasse.JPG | 1995 wurde die erste Strecke in drei Etappen Richtung Westen eröffnet. Das Rudolf-Virchow-Klinikum, die Osloer Straße und die Müllerstraße, die alle im Stadtteil Wedding liegen, sind seitdem wieder an das Straßenbahnnetz angeschlossen.
Seit 1997 hält die Straßenbahn direkt am Bahnhof Friedrichstraße. Zuvor war ein langer Fußweg zurückzulegen, um zu dem in der gleichen Zeit sanierten Bahnhof zu kommen. Seitdem halten die Straßenbahnen in der Wendeschleife „Am Kupfergraben“ in der Nähe der Humboldt-Universität und der Museumsinsel.
Berlin Strassenbahn Alexanderplatz 2005 08 05.jpg Im Jahr darauf folgte die Wiedereröffnung der Straßenbahn am Alexanderplatz. Diese fährt nun direkt über den Platz und hält sowohl einmal am U-Bahnhof der U2 und einmal am Bahnhofsgebäude der Regional- und S-Bahn, wo auch ein direkter Übergang zur U5 und zur U8 besteht. Kritiker befürchteten vermehrt Personenunfälle, da die Straßenbahn direkt durch eine Fußgängerzone fährt. Dies bewahrheitete sich jedoch nicht.
Im Jahr 2000 wurden die Straßenbahngleise vom S-Bahnhof Warschauer Straße direkt bis an den U-Bahnhof verlängert. Da hier jedoch kein Platz für eine Wendeschleife bestand, beschloss die BVG, hier ein stumpfendendes Gleis einzurichten. Dafür wurden extra Zweirichtungsfahrzeuge beschafft. Die Gleise, die auf der Oberbaumbrücke bereits 1995 verlegt worden sind, blieben jedoch weiterhin ungenutzt, da eine Verlängerung der Straßenbahn bis zum Hermannplatz finanziell nicht realisierbar erschien.
Seit dem selben Jahr fährt die Straßenbahn im Pankower Netz nun nicht mehr nur bis Französisch Buchholz Kirche, sondern noch weiter bis zur Guyotstraße. Mit dieser Verlängerung, vom der IGEB „Wiesenbahn“ genannt, erhielten auch die dortigen Neubaugebiete mit Einfamilienhäusern einen Bahnanschluss.
2006 wurde die zweite Strecke im ehemaligen Westteil der Stadt eröffnet, die Linie M10 fährt nun ab Eberswalder Straße durch die Bernauer Straße im Wedding weiter zum Nordbahnhof in Mitte.
Dennoch werden wesentlich weniger Neueröffnungen und Reaktivierungen von Straßenbahnstrecken realisiert, da sich Berlin in einer extremen Haushaltsnotlage befindet.
Heute befördert die Berliner Straßenbahn pro Jahr um die 160 Millionen Fahrgäste.
Nachdem in den 1990er Jahren eine wahre Straßenbahneuphorie herrschte, trat später eine Ernüchterung ein. Dies beruhte vor allem darauf, dass viele Strecken aufgrund der extremen Haushaltsnotlage Berlins entweder nur sehr langsam oder gar nicht realisiert werden können. Auch denkt man bei der BVG offen über Streckenstilllegungen nach, wie zum Beispiel die Strecke der M1 zur Schillerstraße. Dies äußerte jedenfalls Betriebsvorstand Thomas Necker, der ebenfalls mit der Aussage, im Westen hätte es auch gut ohne Straßenbahn geklappt, große Empörung unter den Fahrgastverbänden auslöste. Dennoch hat die Straßenbahn zukünftig in Berlin eine größere Ausbauchance als die U-Bahn, da sie wesentlich kostengünstiger zu errichten ist.
Derzeit finden gerade Bauarbeiten beziehungsweise Vorbereitungsarbeiten an zwei Projekten statt: Am 28. Mai 2006 wurde die Straßenbahnlinie M10 von der Eberswalder Straße durch die Bernauer Straße bis zum Nordbahnhof verlängert, wo diese stumpf, ohne Anschluss an das restliche Netz, endet. Aufgrund einiger Planungsfehler während der Amtszeit von Senator Peter Strieder beschloss die neue Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, die Fortführung der Straßenbahn bis zum Hauptbahnhof zu verschieben, um die Pläne noch einmal zu überarbeiten. Unter anderem war es geplant, teilweise die Bürgersteige ganz aufzugeben, außerdem sollte eine große Anzahl von Bäumen gefällt werden. Daher musste ein neues Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden, und so soll die Straßenbahn erst 2009 bis zum 2006 in Betrieb gegangenen Hauptbahnhof fahren.
Aufgrund der frei gewordenen Mittel beschloss die Stadtentwicklungssenatorin ebenfalls die im Jahr 2003 von ihrem Vorgänger Peter Strieder unterbrochenen Bauarbeiten an dem Lückenschluss zwischen Prenzlauer Tor und Alexanderplatz über die Karl-Liebknecht-Straße wieder aufzunehmen (Baubeginn war im November 2005 *). Vorher war es geplant, dass diese erst 2008 fahren sollte, doch auch durch die nicht benötigten Baukapazitäten kann die Eröffnung um ein halbes Jahr vorgeschoben werden. Die Verbindung, die zukünftig von der M2 befahren wird, soll laut BVG-Angaben täglich 20.000 neue Fahrgäste sowie 450.000 Euro Zusatzeinnahmen bringen.
Neben diesen zwei Projekten gibt es noch zahlreiche andere Planungen, die vor allem Straßenbahnstrecken in den Westteil der Stadt beinhalten. Dazu gehört unter anderem eine Verlängerung der Tramlinie M10 von der Warschauer Straße bis zum Hermannplatz. Bereits 1993 wurden dafür Vorleistungen auf der Oberbaumbrücke erbracht – bis heute liegen dort ungenutzt Straßenbahngleise. Die Linie soll geradeaus durch die Falckensteinstraße, dann direkt durch den Görlitzer Park, dann weiter über Glogauer und Panierstraße am Hermannplatz enden. Damit würden auch die Einwohner Neuköllns und Kreuzbergs näher an den Berliner Osten heranrücken. Längerfristig soll hier die Straßenbahn über Hasenheide, Hallesches Tor und Lehrter Bahnhof wieder den „Kleinen Ring“ bilden, so wie es ihn schon vor 1953 gab.
Ebenfalls zu den angestrebten Straßenbahnstrecken gehört eine Linie durch die Leipziger Straße über Potsdamer Platz zum Kulturforum. Bereits im Jahr 2000 wurden erste Gleise in der Leipziger Straße verlegt. Jedoch protestierten der ansässige Bundesrat sowie der DaimlerChrysler-Konzern vehement gegen die Straßenbahn. Beide befürchteten erhebliche Verkehrsprobleme auf der stark belasteten Straße. Die Straßenbahnlinie soll am Berliner Rathaus beginnen, wo auch eine Verbindung zum Restnetz bestünde.
Weiterhin ist es geplant, die Linie 63 von der Haeckelstraße in Johannisthal bis zum Zwickauer Damm in Rudow zu verlängern. Hierfür soll die Straßenbahn durch den Sterndamm und die Stubenrauchstraße fahren. Durch diese würden vor allem die Wohngebiete um den Zwickauer Damm und den Eisenhutweg an das S-Bahnnetz angeschlossen. Für diese Strecke wurde bereits beim Bau der Hermann-Gladenbeck-Brücke über die A113 2004 genug Platz für die die zukünftigen Straßenbahngleise gelassen. Laut Stadtentwicklungsplan soll die Straßenbahn, wenn das obere Finanzszenario eintritt, bis 2015 gebaut werden. Sollte sich die Finanzlage des Landes Berlin jedoch nicht wie gewünscht entwickeln, ist bis spätestens 2030 eine Realisierung zu erwarten.
Zunächst geht es um die landschaftlich interessante Linie 68Klaus Kurpjuweit: Die schönste Tram-Strecke vor dem Aus, Tagesspielgel, 1. April 2006 zwischen dem S-Bahnhof Grünau und dem Köpenicker Ortsteil Schmöckwitz. Die Strecke, die fast ausschließlich entlang des Ufers des Flusses Dahme entlangführt (daher auch der Namen „Uferbahn“), ist stark sanierungsbedürftig. Nach Angaben der BVG wären für eine Sanierung vier Millionen Euro nötig. Bei rund 1000 Fahrgästen täglich (Stand: Anfang 2006) eine Summe, die letztendlich die Rentabilität der Linie und damit mögliche Investitionen in Frage stelle. Laut Zeitungsberichten sollen die Fahrgastzahlen weitaus höher sein, etwa 702 000 Fahrgäste pro Jahr.Peter Neumann: Zahlenspielereien bei der BVG, Berliner Zeitung, 14. Juni 2006 Die Berliner Verkehrsbetriebe rechnen damit, dass bei einer Stilllegung 4,3 Millionen Euro Rückbaukosten entstünden. In dieser Summe enthalten ist der Bau einer Wendeschleife oder Kehranlage am Strandbad Grünau. Als Ersatz soll eine Buslinie verkehren, die jedoch über das häufig verstopfte Adlersgestell fahren müsste und somit sich auch die Fahrzeit verlängern würde. Politiker kritisieren, dass die BVG angesichts der bei einer Stilllegung anfallenden Kosten, die Strecke auch sanieren könne.Peter Neumann: Fahrverbot für Straßenbahnen soll Geld sparen - kostet aber Millionen, Berliner Zeitung, 20. Juni 2006
Ebenso stilllegungsbedroht, wenn auch mit größerem Zeithorizont, sind die Außenäste der Linie 60 zwischen Friedrichshagen, Bölschestraße und Wasserwerk und die Linie 61 zwischen S-Bahnhof Friedrichshagen und Rahnsdorf. Auf letzterer Strecke wird mangels Nachfrage bereits seit 2005 außer an Freitagen und Sonnabenden abends ab etwa 20 Uhr kein Linienverkehr mehr angeboten – bis dahin ein Novum im Berliner Straßenbahnverkehr. Es wird überlegt, einen ähnlichen Betrieb wie am S-Bahnhof Köpenick an der Wendeschleife Hirtestraße, die über zwei Stationen verfügt, im größeren Stil über den Müggelseedamm, die Bölschestraße und den Fürstenwalder Damm zu betreiben. Peter Neumann: Im Zentrum Zuwachs - am Stadtrand Schwund, Berliner Zeitung, 26. Mai 2006
Darüber hinaus stehen auch wieder im Pankower Netz die Strecken zur Schillerstraße und nach Rosenthal Nord zur Disposition (beide Linie M1). Die Rentabilitätprüfung fiel auch für nahezu die gesamte Linie 21, die Streckenabschnitte in der Suermondtstraße (Linie 27) und zwischen Am Steinberg und Heinersdorf (Linie M2) negativ aus.
Thomas Necker, Vorstand Betrieb der BVG, wiederholte zuletzt am 17. Mai 2006 seine Aussage, dass es in West-Berlin auch ohne Straßenbahn gut funktioniere, und stellte gleichermaßen nunmehr zehn Linien in Frage, die nach Fall der jeweiligen Fördermittelgrenze zur Stilllegung anstünden. Damit erhöht sich die Zahl bisher genannter bedrohter einzelner Äste von vier auf zehn und damit rund einem Drittel bis der Hälfte des gesamten Straßenbahnnetzes. So könnten bereits bis 2030 von den 190 km Strecke nur noch knapp einhundert übrig bleiben.Meldung bei bahninfo.de, 18. Mai 2006
Seit der Neukonzeption des Liniennetzes im Dezember 2004 gibt es in Berlin 22 Straßenbahnlinien:
Bis zum Jahr 2000 waren zudem alle Endstellen im Netz mit einer Wendeschleife ausgestattet, erst die Verlängerung der heutigen M10 zum S+U-Bahnhof Warschauer Straße machte den Bau einer Stumpfendstelle nötig, da der Platz für eine Schleife nicht vorhanden war. Die letzte Stumpfendstelle ist zuvor 1995 in Adlershof beseitigt worden. Neben den oben aufgeführten Endstellen existieren noch weitere im Netz, die teilweise von Einsetzern (kursiv dargestellt) genutzt werden.
Des weiteren existiert in der Boxhagener Straße ein Gleiswechsel. Dieser war ursprünglich bei Gleisbauarbeiten als provisorische Endstelle vorgesehen und wurde noch nicht entfernt.
Da die Berliner Straßenbahn erst in den 1920er Jahren zu einem großen Betrieb zusammengeschlossen, und damit der Fahrzeugpark vereinheitlicht wurde, prägten in den Folgejahren nach der Fusion zur BVG mehrere verschiedene Fahrzeugtypen das Stadtbild, die die unterschiedlichsten Hersteller, Formen und Bezeichnungen aufwiesen.
Der erste einheitliche Fahrzeugtyp war die von Peter Behrens gestaltete Baureihe T24/B24, die mit einer Stückzahl von 1.300 Fahrzeugen die bis dahin größte Anzahl an einer für einen Betrieb ausgelieferten Typs war. Später folgten weitere Baureihen wie etwa die Baureihen TM33, TM34 und TM36. Ihr Einsatz fand auch große Zeit nach dem krieg statt, da im Westteil der Stadt die Einstellung der Straßenbahn kaum mehr Neubaufahrzeuge nötig machte und der Ostteil auf Grund von Materialmangel keine neuen Fahrzeuge beschaffen konnte.
In West-Berlin begann 1952 die Auslieferung der neuen Einrichtungsbaureihe TED52, es handelte sich um die ersten Einrichtungsfahrzeuge für die Berliner Straßenbahn. Da für diese jedoch hätten neue Wendeschleifen errichtet werden müssen, als auch die zu geringe Sitzplatzanzahl im Vergleich zu damaligen Omnibussen veranlasste den Beirat der BVG 1954 zur Einstellung der Straßenbahn in West-Berlin innerhalb von 15 Jahren. Umgesetzt wurde diese schon bis 1967, die letzten eingesetzten Fahrzeuge waren die der Baureihe TM33.
Berlin_Strab_Reko-Wagen_01.jpg Die in Ost-Berlin verbliebenen Fahrzeuge wurden zunächst elektrisch aufgerüstet, Neubaufahrzeuge wurden kaum ausgeliefert. Ausnahmen bildeten einige Prototypen, meist vom Waggonbau Gotha produziert, die jedoch entweder verschrottet oder später den vorhandenen Baureihen angepasst wurden. Ab 1959 begann das RAW Schöneweide, welches die Funktion einer Hauptwerkstatt übernahm, mit dem Umbau der T24 zu Reko-Wagen der Baureihen TE59, TE63 und TE64. Die Wagen wurden sowohl als Einrichtungs- wie auch als Zweirichtungsfahrzeuge ausgelegt. Bis in die 1970er Jahre hinein prägten diese Wagen neben den auch etwa zeitgleich ausgelieferten Gothawagen das Stadtbild. Zudem verkehrten auch einige Vorkriegsbaureihen wie der TM33. Erst mit der Anschaffung von modernen Tatra-Fahrzeugen konnten die Baureihen, die teils noch aus Vorkriegsjahren stammten, ausgemustert werden. Die Reko-Wagen, fuhren sogar bis 1996 in Berlin, zuletzt im Köpenicker Teilnetz.
mk Berlin Tram 5.jpg, Bj. 1988]] Heute verfügt die Berliner Straßenbahn über zwei verschiedene Fahrzeugfamilien. Neben in den Jahren 1993-97 modernisierten Hochflurfahrzeugen des tschechischen Herstellers Tatra (vierachsige Gelenkwagen KT4D und vierachsige Großraumwagen T6A2) gibt es niederflurige, sechsachsige Doppelgelenktriebwagen in Ein- und Zweirichtungsausführung (GT6N und GT6N-Z).
Die Anzahl der Straßenbahnfahrzeuge wird seit der Wende kontinuierlich reduziert. Zur Wende besaß die BVB (Ost) 1024 Fahrzeuge, derzeit sind es noch etwa 600. Die Reduzierung war möglich, da neue, modernere Fahrzeuge im Durchschnitt eine mehr als doppelt so hohe Fahrleistung pro Jahr erreichen (bis zu 100.000 km).
Eine erneute Modernisierung der Typen KT4D-t mod/KT4D mod und T6A2/B6A2 wird aus wirtschaftlichen Gründen von der BVG abgelehnt. Deshalb lief seit April 2005 eine europaweite Ausschreibung für 152 neue Straßenbahnen, deren Bedingung es ist, dass sie zu 100 % niederflurig sind. Geliefert werden sollen zur Hälfte Einrichtungs- und zur anderen Hälfte Zweirichtungsfahrzeuge, damit die BVG einerseits besser auf Baustellen und Störungen reagieren kann und andererseits auch, um zwecks Kosteneinsparung statt Wendeschleifen Stumpfendstellen bauen zu können. Das Investitionsvolumen beträgt laut BVG 400 Millionen Euro. Bereits im Fahrgastbetrieb getestet wurde der Wiener Straßenbahntyp ULF und der für Nantes bestimmte Typ Incentro von Bombardier.
Am 12. Juni 2006 beschloss der Aufsichtsrat der BVG die Beschaffung neuer Straßenbahnen. Es handelt sich um den in Bautzen gefertigten Bombardier-Typ Incentro. Zunächst sollen vier Prototypen ausgiebig in Berlin getestet werden. Sie sollen in den Jahren 2008 und 2009 beschafft werden und kosten etwa 13 Millionen Euro. Sollte sich der Fahrzeugtyp bewähren, beginnt ab 2010 die Serienlieferung. Das erste Lieferlos hat eine Größe von bis zu 148 Bahnen. Für den Zeitraum nach 2015 besteht die Möglichkeit, weitere 58 Bahnen zu beschaffen. Die neuen Bahnen sind mit einer Breite von 2,40m um 10cm breiter als die bisherigen Niederflurbahnen. Um Begegnungsverbote zu vermeiden, werden einige Umbauten im Netz notwendig sein.
Gegenüber Journalisten machte die BVG deutlich, dass zwischen der aktuellen Diskussion über Streckenstilllegungen und den bevorstehenden Fahrzeug-Neubeschaffungen kein Zusammenhang bestehe.
Zusammen mit den vorhandenen 150 Niederflurfahrzeugen wird in naher Zukunft die Fahrzeugflotte aus rund 300 Fahrzeugen bestehen.
Im Berliner Umland gibt es vier weitere Straßenbahnbetriebe, die nicht zur BVG gehören:
Die drei letztgenannten Betriebe liegen in kleinen Orten am östlichen Rand Berlins und besitzen jeweils nur eine einzige Linie.
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