article

Der Berliner Sportpalast (erbaut 1910, abgerissen 1973) war eine vielseitig nutzbare Veranstaltungshalle für mehr als 10.000 Besucher in der Potsdamer Straße 172 (neue HNR-Zählung seit 1936) in Berlin-Schöneberg. Je nach Art der Veranstaltung und Bestuhlungsvariation bot er bis zu 10.000 Menschen Platz und war damit für lange Zeit die größte Halle der Stadt.

Überblick


Die "Internationale Sportpalast- und Winter-Velodrom GmbH" kaufte das Gelände 1909 und beauftragte den Architekten Hermann Dernburg mit dem Bau. Bei der Eröffnung im November 1910 galt die Halle als Sensation, insbesondere wegen der Kunsteisbahn, zu ihrer Zeit die größte der Welt. Sie verhalf den Sportarten Eishockey und Eisschnelllauf erstmals zu großen Publikumserfolgen in Berlin. Eröffnet wurde der Sportpalast durch den Publikumsliebling und Walzerkönig Richard Strauß, der Beethovens Neunte dirigierte. Aufsehen im Feuilleton erregten die vielen Missgeschicke der Vortragenden, die abseits des teppichbelegten Weges häufig ausrutschten, auf ihrem Weg zur Estrade, die in der Mitte der Eisflächte gebaut war.

Anfangsschwierigkeiten und Boom


Der anfangs ausbleibende Publikumserfolg verursachte wenige Monate nach Eröffnung einen Konkurs, aus dem ein Mäzen heraushalf. In den vergnügungssüchtigen Zwanziger Jahren erlebte der Sportpalast einen Boom: er war Ort großer Boxkämpfe mit u. a. Hans Breitensträter (der blonde Hans), Sabri Mahir, der schreckliche Türke und Max Schmeling genannt Maxe. Als Zuschauer der Kämpfe waren Enrico Caruso, Richard Tauber, Hans Albers und Fritz Kortner sowie der junge Bertolt Brecht anwesend.

Sechstagerennen


Seit 1911 fand als weiteres Großereignis das jährliche Sechstagerennen statt, das bis heute eine Berliner Tradition geblieben ist. Zu diesen jährlichen Ereignissen der Radsportler wie Piet van Kempen, dem Fliegenden Holländer oder Hans Kalupa, der Jahrzehnte später noch einen Blumenladen in der Potsdamer Straße betrieb, pfiffen Berliner Institutionen wie Krücke von dem billigen Plätzen unter dem Dach, dem so genannten Heuboden den Sportpalastwalzer. Die Prominenz stiftete Preise wie Pelzmäntel und unterzog sich dem Weinzwang in den ebenerdigen Logen. In der Bahnmitte gab es nur Stehplätze.

Auch als Lichtspielhaus wurde der Palast genutzt und wurde 1919 als größtes Kino der Welt angepriesen.

Politik


Mit Beginn der Weimarer Republik ist der Sportpalast zunehmend von den großen Parteien für ihre Parteitage angemietet worden. Der spätere Reichskanzler Heinrich Brüning vom Zentrum, der Arbeiterführer Ernst Thälmann von der KPD oder der spätere Propagandaminister Josef Goebbels, der es vom Paterre der Opiumhöhle genannten Potsdamer Straße 97 nicht weit hatte, wo sich 1926 bis 1928 das berliner Büro der NSDAP befand: Gau Berlin und Brandenburg. Mit der Aufhebung des Verbots der NSDAP in Berlin im September 1928 sind auch deren Veranstaltungen im Sportpalast immer zahlreicher geworden. Joseph Goebbels erkannte früh das propagandistische Potential dieser Halle und bezeichnete sie als "unsere Tribüne". Folgerichtig sind nach der Machtergreifung 1933 keine oppositionellen Parteien mehr im Sportpalast zugelassen worden. Auch fanden kaum noch Sportveranstaltungen dort statt.

Krieg


Als wichtigstes politisches Ereignis in der Halle ist daher auch Goebbels Sportpalastrede am 18. Februar 1943 - Stalingrad war gerade verloren - anzusehen. Hitler hatte zum neunjährigen Jubiläums seines tausendjährigen Reiches am 30. Januar 1942 eine Rede gehalten, zu der der so genannte Völkische Beobachter erklärte, dass Hitler deswegen den Sportpalast gewählt habe, weil dieser für das Ringen und die Mühlsalen und den schließlichen Sieg zum Gleichnis geworden sei. Exakt zwei Jahre nach dieser Rede, 11 Jahre nach der so genannten Machtergreifung der Nazis wurde der Sportpalast am 30. Januar 1944 ausgebombt.

Schneller als die meisten Häuser der Potsdamer Straße wurde der Sportpalast jedoch von Schutt geräumt und 1949 mit einem Notdach versehen, welches bis zum Abriss 1973 halten musste. Das große Foyer fehlte jedoch und ist auch später nicht wiedererrichtet worden.

Konzertarena


In den folgenden Jahren ist der Palast überwiegend als Konzerthalle genutzt worden, mit Auftritten von z.B. Pink Floyd, Beach Boys, Jimi Hendrix. Als die Fans 1958 bei einem Konzert von Bill Haley randalierten, entstand Sachschaden von 30.000 DM, worauf die Polizei unter dem Regierenden Bürgermeister Brandt eine Rowdy- und Schlägerkartei einrichteten, um den Halbstarken in schwarzen Lederjacken, die der Nähe zu den Braunhemden verdächtigt wurden, Herr zu werden. Weitere Stars, die im Sportpalast auftraten, waren Ella Fitzgerald, Lionel Hampton und Frank Zappa, der allerdings durch die APO von der Bühne geholt wurde, weil er sich für evolution statt revolution dort ausgesprochen hatte. Die frühere Beliebtheit des Sportpalasts wurde nie wieder erreicht; hinzu kam mit der relativ nah verlaufenden Sektorengrenze und schließlich dem Bau der Mauer 1961 ein Verlust der zentralen Lage und ein stark beschnittenes Einzugsgebiet.

Abriss


Als der Betrieb der Halle nicht mehr wirtschaftlich genug war und der Geschäftsführer, der jahrelang ohne staatliche Subventionen auskommen musste, bei einem Unfall plötzlich starb, wurde der Palast 1973 verkauft und zugunsten eines Wohnungsbauprojektes abgerissen. Das an gleicher Stelle errichtete Hochhaus wird heute noch "Sozialpalast" genannt. Der 10stöckige Sozialpalast ist über einen 4stöckigen Hochbunker gebaut, der 1945 allen Abrissversuchen trotzte und heute wieder als Bunker eingerichtet ist.

Literatur


  • Alfons Arenhövel (Hrsg.): Arena der Leidenschaften - Der Berliner Sportpalast und seine Veranstaltungen 1910-1973, Berlin 1990

Weblinks


Halle | Bauwerk in Berlin | Veranstaltungszentrum

Berlin Sportpalast | Sportpalast

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Berliner Sportpalast".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld