Die ersten Berliner Gewerbeausstellungen gab es bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die bekannteste und größte fand 1896 vor den Toren Berlins in der Landgemeinde Treptow im Treptower Park statt und wird auch als „verhinderte Weltausstellung“ bezeichnet. Heute erinnert nur noch die Archenhold-Sternwarte an die gigantische Schau.
1844 fand dann die erste Allgemeine Deutsche Gewerbe-Ausstellung im Zeughaus Unter den Linden statt. Unter den 3.040 Ausstellern waren 685 Berliner Unternehmer. 260.000 Besucher zählte man bereits bei dieser Ausstellung deutscher Gewerbeerzeugnisse.
Die Ausstellung fand im Ausstellungspark am Lehrter Bahnhof statt. Sie war eine Leistungsschau der technischen Neuerungen mit überregionaler Bedeutung und bot den Besuchern auch einen Erlebnispark.
Der Höhepunkt und Publikumsmagnet der Ausstellung war die erste elektrisch betriebene Eisenbahn des Unternehmens Siemens & Halske. Der damals noch nicht geadelte Werner Siemens stellte seine Entwicklung am 31. Mai persönlich vor. Nicht weniger als 90.000 Menschen fuhren während der vier Monate andauernden Ausstellung auf der 300 Meter langen Strecke. Später wurde die technische Sensation auch in Brüssel, London, Kopenhagen und Moskau vorgeführt. Die originale Lokomotive ist noch erhalten und befindet sich heute im Deutschen Museum in München, eine Kopie wird im Technikmuseum in Berlin ausgestellt.
Schließlich fand die Ausstellung als Berliner Gewerbeausstellung vom 1. Mai bis 15. Oktober 1986 im Treptower Park statt. Mit einem Areal von 900.000 Quadratmetern überbot man selbst die bisherigen Weltausstellungen. Um den „Neuen See“, ein künstlich angelegtes Wasserbassin mit 10.000 Quadratmetern Fläche (in etwa auf dem heutigen Gelände des Sowjetischen Ehrenmals), gruppierten sich auf dem weitläufigen Gelände entlang der Spree die Pavillons der 3.780 Aussteller, die in 23 Gruppen aufgeteilt waren. Das größte Gebäude war das in der Nähe des Haupteingangs gelegene Haupt-Industrie-Gebäude, in dem 13 Gruppen untergebracht waren, um ihre Produkte und Entwicklungen vorzustellen. Die Bauten direkt am „Neuen See“ mit Aussichtstürmen, Restaurant, Wandelhalle und Gondelhafen entstanden nach Entwürfen von Bruno Schmitz.
Im Zuge der Vorbereitungen für die Gewerbeausstellung 1896 kam es in der Landgemeinde Treptow zu zahlreichen Strukturänderungen und -verbesserungen. Um die vielen Besucher (etwa sieben Millionen wurden es) von der Innenstadt nach Treptow zu bringen, mussten die Verkehrswege ausgebaut werden. Viele Straßen wurden neu angelegt oder nun befestigt, der öffentliche Nahverkehr deutlich ausgebaut. So erhielt die Görlitzer Bahn einen eigenen Bahnhof „Ausstellung“, der nach der Ausstellung wieder geschlossen wurde. Mehrere elektrische Straßenbahnlinien wurden im April in Betrieb genommen. Und auch die Ringbahn hatte eine eigene Haltestelle – der heutige S-Bahnhof Treptower Park. Man konnte über die Spree zur Ausstellung gelangen – selbst Landungsbrücken für Ihre Majestäten waren eingerichtet worden. Ebenso war geplant, dass man unter der Spree zur Ausstellung gelangen konnte – der Spreetunnel Stralau sollte ein Demonstrationsobjekt für Untergrundbahnen in Berlin werden, wurde dann aber doch erst 1899 in Betrieb genommen.
Außerdem konnten die Besucher innerhalb der Ausstellung mit einer elektrischen Rundbahn der Firma Siemens & Halske die Höhepunkte auf dem riesigen Gelände bequem erreichen. Für die Stromversorgung der gesamten Anlage war ein eigenes Kraftwerk errichtet worden.
Für das leibliche Wohl war mit zahlreichen Cafés, Restaurants und Brauereien gesorgt. Das Hauptrestaurant am östlichen Ende des „Neuen Sees“ wurde von Adlon & Dressel betrieben. Gegenüber lag vor dem Haupt-Industrie-Gebäude das Kaffee Bauer. Davor lud der Gondelhafen zu Fahrten mit venezianischen Gondeln auf dem See ein. Auch die bekannten Berliner Gastronomen Aschinger waren mehrfach auf der Ausstellung vertreten. Außerdem boten Unternehmen wie Sarotti, Hoffmann & Tiede, die Breslauer Wurstfabrik, das Bürgerliche Brauhaus Pilsen, die Brauerei Patzenhofer, Tucherbräu und viele andere ihre Produkte an. Frisch gezaptes Bier und warme Speisen konnte man auch in einem Automaten-Restaurant im Vergnügungspark erstehen.
Im Vergnügungspark trugen Hagenbecks Thierzirkus und Nordpol-Panorama, Dr. Wölferts Lenkbares Luftschiff, ein Ballonplatz, die Wasserrutschbahn, das American Theatre, das Luft-Carussel und vieles mehr zum vielfältigen Programm bei.
In der Deutschen Kolonial-Ausstellung waren Dörfer aus Ostafrika, Togo, Kamerun und Neu-Guinea nachgebaut. Etwa 400 „Eingeborene“ waren eigens für diese Ausstellung nach Berlin gebracht worden und wohnten dort, um authentisches Leben in fernen Ländern zu demonstrieren.
In „Kairo“ wurden Gassen der Kairoer Altstadt nachgebildet mit Arabischem Café, Moschee und Basaren. Auch eine Pyramide und ein Fellachen-Dorf ergänzten das exotische Ensemble.
Alt-Berlin war der Nachbau eines Berliner Stadtteils mit Marktplatz, Rathaus und dem Theater „Alt-Berlin“ des Architekten Bernhard Sehring.
Auch Otto Lilienthal präsentierte sich mit seiner Firma für Dampfmaschinen auf der Ausstellung. Seine ursprünglich geplanten Flugvorführungen wurden aber nicht genehmigt und so musste er sich damit begnügen, am 16. Juni einen Vortrag über „Praktische Flugversuche“ zu halten.
Das Riesenfernrohr löste besonderes Interesse bei den Besuchern aus, obwohl das von Friedrich Simon Archenhold entwickelte Fernrohr, das auch Himmelskanone genannt wurde, erst im September voll funktionstüchtig war. Das mit einer Brennweite von 21 Metern bis heute größte Linsenfernrohr der Welt war in einem Holzgebäude untergebracht. Wegen des großen Interesses und des fehlenden Geldes zum Abbau nach der Gewerbeausstellung entstand hieraus später die älteste und größte Volkssternwarte Deutschlands: die Archenhold-Sternwarte. Sie ist das einzig Erhaltene der großen Schau. Alles andere musste nach der Ausstellung wieder aus dem Treptower Park entfernt werden, denn die Genehmigung war nur unter der Maßgabe erteilt worden, dass die Parkanlagen keinen Schaden nahmen.
Weitere Attraktionen waren das Alpenpanorama, die Marine-Schauspiele und das Gebäude der Stadt Berlin.
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