| R- und S-Sätze |
| R: -
S: 24/25
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| Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Berliner Blau (Pariser Blau, Eisencyanblau, Turnbulls Blau, Bronzeblau) ist ein lichtechtes, tiefblaues, mineralisches Pigment und gilt als der erste moderne synthetische Farbstoff. In der Farbenindustrie wird Berliner Blau allgemein auch Eisenblau genannt (der Name bezeichnet auch ein altertümliches Pigment aus dem Mineral Vivianit).
Als Farbton wird es auch als Preußischblau, Stahlblau, in einer Variante als Miloriblau bezeichnet.
Berliner Blau hat die Summenformeln:
- - unlösliches Berliner Blau
- - kolloidgelöstes Berliner Blau
Verwendung
- Berliner Blau wird aufgrund seines feinen Korns und der daraus resultierenden Lasierfähigkeit sowie seinem hohen Färbevermögens bis heute für Aquarell-, Öl– und Druckfarben verwendet. In der Wandmalerei indes ist es unbrauchbar, da es rasch verbraunt.
- In der Medizin wird Berliner Blau bei einigen Vergiftungen – insbesondere mit metallischem Cäsium und Thallium – als Mittel zur Bindung des Giftes verwendet, welches dann zusammen mit dem Farbstoff ausgeschieden wird. Es wurde beispielsweise nach der Katastrophe von Tschernobyl eingesetzt, um Tiere zu dekontaminieren, die radioaktives Cäsium-137 aufgenommen hatten.
Farblehre
Die Farbe Preußisch Blau
Geschichte
Herstellung
Um
1704 wurde die Herstellung von dem
Berliner Chemiker und Farbenhersteller
Heinrich Diesbach im Labor zufällig entdeckt
[ Online Etymology Dictionary: Prussian ]. Er war mit der Produktion eines roten Farbstoffs beschäftigt, als ihm die
Pottasche zur
Ausfällung des Farbstoffs ausging. Von seinem Kollegen
Johann Konrad Dippel ließ er sich deshalb einen Ersatzstoff geben („
Dippels Tieröl“), der jedoch entgegen seinen Erwartungen einen blauen Farbstoff ausfällte. Nachdem Diesbach seinem Kollegen von der Reaktion berichtete, verbesserte dieser das Rezept. Gemeinsam vertrieben sie den neuen Farbstoff in einer in Paris eröffneten Fabrik unter dem Namen
Pariser Blau. Das Rezept konnte einige Zeit geheim gehalten werden, bis es schließlich der Engländer Woodward
1724 in den
Philosophical Transactions veröffentlichte.
In Theodor Fontanes Roman Frau Jenny Treibel ist die Berliner Familie Treibel im Besitz großer Fabriken zur Produktion von Berliner Blau.
Namensgebung
Den Namen
Preußisch Blau bzw.
Preußischblau erhielt der Farbstoff im
18. Jahrhundert, weil er vor allem zum Färben der
preußischen Uniformröcke benutzt wurde
[ Military Minatures Magazine ].
Eisencyanblau bezieht sich auf die chemische Zusammensetzung,
Stahlblau auf den typischen
kühlen Farbton,
Bronzeblau auf den rötlichen Glanz der ungemahlenen, schwarzblauen Brocken.
[ Wehlte, S. 161ff ]. Weitere Bezeichnung siehe im Abschnitt
Synonyme.
Holocaustleugnung
Im Zuge der
Holocaustleugnung veröffentlichte der verurteilte
Revisionist Germar Rudolf das
Rudolf-Gutachten, nach dem sich durch die „angeblich“ massive Einwirkung von
Zyklon B (Wirkstoff
Blausäure) in den
Auschwitz-Gaskammern viel mehr
Eisenblau in den Wänden hätte bilden müssen, als nachzuweisen war, im Gegensatz zu den Kleiderbegasungskammern, in denen der selbe Wirkstoff benutzt wurde. Dass aber Zyklon B für Menschen wesentlich
toxischer ist als für Läuse (22-fach höhere Giftigkeit), und daher zum Entlausen von Kleidung viel mehr Zyklon B als zum Töten von Menschen benötigt wird, ließ Rudolf unerwähnt
[ siehe den Artikel Rudolf-Gutachten ].
Gewinnung und Darstellung
Früher
- Methode nach Diesbach: Cochenille-Läuse werden in Alaun und Eisensulfat gekocht. Anschließend wird der Farbstoff mit „Dippels Tieröl“ ausgefällt.
- Englisches Rezept: Gleiche Teile von Kaliumnitrat (Salpeter) und Kaliumtartrat (Backtriebmittel) werden in einem Schmelztiegel erhitzt. Nach Zugabe von getrocknetem Tierblut wird die Mischung weiter erhitzt. Die entstandene Masse wird mit Wasser gewaschen und mit Alaun und Eisensulfat vermischt. Eine Endbehandlung mit Salzsäure verändert die zunächst grünliche Farbe in tiefes Blau.
Turnbulls Blau
Turnbulls Blau ist ein historisch entstandenes Synonym für das Berliner Blau.
Die Gewinnung erfolgt durch das Umsetzen von Eisen(II)-salzen mit Kaliumhexacyanoferrat(III) (rotes Blutlaugensalz) in wässriger Lösung. Man nahm an, dass der sich bildende dunkelblaue Niederschlag eine andere Zusammensetzung als das durch Umsetzen von Eisen(III)-salzen mit Kaliumhexacyanoferrat(II) (gelbes Blutlaugensalz) gewonnene Berliner Blau aufwies. Mittels EPR- und Mößbauerspektroskopie konnte jedoch festgestellt werden, dass die Reaktionsprodukte weitgehend identisch sind, da folgendes Gleichgewicht besteht:
[ aus: Jander/Blasius - Lehrbuch der analytischen und präparativen anorganischen Chemie (13. Auflage); Ehlers - Analytik I (8. Auflage) ]
Miloriblau
Miloriblau bezeichnet gekochte Sorten des Pigments, die einen etwas
wärmeren Farbton aufweisen.
Heute
In der Chemie ist der Nachweis von Eisen (oder umgekehrt von Cyaniden) durch Berliner Blau eine sehr bekannte Nachweismöglichkeit, die beide Ionen schon in geringsten Mengen anzeigt. Gegenüber schwachen Säuren ist es stabil, so dass eine Freisetzung von CN--Ionen (und der darauffolgenden Gefahr durch Bildung von freier Blausäure) sehr gering ist.
Da es sich jedoch durch Laugen zu braunem Eisenhydroxid verändert, kann es zum Beispiel in der Malerei nicht für Fresken verwendet werden.
Sicherheitshinweise
Die
Resorbierbarkeit von Berliner Blau unter physiologischen Bedingungen ist außerordentlich gering, da es praktisch unlöslich in Wasser und verdünnten Säuren ist. Es ist davon auszugehen, dass weder über die Haut, noch über Atemwege oder Verdauungstrakt größere Mengen aufgenommen werden. Daher kann es mit hoher Wahrscheinlichkeit als praktisch untoxisch eingestuft werden.
Bei Aussetzen von hohen Temperaturen (über 140 °C) können als Zersetzungsprodukte Blausäuredämpfe und Ammoniak entstehen.
Der Stoff ist unter der Wassergefährdungsklasse 1 und somit als schwach wassergefährdend eingestuft.
Synonyme
- Chemische Namen des Pigments: Eisencyanblau, Eisencyanürcyanid, Ferrozyanblau
- Namen nach der Herstellung: Antwerpener Blau, Bronzeblau, Chinesisch Blau (Chinablau), Delfter Blau, Diesbachblau, Eisenblau (siehe jedoch auch Vivianit), Miloriblau, Pariser Blau, Turnbulls Blau, Vossenblau
[ Nach der L. Vossen & Co G.m.b.H. bei Düsseldorf, die ab 1905 den Vertrieb abwickelte], Zwickauer Blau
- Farbname: Luisenblau, Modeblau, Preußisch Blau (Preußischblau), Sächsischblau, Stahlblau und Wasserblau
- C.I. Pigment Blue 27
französisch:
Bleu de prusse;
englisch:
Prussianblue, Toningblue
Quellen
Siehe auch
Blau,
Liste blauer Farbmittel
Literatur
- Hans-Peter Schramm, Bernd Hering: Historische Malmaterialien und ihre Identifizierung, Reprint der Ausgabe Stuttgart 1995. o.V., Ravensburg 2000, ISBN 3-473-48067-3
- Kurt Wehlte: Werkstoffe und Techniken der Malerei, Otto Maier Verlag, Ravensburg 1967, ISBN 3-473-48359-1 (früher: ISBN 3-473-61157-3)
Weblinks
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