| Wappen | Karte |
|---|---|
| Coat of arms de-be oberschoeneweide 1987.png Details | Map de-be oberschoeneweide.png Lage Oberschöneweides im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin |
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Berlin |
| Stadtbezirk: | Bezirk Treptow-Köpenick |
| Geografische Lage: | |
| Höhe: | 34 m ü. NN |
| Einwohner: | 16.376 (Quelle: StaLa Stand 31. Dez. 2004) |
| Postleitzahl: | 12459 |
| Website: | BA Treptow-Köpenick |
Oberschöneweide ist ein Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin und gehörte zu den bedeutendsten Fabrikquartieren Deutschlands. Die Geschichte Oberschöneweides ist eng mit der AEG verbunden, die von hier aus Weltgeltung erlangte.
Das Gelände Oberschöneweides ist flach und im Kern stark bebaut. Entlang dem Ufer der Spree erstreckt sich die Industriebebauung. Lediglich im Osten ist am Ufer eine lockere und gemischte Bebauung des Geländes und im Nordwesten befinden sich mehrere Kleingartenanlagen. Parallel zum Industriegebiet befindet sich das Wohngebiet, nur geteilt durch die Wilhelminenhof- und Nalepastraße. Im Norden und Nordosten des Ortsteiles erstreckt sich die Wuhlheide.
Das älteste nachweisbare Gehöft war die ansehnliche Acker-, Vieh- und Gastwirtschaft „Quappenkrug“, benannt nach dem Wirt Quappe. Der Quappenkrug wurde 1682 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm erworben und dem Domänenamt Köpenick unterstellt. Seit 1717 wurde der Quappenkrug verpachtet. Auf dem Weg zwischen Köpenick und Berlin kehrten hier die Reisenden und Schiffer ein. Parallel zu der in Köpenick aufblühenden Textilerzeugung entstanden, wie auch am Südufer der Spree, zum Ende des 18. Jahrhunderts östlich und westlich des Quappenkrugs Kattunbleichen. Zum Quappenkrug kam um 1800 eine Meierei hinzu, und es bildete sich ein kleines Vorwerk heraus. 1814 erwarb der Oberfinanzrat Reinbeck das inzwischen Forst- und Landgut gewordene Areal. Er ließ das Gebäude schlossähnlich ausbauen und nannte es mit königlichem Einverständnis nach dem Vornamen seiner Frau „Wilhelminenhof“. Aus dem Wilhelminenhof wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein sehr beliebtes Ausflugslokal. In den 60er Jahren siedelten sich die Dampf-Waschanstalt „Weißenburg“ und das Gasthaus „Sadowa“ östlich und die Gaststätte „Waldschlößchen“ westlich des Wilhelminenhof an. Diese Siedlungen bildeten den „Gutsbezirk Etablissements bei Köpenick Anteil“. Damals herrschte noch die Tendenz zur Ausbildung eines Erholungsgebietes vor. So erhielt 1869 die Ausflugsgaststätte Sadowa einen großen Saal und konnte 1879 bereits 12 Sommerwohnungen anbieten. Es folgten weiter Restaurants und Gaststätten, wie „Spreeschloß“, „Strandschloß“ und „Tabberts Waldschloß“. Des weiteren begann der Ausbau der Villenkolonie „Ostend“. 1871 wurde die im Kreis Niederbarnim, also am rechten Spreeufer, gelegenen Etablissements bei Köpenick „Oberschöneweide“ benannt. Der Ortsvorsteher wurde angewiesen, die Bildung der politischen Gemeinde vorzubereiten. Doch mit dem Gründerkrach in 70er Jahren stagnierte die Entwicklung des Ortes und der Gemeinde wieder. Die Villenkolonie blieb auf Grund schlechter Verkehrsanbindungen in den Anfängen stecken. Der 1877 nördlich in der Wuhlheide eingerichtete Bahn-Haltepunkt „Sadowa“ (heute S-Bahnhof Wuhlheide) war zu weit weg. Die Errichtung einer Pferde-Straßenbahnlinie nach Rummelsburg oder Köpenick gelang nicht und eine Brücke über die Spree existierte noch nicht. Erst 1885 gab es eine Verbindung zur Fußüberquerung über die Spree, mit der vom Kreis Teltow angelegten Kettenfähre.
Es entstand ein industrielles Ballungsgebiet aus 25 Großbetrieben und einer Vielzahl von kleinen Betrieben, Werkstätten und Labors. Ein drittel der Firmen gehörten zur Elektroindustrie. Die nächst stärkeren Zweige waren die Metallindustrie und der Maschinenbau. Das Elektrizitätswerk Oberspree war damals das erste außerhalb Berlins gelegene Großkraftwerk und das erste Drehstromkraftwerk Deutschlands. Das Elektrizitätswerk wurde zum Vorreiter der Stromerzeugung, denn zum ersten Mal wurde auch Strom über Land geliefert.
Während des Ersten Weltkrieges verwandelte sich Oberschöneweide in ein hochrangiges Zentrum der Kriegswirtschaft. Durch die hohe Anzahl von Großbetrieben und damit verbundene hohe Anzahl an Arbeitern entwickelte sich Oberschöneweide auch zu einen Zentrum der Arbeiterklasse und der Sozialdemokratie.
Oberschoeneweide4.JPG - denkmalgeschützter Peter-Behrens-Bau von 1901; heute Samsung]] Oberschoeneweide9.JPG Die AEG verpflichtete die bekanntesten Architekten der Zeit sowie Spezialisten des Industriebaus, um ihre Fabrikanlagen zu entwerfen. In der Zeit von 1890 bis 1920 entstand so in Oberschöneweide ein einzigartiges Ensemble von Stockwerksfabriken, ausgedehnten Produktionshallen und Verwaltungsbauten. In unmittelbarer Nähe der Werke, nur durch eine Straße getrennt, entstanden zahlreiche viergeschossige Mietshäuser mit Hinterhäusern und Seitenflügeln, die vorrangig von der Arbeiterbevölkerung bewohnt wurden. In den Randzonen entstanden großzügiger angelegte Mietshäuser, die für die besser dotierten Angestellten vorgesehen waren.
Darüber hinaus wurden zahlreiche Kommunalbauten errichtet, wie mehrere große Gemeindeschulen, eine höhere Knaben- und Mädchenschule und ein Realgymnasium. Eine Gasanstalt war seit 1898 vorhanden. 1899 wurde die zweigeschossige Feuerwache eingeweiht. Der AEG-Begründer Emil Rathenau ließ 1902 in der Wuhlheide einen Waldfriedhof anlegen. Die 1897 installierte Postagentur wurde 1905 von einem Postamt 1. Klasse abgelöst. Ebenfalls 1905 wurde das Abwasserpumpwerk fertig. Die katholische Kirche wurde 1907 und die evangelische Kirche ein Jahr später eingeweiht. Die Versorgung der Industrie und Bevölkerung mit Leitungswasser übernahm erst Boxhagen-Rummelsburg und später das 1905 bis 1908 angelegte Wasserwerk. Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt die Gemeinde Elektrizität und den Anschluss an die Kanalisation.
Am westlichen Rand der Gemeinde wurde 1899 auf dem Gelände der ehemaligen Försterei „Neue Scheune“ ein großes Petroleumlager „Nobelhof“ angelegt. Als weiteren Industriebetrieb gründete die AEG 1901 die „Neue Automobil-Gesellschaft“. Das Fabrikgebäude entwarf der Architekt und Designer Peter Behrens.
Die Bebauung konzentrierte sich auf das Ortszentrum von Oberschöneweide an der Spree. So blieb das Gelände am westlichen Uferstreifen weitgehend unbebaut. Und auch der Uferstreifen im Osten nach Köpenick wurde nur vereinzelt mit Villen und kleineren Fabriken bebaut. Seit Ende des 19. Jahrhunderts kamen hier auch mehrere Klub- und Bootshäuser von Rudersportvereinen hinzu, wie das von der AEG in Auftrag gegebene Bootshaus „Elektra“.
1910 zieht das „Elisabeth-Kinder-Hospital“ nach Oberschöneweide in die Karlshorster Straße (heute Treskowallee) und wird in „Königin-Elisabeth-Hospital“ umbenannt.
Aus dem ehemaligen Ausflugsgebiet ist ein wichtiges Industrie- und Arbeiterwohngebiet mit großstädtischen Zügen geworden. Die Randgebiete konnten ihren Charakter als Erholungslandschaft mit der benachbarten Wuhlheide noch längere Zeit bewahren.
Oberschoeneweide3.JPG über der Spree; die alte wurde 1945 von der SS gesprengt. Links „Spreehöfe“, rechts ehem. VEB TRO (AEG) heute „Rathenau-Hallen“]] Während der Nazidiktatur und des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich Oberschöneweide zur einer Hochburg des Widerstandes. Trotz der ständigen Verhaftungen und Todesurteile gegen die Widerstandskämpfer hörte der Widerstand nie auf. Die Widerstandszellen waren in den Jahren 1942 bis 1944 am zahlreichsten. Die Fabriken in Oberschöneweide blieben das Fundament der illegalen Berliner KPD-Zentrale.
Durch die Masseneinberufungen ab 1941 entstand Personalmangel in den Fabriken. Um die Produktion aufrecht zu erhalten, wurden immer mehr Zwangsarbeiter eingesetzt. In der Wuhlheide wurden mehrere Barackenlager für die Zwangsarbeiter errichtet. Alleine im Kabelwerk Oberspree arbeiteten 6.000 Zwangsarbeiter.
Bei den Luftangriffen auf die Reichshauptstadt wurde Oberschöneweide am 21. Juni 1944 und am 6. August 1944 mit einem dichten Bombenteppich belegt. Dabei wurde das Kabelwerk Wilhelminenhof total zerstört. Ende Februar 1945 wurde Oberschöneweide noch einmal in seiner ganzen Ausdehnung bombardiert. Unter den Todesopfern waren viele Zwangsarbeiter.
Am 16. April 1945 begann die letzte große Schlacht des Zweiten Weltkrieges in Europa um Berlin. Bevor die deutschen Truppen abzogen und Oberschöneweide der Roten Armee kamplos überließen, sprengten sie noch den Kaisersteg und die Treskowbrücke. Am 24. April befand sich Oberschöneweide in den Händen der 8. Gardearmee der 1. Belorussischen Front.
Wie überall in den sowjetisch besetzten Gebieten wurden auch in Oberschöneweide zunächst alle nicht zerstörten Produktionsmittel demontiert und in die Sowjetunion gebracht. Es folgte die Enteignung der Industriebetriebe; sie wurden später in Volkseigene Betriebe umgewandelt.
Das Königin-Elisabeth-Krankenhaus diente ab Oktober 1945 den sowjetischen Truppen als Militärkrankenhaus. Das blieb es bis zum vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutschland 1994.
In den 50er-Jahren wurde das Funkhaus Nalepastraße in der gleichnamigen Straße errichtet. Hier wurden zentral vom Rundfunk der DDR sämtliche Hörfunkprogramme der DDR produziert.
siehe auch: Ost-Berlin, Geschichte der DDR
Die Industriegebäude Oberschöneweides stehen seit 1991 unter Denkmalschutz und sind ein Schwerpunkt der Berliner Industriedenkmalpflege.
Am 1. Januar 2001 wurden auf Grund der Verwaltungsreform in Berlin die Bezirke Treptow und Köpenick zum neuen Großbezirk Treptow-Köpenick vereinigt. Seitdem liegt Oberschöneweide im neuen Bezirk Treptow-Köpenick.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1797 | 66 |
| 1801 | 77 |
| 1817 | 46 |
| 1840 | 87 |
| 1858 | 93 |
| 1871 | 153 |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1875 | 155 |
| 1880 | 170 |
| 1885 | 178 |
| 1890 | 159 |
| 1895 | 625 |
| 1900 | 5.850 |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1905 | 14.101 |
| 1910 | 21.369 |
| 1919 | 25.612 |
| 2004 | 16.376 |
Mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln ist Oberschöneweide mit der Straßenbahn zu erreichen. Durch Oberschöneweide fahren die Straßenbahnlinien M17, 21, 27, 63 und 67. Im Nordosten verbindet den Ortsteil die Fähre F11 mit dem Ortsteil Plänterwald. Zwar befindet sich nordöstlich an der Ortsgrenze im Ortsteil Köpenick der S-Bahnhof Wuhlheide, doch erreicht man den Ortskern nur nach einem längeren Fußmarsch durch die Wuhlheide.
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