Biesdorf ist ein Ortsteil im Bezirk Marzahn-Hellersdorf in Berlin, der 1920 im Rahmen der Bildung von Groß-Berlin Teil des Berliner Stadtgebietes wurde.
Biesdorf selbst wurde (wie viele andere Orte in der Umgebung) 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. erstmals urkundlich erwähnt. Grundherr von Bysterstorff bzw. Bisterstorff ist Hennig von der Gröben. Mit der Reformation in Brandenburg wird Biesdorf 1539 Mutterkirche von Kaulsdorf, später auch von Mahlsdorf, in den ersten Jahrzehnten nach 1539 auch von Marzahn. Erster Pfarrer ist Thomas Meier.
Der Dreißigjährige Krieg sorgt auch in Biesdorf für Zerstörungen und Bevölkerungsschwund: Gab es 1624, also sechs Jahre nach Kriegsbeginn, noch 19 Bauern und 13 Kossäten, so sind es (nach dem Landreiterbericht) 1652 nur noch vier Bauern und sechs Kossäten. 1653 und 1666 erwirbt Kurfürst Friedrich Wilhelm Biesdorf in zwei Schritten. Das Dorf wird dem kurfürstlichen Amt Köpenick unterstellt und verbleibt bis 1872 im Besitz des Kurfürsten bzw. Königs. 1806 findet in der Biesdorfer Feldmark, eine von Napoleon I. abgenommene Parade der französischen Truppen unter Marschall Davout, statt.
1865 bis 1933 wird mit einer kurzen Unterbrechung der Biesdorfer Pfarrer Superintendent für den Kirchenkreis Berlin-Land bzw. Berlin-Land I. Das Schloss Biesdorf wird 1868 von Heino Schmieden als spätklassizistische Turmvilla errichtet. Erstmals findet 1874 im Dorf Biesdorf eine Gemeindevertreterwahl statt. Das Dorf gehört zum neugebildeten Amtsbezirk Biesdorf, das Gut bleibt bis 1920 rechtlich selbständig. Von 1872 bis 1920 sind die Dorfgemeinde und das Gut Teil des Kreises Niederbarnim. 1885 wird der Bahnhof Biesdorf an der Königlichen Ostbahn (Berlin-Eydthkuhnen) eröffnet. 1891 wird Biesdorf an den Berliner Vororttarif angeschlossen.
Am 17. Februar 1887 erwirbt Werner von Siemens das ca. 600 ha große Gut Biesdorf inklusive Schloss und überträgt es 1889 seinem Sohn Wilhelm. Dieser lässt den Schlosspark zwischen 1891 und 1898 auf 14 ha erweitern und durch den Gartenbauarchitekten Albert Brodersen als Landschaftspark erweitern. Im Schlosspark Biesdorf finden die ersten Versuche mit elektrisch betriebenen Straßenbahnen statt. Die erfolgreichen Tests führen schließlich zur Präsentation dieser Bahn auf der Gewerbeausstellung 1896 in Treptow und zur ersten Straßenbahn der Welt in Berlin-Lankwitz.
1893 eröffnet nach dreijähriger Bauzeit die Anstalt für Epileptische Wuhlgarten, das heutige Wilhelm Griesinger.
Seit der Jahrhundertwende beginnt in Biesdorf eine verstärkte Siedlungstätigkeit, ab 1904 erhält der Ort Wasser- und Gasanschluss, erst 1914 kommt die Stromversorgung hinzu. Es wird die Villen-Kolonie Biesdorf-Süd angelegt. Bis 1933 entstehen unter anderem die Siedlungen Neu-Biesdorf, Biesdorf-Nord, Kolonie Daheim und Biesenhorst. 1907-1909 wird in Biesdorf nach Plänen von Karl Janisch die erste drehbare Luftschiffhalle zu Lande errichtet. Am 23. Januar 1911 findet die erste 40 minütige Probefahrt des Siemens-Schuckert-Luftschiffes (SSL) statt.
Zwischen 1940 und 1942 werden in Biesdorf die „Gemeinschaftslager“ Nr. 12-14 und 56 des Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt als Fremd- und Zwangsarbeiterlager errichtet. Auch bei den örtlichen Bauern mussten Zwangsarbeiter die im Kriegseinsatz befindlichen Arbeitskräfte ersetzen. Im Mai 1942 mietet die AEG den Saalanbau einer Biesdorfer Gaststätte, der bisher u.a. von den Katholiken in Biesdorf-Nord und Marzahn für Gottesdienste genutzt wurde, um dort Zwangsarbeiter unterzubringen. Am 30. März 1943 werden bei einem schweren Luftangriff 13 Menschen getötet.
1943/44] verstecken Gisela Reissenberger und ihre Mutter Elsa Ledetsch in ihren Häusern fünf jüdische Bürger. Sie werden dafür 1988 von der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Am 22. April 1945 erreicht die Rote Armee Biesdorf, das insbesondere durch Volkssturm und versprengte Teile einer dänischen Waffen-SS-Einheit verteidigt wird. Am Tag zuvor wurden die zweite Etage und die Inneneinrichtung des Biesdorfer Schlosses, des damaligen Sitz der NSDAP-Ortsgruppe, vermutlich durch Brandstiftung durch ein dänisches Waffen-SS-Kommando zerstört, möglicherweise, um im Schloss untergebrachte Gegenstände (Gerüchte sprechen von aus der NSDAP-Parteileitung Berlin oder der Gestapo ausgelagerten Akten, Falschgeld oder -pässe) nicht in russische Hände fallen zu lassen, zum Teil sollen auch Gegenstände in der näheren Umgebung in Schützengräben und Unterständen vergraben worden sein.
Nach der Einnahme Biesdorfs durch die Rote Armee wird Fritz Dzyck von der Besatzungsmacht als Bürgermeister eingesetzt.
Ende Mai/Anfang Juni 1945 werden Teile der Paradiessiedlung (Dillinger Weg, Frankenholzer Weg, Püttlinger Straße) für die Rote Armee beschlagnahmt und durch eine Holzmauer von den verbliebenen Teilen abgetrennt. Die Rote Armee bezieht dort und im ehemaligen Zwangsarbeiterlager (Frankenholzer Weg) Quartier. Erst in den 1950er Jahren verlässt die Rote Armee die Häuser in der Paradiessiedlung. Das Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers übernimmt später die NVA und stationiert dort unter Bruch des Vier-Mächte-Abkommens eine Einrichtung des Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR, dass „Erich Weinert Ensemble“ (EWE). Dieses hochprofessionelle Ensemble bestand aus Chor, sinfonischem Orchester, Tanzorchester/Big Band, Ballett, Kabarett, Gesangssolisten und Schauspielern, Dramaturgen, Dirigenten, Regisseuren, Choreographen, sowie technisch- und organisatorischen Mitarbeitern eines Theater-Ensemble-Betriebes. (Diese waren unbewaffnet, wurden jedoch später, zur Selbstverteidigung, mit Handfeuerwaffen ausgerüstet).
Das Schloss Biesdorf wird von der Roten Armee beschlagnahmt und man richtet in den Räumen eine Trauerhalle für gefallene oder verstorbene Sowjetsoldaten ein, zeitweise nutzt man die Räumlichkeiten aber auch für Feierlichkeiten anderer Art (Ordensverleihungen, 1. Mai). Die toten Soldaten wurden im Schlosspark provisorisch beigesetzt, nach dem Auszug der Sowjetarmee wurden die Toten jedoch auf sowjetische Militärfriedhöfe umgebettet.
1951 wird die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche auf dem Anger nach dem Wiederaufbau in vereinfachter Form eingeweiht und erhält den Namen Gnadenkirche. 1952 wird das 1945 von der Roten Armee besetzte Biesdorfer Gut „Volkseigenes Gut“. 1953 beteiligen sich Bauarbeiter das Studentenwohnheims Biesdorf am Volksaufstand gegen das totalitäre SED-Regime.
1977 werden Schloss und Schlosspark, die seit 1955 für kulturelle Zwecke genutzt werden, unter Denkmalschutz gestellt. 1979 wird Biesdorf aus dem bisherigen Stadtbezirk Lichtenberg ausgegliedert und nun Teil des neuen Stadtbezirkes Berlin-Marzahn. Es erfolgen aber keine Proteste, sondern nur diplomatische Noten, der drei westlichen Besatzungsmächte Berlins (USA, Großbritaninien, Frankreich). Erst die Ausdehnung des Stadtbezirkes Marzahn über die Grenzen Berlins in den 80er Jahren führte zu diplomatischen Verspannungen im Ost-West-Konflikt.
1993 wird der Biesdorfer Schlosspark, einschließlich Parkbühne, Eiskeller und Teich, nach einer Rekonstruktion wieder eröffnet. 1998 werden ein Teehaus und ein Lesegarten übergeben. 1997 wird das Unfallkrankenhaus Berlin eröffnet. 1999-2000 werden in Biesdorf-Süd archäologische Grabungen durchgeführt. Die Funde reichen bis in die Zeit vor ca. 9000 Jahren zurück. Ein Großteil der Funde ist heute im Märkischen Museum zu besichtigen.
Im März 2006 wurde in Biesdorf fälschlicherweise der erste Fall von Vogelgrippe in Berlin gemeldet. Die Senatsgesundsheitsverwaltung meldete einen toten Mäusebussard, der auf einem Balkon in der Dillinger Straße gefunden worden sein soll. Wenige Tage später stellte sich dies jedoch als Falschmeldung heraus. Auf besagtem Balkon wurde lediglich ein Eichelhäher gefunden, der nicht mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 infiziert war. Der tatsächliche Fundort des infizierten Mäusebussards konnte nicht rekonstruiert werden.
Innerhalb der DKP und ihrer (faktischen) Jugendorganisation SDAJ war der Begriff „Biesdorf“ identisch mit „Parteischule“. In den 70er und 80er Jahren haben viele Tausend Menschen diese Parteischule besucht und dort drei- oder zwölfmonatige Kurse absolviert.
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