Berlin Hauptbahnhof ist der Name des neuen Zentralbahnhofs der Stadt Berlin.
Der von dem Architekten Meinhard von Gerkan entworfene Bahnhof wurde auf dem Gelände des einstigen Lehrter Bahnhofs bzw. Lehrter Stadtbahnhofs erbaut und am 28. Mai 2006 in Betrieb genommen. Damit wurde auch eine völlige Umstellung und Neuordnung des bisherigen Verkehrskonzepts für den Schienen-Personenverkehr in Berlin durchgeführt.
BlnHauptbahnhof26.jpg | BlnHauptbahnhof34.jpg | Berlin Central Station Entrance Area2.JPG | Berlin Central Station Top Floor.JPG | Karte2_Spreebogen.JPG" mit Hauptbahnhof im Regierungsviertel von Berlin-Mitte. Rot eingezeichnet ist die im Bau befindliche Kanzler-U-Bahn (U55)]] Pilzkonzept.png
Die Anlagen des Berliner Hauptbahnhof stellen das Zentrum des sogenannten „Pilzkonzeptes“ der schienengebundenen Verkehrsleitung in Berlin dar, wobei der Bahnhof den Verknüpfungspunkt für die hier zusammenlaufenden und sich kreuzenden Linien verschiedener Verkehrsträger bildet.
Die Stadtbahn-Trasse führt Züge in östlicher Richtung über den Ostbahnhof bis nach Frankfurt (Oder), und weiter nach Polen. In westlicher Richtung laufen die Gleise zum Bahnhof Charlottenburg und von dort entweder über den Bahnhof Spandau auf die Strecke nach Hannover oder über den Bahnhof Wannsee nach Potsdam Hauptbahnhof und weiter in Richtung Magdeburg oder Halle.
Auf der unteren Ebene des Hauptbahnhofs führen die Fernbahngleise in nördlicher Richtung zur Ringbahn und verzweigen dort nach Westen und Nordosten. In nordöstlicher Richtung wird über den neuen Fernbahnhof Bahnhof Gesundbrunnen Nord-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erschlossen, nach Westen über die Bahnhöfe Jungfernheide und Spandau die Bahnlinie nach Hamburg oder Hannover. In Richtung Süden führen die Gleise im anschließenden Tiergartentunnel unter der Spree zu dem neuen Regionalbahnhof Potsdamer Platz und dem neuen Fernbahnhof Südkreuz Richtung Süden nach Leipzig oder Südosten nach Dresden.
Am Hauptbahnhof laufen außer der RE6 alle RegionalExpress-Linien zusammen, die einen Großteil Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns erschließen.
InterCityExpress-Linien:
InterCity-und EuroCity-Linien:
Regionalverkehrs-Linien:
Für die Berliner U-Bahn wurde schon ein Bahnsteig in Tiefebene errichtet. Hier wird voraussichtlich Anfang 2007 die so genannte Kanzler-U-Bahn bzw. U55, die bis zum Brandenburger Tor fährt, enden. Geplant ist, diese bis 2020 mit der U5 zu verbinden und langfristig nach Berlin-Moabit zu verlängern.
7 Buslinien und 2 Nachtbuslinien fahren den Hauptbahnhof an (M41, TXL, 120, 123, 147, 240, 245, N20 und N40). Der M41 fährt über die Knotenpunkte Potsdamer Platz, Hallesches Tor und Hermannplatz bis zur Baumschulenstraße; außerdem kreuzt die Flughafenlinie TXL.
Der neue Hauptbahnhof ist eine bedeutende Gewerbe-Immobilie. Auf drei Etagen bietet der Bahnhof 15.000 m² Ladenfläche für rund 80 Einzelhandelsgeschäfte im Bereich Damen-Herrenoberbekleidung, Gastronomie, Lebensmittel, Geschenke, Gesundheit/Wellness etc., die teilweise lange vor Eröffnung vermietet waren. Die Geschäfte sind von Montag bis Sonntag von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr geöffnet. Als Ankermieter ist ein Virgin-Megastore eingezogen. Insgesamt arbeiten im eigentlichen Bahnhof 900 Menschen, darunter 150 DB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter.
Über die Mieter der 42.000 m² Bürofläche in den Bügelbauten ist noch nicht endgültig entschieden. Die Bahn kündigt auf ihrer Webseite an, in einen der beiden je 21.000 m² großen Tower einzuziehen. Seit einiger Zeit verfolgt die Bahn die Strategie, verstärkt Mietobjekte durch eigene Immobilien zu ersetzen.
Erstmalig nach dem Abriss des alten Lehrter S-Bahnhofs wieder geöffnet sind seit der feierlichen Eröffnung am 26. Mai 2006 auch das Friedrich-List-Ufer, die Verbindungsstraße am Humboldthafen in Richtung des Washingtonplatzes und der Gustav-Heinemann-Fußgängerbrücke. Unterhalb der Ferngleise zum Hafen befindet sich die Anlieferung Ost für Lieferanten.
Das Bahnhofsgebäude hat zwei Hauptebenen, die dem Bahnverkehr dienen sowie drei Verbindungs- und Geschäftsebenen. Die obere Schienenebene hat drei auf Brücken verlaufende Bahnsteige mit sechs Gleisen der Stadtbahn in einer Höhe von 10 m über dem Straßenniveau. Auf der unteren Schienenebene befinden sich vier Bahnsteige mit den acht Gleisen der Nord-Süd-Verbindung in einer Tiefe von 15 m. Eine Station für die geplante U-Bahnlinie 55 (Kanzler-U-Bahn) wurde mit vorgesehen.
Die Brücken in der Stadtbahnebene überspannen nicht nur den Bahnhofsbereich, sondern auch den anschließenden Humboldthafen und sind daher 450 m lang. Entsprechend der Linienführung der Stadtbahn sind sie im Grundriss gekrümmt und weiten sich aufgrund der Verbreiterung von vier auf sechs Gleise und der zusätzlichen Bahnsteige von 39 m bis zu 66 m Breite auf. Das Hauptfeld der Brücke überspannt mit einer Stützweite von 60 m den Humboldthafen und besteht aus einem Bogen mit Stahlrohren und einem Spannbetonbalken als Obergurt. Die Knoten der Stahlrohre sowie der Kämpferknoten wurden, weltweit erstmalig bei einer Eisenbahnüberführung, in Stahlguss ausgeführt.
Die in West-Ost-Richtung verlaufende obere Bahnsteighalle ist 321 Meter lang und besteht aus einer bogenförmig gewölbten stützenlosen Glasdachkonstruktion. In die Glasfläche wurde eine Fotovoltaikanlage mit Solarzellen integriert. Die Halle ist zwischen 59 und 68 Meter breit sowie maximal 16 Meter hoch. Sie besteht aus drei Abschnitten, wobei das westliche Segment 172 Meter und das östliche 107 Meter lang ist. Dazwischen liegt quer dazu das 42 Meter breite und 210 Meter lange Nord-Süd-Dach, dessen Tonnengewölbe mit dem Hauptdach eine flache Vierungskuppel bildet. Parallel zum Nord-Süd-Dach überspannen die beiden sogenannten Bügelbauten das Hauptdach der Bahnsteighalle und tragen das Nord-Süd-Dach. In diesen Bügelbauten befinden sich 42.000 m² Büroflächen.
2001 begann man mit dem Bau der Brücken für die neue Stadtbahntrasse; ab 2002 wurde am Längsdach über der Stadtbahn gearbeitet. Die Umsetzung der Stahl-Glas-Konstruktion war eine besonders schwierige Aufgabe für die an der Bauausführung Beteiligten, zumal eine umstrittene Änderung während der Bauausführung die Glasdächer um rund 110 m verkürzte.
Im Jahr 2003 waren die Brücken und die Haupthalle soweit fertiggestellt, dass der Verkehr der Stadtbahn auf die neue Trasse verschwenkt werden konnte. Dadurch konnte der alte Lehrter Stadtbahnhof abgerissen werden, der dem Neubau des Hauptbahnhofsgebäudes im Wege war.
Der Baubeginn der das Dach überbrückenden „Bügelbauten“ erfolgte 2005. Dazu wurden zunächst die Bügelbrücken vertikal „in den Himmel“ gebaut und an zwei Wochenenden im Juli und August 2005 in einem weltweit einzigartigen Verfahren über das Dach des Bahnhofs abgeschwenkt. Die Brücken mit einem Gewicht von jeweils 1250 t wurden an Seilen mit 6 m pro Stunde abgesenkt, die zwischen den beiden Elementen verbleibende Lücke von nur 2 cm anschließend geschlossen.
Als zentraler Projektleiter und technischer Bauleiter der Deutschen Bahn AG war Hany Azer für die Bauausführung des Berliner Hauptbahnhofs verantwortlich.
Nach Medienangaben belaufen sich die Gesamtbaukosten auf etwa 700 Millionen Euro. Zusammen mit der Erneuerung des Berliner Gesamtstreckennetzes wurden so etwa 10 Milliarden Euro in das Berliner Bahnsystem investiert.
Ein anderer Grund war wohl die Kostenminderung. Allerdings soll durch die nachträgliche Verkürzung infolge der Umkonstruktion und die Nachkonstruktion einiger Fertigungsteile die Maßnahme angeblich kostenträchtiger gewesen sein, als bei Ausführung der ursprünglichen Konzeption. Da sämtliche Bauteile (Stahlkonstruktion und Verglasung) bereits produziert und derzeit im Berliner Ostbahnhof eingelagert sind, ist eine nachträgliche Ergänzung des Daches theoretisch möglich, wobei dies unter laufendem Betrieb aber deutlich aufwändiger ist und nach wie vor unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das EBA steht.
Die Decke für die unterirdischen Bahnsteige war vom Architekten als gewölbeähnliche, helle Konstruktion vorgesehen. Stattdessen wurde ohne Einbezug des Architekten Meinhard von Gerkan eine gewöhnliche Flachdecke gebaut. Dazu äußerte von Gerkan, dass die Baukosten durch diese Umplanungen höher seien, sowie sich die Bauzeit sogar verlängert hätte. Er sieht als Begründung allein eine Profilierung von Hartmut Mehdorn. Eine Rede zur Eröffnung seines Werkes, auch zu den Veränderungen, wurde ihm nicht gestattet. Gerkan hat nach diesen eigenmächtigen Umplanungen des Bahnhofes die Deutsche Bahn AG im Oktober 2005 wegen Urheberrechtsverletzung verklagt (Landgericht Berlin, 16. Kammer, AZ 16 O 240/05).
siehe dazu auch "Eine Vernichtungsaktion", Interview mit Meinhard von Gerkan in der taz vom 26. Mai 2006
Bereits fertiggestellt wurden im Südwesten des Areals fünf schachbrettartig angelegte Straßen, die die Invalidenstraße mit der Straße Alt-Moabit verbinden, und eine dem Verlauf der Spree folgende Straße. Das parallel zum Humboldthafen verlaufende Friedrich-List-Ufer wurde erneuert und begradigt.
Der städtebauliche Entwurf Ungers für die Flächen der Vivico sieht im Westen des Stadtquartiers sieben eigenständige Gebäude vor, davon zwei nördlich und fünf südlich des Bahnhofs, die in Nord-Süd-Ausrichtung an den angelegten Straßen stehen sollen. Alle sollen eine Traufhöhe von 22 Metern nicht überschreiten, um das Ost-West-Dach des Bahnhofs nicht zu überragen. Zu diesen Bauten wurde bereits ein Wettbewerb zur Detailgestaltung ausgelobt.
Zusätzlich zu dieser traditionellen Blockbebauung sieht der Ungers-Entwurf zwei Solitärbauten vor. Auf dem nördlichen Europaplatz soll ein 100 Meter hohes Bürohochhaus stehen, für das allerdings noch ein Investor gefunden werden muss, nachdem die Bahn entschieden hat, nicht dort, sondern in die beiden Bügelbauten einzuziehen. Auf dem Washingtonplatz soll ein kubusförmiger Bau mit einer Kantenlänge von 40 Metern errichtet werden. Der Bebauungsplanentwurf sieht die Errichtung von rund 145.000 m² Geschossfläche vor. Laut Vivico sollen dort Büros dominieren, allerdings seien auch ein Hotel oder Einzelhandel möglich. Wohnungen soll es wegen des Bahnhofslärms eher nicht geben. Peter Neumann: Ein Wolkenkratzer neben dem Hauptbahnhof, Berliner Zeitung, 31. Mai 2006
Die Bahn reagierte auf diese Vorwürfe und entschied sich dazu, entgegen dem ursprünglichen Plan, die Mehrzahl der Fernzüge auf die Strecke des Nord-Süd-Tunnels zu verlegen, doch einige Fernverbindungen über die angestammte Stadtbahnstrecke zum Ostbahnhof zu leiten, so beispielsweise die Züge aus Richtung Köln und Hannover. Eine höhere Zugfrequentierung wäre auf dem nur zweigleisigen Fernbahnteil der Stadtbahnstrecke nicht möglich.
Besonders laut wurde der Protest, als klar wurde, dass der Bahnhof Zoo im Zuge des nachträglich geänderten Pilzkonzepts zum Regionalbahnhof heruntergestuft würde. Von der DB wurde als Grund dafür angegeben, dass der Bahnhof Zoo nie als Fernbahnhof angelegt wurde und nun aufgrund stark ausgelasteter Kapazitäten und Sicherheitsrisiken durch zu schmale Bahnsteige durch einen belastbaren und sicheren Hauptstadtbahnhof ersetzt werde. Außerdem verkürze der eingesparte Halt die Gesamtfahrzeiten. Politik und Medien bemängelten diese Änderungen und befürchteten, der Westen Berlins verliere hiermit eines seiner Zentren und die Verkehrsanbindung werde insgesamt schlechter; die Verlagerung der Fernverkehrshalte zum Hauptbahnhof solle lediglich die Frequentierung der dort neu eingerichteten Ladenflächen sicherstellen. Für die Fahrgäste aus den bevölkerungsstarken Westteilen der Stadt verlängern sich aufgrund des fehlenden Halts am Bahnhof Zoo und der ungenügenden Anbindung des Hauptbahnhofs die Fahrtzeiten - besonders in Richtung Westen - erheblich. Daher werden die Forderungen lauter, die Züge Richtung Hannover wieder am Bahnhof Zoo halten zu lassen, den sie derzeit durchfahren.
Als weiterhin belastend für das Umfeld des Bahnhofs Zoo wird betrachtet, dass der von Kritikern vorgebrachten mangelnden Anbindung des Hauptbahnhofs an den öffentlichen kommunalen Verkehr nunmehr durch Verlegung des Buslinienknotenpunkts Hardenbergplatz (vor dem Bahnhof Zoo) an den Hauptbahnhof Rechnung getragen werden soll. Eine solche Maßnahme würde die Fahrgastfrequentierung am Bahnhof Zoo noch stärker mindern, was die Attraktivität des betroffenen Stadtteils erneut weiter senken würde.
Die DB-Konkurrentin Connex teilte mit, sie lasse bestehende oder zukünftig einzurichtende Fernzüge weiterhin am Bahnhof Zoo halten, die jedoch wiederum am Hauptbahnhof durchfahren.
Kritiker nahmen auch Anstoß an der Tatsache, dass der neue Bahnhof nicht in ein funktionierendes Wohn- oder Geschäftsviertel eingebunden sei, sondern gleichsam im Niemandsland läge. Die Spottzeile einer Zeitung, die schon zur Eröffnung des alten Lehrter Bahnhofs im 19. Jahrhundert die Runde machte, wurde wieder aufgegriffen ("So weit das Auge reicht, nirgends ein Gebäude, dessen Insassen diese Haltestelle benutzen könnten" Peter Neumann: Das Prinzip Hoffnung, Berliner Zeitung, 5. April 2006). Auch die Tatsache, dass die Anbindung an den U-Bahn-Verkehr und an die geplante Nord-Süd-S-Bahn (S21) noch Jahre auf sich warten lasse, wurde kritisiert.
Einer der Hauptkritikpunkte waren die Kosten des Bauwerks und der damit verbundenen Umstrukturierung des Berliner Streckennetzes (Schätzungen gehen von Gesamtaufwendungen von 10 Milliarden Euro aus). So monierte der EU-Abgeordnete und Verkehrsexperte der Grünen Michael Cramer die Kostenexplosion und die Tatsache, dass der Bahnhof in den Zeiten der Nachwende-Euphorie geplant worden sei, als Berlin eine Einwohnerzahl von sechs Millionen oder mehr prognostiziert wurde Rolf Lautenschläger: Signal für die Börse, tageszeitung, 26. Mai 2006.
Bahnhof (Berlin) | Berliner S-Bahnhof | 1871 | 2006
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