Bergrennen sind eine Spielart des Motorsports. Sie werden im Gegensatz zu Rundstreckenrennen grundsätzlich nur als Einzelzeitfahren auf einer genügend steilen Strecke bergauf durchgeführt. Die charakteristische Rückführung erfolgt im Konvoi bergab rollend mit ausgeschaltetem Motor.
In diesem Artikel werden Bergrennen für Automobile näher erläutert. Wobei Bergrennen für Motorräder analog ablaufen, jedoch andere Marken und Fahrernamen zu erwähnen wären. Auch gibt es spezifische Bergrennenstrecken, auf denen ausschließlich nur Motorradrennen veranstaltet werden bzw. wurden.
In den naturnahen Zuschauerzonen herrscht Picknick-Atmosphäre oder Partystimmung, die bei der abendlichen Zusammenkunft im Fahrerlager durch die Aktiven verstärkt wird. Bei mehreren Bergrennen steht ein großes Festzelt, und die Bergrenn-Veranstaltungen gelten oft als die Party-Höhepunkte in ihren ansonsten meist relativ provinziellen Regionen.
Anfang der 1960er Jahre, im Rahmen der steigenden Massenmotorisierung, wurden die Bergrennen wieder aufgenommen oder neu eingeführt. Zudem wurden zeitweise einige Bergrennen zur Sportwagen-Weltmeisterschaft gewertet, also mit Klassikern wie den 24 Stunden von Le Mans, 1000km Nürburgring, Targa Florio gleichgesetzt. Bis in die 1970er Jahre hinein wurden speziell für die Berg-Europameisterschaft von Porsche, Ferrari oder Abarth teilweise extrem leichte Bergrennwagen wie der Porsche 909 oder Ferrari Dino konstruiert.
Danach verzichteten die Werke auf den Aufwand nur für Bergrennen, so dass auch die Gesamtsiege seither von Amateuren unter sich ausgemacht werden können. Der Popularität der sowohl volksnahen als auch naturnahen Veranstaltungen tat dies keinen Abbruch, zumal weiterhin bekannte Profirennfahrer ihre sonst nur in Rundstreckenrennen eingesetzten Rennwagen vorführten. Auch ohne große Sponsorunterstützung bringen die Liebhaber des Bergrennsports von seriennahen Autos bis zu spektakulären Turbo-Boliden, reinrassigen Sportprototypen und Formel 3000 fast alles zum Einsatz, was auf Rundstrecken auch bewegt wird.
Während andernorts die Genehmigungen von Fall zu Fall entschieden wurden und werden, verboten ab Mitte der 1980er Jahre die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg Bergrennen komplett bzw. verweigern seither grundsätzlich die nötigen Ausnahmegenehmigungen laut § 29 der StVO (Übermäßige Straßenbenutzung). Dieser besagt zwar (1) Rennen mit Kraftfahrzeugen sind verboten, aber auch (2) Veranstaltungen, für die Straßen mehr als verkehrsüblich in Anspruch genommen werden, bedürfen der Erlaubnis.(...).
Bezeichnend dazu die Haltung des einstigen Stuttgarter Regierungspräsidenten Manfred Bulling, der 1984 selbstherrlich befindet: ... genauso, wie man nicht verkehrt herum in einer Einbahnstraße fahren oder im Halteverbot parken darf. An mir ist es nun, Ausnahmen zu genehmigen. Und in den Fällen Heilbronn und Neuffen sehe ich wenig Gründe dafür.. Im Landtagswahljahr 1984 mussten in Baden-Württemberg somit ca. 30 geplante Bergrennen abgesagt werden, die in den Vorjahren noch genehmigt wurden, etwa das Rennen hinauf auf die Schwäbische Alb bei Neuffen. In Einzelfällen mag die Nichtgenehmigung aus Gründen des Umweltschutzes oder der Sicherheit berechtigt gewesen sein, bei einer plötzlichen und pauschalen Ablehnung aller Veranstaltungen liegt jedoch der Verdacht nahe, dass aus politischen Gründen eine ganze Sportart geopfert wurde, um dies als Maßnahme für den Umweltschutz darstellen zu können.
Während zu der Zeit meist Umweltschützer gegen Regierungsentscheidungen protestierten, demonstrierten am 17. Juni 1984 ca. 1000 Motorsportanhänger auf der ansonsten als Fahrerlager genutzten Wiese für das Bergrennen um den Heilbronner Bergpreis zwischen Gronau bei Oberstenfeld und Prevorst - vergeblich.
Bei den noch verbliebenen Bergrennen im Deutschland gilt die Sicherheit für Fahrer und Zuschauer im Rahmen des möglichen als optimal. Der Umweltschutz ist nur insofern ein Problem als dass mehrere Tausend Zuschauer am Streckenrand inmitten der Natur unterzubringen sind. Durch die Sperrung für den normalen Verkehr verringert sich normalerweise bei Veranstaltungen die Abgasbelastung, sofern es sich nicht gerade um eine abgelegene, kaum befahrene Strecke handelt. Bei an Wochenenden stark befahrenen Strecken kann eine Veranstaltung wie ein Bergrennen sogar eine deutliche Entlastung bringen - im Falle des Trierer Bergrennens etwa wird dieselbe Strecke vom selben Veranstalter auch für einen Berglauf genutzt.
In den letzten zehn Jahren sind bei Bergrennen in Deutschland weder Fahrer noch Zuschauer tödlich verunglückt. Im Bereich der Posten am Streckenrand kamen leider drei Helfer bei EM-Bergrennen ums Leben - bei der Formel 1 übrigens auch zweimal, 1998 in Monza sowie Australien 2000. Verletzungen bei den Fahrern kommen gelegentlich vor, auch bei Fotografen und Kameraleuten, die sich mit Sondergenehmigung außerhalb der Sicherheitszonen aufhalten können.
2004 verunglückte ein Fahrer in der Schweiz tödlich in einem Tourenwagen. Als Konsequenz wurde eine zusätzliche Diagonalstrebe im Dach vorgeschrieben, also der Überrollkäfig verstärkt. Die größte Gefahr besteht aber für die Fahrer der offenen Rennwagen, deren Struktur leider nicht der der modernen Formel1- Wagen entspricht.
Sogar Niedersachsen kann ein Bergrennen aufweisen, im Teutoburger Wald bei Osnabrück. Das Saarland ist Gastgeber des deutschen Laufes zur Berg-Europameisterschaft beim Trierer Bergrennen, zudem wird bei Homburg eine Veranstaltung auf saarländischem Boden ausgetragen, die Ländergrenzen überschreitet, da das Ziel im rheinland-pfälzischen Ort Käshofen liegt. Dieses Bundesland wiederum, als Eigentümer des Nürburgrings und Gastgeber für den deutschen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft, hat neben dem traditionellen Rennen in Wolsfeld bei Bitburg 2004 der Wiederaufnahme eines früheren Bergrennens mit Start im Tal der Ahr zugestimmt.
In Thüringen wird in Schleiz das Schleizer Dreieck entgegen der üblichen Rennrichtung befahren und der Iberg beim Heilbad Heiligenstadt bezwungen. Zudem darf sogar einmal im Jahr im Naturpark Kyffhäuser der sagenhafte Schlaf von Kaiser Barbarossa durch Rennmotoren gestört werden. In Hessen darf in Zotzenbach im Odenwald zwar kein Bergrennen mehr, aber immerhin noch ein Bergslalom mit Schikanen durchgeführt werden.
In Bayern wird sowohl in das Bergrennen am Hauenstein in Hausen/Rhön durchgeführt als auch eine Veranstaltung im "Dreiländereck" in Eichenbühl/Unterfranken (bei Miltenberg am Main) sowie in Mickhausen bei Augsburg. Traditionelle Bergrennen am Alpenrand, wie das am Oberjochpass, das einst wegen angeblicher Beeinträchtigung des Fremdenverkehrs verboten wurde, gibt es nun zur Förderung desselben wieder, allerdings nur als Oldtimer-Veranstaltung. Dieser Ausweg wurde auch am Schauinsland und anderen ehemaligen Strecken beschritten.
Im Ausland sind Bergrennen wesentlich weiter verbreitet, die Strecken sind meist länger, schneller und gefährlicher als die in Deutschland noch erlaubten. Die Schweiz, Frankreich und Italien sind bekannt für die anspruchvollsten Strecken. Zudem dürfen auch noch schnellere Fahrzeuge eingesetzt werden, bis hin zu ehemaligen Formel 1 Wagen.
So werden zwei Läufe des deutschen Berg-Cup im kleinen Luxemburg ausgetragen, zwei weitere im für Bergrennen prädestinierten Österreich. Sogar in der Schweiz, in der 1955 Rundstreckenrennen im Zuge des schweren Unfalls beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans grundsätzlich verboten sind, sind Bergrennen üblich. Frankreich hat mehrere Bergrennen alleine im Elsass, und auch hinauf auf den legendären Mont Ventoux. Läufe zur EM werden auch in Portugal, Spanien, Italien, Tschechien, der Slowakei und in Kroatien ausgetragen, also auch in Ländern, die von internationalen Rennserien meist ausgespart werden. In Ungarn wird ein Lauf im Mátra-Gebirge ausgetragen.
In Großbritannien kann Shelsley Walsh zwar eine nur 914m kurze Strecke aufweisen, aber dafür aber eine 100 Jahre lange Tradition auf der unveränderten Streckenführung, die zudem mehrmals im Jahre befahren wird und somit "Mekka" des Bergrennsportes gilt, zumindest des britischen.
Auf den Pikes Peak in den Rocky Mountains (USA) führt eine kehrenreiche Schotterpiste, auf der auch schon Rallye-Asse wie Walter Röhrl und Ari Vatanen aktiv waren, mit besonders leistungsstarken und spoiler-bewehrten Versionen ihrer turbogetriebenen Werksautos.
Ein ganze andere Variante des Motorsportes am Berg stellt das Hillclimbing dar, bei dem ein besonders steiler Hang mit Geländemotorrädern so weit hoch wie möglich erklommen wird.
Selten "verirren" sich Piloten von der Rundstrecke an den Berg. Wolfgang Graf Berghe von Trips war 1958 ein prominentes Beispiel, und auch Hans Herrmann. Viele begannen jedoch ihre Karriere am Berg und wechselten zur Rundstrecke, wie Rolf Stommelen, Gerhard Mitter, Sepp Greger, Reinhold Joest, Claus Dupré und Roland Asch.
Im Jahre 2003 führte Manuel Reuter seinen DTM-Opel beim Bergrennen in Mickhausen vor, da sein Team Holzer in den Nähe beheimatet ist. Solange Fahrer in der Formel 1 aktiv sind werden solche Eskapaden kaum möglich sein. Ob etwa ein Michael Schumacher zum Karriereende diese Herausforderung annimmt, ist mehr als fraglich - Ferrari betreibt seit ca. 40 Jahren werksseitig keinen Bergrennsport mehr.
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