article

Der Bergbau im Sauerland auf Eisen und Nichteisenmetalle war eine der Grundlagen der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Region in vorindustrieller Zeit und im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Bergbau in vorindustrieller Zeit


Der Bergbau im Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert

Archäologisch lässt sich der Erzbergbau bis mindestens ins frühe Mittelalter belegen. Für Endorf lässt eine urkundliche Erwähnung eines Eisenwerkes aus dem Jahr 1348 auch bergbauliche Aktivitäten vermuten. Vor allem im 16. Jahrhundert und frühen 17. Jahrhundert war der Bergbau im kölnischen Sauerland von erheblicher Bedeutung. Davon zeugen unter anderem auch die zwischen 1533 und 1669 erlassenen Bergordnungen. Diese beschäftigten sich v.a. mit dem Stollenbergbau, der im Sauerland etwa ab 1530 betrieben wurde. Zahlreiche schriftliche Quellen geben Auskunft über diese Zeit. Bekannt war etwa der seit Mitte des 15.Jahrhunderts nachweisbare Blei- und Silberbergbau in Endorf (heute Stadt Sundern). Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Ort zur „Bergfreiheit“ erhoben. Ausgebeutet wurden auch (teilweise) silberhaltige Bleierzvorkommen bei Silbach oder Ramsbeck. Kupferbergbau fand in Hagen (heute Stadt Sundern) und vor allem im Rhonardbergwerk bei Olpe statt.

Auch der Eisenerzbergbau gewann während des 16. Jahrhunderts an Bedeutung. Erzgewinnung bei Endorf, Olpe, Obermarsberg oder am „Eisenberg“ bei Brilon waren Grundlage für die Verhüttung. Allein im Gogericht Brilon gab es 1596 16 Bergwerke und 23 Hütten. Ein Großteil der Produktion wurde als Halbfertigwaren vertrieben, aber teilweise wurde das Eisen von hausindustriellen Kleinschmieden weiterverarbeitet. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde etwa in Bruchhausen und Silbach Nägel produziert und von den Wanderhändlern des oberen Sauerlandes vertrieben. Auch Gusswaren wie Ofenplatten wurden bereits in dieser Zeit hergestellt.

Während des dreißigjährigen Krieges investierten holländische Kaufleute in den Bergbau und Verhüttung im Sauerland. So entstand eine Hütte bei Stadtberge (später Marsberg genannt), die sich vor allem auf Kanonen und Kanonenkugeln spezialisierte.

Bergbau im 17. und 18. Jahrhundert

Spätestens Mitte des 17. Jahrhunderts endete die Blütezeit des Bergbaus im Sauerland und dem benachbarten Waldecker Revier. Die meisten Bergwerke wurden aufgegeben und die Verhüttung eingestellt. Inwieweit dabei die Folgen des dreißigjährigen Krieges eine Rolle spielen, ist noch nicht endgültig geklärt. Nur zaghaft kam es am Ende des Jahrhunderts zu einer Wiederbelebung. Von erheblicher wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung waren der Bergbau und die Verhüttung erst wieder im 18. Jahrhundert. In dieser Zeit waren einige Reviere von erheblicher Bedeutung. Dazu zählt die Gegend um Drolshagen, Attendorn und Olpe im Biggetal. Hinzu kommt das heutige Gebiet der Stadt Sundern, der Raum Balve, Brilon, Marsberg und Ramsbeck.

Betrieben wurden die Gruben vielfach von "Gewerkschaften" d.h. Kaptialgesellschaften die als Anteilsscheine sogenannte Kuxe ausgaben. In diese Gesellschaften investierten wohlhabene Landbesitzer und Bürger der Städte. Bei einigen nahm das bergbauliche Engagement bereits modern anmutende Züge an. Die Unternehmerfamilie Ulrich besaß etwa im östlichen Teil des Sauerlandes große Anteile an den Gruben und zur Weiterverarbeitung eine ganze Reihe von Hütten und Hämmern. Auch in anderen Teilen der Region dienten die Gruben zur Rohstoffversorgung von nahegelegenen Hüttenwerken. Im Raum Sundern etwa gehörte die Endorfer Hütte der Familie Lentze.

Bemerkenswert aber ist der beträchtliche Anteil von Adeligen, die sich entweder an Gewerkschaften beteiligten oder auf ihrem Grundbesitz eigene Gruben betrieben. Zu diesen adeligen "Unternehmern" zählten etwa die Häuser v. Wrede ("Julianenhütte") bei Amecke, v. Landsberg-Vehlen ("Luisenhütte" bei Balve). Selbst geistliche Einrichtungen wie die Klöster in Bredelar oder Grafschaft beteiligten sich an bergbaulichen Aktivitäten. Daneben waren es aber auch Kaufleute die in Bergwerken investierten.

Die Bedeutung des Bergbaus war am Ende des 18. Jahrhunderts so groß, dass der Landdrost Franz Wilhelm von Spiegel die Errichtung einer Bergakademie in Brilon plante.

Bergbau im 19. und 20. Jahrhundert


Bergreviere

Gegliedert war das ehemals kurkölnische Sauerland in preußischer Zeit in die Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe. Dabei umfasste das Revier Arnsberg den Kreis Arnsberg mit Ausnahme des Amtes Warstein. Hinzu kamen einige Ämter im Kreis Meschede, einige Gebiete in den Kreisen Iserlohn, Soest und Olpe. Von wirtschaftlicher Bedeutung waren außer dem ebenfalls unter das Bergrecht fallenden Schieferabbau in der Gegend von Fredeburg im Kreis Meschede vor allem der Schwefelkiesabbau bei Meggen und Halberbracht im Kreis Olpe. Das Revier Olpe deckte sich weitgehend mit dem Kreis Olpe. Hinzu kamen einzelne Ämter des Kreises Meschede. Die größte Bedeutung hatte der Bergbau im Revier Brilon. Dazu zählten neben dem Gebiet um Warstein im Kreis Arnsberg die meisten Ämter des Kreises Meschede und der Kreis Brilon. Dieses Revier war nicht nur das Zentrum des Schieferabbaus vor allem rund um Nuttlar, sondern dort befanden sich auch die größten Metall- und Eisenerzgruben insbesondere im Ramsbecker Gebiet und in der Nähe von Niedermarsberg.

Bergrecht

Bergrechtlich galt bis zur Einführung des allgemeinen preußischen Berggesetzes im Jahr 1865 im Wesentlichen die alte kurkölnische Bergordnung aus dem 17. Jahrhundert, ergänzt um verschiedene Einzelvorschriften. Kennzeichnend war, dass auch in preußischer Zeit im Sauerland die Einführung des Direktionsprinzips ausblieb. Von Relikten wie dem Knappschaftswesen abgesehen, unterschieden sich die Bergleute bereits im 18. Jahrhundert nur unwesentlich von normalen Lohnarbeitern. Die nur schwach obrigkeitliche Reglementierung des Bergwesens erleichterte auf der anderen Seite unternehmerisches Handeln und den Zufluss von auswärtigem Kapital durch die Gründung von Aktiengesellschaften. Diese relativ günstigen Bedingungen wirkten sich wirtschaftlich durchaus positiv auf den Bergbau der Region aus.

Entwicklung einzelner Gruben und Reviere

Kupferbergbau Marsberg
Dies zeigt sich etwa am Beispiel des Marsberger Kupferbergbaus. Dieser konnte zwar auf eine lange Tradition zurückblicken, wurde aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur in geringem Umfang betrieben. In den 1830er Jahren investierten dann auswärtige Unternehmer in den Betrieb. Ein weiterer Aufschwung war mit der Umwandlung der alten Gewerkschaft in eine Aktiengesellschaft seit dem Jahr 1856 verbunden. Das Unternehmen legte neue Gruben an, fasste die im Streubesitz befindlichen bestehenden Abbaustellen in einem Grubenfeld zusammen und führte neue chemische Techniken der Scheidung von Erz und Gestein ein. Bezogen auf die Belegschaftsentwicklung und die Förderleistung lagen die Hauptexpansionsphasen des Unternehmens in den 1840er und den frühen 1860er Jahren. Insbesondere als Folge sinkender Erzpreise stagnierte die Entwicklung des Betriebes in den folgenden Jahrzehnten. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren die Belegschaftszahlen nur wenig höher als in den 1870er Jahren. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ die Bedeutung des Unternehmens immer mehr nach. Zunächst wurde der Erzabbau eingestellt, bis während der Weltwirtschaftskrise auch die Verhüttung aufgegeben wurde. Im Zuge der Kriegsvorbeitungen während des Nationalsozialismus wurde der Kupferbergbau in Marsberg noch einmal reaktiviert und nach dem Ende des 2. Weltkriegs endgültig aufgegeben.

Blei- und Zinkbergbau Ramsbeck
Im Kern vergleichbar war auch die Entwicklung im Ramsbecker Blei- und Zinkbergbau. In diesem Gebiet setzte nach 1815, zunächst vom Arnsberger Gewerken Cosack vorangetrieben und dem Neheimer Unternehmer Friedrich Wilhelm Brökelmann zu einem Gutteil finanziert, der Ausbau der Gruben, die Konsolidierung des zersplitterten Besitzes und die Rationalisierung der Abbaumethoden ein. Dies machte die Ramsbecker Gewerkschaft in den 1830er und 1840er Jahren zum größten Unternehmen im Kreis Meschede mit mindestens 220 Beschäftigten. In den Folgejahren geriet die Gewerkschaft in eine Krise, die zum Stilllegen einzelner Betriebsteile und zum drastischen Sinken der Beschäftigtenzahlen führte. Ein erneuter Aufschwung war verbunden mit dem Übergang des Betriebes in den Besitz des „Rheinisch-Westfälischen Bergwerksvereins“ zu Beginn der 1850er Jahre. Unter der Leitung des angesehenen Bergbaufachmanns v. Beust entwickelte sich der Betrieb bereits in dieser Phase zu dem mit Abstand größten Unternehmen des Sauerlandes. Bereits 1853 hat das Unternehmen 317 Grubenarbeiter und 455 Haldenarbeiter beschäftigt.

Ramsbeck.jpg Im Jahr 1854 fusionierte das Unternehmen mit der „Stolberger Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation.“ Die nun einsetzende Epoche der Betriebsentwicklung war geprägt von einer für das Sauerland bis dahin beispiellosen Expansion. Mit dem Ziel, den Standort Ramsbeck zu einem europäischen Zentrum der Erzförderung und -verarbeitung zu machen, wurde mit einem enormen Kapitalaufwand begonnen, eine Reihe von Aufbereitungsanstalten und eine neue große Verhüttungsanlage bei Ostwig zu bauen. Vorgesehen war eine Belegschaftsstärke von 2.000 bis 3.000 Mann, die man vor allem in den traditionellen Bergbaugebieten des Harzes und in Sachsen anwarb. Zu ihrer Unterbringung wurde eine Reihe von Arbeiterkolonien gebaut. Der Traum von einem europäischen Bergbauzentrum endete in einem ebenfalls für die Region beispiellosen wirtschaftlichen Skandal und mit hohen finanziellen Verlusten für die Aktionäre. Auf einer realistischen Grundlage wurde der Betrieb in den folgenden Jahren saniert. Eine Folge der Sanierung war eine erhebliche Reduzierung der Belegschaftsgröße von etwa 1800 Mann auf eine durchschnittliche Stärke von etwa 1.300 Mann in den 1860er bis 1880er Jahren. Aber auch mit dieser reduzierten Belegschaft waren die Ramsbecker Gruben über Jahrzehnte der größte Arbeitgeber in der Region. Auf längere Sicht wirkte sich auch in diesem Betrieb das Sinken der Erzpreise negativ aus. Die Grubenleitung in Ramsbeck reagierte auf die veränderten Marktbedingungen mit weitreichenden Rationalisierungsmaßnahmen. Bereits seit dem Ende der 1870er Jahre kam es zur Einführung von Bohrmaschinen auf den vier Hauptgruben. Außerdem wurden ältere Aufbereitungsanlagen durch leistungsfähigere Betriebsteile ersetzt. Darüber hinaus wurden einige nicht mehr rentable Gruben und die noch vorhandenen Verhüttungsbetriebe geschlossen. Diese Maßnahmen wirkten sich auch auf die Belegschaftszahl aus. Die Zahl der Arbeiter ging seit Mitte der 1880er Jahre kontinuierlich zurück. In den 1890er Jahren unterschritt die Beschäftigtenzahl erstmals die Marke von tausend Arbeitern. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges ging dieser Personalabbau fast ununterbrochen weiter. Im Jahr 1913 zählte man gerade noch 500 Beschäftigte im Ramsbecker Revier. Als Folge des Krieges und der Verwerfungen der Nachkriegszeit sanken die Arbeiterzahlen weiter ab und erreichten 1920 mit nicht einmal 300 Beschäftigten ihren Tiefpunkt, um erst 1926 wieder den Vorkriegsstand zu erreichen. Trotz großer Probleme hatte der Betrieb immerhin die Inflationszeit und die Weltwirtschaftskrise überstanden, ehe mit der Autarkiepolitik des Nationalsozialismus ein gewisser Aufschwung einsetzte. 1974 wurde das Erzbergwerk im Ramsbeck in ein Bergbaumuseum mit Besucherbergwerk umgewandelt.

Eisenerzförderung Raum Marsberg-Giershagen-Adorf
Neben der Metallerzförderung erlebte auch der Eisenerzbergbau seit den 1860er Jahren im Bergrevier Brilon und im benachbarten Gebiet bei Adorf (Grube "Martenberg") in Waldeck einen beachtlichen Aufschwung. Die Gründe lagen in einem völligen Strukturwandel der Besitzverhältnisse der Gruben im Raum Marsberg-Bredelar-Giershagen und im Anschluss der Region an die Eisenbahn. An die Stelle regionaler Gewerkschaften und Unternehmer wurden die Gruben von einigen Ruhrgebietskonzernen übernommen, die so ihre Rohstoffbasis sichern wollten. Die neue Entwicklung kündigte sich bereits 1848 an, als ein Vorläuferunternehmen der Aplerbecker Hütte die Grube Eckefeld bei Giershagen erwarb. Mit dem Übergang der Gruben der Familie Ullrich an die Dortmunder Union waren schließlich alle bedeutenden Eisenerzgruben des Kreises Brilon in der Hand von Ruhrgebietskonzernen. Die direkte Eisenbahnverbindung mit dem Kohlerevier schuf seit Anfang der 1870er Jahre die Voraussetzung für die Ausbeutung der Erzvorkommen im großen Stil. Diese Veränderungen leiteten einen bisher nicht gekannten Aufschwung des Eisenerzbergbaus ein. Die Eisenerzförderung lag im gesamten Revier im Jahr 1840 nur bei etwa 13.000 Tonnen und stieg bis in die 1880er Jahre auf 125.000 Tonnen an. Diese gerade für den abgelegenen Kreis Brilon äußerst positive wirtschaftliche Entwicklung erwies sich allerdings als eine kurze Episode. Bereits gegen Ende der 1880er Jahre sanken die Fördermengen rasch ab. Mit der Grube Eckefeld stellte dann 1897 ein erster bedeutender Betrieb den Abbau ganz ein. Bereits um die Jahrhundertwende spielte die Eisenerzförderung in diesem Gebiet keine Rolle mehr. Dieser rapide Bedeutungsverlust hing zusammen mit technischen Innovationen in der Eisen- und Stahlindustrie des Ruhrgebiets. Die chemische Zusammensetzung machte das Sauerländer Erz nur noch bedingt nutzbar.

Eisenerzbergbau Raum Sundern
Noch in den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts war der Bergbau und die Verhüttung im Raum Sundern von einer erheblichen wirtschaftlichen Bedeutung. In der zweiten Hälfte spielte er allerdings nur noch eine geringe Rolle auch wenn immer wieder versucht wurde an die vorindustriellen Traditionen anzuknüpfen. 1848 werden im Raum Sundern alle Eisenerzvorkommen in 2 Districtsfeldern konzentriert. Diese Verleihungen sind der Startschuss für erneute Schürfungen in diesem Gebiet. Verhüttungsfähige Erze werden jedoch weiterhin nur in den schon bewährten Gruben Hermannszeche, Rotloh, Rosengarten und in der Michaelszeche gefördert. Um weitere Aufschlüsse zu finden werden einzelne Stollenprojekte in Angriff genommen. Die Belegschaft schwankt sehr stark. In einem Quartal sind es nur 2 Mann. In einem anderen Jahr schon mal Spitzenzahlen von 25 Mann. 1874 kommen die Arbeiten zum Erliegen und 18891894 ist das Grubenfeld verpachtet. Um die Jahrhundertwende wird schon wieder weiter an Aufschlussprojekten gearbeitet. Das letzte große Stollenprojekt ist 1903 der Vortrieb des Grillostollens. 1905 konsolidieren die beiden Gewerkschaften zu „Consolidierten Eisen- und Manganerzbergwerke Bracht-Wildewiese“. Im Bereich Wildewiese wird 1910 aller Bergbau eingestellt. Lediglich in der Hermannszeche ist noch Betrieb. Das Bergwerk wechselt in den nächsten Jahren den Besitzer und landet 1932 bei der Gewerkschaft Christianenglück II. Zwischenzeitlich war 1935 eine Wiederaufnahme der Förderung beschlossen, aber aufgrund der Erzanalyse wieder aufgegeben. 1941 werden alle Arbeiten an den Grubenbauten der Hermannszeche endgültig eingestellt.

Wirtschaftliche Bedeutung

Insgesamt erlebte der Sauerländer Bergbau vor allem in den Jahrzehnten nach der Jahrhundertmitte einen beachtlichen Aufschwung. Lag die Gesamtzahl der Beschäftigten im Bergrevier Brilon in den 1840er Jahren bei durchschnittlich gerade einmal 500 Mann, stiegen die Arbeiterzahlen in den 1850er Jahren zunächst vor allem durch den Ausbau des Ramsbecker Bergbaus erheblich an. Im Jahr 1857 zählte man 1819 Bergleute. In den 1860er bis 1880er Jahren waren durchschnittlich mehr als 2000 Personen im Bergbau dieses Reviers beschäftigt. Den absoluten Höhepunkt erreichten die Bergarbeiterzahlen zu Beginn der 1880er Jahre, als fast 3000 Mann in diesem Bereich beschäftigt waren. Mit dem Niedergang der Eisenerzförderung und der Stagnation im Bereich der Nichteisenmetalle gingen auch die Bergarbeiterzahlen deutlich zurück. Im Jahr 1899 zählte das Oberbergamt in Bonn im Bergrevier Brilon unter Einschluss des benachbarten Fürstentums Waldeck noch über 2000 Arbeiter. Nur vier Jahre später waren es im Jahr 1903 nicht einmal mehr 1600 Beschäftigte. Nach einer Neueinteilung der Bergreviere zählte man 1908 im neuen Revier Arnsberg, zudem die Kreise Arnsberg, Brilon und Meschede, nicht aber mehr die Gruben im Kreis Olpe nur noch etwas mehr als 1400 Arbeiter. Im Jahr 1921 zählte das Oberbergamt im Revier Arnsberg nur noch knapp 900 Bergarbeiter. Dieser langfristige Bedeutungsverlust zeigt sich auch auf der Ebene der Kreise. Noch in den ersten Jahrzehnten des Kaiserreichs war der Bergbau im Kreis Meschede der wichtigste nichtlandwirtschaftliche Beschäftigungsbereich. Im Bergbau und dem eng mit ihm verbundenen Hüttenwesen waren 1882 immerhin mehr als 1000 Personen beschäftigt. Insgesamt machten die in Bergbau und Verhüttung Beschäftigten etwa 20 % aller in Handwerk, Industrie und Bergbau Tätigen aus. Mit über 1700 Beschäftigten und einem Anteil von 30 % der im Bergbau und produzierenden Gewerbe Berufstätigen war die Bedeutung des Berg- und Hüttenwesens im Kreis Brilon noch höher als im Nachbarkreis. Ähnliches gilt auch für den Kreis Olpe, wo im Berg- und Hüttenwesen ebenfalls etwa ein Drittel aller im Bergbau und produzierenden Sektor Tätigen beschäftigt war. Mit einem Anteil von nicht einmal 3 % spielte das Berg- und Hüttenwesen im Kreis Arnsberg dagegen kaum noch eine Rolle. Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich der Schwerpunkt des regionalen Bergbaus vor allem als Folge des Aufschwungs im Schwefelkiesabbau immer mehr in den Kreis Olpe verlagert. Dort waren 1907 mehr als 1200 und 1925 immerhin noch über 900 Personen in diesem Bereich beschäftigt. Im Kreis Meschede hat sich die Zahl der Beschäftigten bereits bis 1907 auf nicht einmal 700 in etwa halbiert und erreichte 1925 nicht einmal die Zahl von 500 Beschäftigten. Völlig bedeutungslos war der Bergbau 1907 mit 67 Beschäftigten im Kreis Brilon. Diese Zahl stieg bis 1925 nur geringfügig auf 172 an. Nicht einmal 6 % der in den Handwerks-, Industrie- und Bergbaubetrieben des Kreises Meschede Beschäftigten entfiel noch auf den Bergbau. Im Kreis Brilon waren es nicht einmal mehr 3 %. Innerhalb nur weniger Jahrzehnte hatte der Bergbau in den Kreisen Brilon und Meschede damit seine Bedeutung als ein zentraler Beschäftigungsbereich verloren.

Literatur


  • Stefan Gorißen: Ein vergessenes Revier. Eisenerzbergbau und Eisenhüttenwesen im Herzogtum Westfalen im 18. Jahrhundert. In: Karl Peter Ellerbrock/Tanja Bessler-Worbs (Hrsg.): Wirtschaft und Gesellschaft im südöstlichen Westfalen. Dortmund, 2001. S. 27 - 47. ISBN 3-925227-42-3
  • Wilfried Reininghaus/Georg Korte: Gewerbe und Handel in den Kreisen Arnsberg, Meschede, Brilon, Soest und Lippstadt 1889 - 1914. In: Ebd., S. 132 - 173.
  • Jens Hahnwald: Schwarze Brüder in rotem Unterzeug ... Arbeiter und Arbeiterbewegung in den Kreisen Arnsberg, Brilon und Meschede. In: Ebd., S. 224 - 275.
  • Ludwig Hermann Wilhelm Jacobi: Berg-, Hütten- und Gewerbewesen des Regierungsbezirks Arnsberg in statistischer Darstellung. Iserlohn, 1857.
  • Oberbergamt Bonn (Hrsg.): Beschreibung der Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe sowie der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont. Bonn, 1890.

Weblinks


Sauerland | Bergbau | Wirtschaftsgeschichte

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Bergbau im Sauerland".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld