Berat (
albanisch auch
Berati) ist eine in Mittelalbanien gelegene Stadt mit fast 50.000 Einwohnern (Schätzung 2004). Schon das kommunistische Regime erklärte die "Stadt der tausend Fenster" zur
Museumsstadt. Dank dieses Schutzes wurden die historischen Stadtteile vor Neubauten verschont. Berat ist mit seinen drei kompakten Altstadt-Quartieren
Mangalem,
Gorica und
Kalaja (deutsch: Burg) und den vielen Moscheen und Kirchen eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes.
Berat ist Sitz eines orthodoxen Bischofs sowie des gleichnamigen Qark und des gleichnamigen Kreises.
Lage und Stadtteile
Berat wurde an der Stelle gegründet, wo der Fluss
Osum durch einen Engpass im Tal in die mittelalbanische Ebene vorstößt. Über dieser strategischen Stelle thront die Burg, die nicht nur aus den befestigten Anlagen besteht, sondern einen ganzen Stadtteil mit zahlreichen Kirchen und Moscheen umfasst. Am gegenüberliegenden Ufer liegt der historische Stadtteil
Gorica. Unterhalb der Burg dehnt sich der Stadtteil
Mangalem sowie das heutige Stadtzentrum aus. Vor der Stadt entstanden zur kommunistischen Zeit neue Quartiere mit zahlreichen
Plattenbauten. Östlich der Stadt liegt das Bergmassiv
Tomorr.
Geschichte
Frühzeitgeschichtliche Wohnstätten konnten bis ins die Zeit um
2600 v. Chr. nachgewiesen werden. Der Burghügel wurde im
4. Jahrhundert v. Chr. erstmals von
Illyrern befestigt. Auch die
Römer besiedelten den Ort, damals
Antipatrea genannt. Der heutige Name
Berat geht auf die
slawische Bezeichnung
Beligrad (die weiße Stadt) zurück. Im
9. bis
11. Jahrhundert hatten
Bulgaren die Region besetzt. Schon im Mittelalter war Berat orthodoxer Bischofssitz. Die Eparchie unterstand dem Metropoliten von
Ohrid.
Im Jahr 1018 erobern die Byzantiner die Stadt zurück. In der Folge geriet Berat unter wechselnde Herrschaft (lokale Despoten, Könige von Neapel, Serben), bis 1417 die Osmanen die Stadt erstmals einnahmen. Seit den 1420er Jahren stand Berat unter der Herrschaft der Adelsfamilie Muzaka. Theodor von Muzaka, ein Mitstreiter Skanderbegs in der Liga von Lezha verliert die Stadt 1450 durch einen Überraschungsangriff der Türken endgültig. Die durch Skanderbeg 1455 angestrengte Belagerung von Berat bleibt ohne Erfolg.
1851 wird Berat von einem starken Erdbeben erschüttert. Die kurz danach errichteten Bauten prägen noch heute das Aussehen der historischen Stadtteile. Im Oktober 1944 wird in Berat eine "Demokratische Regierung" mit Enver Hoxha als Ministerpräsidenten gebildet, nachdem die Partisanen die deutschen Truppen aus der Region vertrieben hatten.
Sehenswürdigkeiten
Das Stadtbild von Berat wird geprägt von der typischen Balkanarchitektur, wie man sie vergleichbar beispielsweise auch in
Gjirokastra (Südalbanien) und
Ohrid (
Mazedonien) antrifft.
Im Gegensatz zu vielen anderen albanischen Städten werden in Berat die touristischen Sehenswürdigkeiten und das Stadtzentrum gepflegt und unterhalten. Wegweiser für Touristen und eine eigene Homepage sind in Albanien noch einmalig.
Mangalem
Dieser Stadtteil zieht sich den Hügel zur Burg hinauf. Die Häuser stehen sehr dicht, und Fassaden zum Tal haben alle große Fenster. Das Viertel hat deshalb der Stadt auch zu ihrer Bezeichnung "Stadt der tausend Fenster" verholfen. Im ehemals nur von Muslims bewohnten Quartier liegen die
Junggesellen-Moschee, die
Blei-Moschee und die
Königs-Moschee sowie die
Helveti-Tekke und das
Ethnographische Museum, das einen Einblick in die Lebensweise zur türkischen Zeit erlaubt. Fast an der steilsten Stelle des Burgbergs klebt die kleine
Michaels-Kirche über dem Fluss.
Gorica
Lange war dieses Viertel nur mit einer Steinbrücke mit dem Rest der Stadt verbunden, weshalb sich hier nur wenig verändert hat. Sehenswert ist insbesondere das
St. Spyridon-Kloster (auch orthodoxe Kathedrale; 1864).
Kalaja
Das Burgviertel besteht noch heute aus zahlreichen bewohnten kleinen Häuschen. Noch immer sind in den verwinkelten Gassen diverse Kirchen zu besuchen. Sehr berühmt ist auch das
Onufri-Museum, das Werke des gleichnamigen und bedeutendsten albanischen
Ikonen-Malers zeigt. Schön ist natürlich auch die Aussicht auf die Stadt und in die Berge.
Wirtschaft
Nach dem Zusammenbruch des
Kommunismus wurden die meisten Fabriken in Berat still gelegt. Die Stadt kann deshalb kaum wirtschaftliche Perspektiven bieten.
Für Touristen bietet Berat einige Hotels und Restaurants. Die Stadt wird sicherlich früher oder später Fremde in größerem Ausmaß anziehen können.
Literatur
- Apollon Baçe, Aleksander Meksi u. Emin Riza: Berat, son histoire et son architecture. Editions Encyclopediques, Tirana 1996.
- Carl Patsch: Das Sandschak Berat in Albanien. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften Wien. Schriften der Balkancommission, Antiquarische Abtheilung 3. Hölder, Wien 1904, Repr. Kraus, Nendeln Liechtenst. 1976.
Weblinks
Antike illyrische Stadt | Archäologischer Fundplatz in Albanien | Ort in Albanien
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