Kovelklein.JPG Die Benediktiner (lat. Ordo Sancti Benedicti, OSB) sind ein kontemplativ ausgerichteter Orden innerhalb der römisch-katholischen Kirche.
Benedikt selbst gründete noch keinen Orden im heutigen Sinne. Seine Regel schrieb er nur für das Kloster Montecassino. Als das Kloster 577 durch die Langobarden zerstört wurde, kamen die Mönche des Klosters nach Rom. Über Rom gelangte die Regel nach Westeuropa und breitete sich rasch aus. Die meisten Klöster lebten im Frühmittelalter nach ihren je eigenen Regeln, die sich aber an die Benediktsregel anlehnten (Mischregel). Einen Orden im heutigen Sinne bildeten die Klöster, die nach der Benediktsregel lebten, aber nicht.
Der Einfluss der Benediktinermönche erstreckte sich nicht nur auf die Christianisierung Europas, etwa durch Bonifatius (* 673; † 754), sondern auch auf die Kultur (Obstbau, Weinbau, Schulen, Bücher). Es ist weitgehend den Benediktinern zu verdanken, dass das kulturelle Erbe der Antike in Westeuropa erhalten blieb.
Benediktinerklöster wurden im Mittelalter stark in die Reichsverwaltung integriert, da Mönche lesen und schreiben konnten, was zu dieser Zeit außer Klerikern kaum jemand konnte. Äbte lebten wie Fürsten und verloren ihre eigentliche Rolle als geistliche Führer ihrer Gemeinschaft. Abteien verloren ihre Selbständigkeit und unterstanden dem König oder regionalen Fürsten.
Milkau Das Kloster von Cluny - Eingang zur Abtei 233-2.jpg
Die Lebensweise der Mönche von Cluny erregte auch Kritik. Das in der Benediktsregel vorgesehene Gleichgewicht von Gebet und Handarbeit wurde zugunsten des Gebets aufgeweicht. Die Abtei lebte von Messstipendien und Gebetsstiftungen. In ihrer Blütezeit wurden in Cluny täglich über 200 Psalmen gebetet. Im Hochmittelalter kam eine Hochschätzung von Askese auf. Die Lebensweise von Cluny wurde als nicht mehr regeltreu kritisiert.
Der Benediktinermönch Robert von Molesme gründete eine Reformabtei in Molesme, in der die Mönche getreu nach der Benediksregel leben und ihren Unterhalt durch Handarbeit statt durch Messstipendien und Stiftungen verdienen sollte. Dieser Versuch scheiterte. Ein zweiter Versuch jedoch glückte. In Cîteaux baute Robert ein Reformkloster auf, das er als Abt leitete und das unter seinen Nachfolgern Alberich von Cîteaux und Stephan Harding zum Mutterkloster des Zisterzienserordens wurde.
Bis ins Hochmittelalter waren die Benediktiner der bedeutendste Orden, verloren diese Stellung jedoch, einerseits an die Zisterzienser andererseits aber auch an die im 13. Jahrhundert neu entstehenden Bettelorden. Die Benediktiner waren in das Feudalsystem und die Naturalienwirtschaft integriert und in ihrer Arbeit auf Landwirtschaft und ausgerichtet. Die neu aufkommenden Städte und die sich entwickelnde Geldwirtschaft konnten die Benediktiner nur langsam in ihre Lebensweise integrieren. Bildung genossen und vermittelten die Benediktiner in lokalen Klosterschulen. Die im 12. Jahrhundert neu aufkommenden Universitäten, die ein nicht-sesshaftes Leben der Lehrenden und Studierenden erforderten, waren den Benediktinern fremd.
Einen ersten Schritt hin zur Bildung von Kongregationen tat 1336 Papst Benedikt XII., der in seiner Summa magistri Zusammenschlüsse von Abteien zu Provinzen und die Einsetzung von Provinzkapiteln verfügte.
Im 16./17. Jahrhundert entstand aus Reformen innerhalb des Zisterzienserordens der Orden der Trappisten, sodass es fortan einen weiteren Orden gab, der durch Reformen aus dem Benediktinertum hervorging.
Im Zuge der Säkularisierung wurden in Deutschland ab 1803 fast alle Benediktinerklöster aufgelöst. Im Zuge der nachfolgenden Restauration kam es zu Neugründungen. Vor allem in Bayern bildeten sich neue Ordensniederlassungen. Im Bayerischen Konkordat von 1817 wurden Klosterneugründungen vereinbart, für die Ludwig I. ab 1825 vor allem Benediktiner heranzog. 1830 entstand als erste Benediktinerabtei des Kloster Metten neu.
Heute gibt es in Deutschland 34 Männer- und 27 Frauenklöster, in Österreich 15 Männer- und 4 Frauenklöster und in der Schweiz 9 Männer- und 12 Frauenklöster der Benediktiner. Die Österreichische Benediktinerkongregation unterhält zudem das Kolleg St. Benedikt in Salzburg, das Studienhaus für den deutschsprachigen Nachwuchs.
Benediktinerabteien sind jeweils eigenständige Gemeinschaften; eine übergreifende Ordensorganisation im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Die meisten Klöster sind in Kongregationen zusammengeschlossen, die Kongregationen wiederum zur Benediktinischen Konföderation, der der Abtprimas vorsteht. Dieser hat allerdings keine Leitungsfunktion, sondern nur repräsentative Aufgaben.
Das Klosterleben der Benediktiner war durch das Gebet geprägt. Im Mittelpunkt stand nicht das Gebet des einzelnen, sondern das Gebet in der Gemeinschaft, was auch durch das Losungswort Ora et labora (lat. Bete und arbeite) der Benediktiner gekennzeichnet ist. Die Arbeit trat neben dem Gottesdienst und ein großer Teil des Tages ist dem gemeinschaftlichem Chorgebet und Lesung gewidmet. Die Arbeit bietet den nötigen Ausgleich, da nach Benedikt "Das Nichtstun der Feind der Seele ist" und sichert gleichzeitig den Lebensunterhalt der Gemeinschaft. Dadurch ist der Tagesablauf der Mönche durch den Gottesdienst (Opus Dei) gegliedert, dem nach der Regel nichts vorgezogen werden darf, sondern alle Tätigkeiten müssen eingestellt werden, um zum Gottesdienst zu eilen. Neben der täglichen Messe ist das Stundengebet für die Benediktiner wesentlich. Die Regel selbst schreibt acht Gebetszeiten (Vigil, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet) vor. Innerhalb einer Woche sollen alle 150 Psalmen des Alten Testamentes gebetet oder gesungen werden. Im Mittelalter erweiterte sich das Psalmengebet der Benediktiner immer weiter. In Cluny z. B. wurden im 11. Jahrhundert über 200 Psalmen täglich gebetet. Seit der Neubesinnung in der Ausrichtung der Ordensgemeinschaften im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden die Gebetszeiten auf sieben beschränkt; die Prim wurde abgeschafft. Heute ist das Psalmengebet der Benediktiner so gestaltet, dass die 150 Psalmen entweder innerhalb einer Woche mit sieben Gebetszeiten täglich oder innerhalb von zwei Wochen (Terz, Sext und Non wird zu Tageshore zusammengefasst) mit fünf Gebetszeiten täglich gebetet werden können.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Benediktinerklöster zu Zentren der Kultur und Bildung und haben nicht selten die Kinder aus Adelshäusern ebenso erzogen wie das einfache Volk. Aus dieser Tradition heraus sind Schulen mit modernen Lehrplänen entstanden. Auch heute noch unterhalten viele Benediktinerklöster Schulen und Internate. Eine der bekanntesten Benediktinerschulen in Deutschland unterhält die Abtei Ettal mit einer Schul- und Internatstradition, die bis in die Barockzeit zurückgeht.
Davon zeugt schon ein Gedicht über das Landleben des Wandalberts von Prüm aus dem 9. Jahrhundert, in dem der Mönch der Abtei Prüm die Pflege von Obstbäumen schildert.
Ein anderer Benediktinerabt, der auf der Reichenau ansässige Walahfried Strabo (809-849), verfasste ein Gartenbuch, „Hortulus“ genannt, in dem er 23 Heilpflanzen in Versform beschrieb.
812 erstellte der Abt Ansegis von St. Wandrille im Auftrag Kaiser Karls des Großen eine Liste von 73 Nutzpflanzen sowie 16 Obstbäumen, die in jedem Landgut kultiviert werden sollten. Diese Liste steht im 70. Kapitel der Capitulare de villis vel curtis imperialibus.
Im 12. Jahrhundert verfasste die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098–1179) Bücher über Heilpflanzen. Bei ihr kommt es zu einer Verschmelzung von antikem Wissen, christlichem Glauben und germanischem Weltbild. Obwohl ihre Bücher in lateinischer Sprache geschrieben sind, verwendet sie für die Heilpflanzen die volkstümlichen Bezeichnungen ihrer Heimat. Somit werden ihre Bücher unter anderem zu einem Zeugnis der Volksmedizin ihrer Zeit.
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