Benedikt XV. (eigentlich Marquese Giacomo della Chiesa * 21. November 1854 in Genua (Italien); † 22. Januar 1922 in Rom) war Papst von 1914 bis 1922. Auf Grund seines engagierten Auftretens gegen den Ersten Weltkrieg wurde er als Friedenspapst bekannt.
Kardinal Mariano Rampolla war sein Freund und Mentor, dem er zunächst in Madrid und später ab 1887, als dieser zum Kardinalstaatssekretär an der Kurie berufen wurde, als Sekretär diente. Während dieser Zeit half Chiesa bei der Vermittlung zur Lösung eines Konfliktes zwischen Deutschland und Spanien um die Karolinen Inselgruppe sowie bei der Organisation von Hilfsaktionen während einer Choleraepidemie. Als Rampolla mit der Wahl von Pius X. aus dem Amt schied und Kardinal Merry del Val ihm nachfolgte, behielt Chiesa zunächst seinen Posten.
Aufgrund seiner engen Beziehung zu Rampolla, dem Architekten der vergleichsweise offenen Außenpolitik Leos XIII. und Rivalen von Pius beim Konklave von 1903, fiel Chiesa jedoch bald bei der neuen, konservativ geprägten Kirchenführung in Ungnade. Er musste den diplomatischen Dienst und den Vatikan verlassen und wurde am 16. Dezember 1907 Erzbischof von Bologna. Die Bischofsweihe spendete ihm Papst Pius X. am 22. Dezember desselben Jahres.
Am 25. Mai 1914 wurde Chiesa als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santi Quattro Coronati in das Kardinalskollegium aufgenommen. Mit den neuen Würden ausgestattet, hielt er beim Ausbruch des 1. Weltkrieges, als das Papstamt durch den Tod Pius X. vakant war, eine Rede, in welcher er die Position und Aufgaben der Kirche angesichts der Weltlage beschrieb, die Notwendigkeit von Neutralität und den Willen zum Frieden betonte und die Milderung des verursachten Leidens beschwor. Wenige Wochen später, am 3. September 1914, wurde della Chiesa zum Papst gewählt und nahm den Namen Benedikt XV. an. Die Krönung erfolgte kriegsbedingt in aller Eile in der Sixtinischen Kapelle. Es sind keine Bilder des Papstes mit Tiara bekannt.
Besonders bekannt wurde Dès le début, die Friedensnote Benedikts XV. am dritten Jahrestag des Kriegsbeginns (1.August 1917). Darin schlug der Papst, als neutraler Vermittler, allen kriegführenden Mächten Friedensverhandlungen vor. Er forderte Abrüstung, eine effektive internationale Schiedsgerichtsbarkeit zur Vermeidung künftiger Kriege und den Verzicht auf Gebietsabtretungen. Damit wurden wesentliche Grundzüge der internationalen Friedensbewegung der Vorkriegszeit seitens des Vatikans aufgegriffen. Doch sah sich jede der Kriegsparteien als durch ihn benachteiligt an und der Plan wurde ausgeschlagen. Der Vatikan wurde auch von den Verhandlungen zum Waffenstillstand ausgeschlossen. Seine am 23. Mai 1920 veröffentlichte Enzyklika Pacem Dei munus war ein Plädoyer für die Versöhnung der Völker, und Benedikt wandte sich gegen die harten Maßnahmen der Sieger im Vertrag von Versailles. Während der Nachkriegszeit organisierte er die Kirchenverwaltung neu, um den Anforderungen der neuen internationalen Verhältnisse besser gerecht zu werden.
Innerkirchlich beendete Benedikt XV. angesichts der neuen Weltlage die Exzesse des Antimodernismus, der die Ära Pius X. geprägt hatte. In den Missionsgebieten der Dritten Welt förderte er die Ausbildung einheimischen Priesternachwuchses, der möglichst bald die europäischen Missionare ersetzen sollte. Er promulgierte das neue Kanonische Recht von 1917 und unternahm Versuche, die Beziehungen zur antiklerikal eingestellten Regierung Frankreichs zu verbessern, indem er die französische Nationalheldin Jeanne d'Arc heilig sprach. Die diplomatische Anerkennung des Heiligen Stuhls durch Frankreich sowie Großbritannien war jedoch sein einziger politischer Erfolg. Die Friedensdoktrin Benedikt XV. wurde fester Bestandteil des kirchlichen Lehramts seiner Nachfolger. Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) fordert schließlich, einen Zustand der Welt herbeizuführen, in dem der Krieg völlig untersagt wird ("bellum est omnino interdicendum").
Benedikt XV. starb 1922 im Alter von 67 Jahren nach einer Lungenentzündung. Auch wenn er nicht zu den bekannteren Päpsten des 20. Jahrhunderts zählt, ist sein Einsatz für den Frieden in den Jahren 1914 bis 1918 bemerkenswert, der im starken Gegensatz zur Haltung der meisten anderen Monarchen und Staatsführer seiner Zeit stand.
Der nächste Träger dieses Papstnamens, Benedikt XVI., stellte sich 2005 bewusst in die Tradition des Friedenspapstes Benedikt XV.
Die Veröffentlichung der Exhortia in einer neuen Übersetzung im Jahre 1931 veranlasste Kurt Tucholsky zu der Polemik "Der bewachte Kriegsschauplatz", in welcher der umstrittene Satz Soldaten sind Mörder geprägt wurde.
Mann | Papst | Italiener | Geboren 1854 | Gestorben 1922
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