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Ben Hur ist ein US-amerikanischer Spielfilm von William Wyler aus dem Jahr 1959. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lew Wallace. Der Monumentalfilm war finanziell erfolgreich und bekam elf Oscars. Es war der erste Film, bei dem intensiv mit der Blue Screen Technik gearbeitet wurde.

Handlung


Der Film schildert das Leben des fiktiven jüdischen Prinzen Judah Ben Hur, der zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. wegen eines angeblichen Attentats auf den römischen Statthalter von Judäa zur Galeerenstrafe verurteilt wird, später aber in seine Heimat zurückkehrt und eine Aufstandsbewegung gegen die Römer plant. In einem Wagenrennen besiegt er seinen früheren Freund und späteren Widersacher, den Römer Messala. Ben Hur bricht seine Aufstandspläne ab, als er von der Glaubensbotschaft des gekreuzigten Jesus überzeugt wird.

Faktentreue/Kritikpunkte


Ben Hur muss sich trotz seiner frei erfundenen Filmgeschichte der historischen Realität stellen, betonte doch der Verleih beim Erscheinen des Films, ein realistisches Bild der Zeit Jesu Christi (ca. 7 v. bis 30 n. Chr.) zu zeichnen. Leider blieb die Produktion vielfach weit hinter den schon damals bekannten archäologischen und historischen Tatsachen zurück. Gerade beim Wagenrennen gibt es bei der Darstellung eines antiken Zirkus, sowie bei der Kleidung der Wagenlenker Mängel, die bei der ersten monumentalen Verfilmung dieses Stoffes, in Fred Niblos Ben Hur von 1925, vermieden wurden und wesentlich näher an der Wirklichkeit waren.

Als weiteren Kritikpunkt muss man den – schon nach damaligen Fundergebnissen – viel zu freien Umgang mit der Ausrüstung römischer Soldaten anführen. Von einer realistischen Gestaltung ist man durchgehend weiter entfernt, als es Archäologen im schon ausgehenden 19. Jahrhundert waren (beispielsweise Lindenschmit). Lederne oder metallene Unterarmmanschetten, die im Film von Soldaten getragen werden, sind weder auf Fundplätzen entdeckt worden, noch hat man je eine antike Statue gefunden, die solche Utensilien getragen hat. Unterarmbänder sind eine scheinbar unausrottbare Erfindung der Filmindustrie und werden bis heute als geradezu zwingendes Element eingebaut, wenn dem Zuschauer das Gefühl von Antike vermittelt werden soll.

Die im Film wie schon im Roman dargestellte Galeerenstrafe gab es in der Antike nicht. Römische Kriegsschiffe wurden von ausgebildeten und bezahlten Seesoldaten gerudert. Es bedeutet schon ein hartes Training und viel Geschick, eine große Galeere gleichmäßig zu rudern, und bei der Professionalität der römischen Armee wollte man nichts dem Zufall überlassen. Ungeübte Ruderbesatzungen aus Sklaven, deren Kraft durch körperliche Strafen und unzureichende Verpflegung vermindert würde, und die vielleicht aus ihrer Unzufriedenheit eine Meuterei angezettelt hätten, wären nicht sinnvoll gewesen.

Zudem hätte man die Kriegsschiffe um eine nicht unbeträchtliche Zahl an Kämpfern vermindert, hätte man Sklaven als Ruderer eingesetzt. Mit Seesoldaten am Ruder hatte man dagegen noch eine zusätzliche Kampfkraft an Bord. Vor jedem Seegefecht wurde immer der Mast niedergelegt. Man fuhr also nicht unter vollen Segeln in die Schlacht, wie es in Ben Hur dargestellt wird. Der Einsatz von Feuer ist realistisch dargestellt, wenn es auch noch nicht das auf dem Wasser brennende „Griechische Feuer“ gab, das der Film zeigt. Bei der Seeschlacht von Actium (31 v. Chr.) wurden die Schiffe hauptsächlich durch Feuer, nicht mehr durch Rammstöße vernichtet, zumal Octavians Admiral Agrippa für die römischen Galeeren einen Rammschutz eingeführt hatte. Dieser bleibt im Film unerwähnt.

Bei jeder realitätsnahen Neuverfilmung eines „Ben Hur“ müsste die Galeerenstrafen-Szene gestrichen werden. Realistischer wäre die Versklavung des Protagonisten und seinen Verkauf an einen Steinbruch oder eine Bleimine.

Eine historische Unmöglichkeit, die ebenfalls bereits auf den Roman von Wallace zurückgeht, ist die Beteiligung von zwei Mitgliedern der römischen Oberschicht an einem öffentlichen Rennen. Als Angehöriger der jüdisch-hellenistischen Oberschicht wäre es Ben Hur zwar möglich gewesen, Rennen zu fahren, doch nicht als Adoptivsohn eines römischen Senators, zumal er – laut Roman – unter dessen Augen schon im Circus Maximus gefahren sein soll. Bei dem Rennen gegen Messala kommt dann auch ein reines Phantasieprodukt zum Einsatz, ein „griechischer" Wagen, dessen rotierende Sägemesser die Speichen des gegnerischen Wagens zerstören soll.

Anmerkungen


Nachdem im Stummfilm von 1925 viele Pferde bei den Dreharbeiten zur Rennszene umgekommen waren , war man bei der Neuverfilmung peinlich darauf bedacht, daß keine Katastrophen geschehen konnten, die Tierschutz und Öffentlichkeit auf den Plan gerufen hätten.

Regisseur Wyler ließ mehr als 40 Drehbuchfassungen erstellen und fuhr am Ende ohne abgenommenes Drehbuch zum Beginn der Dreharbeiten in die Cinecitta-Studios bei Rom.

Der Berufsverband der Hollywood-Drehbuchautoren setzte 1959 durch, dass ein anderer Drehbuchautor im Vorspann genannt wurde als der, von dem der Großteil der endgültigen Version stammte. Wyler war darüber so wütend, dass er in Hollywood vor der Entscheidung bei den Juroren gegen die Verleihung des Oscars an den Drehbuchautor intervenierte. Der Film bekam 11 Oscars bei 12 Nominierungen, nur in der Sparte „Bestes Drehbuch“ blieb es bei der Nominierung.

Bevor sich Wyler für Stephen Boyd entschied, war lange Zeit Leslie Nielsen (Die nackte Kanone) für die Rolle des Bösewichts im Gespräch. Entsprechende Testaufnahmen wurden auf der DVD veröffentlicht.

William Wyler bemerkte einmal, wie ironisch es sei, dass der bedeutendste Roman des Christentums von ihm als Juden verfilmt würde.

Die vier Schimmel vor dem Wagen Ben Hurs waren echte Lipizzaner, importiert aus Lipica in Slowenien.

Die drei Mythen um die Wagenrennszene, ein Stuntman sei gestorben, jemand würde eine Armbanduhr tragen und ein roter Ferrari würde an der Seite parken, sind fälschliche Annahmen.

Bei den Dreharbeiten verabredeten Regisseur Wyler und Messala-Darsteller Stephen Boyd, dass die Begegnungsszene zwischen Ben Hur und Messala eine homoerotische Komponente haben könnte. Ben-Hur-Darsteller Charlton Heston wurde darin nicht eingeweiht, weil befürchtet werden musste, dass der schon damals als sehr konservativ geltende Heston damit nicht einverstanden sein könnte. Diese Szene gilt heute als ein darstellerisches Highlight für Stephen Boyd/Messala.

Auszeichnungen


Oscars

Ben Hur gewann 1960 in 11 Kategorien den Oscar und teilt sich mit den Filmen "Titanic" und "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" den Rekord der meisten Oscargewinne. Nachfolgend die Kategorien, in denen der Film gewann:

Golden Globe Award

Ben Hur erhielt 1960 fünf Golden-Globe-Nominierungen. Er gewann in den Kategorien Bester Film (Drama), Bester Nebendarsteller (Stephen Boyd), Bester Regisseur und der Second Unit Regisseur Andrew Marton erhielt für seine Inszenierung des Wagenrennens einen Spezialpreis. Charlton Heston war für die beste Hauptrolle nominiert, erhielt den Preis allerdings nicht.

Weitere Filmversionen


Der Stoff hatte bereits zweimal zuvor den Weg auf Zelluloid gefunden, einmal im Jahre 1907 unter der Regie von Sidney Olcott, das andere Mal im Jahre 1925 unter der Regie von Fred Niblo. William Wyler wirkte in der Verfilmung von 1925 bereits als Regieassistent mit. im Jahre 2003 entstand eine Zeichentrickversion des Stoffes.

Literatur


  • Marcus Junkelmann: Hollywoods Traum von Rom: „Gladiator“ und die Tradition des Monumentalfilms. Zabern, Mainz 2004, ISBN 3-8053-2905-9.

Weblinks


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