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Die Fassung (v. „fassen“, mittelhochdt. „vazzen“ = fassen, erfassen, ergreifen; althochdt. „fazzon“, , wortverwandt mit „fest“), bezeichnet die farbliche Gestaltung einer Skulptur, eines Reliefs, eines Bildes oder einer anderen Oberfläche (Bemalung, Färbelung), sowie auch die Belegung eines Objektes mit Edelmetallen, zum Beispiel Vergoldung.

Insbesondere ist die Fassung im dem Fall, dass ein Objekt mehrmals neu bemalt wurde, die Gesamtheit der zusammengehörenden Farbflächen (und Belagflächen). In diesem Sinn wird wird der Ausdrucke in der Kunstgeschichte und Restaurierung gebraucht, und dokumentiert die Objektgeschichte.

Die Fassung von Skulpturen wird von dem sogenannten Faßmaler, einem eigenständigen Beruf, erstellt.

Geschichte


Der Fassung kommt in der Romanik überhöhte Bedeutung zu und verstärkt somit die theologische Aussage einer Figur.

Fassungsuntersuchung


Wenn man heutzutage eine Fassungsuntersuchung an Skulpturen macht, kann man Schlussfolgerungen auf die Herkunft und das Alter einer Skulptur (Datierung, zeitliche Einordnung) ziehen. Diese Ergebnisse erleichtern es deshalb auch den speziellen Werdegang einer Figur nachzuvollziehen. Teilweise wurden die Fassungen im Laufe der Jahrhundert geändert oder völlig neu gestaltet.

Grundierung


Die Grundierung einer Plastik (aus Holz, Gips, Stein oder anderen Materialien) dient dazu, die Oberfläche zu glätten, damit ein gleichmäßiger Auftrag von Farbe oder Edelmetallen möglich wird. Die Grundierung ist oft mehrere Millimeter stark. Nach dem Grundieren erfolgt das Vergolden oder Bemalen in einer oder mehreren Schichten. Zuletzt wird die Oberfläche der Plastik geglättet, poliert oder lackiert.

Das Mittel zur Grundierung ist eine Verbindung aus tierischem Leim und verschiedenen Sorten Kreide, die in warmem Zustand mit einem weichen Pinsel in mehreren Schichten auf die unbehandelte Oberfläche der Skulptur gestrichen wird. Jede Schicht wird nach dem Trocknen geschliffen (mit Schachtelhalmen oder Schleifpapier).

Die Helligkeit der Grundierung und ihr Reflexionsvermögen beeinflusst die Farbwirkung der anschließenden Schichten der Fassung.

Polierweißfassung


Die Polierweißfassung hatte im 18. Jahrhundert große Bedeutung. Das Ziel war es, edleres Material wie Marmor, Porzellan und farbige Materialien nachzuahmen. Bei einer Methode etwa benutzte man eine besonders sorgfältig aufgetragene und mit einem eigens zugerichteten Bimsstein geschliffene Grundierung. Sie wurde mit verschiedenen Zusätzen versehen. Zum Abschluss konnte man mit einem Hundezahn oder einem speziell geformten Achat die Oberfläche glänzend polieren und so den Eindruck zarten Porzellans erwecken. Eine weitere Methode ist, über einer Grundierung mehrere öl- oder harzgebundene Lackschichten aufzutragen.

Polychrome Fassung (Mehrfarbig)


Die polychrome Fassung besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Farbschichten. Zeitgenössische Fassmaler verwenden dazu gewöhnlich fertige Leim- oder Eitempera, die auf die Grundierung aufgetragen und anschließend poliert wird. Vor der industriellen Herstellung von gut pigmentierten Farben stellten die Fassmaler die Farben selbst her. Dazu wurden reine Pigmente (Farbstoffe) auf einer Glasplatte gerieben und mit Bindemitteln (Harze, Leime, Öle und anderes) vermischt.

Ein anderer Weg, farbige Oberflächen zu erzielen, besteht darin, verschiedene Lasuren mit mehr oder weniger intensiver Tönung übereinander zu legen. Für leuchtende Rottöne wird beispielsweise Zinnoberrot auf weißen Kreidegrund mit wässrigem Bindemittel gemalt. Darüber wird eine dunkelrote Öllasur aus Krapplack gelegt, in die noch einmal dunklere Schattierungen in Faltentiefen eingemalt wird.

Monochrome Fassung


Dabei handelt es sich um eine Fassung, die aus einer einzigen Farbe besteht. Sie dient dazu, bestimmte Materialien nachzuahmen, etwa Stein oder Metall.

Inkarnat


Die Teile einer Skulptur, die Hautoberflächen wiedergeben (Gesicht, Hände etc.) werden besonders sorgfältig behandelt. Diese „Fleischteile“ heißen Inkarnate. Auf meist grauer Grundierung werden die Farben in mehreren Schichten übereinander aufgetragen, die dann den passenden Hautton ergeben.

Die erste Schicht trägt die sogenannte „Binnenzeichnung“ (Grundrisse von Augen, Augenbrauen, Mund und Wangenrot). Die oberen Schichten werden entweder lasierend aufgetragen oder sie haben einen transparenten emaillartigen Weiß-Schimmer. Diese Schichten neutralisierten dann die Konturen darunter. Durch diese Übermalungen entsteht eine zart zerfließende Farbwirkung, die Hautfarben perfekt wiedergibt. Vor allem Figuren des Rokoko (Spätrenaissance, Verfeinerung der Techniken) weisen sehr schöne Inkarnate auf.

Blattgold


Das Blattgold wurde in früheren Jahrhunderten durch die Vergolder selbst aus Dukaten und anderen Goldmünzen geschlagen. Heute kann man das fertige Blattgold im Fachhandel kaufen. Blattgold wird aus flachen Goldplättchen hergestellt, die zwischen Lederflecken gelegt und solange mit einem schweren Hammer geschlagen werden, bis hauchdünne Folien entstehen. Diese Folien werden in acht mal acht Zentimeter große Blätter geschnitten und in Papierheftchen gelegt.

Blattmetallfassung


Tabernakel vergolded außen.jpg Beim Vergolden mit Blattgold – oder auch beim Auflegen von Silber – finden verschiedene Techniken Anwendung. Die wertvollste Art der Vergoldung ist die Polimentvergoldung. Dabei wird die Skulptur nach der Grundierung mit einer weiteren Grundierung in Rot versehen, dem Poliment. Auf das Poliment wird echtes Blattgold mit einem speziellen Gerät aufgetragen: Dem Vergolderpinsel oder Anschiesser. Das dunkle Rot des Polimentes scheint durch das Gold hindurch und verleiht ihm einen besonders schönen Glanz, sobald es poliert ist. Auf die gleiche Weise wird eine Skulptur mit Silber belegt. Da Silber oxydiert, muß anschließend ein Lack aufgetragen werden, um das Metall vor dem Anlaufen zu bewahren.

Dem Beschauer verborgene Partien, zum Beispiel Faltentiefen, wurden besonders in der Barockzeit mit billigerem Zwischengold (einer Legierung aus Gold und Silber) belegt. Häufig verzichtete man ganz auf Metalle und begnügte sich mit der Grundierung oder dem Poliment. Wo die einzelnen Metallblättchen nicht nahtlos aneinanderstossen, wurden zu dieser Zeit die Fehlstellen häufig mit einem goldgelben Pflanzenlack ausgeglichen damit der kontinuierliche Verlauf der Oberfläche erhalten blieb.

Für feine goldglänzende Linien wird Pulvergold verwendet. Fein vermahlenes Gold wird dabei mit einem Bindemittel (Leim) vermischt und aufgetragen.

Die Technik der Ölvergoldung, bei der das Blattgold auf eine Mixtion genannte Lösung gelegt wird, erlaubt sehr schnelles Arbeiten. Das Gold kann jedoch nach Abschluss der Arbeit nicht poliert werden. Es bleibt matt und entwickelt nicht den typischen Goldglanz.

Neben der Verwendung von echtem Silber und Gold wurden bis in das späte 19. Jahrhundert auch Legierungen aus unedleren Metallen verarbeitet.

Bei Fassungen nur aus Metallen wird entweder das Inkarnat in Silber aufgetragen und das Gewand in Gold oder umgekehrt. Diese Fassungen findet man allerdings sehr selten. Sie sind in aller Regel Skulpturen vorbehalten, die in Kirchen aufgestellt sind.

Lüsterfassung


Auch diese Technik diente vor allem in der Barockzeit dazu, edle Materialien nachzuahmen. Über einer Silberauflage malte man grüne, rote oder blaue Lasuren und erweckte so den Anschein von Edelsteinen – beispielsweise an Gewandsäumen. Bei der figürlichen Ausstattung von Kirchen finden sich auch gelegentlich gelüsterte Gewänder, etwa die in der Regel blaue Bekleidung der Madonna. Eine solche Fassung ließ ein Werk wertvoller erscheinen.

Verfeinerungen des Lüsterns stellen das Florieren (Goldornamentieren) und das Musieren dar. Dabei werden aus den farbigen Lasuren Linien herausgeschrieben so dass die Silber- oder Goldunterlage als Ornament wieder hervortritt.

Eine weitere Variante des Lüsterns ist das Aufbringen von Metallen, die zuvor farbig gemacht wurden: Das Einschmelzen zusammen mit Lösungen von Harzseifen und ätherischen Ölen bewirkt eine Tönung oder Verfärbung des Edelmetalles, das anschließend wie Farbe verarbeitet werden kann. Beim modernen Lüstern ergeben sich Farbunterschiede durch Beimischung von anderen Metallen (Eisenoxid = rot, Uran = gelb, Perlmutt = Weiß).

Firnis


Die Firnis ist ein durchsichtiger Überzug, welcher die Farb- oder Metallschichten vor den schädigenden Einflüssen der Atmosphäre (Staub, Sauerstoff, Gase, Feuchtigkeit) bewahrt. Da Firnisse nie farbneutral sind, sondern eine sehr leichte Eigentönung haben, verändern sie die Reflexion des Lichtes auf einer Fassung und beeinflussen daher die Glanz- und Farbwirkung geringfügig. Firnisse trüben mit der Zeit ein und müssen gelegentlich erneuert werden. Sie sind außerdem nicht wetterfest.

Quellen


  • Lexikon der Kunst;
  • Tafel „Fassung“ im Liebighaus Frankfurt.

Kunst | Baudenkmalpflege

 

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