Das Belting (aus dem engl.: schmettern) ist eine spezielle und vor allem stilistisch motivierte Gesangstechnik, die bevorzugt im Bereich Musical, Popmusik und Soul, aber durchaus auch in anderen (vor allem Jazz-verwandten) musikalischen Genres eingesetzt wird. Durch eine gegenüber dem klassischen Gesang veränderte Vokalbildung und Registermischung wird ein "schmetternder" und "durchdringender" Klang erreicht.
Während im klassischen Gesang idealerweise das obertonreichere Kopfstimmenregister dominiert, wird beim Belting angestrebt, den Anteil des wesentlich grundtönigeren Bruststimmenregisters möglichst durch den gesamten Stimmumfang zu erhöhen. Dies wird vor allem dadurch erreicht, daß bei der Vokalbildung überwiegend die natürlichen Sprechformanten benutzt werden so daß die Vokale gegenüber dem klassischen Gesang sehr viel offener und weiter vorne im Mundraum (siehe auch: Vokaltrapez) gebildet werden, was gleichzeitig eine wesentlich "dunklere" Vokalfärbung bedeutet.
Theoretisch kann man in jeder Stimmlage belten. Am ausgeprägtesten ist dieser Effekt jedoch in den tiefen und mittleren Frauenstimmenlagen, wo er auch überwiegend eingesetzt wird. Bei Männern ist der Unterschied allerdings weit weniger deutlich, da diese naturgemäß ohnehin mit größerem Bruststimmenanteil singen und die betreffenden Formanten benutzen. Da die Technik weitestgehend auf der Vokalbildung beruht, ist Belting auch nicht für jede Sprache gleichermaßen geeignet; daher ist z. B. der Einsatz von Belting in deutscher Sprache aufgrund der zum Textverständnis notwendigen harten Konsonanten musikalisch oft nicht sinnvoll, wenn auch grundsätzlich möglich.
Entgegen weitläufiger Meinung und Vorurteilen müssen sich Belting und klassischer Gesang nicht zwingend ausschließen. Es handelt sich in diesem Sinne (abgesehen von der Vokalbildung) nicht um eine komplett andere Gesangstechnik als eher um ein anderes Klangideal oder eine andere (stilistisch bedingte) Interpretation. Auch für das Belten gelten die Grundsätze der "klassischen" Stimmbildung, besonders der Atemtechnik; ein Belten ohne fundierte Ausbildung ist daher nicht möglich und auf Dauer sogar stimmschädigend. An etlichen Musikhochschulen werden in Form von Konzert- und Musicalgesang beide Techniken mittlerweile ohne Probleme auch in Kombination unterrichtet.
Belting ist daher auch nicht vergleichbar mit dem "Crooning", welches eher einen musikalischen Stil als eine Gesangstechnik darstellt. Während beim Crooning eine Verstärkung der Stimme (aufgrund mangelhafter Technik und Stimmvolumens) unabdingbar ist, kann bei gekonnt ausgeführten Belting auch ohne Verstärkung eine Dynamik und Lautstärke wie beim klassisch orientierten Gesang der Oper erreicht werden.
Den Unterschied zwischen Belting und klassischer Stimmeinstellung kann man sehr gut und direkt mittels der beiden Songs „One Moment in time“ (Whitney Houston) und „Don't cry for me argentina“ (Madonna) vergleichen, da beide Songs einen sehr ähnlichen Tonumfang haben und beide für eine Frauenstimme eher eine tiefe bis mittlere Stimmlage darstellen. Während Whitney Houston fast durchgängig das Belting benutzt (und mit der deutlich dunkleren Vokalfärbung schon in mittleren Lagen ein außerordentliches Stimmvolumen erreicht), singt Madonna durchgehend (wenn auch etwas forciert) mit einer eher klassischen Stimmeinstellung. Deutlich wird das vor allem an den tieferen Stellen, wo das „fehlende“ Stimmvolumen durch Obertöne und Textdiktion (Konsonaten) kompensiert wird.
Daß man auch mit klassischer Stimmeinstellung (also ohne Belting) einen ähnlichen Effekt wie Whitney Houston erreichen kann, zeigen regelmäßig vor allem Jazz-Ensembles wie die Swingle Singers oder The Real Group (z. B. „You can drive my car“). Diese sind dabei allerdings auf eine deutlich höhere Stimmlage angewiesen.
Ein sehr gutes Beispiel für einen männlichen Belter ist Freddie Mercury. In „The show must go on“ ist (nach dem Gitarren-Solo, ab etwa 02:49) sehr gut zu hören, wie er innerhalb von nur wenigen Tönen von einer normalen Stimmeinstellung nathlos ins Belting wechselt. Dieses Beispiel zeigt auch deutlich, dass ein fließender Übergang möglich ist. Etliche Sänger setzen den Bruch zwischen den Registern allerdings auch bewusst als Stilmittel ein.
Der Unterschied zwischen Crooning und Belting ist sehr gut nachvollziehbar in „My heart will go on“ von Celine Dion zu hören. Während der Anfang noch weitestgehend ohne stimmliche Substanz „gehaucht“ ist (Crooning), kann man spätestens ab ca. 03:16 von Belting sprechen.
Folgende bekannte Sänger setzen regelmäßig Belting ein: