Belosjorsk (
russisch Белозёрск,
wissenschaftliche Transliteration Belozërsk; bis
1777 Beloosero,
russisch Белоозеро,
wissenschaftliche Transliteration Beloozero) ist eine
russische Kleinstadt in der
Oblast Wologda,
Nordwestrussland. Sie ist Verwaltungssitz des
Rajon Belosjorsk und hatte
2006 laut Berechnung 10.580 Einwohner
Geografie
Belosjorsk liegt 214 km nordwestlich von
Wologda und 118 km nördlich von
Tscherepowez zwischen dem Südufer des
Weißen Sees und dem
Wolga-Ostsee-Kanal, rund 20 km westlich des Austritts des Flusses
Scheksna. Die
geografischen Koordinaten sind 60.04° Nord, 37.79° Ost.
Wirtschaft
Neben der
Lebensmittelproduktion ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Belosjorsk die
Holzindustrie. Mehrere
Sägewerke und andere holzverarbeitende Betriebe sind in der Stadt ansässig.
Geschichte
Als Residenz des legendären
Warägerfürsten Sineus taucht
Beloosero (
Белоозеро) bereits in einer Quelle aus dem Jahre
862 auf, die
1112 bis
1113 von dem
Mönch und
Chronisten Nestor von Kiew in seine historische Sammlung "
Die Geschichte der vergangenen Jahre" aufgenommen wurde und gilt damit als eine der ältesten Städte der
Rus. Damals befand sich der Ort noch am gegenüberliegenden Ufer des
Weißen Sees in der Nähe des heutigen Dorfes Kisnema. Zunächst abwechselnd im Besitz der
Fürstentümer Weliki Nowgorod und
Rostow-
Susdal, war Beloosero ab
1238 Sitz eines autonomen Herrschaftsgebietes.
1352 wurde die Stadt nach einer
Pestepidemie zunächst an den Austritt des Flusses
Scheksna nahe dem heutigen Dorf Krochino verlegt und
1363-
1364 an der heutigen Stelle noch einmal neu errichtet. In den
1370er Jahren wurde das vormals eigenständige
Fürstentum dann dem
Moskauer Staat einverleibt, blieb aber zumindest Sitz eines eigenen
Teilfürstentums. Während der
Mongolenstürme widersetzte sich der Kleinstaat dank seiner geschützten Lage in der dicht bewaldeten Seenlandschaft Nordrusslands erfolgreich den Angreifern und beherbergte zahlreiche Flüchtlinge aus den besetzten Regionen im Süden. In ihrer Blütezeit im
15. und
16. Jahrhundert wurde Beloosero zum bedeutenden Handelszentrum, wo Waren aus
Twer,
Weliki Nowgorod, den einflussreichen
Klöstern des Südens und den fernen Siedlungen des Nordens umgeschlagen wurden. Durch die Gründung von
Archangelsk am
Weißen Meer im Jahre
1586 verschob sich die Haupthandelsroute allerdings weiter nach Osten auf die Flußläufe von
Suchona und
Nördlicher Dwina, sodass die Stadt stark an Bedeutung einbüßte. Im
17. Jahrhundert wurde Beloosero durch
polnisch-
litauische Truppen schwer zerstört und erhielt anlässlich der Erhebung zur Kreisstadt
1777 seinen heutigen Namen. Mit der Eröffnung des Belosjorski-
Kanals (Белозёрский канал)
1846, der als Teilstück des
Marinski-Wasserweges den
Weißen See mit dem
Onega-See und damit das
Wolga-Gebiet sowie die
Suchona mit dem
Finnischen Meerbusen verband, gewann Belosjorsk erneut an Bedeutung, vor allem im Bereich der
Holzwirtschaft und
Flößerei. Nach dem
2. Weltkrieg trat der
Wolga-Ostsee-Kanal die Nachfolge des alten
Kanalssystems an, sodass die neue Route heute nicht mehr durch den See sondern südlich an der Stadt vorbeiführt.
Sehenswürdigkeiten
1909 Церковь во имя Успения Божьей Матери. Белозерск.jpg, 1909]]
Der
Kreml (
Кремль) im Stadtzentrum wurde
1487 unter
Iwan III. angelegt und besitzt noch einen (einst 30 m hohen)
Erdwall, der früher von
Palisaden und hölzernen Wachtürmen bekrönt war. Innerhalb des
Remparts hat sich die
1668 bis Ende der
1670er Jahre erbaute
Christi-Verklärungs-Kirche (
Спасо-Преображенский собор) mit
barocker Innenausstattung erhalten. Das älteste steinerne Bauwerk der Stadt ist die
1553/
1554 bis um
1570 von
Meistern aus
Rostow Weliki errichtete
Mariä-Entschlafens-Kirche (
Успенский собор); zu ihrer Ausstattung zählt u. a. die kostbare, in der 2. Hälfte des
13. Jahrhunderts geschaffene
Ikone der Gottesmutter von Belosjorsk (
Икона Богоматери Белозёрской). Weitere bedeutende Denkmale sind die in Holzbauweise errichtete
Kirche des Propheten Elias (
Ильинская церковь,
1690-
1696), die
Kirche des Barmherzigen Erlösers (
Церковь Всемилостивого Спаса,
1716-
1723), die
Kirche zu Christi Erscheinen (
Богоявленская церковь,
18. Jahrhundert) sowie der
Belosjorski-Kanal, der zwischen Stadt und
Weißem See verläuft und von diesem durch einen Damm abgetrennt ist.
Veranstaltungen
Jährlich im Juli finden zeitgleich das Stadtfest und das
"Festival der Künste »Beloosero«" (
"Фестиваль исскуств «Белоозеро»") mit Handwerkermarkt,
Folkloreaufführungen und Historienschauspielen am Kremlwall statt.
Partnerstädte
Die Partnerstadt von Belosjorsk ist
Skien in
Norwegen. Wegen seiner einstigen Bedeutung als Handelspartner mit den Städten des Nordens wurde Belosjorsk
2001 offiziell in den Bund der
Neuen Hanse aufgenommen.
Weblinks
Ort in Russland
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