Seit der Staatsgründung 1830 war das Französische de facto landesweit die Sprache der Verwaltung, der Justiz und des Schulsystems. Die Flamen (Bevölkerungsmehrheit) konnten eine volle Gleichberechtigung erst im 20. Jahrhundert durchsetzen. (Für eine Darstellung dieser Entwicklung vgl. Kramer: Zweisprachigkeit in den Benelux-Ländern, S. 59ff.)
Im folgenden werden, gegliedert nach den linguistischen Beschreibungsebenen, Merkmale genannt, an denen das in Belgien verwendete Französisch (BF) tendenziell zu erkennen ist. Viele der beschriebenen Eigenheiten gehen auf wallonisches Substrat zurück:
Die Vokalquantität ist im BF phonemunterscheidend, was sich an Minimalpaaren zeigen läßt:
Bei Pöll: Französisch außerhalb Frankreichs (S. 50) findet sich der folgende Hinweis auf eine weitere die Vokalquantität betreffende Besonderheit:
Einige Phänomene im Bereich der Vokalqualität sind für das BF ebenfalls typisch: Im Auslaut ist die Öffnung von *" target="_blank" >und *" target="_blank" >möglich: * <vélo>;" target="_blank" >gelegentlich auch im Inlaut: Wortfinales *" target="_blank" >kann zu diphthongiert werden: * <allez>." target="_blank" >Die Gruppe /ɥi/ fällt mit /wi/ zusammen: *)." target="_blank" >wie orale Vokale vor den Nasalen /m/, /n/ nasaliert werden: * <poème>," target="_blank" >[ʁɛ̃n <reine>.
Die im Frankreichfranzösischen übliche Strategie zur Hiatvermeidung in Wörtern wie lion, avion – Abschwächung des zum Halbvokal *," target="_blank" >auf -tion, -lion, seltener angewendet: *," target="_blank" >Gleitlaut *" target="_blank" >oder * <fouet>," target="_blank" >*," target="_blank" >[teaːtʁ/teɑtʁ).
<li> + Vokal, z. B. in <milieu>, <milliard> – orthoepisch – kann als einfacher Halbvokal *," target="_blank" >[mijaːʁ.
Die Desonorisierung kann in Verbindung mit der Reduzierung von Konsonantenclustern im Auslaut zu ungewöhnlichen Lautbildern führen (* <table>).
Bei Wörtern wie terrible, bei denen nach dem bisher Gesagten mit einer Aussprache wie zu rechnen ist, kommt, zumal in Brüssel, auch eine Auflösung von *" target="_blank" >zu [bǝl (mit eingeschobenem Schwa) in Frage.
An die Stelle der Kombinationen und palatalem Approximanten, z. B. in moitié, Didier, können, abhängig vom vorangehenen Plosiv, Affrikaten mit dem stimmhaften und dem stimmlosen postalveolaren Frikativ treten (*," target="_blank" >[diʤe(ː)/diʤeɪ).
Bei aktiv zweisprachigen Frankophonen (die in erster Linie in Brüssel zu finden sind), können zu dem oben Genannten noch Interferenz
Der Name Bruxelles könnte demzufolge ausgesprochen (gegenüber normfranzösischem *).
Zu den Belgizismen zählen auch einige Nederlandismen, z. B. babeler = causer, vgl. ndl. babbelen (dt. schwätzen, plaudern) oder der Ausdruck ça cloppe = ça colle, vgl. ndl. dat klopt (dt. das stimmt).
Statt soixante-dix (70) und quatre-vingt-dix (90) werden in Belgien septante und nonante bzw. neufante verwendet.
Des weiteren können Regionalismen zu den Belgizismen gezählt werden, wenn ihr Verbreitungsgebiet sich weitgehend mit Belgien deckt. Ein Beispiel ist gosette, die Bezeichnung für ein Gebäck, die aus dem Wallonischen stammt, oder auch la drache als nur in Belgien übliches Wort für den Regen. La drache nationale ist der Regenschauer, der am 21. Juli fast schon traditionsgemäß zum Nationalfeiertag niedergeht.
Schließlich sind einige Ausdrücke zu beachten, die in Belgien gebräuchlich sind, außerhalb Belgiens oder in Frankreich aber veraltet. Beispiele sind entièreté anstelle des Latinismus totalité und endéans. Beispiele für solche Archaismen sind auch einige Anglizismen des Sports wie back, forward oder keeper, die ins Französische übernommen wurden, als die aus England stammende Sportart Fußball auf dem Kontinent populär wurde, die aber in Frankreich inzwischen durch französische Ausdrücke verdrängt wurden.
Neben diesen Zeugen des für die Peripherie eines Sprachgebiets häufig konstatierten sprachlichen Konservativismus gibt es im BF auch Innovationen, die sich außerhalb Belgiens nicht durchgesetzt haben; darunter solche Neologismen, die mithilfe von Ableitungen gebildet werden (z. B. navetteur < navette).
Französische Sprache | Belgien | Sprachvarietäten
Белгийски френски език | Belgian French | Français de Belgique | Belgisch Frans | Belgisk franska | Francès d' Walonreye
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Belgisches Französisch".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world