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Belgien (ndl.: België, franz.: Belgique), offiziell Königreich Belgien (ndl.: Koninkrijk België, franz.: Royaume de Belgique) ist eine föderal organisierte parlamentarische Monarchie in Westeuropa. Es grenzt an die Niederlande, Deutschland, Luxemburg, Frankreich und an die Nordsee. Zusammen mit den Niederlanden und Luxemburg bildet Belgien die Beneluxstaaten.
Belgien ist ein relativ flaches Land, nur im Südosten gibt es das Bergland der Ardennen. Die Küstenlinie erstreckt sich auf 72,3 km. 25 Prozent der Landfläche werden für Landwirtschaft genutzt. Ungefähr 85 Prozent aller Belgier leben in Städten. Laut den Berechnungen des Königlichen Belgischen Instituts für Naturwissenschaften hat Belgien eine Fläche von 33.990 km².
Etwa 60% (71% im Jahr 1981) der Belgier sind römisch katholisch, ca. 1% gehören einer protestantischen Kirche an und 4% Islamische Gemeinden. Besonders hoch ist die Rate überzeugter Atheisten (28%). Etwa 7% der Bevölkerung gehören keiner Religionsgemeinschaft an.
Siehe auch: Katholische Kirche in Belgien
Hauptartikel: Geschichte Belgiens
Als Provinz Belgica schon im römischen Reich unter diesem Namen bekannt, erlebte das heutige Gebiet Belgien viele Herrschaften. Es war im Mittelalter Teil des fränkischen Reiches und wurde bei dessen Teilung ebenfalls geteilt; es war überwiegend Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches und zerfiel in einzelne Herzogtümer und Grafschaften. Die einzelnen Territorien wurden später vom Haus Burgund regiert, das 1477 von den Habsburgern beerbt wurde. Zunächst regierte der spanische Zweig der Habsburger, danach der Österreichische. 1815, auf dem Wiener Kongress, wurde Belgien den Niederlanden zugesprochen.
1830 kam es zur belgischen Revolution, in deren Folge Belgien unabhängig wurde. Es wurde eine parlamentarische Monarchie errichtet und Leopold von Sachsen-Coburg zum ersten König ernannt. Leopold II., Sohn des ersten Königs, erwarb den Kongo in Afrika, zunächst als Privatbesitz, später als Kolonie, was der königlichen Familie und dem Land Reichtum brachte. Der Kongo wurde auch bekannt durch die dort ausgeübten Verbrechen der belgischen Besatzer. 1960 wurde die Kolonie Kongo in die Unabhängigkeit entlassen.
Im Ersten Weltkrieg wurde das neutrale Land in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich einbezogen und von der kaiserlichen deutschen Armee fast gänzlich eingenommen. In den Stellungskriegen in Belgien wurden viele Städte in Flandern zerstört. Als Ausgleich dafür, sowie für die erlittene Besatzung und die zahlreichen zivilen und militärischen Opfer, annektierte Belgien nach dem Krieg die mehrheitlich von Deutschen bewohnten Gebiete der Region um Eupen und Malmedy, die des Weiteren eingeforderten Gebiete bis zum Rhein hin wurden dem Staat allerdings nicht übertragen; die vertraglich vereinbarte Volksabstimmung in Eupen-Malmedy wurde vom belgischen Staat nicht durchgeführt. Im Zweiten Weltkrieg verhielt sich das Land anfangs neutral, wurde aber wieder als Durchgangsland nach Frankreich besetzt und gelangte so in den Einflussbereich der Hitler-Diktatur im Deutschen Reich. Bis zur Befreiung durch die Westalliierten hatte es - wie halb Europa - unter der Willkürherrschaft der Nazis und die jüdische Bevölkerung unter ihrer Verfolgung zu leiden; Städte und Landschaften blieben aber weitgehend von Kriegszerstörungen verschont. Lediglich im Osten des Landes, vor allem um Sankt Vith und Bastogne, kam es zu schweren Zerstörungen infolge der Ardennenoffensive im Winter 1944-1945.
Die bereits seit 1944 geplante Zoll- und Wirtschaftseinheit von Belgien, den Niederlanden und Luxemburg wurde im Haager Vertrag am 3. Februar 1958 vereinbart und ist am 1. November 1960 in Kraft getreten (Benelux-Staaten). Belgien gehörte mit zu den Gründerstaaten der EWG und spielt seither eine wichtige Rolle im europäischen Einigungsprozess. Das Land wurde Sitz internationaler Organisationen, wie der NATO und der Europäischen Union.
Siehe auch: Liste der belgischen Ministerpräsidenten, Belgisch-Kongo
Belgien ist eine bundesstaatlich organisierte parlamentarische Monarchie.
Der Föderalstaat wird aus dem König und 15 vom Parlament betrauten Mitgliedern gebildet (Exekutive) sowie dem Bundesparlament (Legislative). Das föderale Parlament besteht aus der Abgeordnetenkammer mit 150 Mitgliedern und dem Senat mit 71 Mitgliedern. Während die Abgeordnetenkammer Entscheidungsgewalt in Haushaltsangelegenheiten und der Vertrauensfrage hat, hat der Senat neben einer Beratungsfunktion Entscheidungsgewalt bei Interessenskonflikten zwischen den regionalen Parlamenten.
Die föderalen Institutionen sind verantwortlich für Justizwesen, Finanzpolitik, innere Sicherheit, Außenpolitik, Landesverteidigung und soziale Sicherheit.
Parteien:
Belgien ist von innerer Zerrissenheit vor allem zwischen der flämischen und wallonischen Volksgruppe geprägt. Tendenziell nehmen die Spannungen eher zu und radikale Parteien, die eine Auflösung des Gesamtstaats befürworten, wie etwa das Vlaams Belang, gewinnen mehr und mehr an Bedeutung.
Siehe auch: Flämisch-wallonischer Konflikt
Hauptartikel: Politische Gliederung Belgiens
Belgien ist seit 1993 ein Bundesstaat, bestehend aus drei Regionen (der Flämischen Region, der Wallonischen Region sowie der Region Brüssel-Hauptstadt) und drei (Sprach-)Gemeinschaften (der Flämischen Gemeinschaft, der Französischen Gemeinschaft und der Deutschsprachigen Gemeinschaft). Regionen und Gemeinschaften haben unterschiedliche Zuständigkeiten und sind territorial nicht deckungsgleich. Die Kompetenzen der Regionen sind vor allem wirtschaftlicher Art, während die Kompetenzen der Gemeinschaften eher kultureller Art (vor allem bildungspolitischer Art) sind.
Im Einzeln gilt folgendes:
Die Flämische und Wallonische Region sind ihrerseits jeweils in fünf Provinzen unterteilt. Die Region Brüssel-Hauptstadt ist provinzfrei.
Flandern:
Wallonien:
Die unterste Ebene der Selbstverwaltung bilden die 589 Gemeinden.
Belgien ist ein wichtiges Transitland zwischen Mitteleuropa und Westeuropa.
Der wichtigste Hafen ist Antwerpen an der Schelde, einer der größten und wichtigsten Seehäfen der Welt.
Der wichtigste Flughafen des Landes ist Zaventem.
Belgien besitzt ein sehr gut ausgebautes Autobahnnetz, welches wie auch alle anderen Straßen in Belgien komplett mit Straßenlaternen ausgestattet und nachts beleuchtet ist.
Die staatliche Eisenbahngesellschaft heißt NMBS/SNCB und betreibt eines der am dichtesten ausgebauten Bahnnetze weltweit.
Belgien besitzt zwei in Betrieb befindliche Atomkraftwerke. 1999 wurde ein Atomausstieg vom Parlament beschlossen (Siehe auch: Kernenergie nach Ländern)
Siehe auch: Liste bekannter Belgier
Belgien hat auch einige Berühmtheiten im Radsport hervorgebracht. So gehörten und gehören Eddy Merckx, Roger De Vlaeminck, Johan Museeuw, Tom Boonen sowie Peter van Petegem zu den besten Fahrradfahrern der Welt.
Der Rundkurs von Spa- Franchorchamps gehört zu einer der anspruchsvollsten Strecken im Motorsport. Hier werden in regelmäßigen Abständen Rennen ausgetragen. Wie voriges Jahr die Formel 1 und die DTM, die dieses Jahr jedoch nicht ausgetragen werden. Eines der Höhepunkte ist wohl das Proximus 24 Stunden Rennen, das jedes Jahr ausgetragen wird.
In Belgien ist es auch möglich, Comic als Studienrichtung an Kunsthochschulen wie der Königlichen Akademie für bildende Kunst und dem Institut Saint-Luc in Brüssel zu studieren.
Des Weiteren berühmt ist Belgien, vor allem Brüssel und Brügge, für die feine handgeklöppelte Spitze.
Belgien hat 11 Universitäten: Niederländischsprachig: Katholische Universität Löwen (Katholieke Universiteit Leuven - KUL), Universität Gent, Universität Antwerpen (UA), transnationale Universität Limburg (Universität Hasselt - UHasselt & Universität Maastricht - UM/Niederlande), Freie Universität Brüssel (Vrije Universiteit Brussel - VUB), Katholische Universität Brüssel (Katholieke Universiteit Brussel - KUB); Französischsprachig: Université Libre de Bruxelles, Facultés Universitaires Saint Louis à Bruxelles, Université de Liège, École Polytechnique de Mons, Facultés Universitaires Notre-Dame de la Paix Namur, Université Catholique de Louvain in Louvain-la-Neuve.
Den Universitäten gleichgestellte Einzelfakultäten sind die Evangelisch-Theologische Fakultät Löwen (Evangelische Theologische Faculteit), die Fakultät für Protestantische Theologie Brüssel (Faculteit voor Protestantse Godgeleerdheid) und die Königliche Militärschule (Koninklijke Militaire School).
Neben den Universitäten existieren in den drei Gemeinschaften zahlreiche Hochschulen (Hautes Ecoles/Hogeschools) und mehrere Kunsthochschulen (Ecoles Supérieures des Arts).
Die Sekundärschulen (Secundair Onderwijs) werden wie folgt unterteilt:
a) Erste Schulstufe (vom 12.-14. Jahr)
b) Zweite und Dritte Schulstufe (vom 14.-18. Jahr): Wahl zwischen
Englischunterricht hat man ab dem zweiten Lehrjahr des sekundären Unterrichts auf einer ASO. Gewöhnlich kann ein Schüler zwischen den folgenden Richtungen wählen: Mathematik, Griechisch, Latein, Naturwissenschaften. In den späteren Jahren kommen noch weitere Richtungen wie Wirtschaft/Handel, Humanwissenschaften und Moderne Sprachen hinzu. Ein Großteil der belgische Schüler der fünften und sechsten Klasse auf einer ASO hat auch mindestens eine Stunde Deutsch pro Woche, manchmal auch 3.
Auf KSO-Schulen, die selten bestehen, wenn, dann meistens nur in sehr großen Städten, hat der Schüler die Auswahl zwischen z.B. Comiczeichnen, Computergrafik etc. Der Schüler nimmt aber dennoch auch an Englisch- und Französischunterricht sowie Mathematik teil.
Abgeschlossen wird mit dem Diploma Secundair Onderwijs (Abitur), mit dem man Zugang zu einem Hochschulstudium erhält.
Da Schulpflicht bis 18 besteht, kann man, sobald dieses Alter erreicht wurde, die Schule verlassen oder warten, bis man das 'Diploma' bekommen hat. Ausnahmen bilden BSO-Schulen: Dort kann man schon früher die Schule verlassen und der Schulpflicht mit einer Lehre/Berufsausbildung nachkommen.
Der Kohlenstoffdioxidausstoß pro Kopf des Landes gehört zum weltweit höchsten.
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