Die Bektaschi-Tariqa ist einer der größten und einflussreichsten islamischer Derwisch-Orden in Anatolien und auf dem Balkan. Als Gründer gilt traditionell der in Persien geborene Sufi Haddschi Bektasch Veli (auch Haci Bektaş Veli; † 1270). Ihr Zentrum hat die Gemeinschaft heute in Albanien.
So war das Gebet, das Beten, nicht mehr an gewisse Tageszeiten angelehnt, sondern konzentrierte sich auf gewisse Abendstunden, in denen die Arbeit ruhte und die Gläubigen sich in kontemplativer Hingabe den Zeremonien des Cems geistig öffnen konnten.
In diesem Ritus wurde durch Gesang, durch Musik und durch die Rezitation von Hymnen und Heldensagen in Begleitung des Sazinstruments eine mystische Stimmung geschaffen, in deren Verlauf die Menschen - Frauen und Männer, Junge und Alte, Arme und Reiche - in eine Stimmung des Eins-Seins (El ele ve el hakka) versetzt wurden und in dem alle unterschiedlos und gemeinsam ihre Hände dem Schöpfer (Hak-Tanri-Allah) entgegenstreckten.
Der Semahtanz, der rituelle Tanz der Aleviten und Bektaschiten, der innerhalb der Cemzeremonie stattfindet, bildet den physisch-geistigen Ausdruck und die Mimese des Menschen ab, die Natur nachzuahmen und durch den Tanz das ewige Wiederkehren aller Schöpfungen auszudrücken, denn im Semahtanz drehen sich Frauen und Männer (als Sinnbild der antagonistischen und sich dennoch bedingender Gegensätzlichkeiten) im Kreis und bilden in diesem Ritus symbolisch den Umlauf der Planenten um die Sonne (Dede-geistig/religiöses Oberhaupt der Aleviten) nach.
Der Orden der Bektaschi entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im seldschukisch beherrschten Kleinasien. Die Lehre und Gebetspraxis der Gemeinschaft geht auf Haddschi Bektasch Veli zurück. Er wanderte ursprünglich wohl als Yesevi-Derwisch aus seiner persischen Heimat nach Anatolien aus. Die Angehörigen des nach ihm benannten Ordens verehren ihn als Gründer der Gemeinschaft; wahrscheinlicher ist, dass sich erst frühe Anhänger von Haddschi Bektasch Veli zu einem Orden formten.
Zur Zeit der Seldschuken traten die Bektaschis oftmals als „Gegengewicht“ zu den Mevlevis auf. Während erstere als starke Vertreter der armen Landbevölkerung auftraten, hatten letztere aufgrund ihrer eher philosphischen Lehre enge Verbindungen zu den oberen Schichten.
Die Bektaschi waren in osmanischer Zeit stark bei den Janitscharen verankert. Vom 16. Jahrhundert an lebten Bektaschi-Sheikhs in der Nähe der Janitscharen-Garnisonen, um dort die Soldaten geistig zu leiten. Letztere brachten den Orden vor dem 17. Jahrhundert auch nach Albanien. Im Jahre 1826 erlitten die Bektaschi sowohl in Albanien wie auch in Anatolien einen herben Rückschlag, als Sultan Mahmud II. die Janitscharentruppe auflöste und die Schließung aller Bektaschi-Tekes im Reich anordnete. In Albanien lebte der Orden nach dem Tod dieses Sultans aber schnell wieder auf und erreichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine höchste Blüte bei den Albanern. 15 Prozent der Bevölkerung bekannten sich zu den Bektaschi. In den Balkankriegen (1912/13) wurden 80 Prozent der Tekkes in Epirus und Südalbanien von den Griechen zerstört. Von diesem Schlag konnte sich der Orden nur schwer wieder erholen.
Bis zum Verbot aller Derwisch-Orden in der Türkei durch den Staatsgründer Atatürk im Jahr 1925 hatte der Orden sein Zentrum in Anatolien, danach in Albanien (Tirana). Seitdem sind die meisten Bektaschi Albaner. Mitte der 40er Jahre gab es in Albanien etwa 280 Babas und einfache Derwische und in den 60er Jahren immer noch fünfzig Bektaschi-Tekkes mit ungefähr achtzig Derwischen. Nach der Erklärung Albaniens zum ersten atheistischen Staat der Welt im Jahr 1967 wurden die meisten heiligen Stätten der Bektaschi zerstört. Viele Mitglieder wurden ins Gefängnis geworfen. Bis zum Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur hatten nur fünf Babas und ein Derwisch überlebt. Lediglich sechs Tekkes, die noch als Kultgebäude erkennbar waren.
Vor dem Zweiten Weltkrieg emigrierte Bektaschi führten die Tradition des Ordens in den USA fort. Die amerikanische Tekke ist 1954 in Detroit eingerichtet worden. Nach der Aufhebung des Religionsverbots in Albanien (1990) wurde das Weltzentrum der Bektaschi wieder in Tirana eingerichtet.
Islam | Alevitentum | Sufiorden | muslimische Ordensgemeinschaft
Bektaši | Μπεκτασί Ντερβίς | Bektashi | Bektaši | Бекташи | Bektaşilik
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Bektaschi".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world