Der nach dem englischen Mathematiker Thomas Bayes benannte bayessche Wahrscheinlichkeitsbegriff (engl. Bayesianism) interpretiert Wahrscheinlichkeit als Grad persönlicher Überzeugung (engl. "degree of belief"). Er unterscheidet sich damit vom frequentistischen Wahrscheinlichkeitsbegriff, der Wahrscheinlichkeit als relative Häufigkeit interpretiert.
Der bayessche Wahrscheinlichkeitsbegriff sollte nicht mit dem gleichfalls auf Thomas Bayes zurückgehenden Satz von Bayes verwechselt werden, welcher in der Statistik reiche Anwendung findet.
Der bayessche Wahrscheinlichkeitsbegriff wird häufig verwendet, um die Plausibilität einer Aussage im Lichte neuer Erkenntnisse neu zu bemessen. Laplace (1812) entdeckte diesen Satz später unabhängig von Bayes und verwendete ihn, um Probleme in der Himmelsmechanik, in der medizinischen Statistik und, einigen Berichten zufolge, sogar in der Rechtsprechung zu lösen.
Zum Beispiel schätzte Laplace die Masse des Saturn auf Basis vorhandener astronomischer Beobachtungen seiner Umlaufbahn. Er erläuterte die Ergebnisse zusammen mit einem Hinweis seiner Unsicherheit: "Ich wette 11000 zu 1, dass der Fehler in diesem Ergebnis nicht größer ist als 1/100stel seines Wertes." (Laplace hätte die Wette gewonnen, denn 150 Jahre später musste sein Ergebnis auf Grundlage neuer Daten um lediglich 0,63% korrigiert werden.)
Nach der frequentistischen Interpretation von Wahrscheinlichkeit wäre es nicht erlaubt, das Instrumentarium der Wahrscheinlichkeitstheorie auf das Problem der Bestimmung der Masse des Saturns anzuwenden: Die Masse des Saturns ist eine Konstante und keine Zufallsvariable, daher gibt es keine Häufigkeitsverteilung dazu und auch keine mittlere Häufigkeit.
Die bayessche Interpretation von Wahrscheinlichkeit wurde vor allem in England früh ausgearbeitet. Führende Köpfe waren u.a. L. J. Savage, Bruno de Finetti, Edwin Jaynes, Frank P. Ramsey. Ihr Grundgedanke ist, "vernünftige Einschätzungen" (engl. rational belief) als eine Verallgemeinerung von Wettstrategien aufzufassen: Gegeben eine Menge von Information/Messungen/Datenpunkten und nach einer Einschätzung gefragt, wie hoch würde man auf die Korrektheit seiner Einschätzung wetten? (Der ernsthafte Hintergrund ist, dass man viel Geld genau dann wettet, wenn man sich seiner Einschätzung sicher ist.) Eine Reihe von Streitschriften gegen (frequentistische) statistische Methoden ging von diesem Grundgedanken aus und die Debatte zwischen den Bayesianern und Frequentisten spannt sich seit den 1950ern bis heute.
Hier bedeutet:
Man kann leicht einsehen, dass die Wahrscheinlichkeitswerte bei 0 anfangen müssen; sonst würde so etwas wie eine 'doppelt so große Wahrscheinlichkeit' keine Bedeutung haben.
Aus den obigen Regeln der Wahrscheinlichkeitswerte lassen sich andere ableiten.
Um solche Probleme trotzdem im Rahmen der frequentistischen Interpretation angehen zu können, wird die Unsicherheit dort mittels einer eigens dazu erfundenen variablen Zufallsgröße beschrieben. Die Bayes'sche Wahrscheinlichkeitstheorie benötigt solch eine Hilfsgröße nicht. Statt dessen führt sie das Konzept der A-Priori-Wahrscheinlichkeit ein, die Vorwissen und Grundannahmen des Beobachters in einer Wahrscheinlichkeitsverteilung zusammenfasst. Vertreter des Bayes-Ansatzes sehen es als großen Vorteil, dass Vorwissen und A-Priori-Annahmen explizit im Modell ausgedrückt werden.
Bayesian probability | Prawdopodobieństwo subiektywne | ทฤษฎีความน่าจะเป็นแบบเบย์ | Inférence bayésienne
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"Bayesscher Wahrscheinlichkeitsbegriff".
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