Die Bauhütten entstanden im 13. Jahrhundert und erreichten ihre Blüte im 14. Jahrhundert. Sie waren ein zunftähnlicher Zusammenschluss von Architekten, Steinmetzen, Bildhauern, Maurern, Wand- und Glasmalern und gelten als Vorläufer der städtischen Zünfte. In interdisziplinärer Zusammenarbeit errichteten sie Kirchenbauten (meist Dome) von - in Europa bis dahin - ungekannter Schönheit und Größe. Sie brachten architektonische Leichtigkeit, Licht, Farbe und Klang in die Bauten, gaben wichtige Impulse für die Entwicklung europäischer Städte und können als Impulsgeber einer kulturellen Erneuerung verstanden werden.
Die Mitglieder einer Bauhütte verpflichteten sich einer bestimmten Hüttenordnung, die ein ganzes Spektrum von Vorschriften und Gesetzen beinhaltete. So auch Glaubens- und Sittenangelegenheiten und die Pflege menschlicher Tugenden wie Duldsamkeit, Bruderliebe, Treue, Verschwiegenheit und Wahrhaftigkeit. Die Bauhütte hatte neben dem kulturellen auch einen sozialen Zweck: Sie war eine Versicherung, unterstützte die alten und verarmten Mitglieder. Wer in eine Bauhütte treten wollte, brauchte einen Bürgen jener Hütte. Die Aufnahmebedingungen waren eine eheliche Geburt und ein guter Ruf. Wer sich gegen die Hüttenverordnung auflehnte, wurde als ehrlos erklärt, sein Name an den Schelmenpfahl geheftet.
An der Spitze einer solchen Vereinigung stand ein Aldermann. Unter ihm herrschte die Gliederung der bis heute aufrecht erhaltenen Meisterschaft:
Jeder dieser weltlichen Gildenverbände schloss einen Geistlichen ein (Geistige Bruderschaft). Beispiel: Die Bauhütte aus K. genoss z.B. freundschaftliche Beziehungen zu den Augustinern. Bauhütten hatten im Allgemeinen innige Beziehungen zu Kirchen und Klöstern. Was sie für das Volk mystisch machte, war, dass man als Mitglied einer Bauhütte über umfangreiche Bibelkenntnisse verfügte, was dem gemeinen Bürger nicht zur Verfügung stand, da die Messen zu jener Zeit in Latein abgehalten wurden.
Mit ihrem Schatz (= umfangreiche Baukenntnisse) wanderten die Hüttenmitglieder an Orte, an welchen große Bauwerke, wie etwa ein Dom oder ein Kloster, geplant waren, und solche Vorhaben gab es zu jener Zeit viele. Dort angekommen, bauten sie ihre Hütte und boten ihre Dienste an.
Der Klerus stand solchen Gemeinschaften wie den Bauhütten oft hemmend gegenüber. Durch die Inquisition wurden gar Ausrottungsversuche unternommen. In Frankreich war ihr Tun stets ketzerisch. Mit der Reformation verfielen auch die Bauhütten, 1731 wurden sie zwangsweise aufgelöst. Einige ihrer Bräuche und Sinnbilder tauchen in der Freimaurerei wieder auf. Die Logen der Freimaurer werden heute noch Bauhütten genannt.
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