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Ein Bauerngarten ist eine seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitete Gartenform. Der erste so genannte Bauerngarten wurde 1913 im botanischen Garten Hamburg mit dem Ziel errichtet, auf relativ kleiner Fläche eine Art 'Ideal' darzustellen und Pflanzen sowohl nach ihrer biologischen Kategorie (Kräuter, Gemüse, Obst etc.) als auch nach den Prinzipien der Ästhetik zu ordnen. An Stelle authentischer Vorbilder bediente man sich aus nahezu allen Richtungen der Gartenkultur. Bis vor 1900 sind Gärten dieser Art nirgends nachweisbar, sie sind also entgegen weit verbreiteter Darstellungen und Beschreibungen keine traditionelle Gartenform. Alle heutigen und der hier unten beschriebene Bauerngarten sind identische oder weiterentwickelte Kopien des Hamburger Muttergartens.

„Die alten Germanen lieferten den Zaun, von den Römern stammt das Obst, die Mönche des Mittelalters sorgten für Heilkräuter und kreuzförmige Wege, und der Adel steuerte den Buchsbaum bei – fertig war der Garten, dem die Bauern nur noch ihren Namen überlassen mussten: der alte Bauerngarten.“. So beschreibt es Hermann Kaiser in "Bauerngärten zwischen Weser und Ems" (2001).

Geschichte


Tatsächlich sah ein bäuerlicher Garten vor 1900 anders aus. Oft reichten landwirtschaftliche Ackerflächen bis dicht ans Haus heran, manchmal mit eingestreutem Obst, oder es wurden Freiflächen für das häusliche Vieh vorbehalten. Die Ästhetik wurde vom Zweck und vom zur Verfügung stehenden Platz bestimmt.

Anders war es bei den Gärten der Lehrer, Pastoren und Apotheker. Das Einkommen der Dorfschullehrer reichte selten aus, um ohne Nebenjob oder Gartenbau für den Eigenbedarf vernünftig leben zu können. Bei den Pastoren war es ähnlich. Sie konnten sich allerdings die Muße und das entsprechende Wissen leisten, um einen Garten halbwegs fachlich anzulegen. Und bei den Apothekern bestimmte das berufliche Interesse an den Heilkräutern das Gartenbild.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, beim epochalen Übergang zum Industrie-Zeitalter, war es die Stadt und deren Bürgertum, die dem privaten Garten eine neue Bedeutung zukommen ließen. Dem einen war er das 'Idyll' mit reichlich Blumen, geschnittenen Hecken und der berühmten Gartenlaube, dem anderen war er wiederum Mittel zum Zweck, um sich mit Kräutern, Obst und Gemüse das Leben preiswerter zu gestalten.

Angesichts zunehmender Verstädterung und dem Wachsen der Industrie, das auch mit zunehmender Umweltverschmutzung einherging, kam es zu regelrecht sozialen Gartenstadt- oder Schrebergarten-Bewegungen. „Raus aufs Land !“ hieß Anfang des 20. Jahrhunderts der Slogan engagierter Sozialdemokraten, die sich um das körperliche Wohl der Großstadtkinder sorgten.

Was heutigen Kindern der 'Urlaub auf dem Bauernhof' sein mag, war damals das Lernen und Arbeiten im so genannten Schulgarten. Die Geschichte des Schulgartens lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Zunächst diente er dem Studium einzelner Pflanzen. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts steht das gärtnerische Arbeiten der Schüler im Vordergrund. In einigen zeitgenössischen Fachzeitschriften wurden Pläne eines solchen Schulgartens veröffentlicht, die sich eindeutig am so genannten Dorfschullehrer-Garten orientieren, aber auch bereits den kreuzförmigen Weg oder ein bepflanztes Rondell zeigen ('Der praktische Ratgeber im Obst und Gartenbau'; Frankfurt/Oder 1888).

Der ideelle Sprung von den ersten Entwürfen eines Schulgartens bis zum Hamburger Bauerngarten war kein großer und erscheint auch zeitlich (1913) konsequent. Seine historische Bedeutung aber ist und bleibt umstritten.

Entwicklung des Bauerngartens


Angesichts der bereits beschriebenen Tatsache, dass die Entwicklung des Bauerngartens erst 1913 in Hamburg begann, scheint die Idee ungeeignet, hier das authentische Bild eines bäuerlichen Gartens darstellen zu wollen. Es wäre sogar irreführend und alles andere als wissenschaftlich. Und dennoch erfreute sich das Hamburger Vorbild schon damals großer Beliebtheit beim Publikum.

Der so genannte Bauerngarten ist eine Inszenierung im Sinne pädagogischer Zwecke, dessen Anlage und Unterhaltung entsprechendes Wissen und großen Aufwand verlangen. Das mag auch der Grund dafür sein, dass sich Bauerngärten dieser Art im Bereich der Privatgärten zunächst kaum durchsetzen konnten. Erst durch zahlreiche bunt bebilderte Veröffentlichungen moderner und bisweilen romantisierender Abwandlungen darf man seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts in Deutschland von einer kleinen Renaissance sprechen, in Folge derer sich solche oder ähnliche Gartenformen nun auch in privaten Kleingärten finden. Dazu beigetragen haben zweifellos sämtliche Bauerngärten in den historischen und neuen Schulgärten, Freilichtmuseen oder diversen Projekten des Fremdenverkehrs ländlicher Gegenden.

Merkmale eines Bauerngartens


Der Bauerngarten Hamburger Art zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  1. die überwiegende Anpflanzung von Gemüse und Kräutern,
  2. eine rechteckige oder quadratische Anlage mit einem Wegekreuz und
  3. eine Einfriedung, meist durch einen Zaun, manchmal jedoch auch durch eine Mauer oder eine Hecke.

Darüber hinaus findet man in der Mitte des Wegekreuzes oft ein Rondell, dem häufig eine Wasserstelle zugeordnet ist. Dort kann sich aber auch ein rundes Blumenbeet oder ein kleiner Baum befinden. Buchsbaumhecken zur Einfassung der Beete oder des gesamten Gartens sind ebenfalls typisch. Meistens werden in geringerem Maße auch Blumen, häufig Stauden, angepflanzt. Zur Ausstattung eines Bauerngartens gehört in vielen Fällen auch Beerenobst, zuweilen finden sich an seiner Nordseite auch Obstbäume. Bauerngärten sind fast immer geometrisch angelegt und weisen eine klare Struktur auf.

Literatur


  • Karin Hochegger: Der Bauerngarten, Ulmer Stuttgart 2003.
  • Janke/Dominka/Scholze: Der Dorfschullehrergarten, Muesser Blätter des Freilichtmuseums Schwerin-Muess 2003.
  • Hermann Kaiser (Hrsg.): Bauerngärten zwischen Weser und Ems, 2. Aufl. Cloppenburg 2001.
  • Literaturliste Bauerngärten

Weblinks


Gartenbau | Garten

 

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