Die Bastille (=kleine Bastion) war zunächst eine besonders befestigte Stadttorburg im Osten von Paris, zuletzt ein Gefängnis. Der "Sturm auf die Bastille" kann als die Geburtsstunde der Französischen Revolution interpretiert werden.
Eines der interessantesten Dokumente aus dem Innenleben der Bastille ist Constantin de Rennevilles 1715 veröffentlichter Bericht Inquisition Françoise über seine elfjährige Gefangenschaft. Renneville beschreibt darin ausführlich verschiedene Zellen und unterschiedliche Haftbedingungen. Die Gefangenen erhielten eine Pension des Königs – Geld, für das das Wachpersonal Besorgungen machte. Das Gefängnis selbst funktionierte als vom Staat verpachtetetes kommerzielles Unternehmen. Bei längerer Haft fanden sich Gefangene zunehmend in ihren Einkünften beschnitten. Sie wurden gleichzeitig tiefer in die Bastille verlegt. Die gravierendesten Haftbedingungen herrschten in den Kellern. Haftstrafen waren gefürchtet, da mit ihnen gleichzeitig der Entzug jedweder Öffentlichkeit verbunden war. Eine Chance, sich zu verteidigen und in der Außenwelt um Sympathien zu werben hatten Straftäter am Pranger noch eher als Haftinsassen.
Zuweilen Anne Marguerite Petit DuNoyer zugeschrieben wird der Bericht einer spektakulären Flucht aus der Bastille, der 1719 als Événement des plus rares erschien (deutsch im gleichen Jahr als Die so genannte Hölle der Lebendigen).
Im Juli 1789 befand sich das Volk von Paris in Unruhe: Einerseits setzte es große Hoffnungen in die Generalstände, andererseits war es durch die hohen Brotpreise in seiner Existenz bedroht. Seit dem 10. Juli wurden Zollhäuser rund um Paris in Brand gesteckt, in der Hoffnung, dass die Waren in der Stadt billiger würden, wenn keine Akzise erhoben würde.
Am 11. Juli entließ der König den Finanzminister Necker. Außerdem hatte er Truppen in Versailles zusammengezogen - eine deutliche Drohung für die Nationalversammlung.
Am 12. Juli erreichte die Nachricht von der Entlassung Neckers Paris. Agitatoren im Palais Royal heizten die Stimmung weiter an; der berühmteste Redner war hier Camille Desmoulins, der die Patrioten aufforderte, sich als Erkennungszeichen Kastanienblätter an die Hüte zu stecken.
Am gleichen Tag kam es zu ersten gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Truppen des Regimentes "Royal Allemande".
In den Nächten wurden Waffenhandlungen geplündert und am 14. Juli belagerte eine Menschenmenge, die sich zuvor im Invalidenhaus Waffen beschafft hatte, die Bastille, um an die dort gelagerten Munitionsvorräte zu gelangen. Der Kommandant ließ bei der ersten Ansammlung der Menschenmenge vor der Zugbrücke auf die Menge schießen. Mehr als 80 Personen fanden den Tod. Nach erneutem Aufmarsch mit verbesserter Bewaffnung (Soldaten, Kanonen) und nach der Aufgabe der deutlich unterlegenen Wachmannschaft stürmte die Menge das Gefängnis und befreite die Gefangenen: Vier Urkundenfälscher, zwei Geisteskranke und vermutlich der adlige Schriftsteller und Pornograph, de Sade, den seine Familie wegen seines wüsten Lebenswandels in der Bastille festsetzen lassen hatte (Andere Quellen berichten, das er einige Tage zuvor in die Irrenanstalt in Charenton verlegt wurde, da er von seiner Zelle aus einer demonstrierenden Menschenmenge zurief: "Sie töten die Gefangenen hier drinnen!"). Der Kommandant de Launay wurde auf dem Weg zum Rathaus trotz Zusicherung des freien Geleits wegen seines Erschießungsbefehles von einem Metzger erstochen und geköpft, ein Wachsoldat wurde ebenfalls umgebracht. Ein Adeliger, der den Kommandanten retten wollte, wurde auch ermordet und geköpft. Die Köpfe trug man anschließend unter dem Jubel der Bevölkerung auf Heugabeln durch die Straßen der Hauptstadt - die ersten adeligen Opfer der Revolution.
Der Sturm auf die Bastille war Anlass zur Aufstellung einer Nationalgarde unter Marquis de La Fayette, damit die Nationalversammlung ergebene Truppen zur Verfügung hatte. Außerdem wurde der königliche Gouverneur von Paris abgesetzt, an seine Stelle trat der Generalrat der Commune, ein Gremium, das bei der Radikalisierung der Revolution eine Rolle spielte.
Obwohl keine bedeutenden Gefangenen befreit wurden und die militärische Bedeutung des Sieges über die aus Veteranen und Invaliden bestehende Wachmannschaft gering war, wurde der Sturm auf die Bastille in der Folge zum Mythos und zu einem einschneidenden Ereignis verklärt, was sicherlich auf die hohe Symbolwirkung eines Sieges über den Despotismus zurückzuführen ist.
So ist zum Beispiel der 14. Juli noch heute der Nationalfeiertag in Frankreich, allerdings nicht wegen des Sturmes auf die Bastille, sondern vor allem wegen des am 1. Jahrestag der Revolution gefeierten Föderationsfestes, als der König und Vertreter aller Stände und aller Departements einen feierlichen Treueeid auf die Nation leisteten.
Von der Bastion ist heute nichts mehr zu sehen. Unter der Leitung des Unternehmers Pierre-François Palloy begann bereits zwei Tage nach dem Sturm, am 16. Juli 1789, der Abriß der Festung als Symbol des Ancien Régime, der sich bis in den Oktober 1789 hinzog. Man ließ nur einen 50 cm hohen Mauerrest stehen, der später komplett entfernt wurde. Heute befindet sich am ehemaligen Standort ein nach ihr benannter Platz (Place de la Bastille) mit im Boden markiertem Verlauf der Mauern der einstigen Bastion.
La prise de la Bastille (Französisch) durch Gilles Marchal
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