Die Familie von Bartensleben ist ein deutsches Adelsgeschlecht, dass ab dem 13. Jahrhundert bis 1742 die Gegend um die Wolfsburg mit dem Gebiet des Vorsfelder Werders und dem Flecken Vorsfelde beherrschte. Sie lässt sich bis ins 12. Jahrhundert nachweisen und stammt aus dem Dorf Bartensleben östlich von Helmstedt. Sie stieg als von Landesherren eingesetzte Ministeriale in den niederen Adel auf. Das Geschlecht erlosch 1742 nach dem Tod des letzten männlichen Vertreters.
Bartensleben_Guenther.jpg
Herkunft
Als namensgebender Ort und Stammsitz des Geschlechtes dürfte die östlich von Helmstedt gelegene frühere
Wasserburg in
Groß Bartensleben infrage kommen. Im heutigen Wolfsburger Raum traten die
von Bartensleben erstmals
1288 durch
Günther von Bartensleben auf, der in
Vorsfelde urkundlich als
Burgmann genannt wird.
Wappen
Wappen_Bartensleben_1514.jpg
Wappen Bartensleben Schloss.jpg]]
Das Familienwappen stellt einen springenden
Wolf über zwei Getreidegarben dar. Es lässt sich bis
1188 zurückverfolgen, als die Familie noch als niedere
Ministeriale im Dorf
Bartensleben saßen. Später führten sie das Wappen auch im heutigen Raum Wolfsburg und benannten die von ihnen erbaute Burg nach ihrem Wappentier, die
Wolfsburg. Danach wiederum wurde die 1938 hier entstandene Großstadt benannt, die zunächst jedoch im
Dritten Reich Stadt des KdF-Wagens hieß.
Aufstieg und Herrschaft
Der Familie von Bartensleben gelang der Aufstieg aus der damaligen Mittelschicht in den Niederadel. Sie erhielten ab dem 13. Jahrhundert von verschiedenen Landesherren
Lehen zur Verwaltung und kamen so in den Stand der ritteradligen Oberschicht.
1389 erhielten die Brüder Werner, Busso und Günzel von Bartensleben vom Braunschweiger Herzog Friedrich den
Flecken Vorsfelde samt dem
Vorsfelder Werder als Lehen. Ihr Herrschaftsgebiet lag in einem
Dreiländereck zwischen den Gebieten des
Markgrafen von Brandenburg, dem
Braunschweiger Herzog und dem
Erzbischof von Magdeburg. Durch geschickte Hingabe an diese Lehnsherren und Neutralität im Kriegsfall schufen sie sich einen kompakten Machtbereich rund um die
Wolfsburg.
Das Geschlecht mit mindestens noch einem Familiezweig, der Rothehofer Linie, prägte die Region über Jahrhunderte. Neben dem Stammsitz auf der von ihnen um 1300 errichteten Wolfsburg saßen sie auf der (heutigen nicht mehr lokalisierbaren) Burg Altes Haus in Vorsfelde, der Burg Neuhaus und der wüst gefallen Turmhügelburg Rothehof im heutigen Wolfsburger Stadtwald. Die Rothehofer Linie betrieb dort wahrscheinlich auch einen Wirtschaftshof (Vorwerk), den Rothehof. Er wird 1304 als adelicher freier landtagsfähiger Hof urkundlich erwähnt. Bereits 1463 verkaufte der Ritter Huner von Bartensleben den Hof seinen Vettern auf der Wolfsburg. 1532 war die Rothehofer Linie, die auch auf Burg Neuhaus saß, erloschen.
Bedeutende Vertreter
Nur wenige des Geschlechts derer von Bartensleben traten hervor, viele waren mit der Verwaltung ihrer weitläufigen Lehnsbesitzungen zu sehr beschäftigt. Zunächst kommt den Brüdern
Burchard, Günzel, Günther und
Werner eine gewisse Bedeutung zu, da sie um 1300 mit dem Bau der
Wolfsburg begannen. Der bedeutendste Vertreter jedoch ist
Hans von Bartensleben (1512-1583), genannt
Hans der Reiche. Er begann mit dem Umbau der
Wolfsburg von der Burg zum Schloss, trat während der
Reformation für Glaubenstoleranz ein und
stiftete sein Vermögen den Armen. Erwähnenswert sind auch sein Vetter
Jacob von Bartensleben sowie dessen Söhne
Günzel und
Günther zu, die sein Werk als Schlossbauherren fortsetzten.
Günther (1558-1597) und seine Ehefrau Sophie von Veltheim (1574-1613) ließen den Südflügel des Schlosses mit dem Ritterhaus errichten. Das Ehepaar ist als kunstvolles Steinrelief in der
Vorsfelder St. Petrus Kirche zu betrachten.
Reformationszeit
Die von Bartensleben taten sich, wenn auch spät, durch ihre Glaubenstoleranz hervor. Im Jahr des
Augsburger Religionsfriedens 1555, 38 Jahre nach
Reformationsbeginn durch
Luthers Thesen-Verkündigung von
1517, schlossen die Familienmitglieder einen
Toleranzvertrag. Er sicherte den Anhängern der alten,
katholischen und der neuen,
evangelischen
Konfession die ungehinderte Religionsausübung zu. Er galt auch für das Gesinde und die Untertanen. Laut Vertrag wurden Kirchennutzung und Kirchenvermögen geteilt. Als letzter der von Bartensleben trat
Hans der Reiche 1580 zum
protestantischen Glauben über.
Erlöschen des Geschlechts
Gebhard_Werner_von_Bartensleben.jpg
Mit dem Tod von Schatzrat
Gebhard Werner von Bartensleben (*1675) am 6. Januar
1742 im Alter von 66 Jahren erlosch das Geschlecht
der von Bartensleben im Mannesstamme. Mit seiner Ehefrau Elisabeth von Bodenhausen hatte er sieben Kinder. Die drei Söhne starben als Heranwachsende innerhalb von zwei Jahren an den
Pocken, die Töchter bis auf eine ebenso. Alleinerbin war die Tochter
Anna Adelheid Catharina. Durch ihre Ehe mit dem preußischen Generalleutnant
Adolf Friedrich von der Schulenburg (1685-1741) gingen die Bartenslebischen Güter und vor allem die
Wolfsburg 1746/47 in die bedeutende adlige Familie
der von der Schulenburg über. Das Bartenlebische
Lehen über den
Vorsfelder Werder fiel aber nach 353 Jahren wieder an den Landesherren in Form des
Herzogtums Braunschweig zurück. Der Ehemann der Bartenslebischen Erbtochter war allerdings schon vor dem Erbeintritt
1741 gefallen. Aus den 15 gemeinsamen Kindern entwickelte sich der Wolfsburger Familienzweig der von der Schulenburg.
Begräbnisstätten
Gruft_Bartensleben.jpgr St. Petrus-Kirche zwischen 1658-1695]]
Die Herren von Bartensleben nutzten seit dem 14. Jahrhundert als Grabgelege eine Kapelle im Kloster Mariental bei Helmstedt, unweit ihrer Herkunftsortes Bartensleben. Später bestatteten sie ihre Familienangehörigen in der Kirche St. Marien im heutigen Alt-Wolfsburg unmittelbar neben der Wolfsburg. Heute stehen in der Gruft neun Särge aus der Zeit zwischen 1689-1742, darunter auch der des letzten männlichen Vertreters, Gebhard Werner von Bartensleben. Die Ruhestätte beherbergt auch noch 13 weitere Särge derer von der Schulenburg, den späteren Schlossherren. Die Vorsfelder St.-Petrus-Kirche wurde 1475 Patronatskirche der von Bartensleben. Im Boden des Kirchenschiffs sind im 16. Jahrhundert acht ihrer Angehörigen bestattet worden, darunter auch Hans der Reiche. Nach dem Bau einer Familiengruft ruhen dort 14 ihrer im 17. Jahrhundert verstorbenen Familienmitglieder (darunter 3 Kinder) in prunkvolln verzierten Holz-Särgen. Viele fielen den Pocken zum Opfer.
Literatur
- Maria Schlelein: Unter dem Bartenslebischen Joche. - Zur Lage der Bevölkerung in Vorsfelde und den Werder-Dörfern in den elenden Zeiten des 17. Jahrhunderts. Wolfsburg 2002
Vertreter
Deutsches Adelsgeschlecht | Wolfsburg