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Die Barschel-Affäre (auch Barschel-Pfeiffer-Affäre) wurde nach dem damaligen Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins Dr. Dr. Uwe Barschel (CDU) benannt. Sie wurde auch Waterkant-Affäre oder Waterkantgate (in Analogie zur Watergate-Affäre) genannt. Barschels Wahlkampfaktivitäten zur Landtagswahl 1987, die die Privatsphäre seines Gegenkandidaten verletzten, waren der Anlass für den größten politischen Skandal in der schleswig-holsteinischen und einen der größten politischen Skandale der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte.

Ablauf


Uwe Barschel hatte angeblich während des Wahlkampfes zum Landtag in Schleswig-Holstein 1987 seinen Gegenkandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, den SPD-Politiker Björn Engholm, privat bespitzeln lassen. Dies behauptete sein Medienreferent Reiner Pfeiffer gegenüber dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Barschel habe ihn beauftragt, den SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm zu beschatten und so belastendes Material über dessen Privatleben zu beschaffen. Ferner habe er eine anonyme Anzeige wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung Engholms erstattet. Und er habe den Auftrag erhalten, ein Telefonabhörgerät zu beschaffen, in Barschels Telefon einzubauen und die SPD als Urheberin zu beschuldigen.

Der Spiegel veröffentlichte dies unmittelbar vor der Landtagswahl am 13. September 1987. Barschel dementierte am 18. September alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit den Worten „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich wiederhole: mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind“, trat aber dennoch am 2. Oktober zurück. Wenig später wurde er unter mysteriösen Umständen tot in der Badewanne eines Hotelzimmers in Genf aufgefunden. Das Foto in der Illustrierten „Stern“ wurde weltbekannt. Die von der Familie Barschels angestrengten Untersuchungen einer Ermordung Barschels durch das Ministerium für Staatssicherheit, den Geheimdienst der DDR, oder andere Geheimdienste blieben ohne Ergebnis, die Ermittlungsergebnisse der Genfer Behörden ergaben allerdings deutliche Anzeichen eines Fremdverschuldens.

Die Presse berichtete darüber, dass der Bundesnachrichtendienst einen Agenten in dem Hotel eingesetzt habe, in dem Barschel tot aufgefunden wurde. Der BND jedoch gab an, keine Erkenntnisse über den Todesfall zu besitzen. Der Agent Werner Mauss erklärte später in einem Interview, zur Zeit von Barschels Tod tatsächlich zufällig im selben Hotel gewohnt zu haben. Er sei auf einem Rückflug von Südamerika nach Deutschland gewesen und habe erst am nächsten Tag in der Presse von dem Vorfall erfahren.

Sein Nachfolger Björn Engholm musste am 3. Mai 1993 ebenfalls von allen politischen Ämtern zurücktreten, da seine ursprüngliche Behauptung, er habe erst nach der Landtagswahl von 1987 von den Machenschaften aus dem Büro Barschels erfahren, widerlegt wurde. Dies war die Folge einer weiteren Affäre, der sogenannten Schubladenaffäre, die gewissermaßen die Fortsetzung der Barschel-Affäre darstellte. Pfeiffer erhielt nach dem Tode Barschels 40.000 DM (über 20.000 Euro) von der SPD durch Günter Jansen, der dieses Geld nach eigener Aussage einer seiner Schubladen entnommen hatte. Klaus Nilius, damals SPD-Pressesprecher, überbrachte das Geld in zwei Raten.

Victor Ostrovsky, ein mittlerweile im kanadischen Exil lebender Ex-Mossad-Agent, stellt in seinem Buch „Geheimakte Mossad“ Uwe Barschel als unschuldiges Opfer einer geheimdienstlichen Intrige dar. Angeblich habe der israelische Geheimdienst den Medienreferenten Reiner Pfeiffer erpresst und benutzt, um eine Wiederwahl Barschels zu verhindern. Hintergrund sei Barschels Weigerung gewesen, geheime israelische Operationen (u. a. Waffengeschäfte) auf schleswig-holsteinischem Boden zu dulden.

Literatur


  • Armand Mergen: Tod in Genf. Ermittlungsfehler im Fall Barschel: Mordthese vernachlässigt? Kriminalistik Verlag, 1988, ISBN 3-7832-1088-7
  • Victor Ostrovsky (übersetzt von Einar Schlereth): Geheimakte Mossad. Die schmutzigen Geschäfte des israelischen Geheimdienstes. Goldmann, München 1996, ISBN 3-442-12658-4

Schleswig-Holsteinische Geschichte | Politische Affäre | 1987 | Christlich Demokratische Union

 

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