Die Barbarei, abgeleitet vom griechischen Wort bárbaros für nicht Griechisch sprechende Völker (vgl. Barbar), bedeutet umgangssprachlich so viel wie ungezügelte Roheit (siehe auch "Vandalimus").
Friedrich Engels
Nach
Engels ist die Barbarei das
Zeitalter zwischen der
Wildheit des Urmenschen (dem
Urkommunismus) und den darauf folgenden
Klassengesellschaften, z. B. der auf
Sklaverei beruhenden Wirtschaftsform ("
Sklavenhaltergesellschaft").
Franz Borkenau
Nach
Borkenau (
Ende und Anfang, Stuttgart 1995) tritt zwischen dem Zusammenbruch eines Kulturkreises und der Entstehung eines neuen immer ein Zwischenzustand der Barbarei auf. Beide unterscheiden sich bei ihm danach, wie sie zum Problem der
Sterblichkeit stehen, sie also
entweder leugnen ("Unsterblichkeit" z. B. der
Seele) oder wahrhaben. Am Anfang entscheidet sich ein neuer Kulturkreis entgegengesetzt zur voran gegangenen Kultur und ist damit erfolgreich, am Ende scheitert er daran, dass die ausgeklammerte Alternative ihm kulturell unlösbare Probleme stellt. Die jüdische oder griechische
Antike begann z. B. mit der Anerkennung der Sterblichkeit (
vgl. Hades) und endete in der gleichzeitigen
Entsittlichung von Zentralmacht (
Rom) und der sie
umgebenden Völker, in der
Völkerwanderung, einer Zeit der Barbarei (vgl. etwa die "
Merowingischen Gräuel"). Unsere anschließende Kultur begann im frühen
Mittelalter mit der mental rettenden Fiktion der
Unsterblichkeit im
Christentum (zentrale Bedeutsamkeit der
Eucharistie) und endete mit der sie überwältigenden allgemeinen Überzeugung der Sterblichkeit. Demgemäß sind wir vermutlich bereits in ein neues
Zeitalter der Barbarei eingetreten: Denn seit dem
20. Jahrhundert hat sich Töten bis zum
Genozid als Problem-'Lösung' erfolgreich durchgesetzt.
Belletristik
Isaac Asimov schrieb eine berühmt gewordene
SF-Trilogie, den
Foundation-Zyklus, über die mögliche Verkürzung historischer Perioden der Barbarei.
Aggression | Konfliktsoziologie
Barbarism