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Bandoneon-curved.jpg Bandoneon "Cardenal" (Hergestellt von ELA für Hohner, vor 1939)

Das Bandoneon, auch Bandonion, ist ein Handzuginstrument und eine Weiterentwicklung der Konzertina.

Aufbau


Bandoneon-inside-mechanism.jpg | Bandoneon-inside.jpg

Das Gehäuse des Bandoneons ist quadratisch. Zwischen zwei Stirnstücken hängt ein Balg aus Holzrahmen (Erlen-oder Ahornholz) und Ziegenleder. Durch Aufziehen und Zudrücken entsteht ein Unter- oder Überdruck. Über Knöpfe an den Stirnseiten können Ventile geöffnet werden. Die so durchströmende Luft bringt Metallzungen verschiedener Tonhöhen zum Schwingen. Die Zungen sind in sogenannten Stimmstöcken angeordnet. Die meist gebräuchliche Oktavverdopplung (ab 1868 als die Bandoneons erstmals zweichörig gebaut wurden) jedes Tones ergibt eine unverwechselbare, sich von den anderen Harmonikainstrumenten abhebende Klangfarbe.

Geschichte und Erfinder


Carl Friedrich Zimmermann begann ab 1849, Harmonikas zu bauen, welche er zuvor bei C.F. Uhlig (* 23 April 1789 in Chemnitz gest. 9. Juli 1874 daselbst) kennengelernt hatte. Er nannte seine Instrumente Concertina. Hierbei handelt es sich um ein Handzuginstrument, das einen Tonumfang von bis zu 102 Tönen (Schefflersche Tonlage) umfasst. Vermutlich war Zimmermann der erste, der diesen englischen, auf Charlies Wheatstone (1802-1872) zurückgehenden Begriff auf diesen speziellen deutschen Harmonika-Typus anwandte. Musikhistorisch gibt es inzwischen keinen Zweifel mehr daran, dass das verbesserte Concertina-Griffsystem, nicht auf Zimmermann, sondern tatsächlich auf den Krefelder Musiklehrer Heinrich Band zurückgeht. Es ist nachgewiesen, dass Heinrich Band (geb. 4.April 1821 Krefeld gest. 2.12.1860 daselbst) zunächst in Böhmen Konzertinas aufkaufte, an denen er als erster maßgebliche Veränderungen an dieser Art von Instrument vorgenommen hat, weil er den geringen Tonumfang (54 Töne)der damaligen Konzertinas für unzureichend fand. Dieses neue Instrument nannte Band Bandonion und verkaufte sie ausschließlich in seinem Krefelder Musikaliengeschäft, das er von seinem Vater übernommen hatte. Band fertigte zuerst ein 64 töniges später 88 tönige Instrumente, das rechts 23 und links 21 Tasten besaß.Der Tonumfang betrug auf der Melodieseite vom c bis e´´´ auf der Baßseite vom D bis d´.

Einer weiteren Annahme zufolge erlernte Band bereits 1840 bei Uhlig in Chemnitz die Konzertina und benutzte sie für sein Krefelder Stadtorchester. Die Konzertina verfügte damals über nur 54 Töne. Aus dieser praktischen Arbeit im Orchester entwickelte er 1846, also schon drei Jahre vor Zimmermann, ein 100-töniges Instrument welches er Bandonion nannte. (vgl. Enkel Alfred Band 1926)

Nicht stichhaltig erwiesen ist die oft angeführte These, Band hätte sich für den Vertrieb seiner Instrumente mit mehreren Geschäftspartnern und Musikgeschäftinhabern in anderen Städten zur sogenannten „Band Union“ zusammengeschlossen, die prägend für den Namen des Instrumentes gewesen sein soll. Sehr viel wahrscheinlicher ist wohl, dass sich Band an den kommerziellen Erfolg des anderen Harmonika-Typs, den man damals Accordion schrieb, orientierte. Dieses Wort war damals eine Neuschöpfung, es setzte sich aus dem italienischen „Accord“ und der altgriechischen Endung „Ion“ zusammen. „Ion“ hat auch eine mythologische Bedeutung, die wörtliche Bedeutung ist in etwa „das Gefundene“. „Accordion“ war damit ein früher, gut klingender Markenname, der wohl einiges zum Erfolg des 1829 kreierten Instrumentes beitrug. Man kann „Ion“ aber auch mit „in Bewegung“ übersetzen; das Bandonion wurde von vielen Orchestern hauptsächlich im Gehen bzw. bei Umzügen getragen. Daher wurden früher die Ösen für den Halsgurt oben an dem Balg plaziert. Für den 1834 auf C.F. Uhlig in Chemnitz zurückgehenden neuen Harmonika-Typ hatte man lange Zeit keinen griffigen Markennamen. Man nannte das vom Accordion unterschiedliche Instrument anfangs „Accordion neuer Art“ oder ganz einfach „Harmonika“. Vermutlich 1851, mit der Weltausstellung in London, wandte C.F. Zimmermann, wie anfangs bereits erwähnt, erstmals den englischen Begriff „Concertina“ auf das deutsche Instrument an, obwohl es sich wiederum von dem englischen Instrument unterschied. Deshalb nannte man es später etwas korrekter „deutsche Concertina“ bzw. „Konzertina“. Band war hier insofern clever, als er für seine Kreation, die wiederum nur eine Variante der zwanzig Jahre existierenden deutschen Concertina war, einen eigenen, wohlklingenden und unverwechselbaren Namen kreierte. Vermutlich, weil er das Wort „Bandion“ als nicht schön klingend empfand, fügte Band noch eine Silbe ein, und es entstand das „Bandonion“.

Das Bandoneon wurde sehr schnell über die Stadtgrenzen Krefelds hinaus in ganz Deutschland bekannt und geschätzt. Band verbesserte den Tonumfang von 106 auf 112, dann auf 128 und zuletzt auf 130 Töne. 1924 wurde vom Deutschen Konzertina- und Bandoneon-Bund ein sogenanntes „Einheitsbandoneon“ mit 72 Tasten und 144 Tönen (wechseltönig diatonisch) festgelegt.

Das Bandoneon wird heutzutage nicht mehr umgehängt, sondern auf den Knien gehalten. Um 1900 entstanden in Deutschland innerhalb der Arbeiterbewegung viele Bandoneonvereine (1939 gab es ca. 686 Vereine), die sich dem Zusammenspiel zumeist einfacher Volksmusik verschrieben hatten. Noch in den 30er Jahren gehörte das Bandoneon zum Grundinstrumentarium der Tanz- und Unterhaltungskapellen. Nach 1950 gab es sehr viele Bandoneonvereine in denen hauptsächlich im vierstimmigen Satz zusammen gespielt wurde.

Das Bandoneon wurde allmählich durch das einfacher spielbare Akkordeon in Deutschland verdrängt. Speziell, um die Erlernung des Bandoneons zu vereinfachen, wurde ein Zahlensytem entwickelt. Dies führte dazu, dass Bandoneonspieler keine Noten erlernten bzw. meistens nicht nach Noten spielen können und alle Werke aufs Zahlensytem, dem sog. Waschleinensytem mit Zahlen und Notenwertangaben umgeschrieben werden müssen.

Nach Argentinien gelangte das Bandoneon vermutlich zunächst über die USA. Der deutsche Einwanderer Wilhelm Seyffardt ließ sich 1855 von seinem Bruder in Krefeld ein „Accordion“ nach Amerika schicken, und zwar auf jeden Fall ein „Bandonion“. Vermutlich haben Seeleute es dann weiter bis nach Argentinien verbreitet. Dort ist das Instrument durch den Tango argentino zu einem Volksinstrument geworden und wird (meist als eine ältere Version, die „Rheinischen Lage“, 71 Tasten, 142 Töne) nach Noten gespielt und gelehrt.

Aus Argentinien ist es dann mit der neuen Spielweise und dem Tango zurück nach Europa gekommen. Bandoneon kann in Europa in Paris und Rotterdam studiert werden.

Am berühmtesten sind die Instrumente aus der nicht mehr existierenden Fabrik von Alfred Arnold. Heute gibt es nur noch eine Handvoll Bandoneonbauer, die meist individuell nach Bestellung bauen.

Aus dem Bandoneon wurde ein anderes Handzuginstrument, die Symphonetta entwickelt.

Medienauswahl


  • Konzert für Bandoneon, Johannes Goritzki u. Deutsche Kammerakademie Neuss (Kompositionen von Astor Piazzolla), 1996, Capriccio 10 565 (CD)
  • Tres movimientos tanguísticos porteños, Konzert für Bandoneon, Josep Pons und Orquestra de Cambra Teatre Lliure, 1996, Harmonia Mundi France HMC 901595 (CD)
  • Film zum Tanztheater Bandoneón, Pina Bausch en Buenos Aires. Argentinien, 45 Minuten, Regie: Milos Deretich, Gabriela Schmidt, Gabriela Massuh; Produktion: Goethe-Institut Buenos Aires, Musik: Astor Piazzolla
  • Bandoneon Schule, Peter Fries, Apollo-Verlag Paul Lincke Mainz

Weblinks


Harmonikainstrument | Tasteninstrument | Tango

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