Als Bandlücke (engl. band gap) wird der energetische Abstand zwischen Valenzband und Leitungsband eines Festkörpers bezeichnet. Dessen elektrische und optische Eigenschaften werden wesentlich durch die Größe der Bandlücke bestimmt.
Nach dem Bändermodell sind gebundene elektronische Zustände nur auf bestimmten Intervallen der Energieskala zugelassen, diese bezeichnet man als Bänder. Zwischen den Bändern können (aber müssen nicht) energetisch verbotenene Bereiche liegen. Prinzipiell stellt jeder dieser Bereiche eine Lücke zwischen den Bändern dar, jedoch ist für die physikalischen Eigenschaften eines Festkörpers nur eine eventuelle Lücke zwischen dem höchsten noch mit Elektronen besetzten Band (Valenzband) und dem nächsthöheren (Leitungsband) von entscheidender Bedeutung. Daher ist mit der Bandlücke immer eine solche gemeint.
Die Größe der Bandlücke wird üblicherweise in Elektronvolt (eV) angegeben. Falls das Valenzband mit dem Leitungsband überlappt tritt keine Bandlücke auf. Ist das Valenzband nicht vollständig mit Elektronen besetzt, so übernimmt der obere nicht gefüllte Bereich die Funktion des Leitungsbandes, folglich hat man auch hier keine Bandlücke. In diesen Fällen reichen infinitesimale Energien zur Anregung eines Elektrons.
Die Energie eines Photons ist über die Formel an die Frequenz (Ny) der elektromagnetischen Strahlung gekoppelt. Besitzt ein Festkörper eine Bandlücke, so ist er demnach für Strahlung bis zu einer gewissen Frequenz transparent (Im allgemeinen ist diese Aussage nicht ganz korrekt, da es auch andere Möglichkeiten gibt, die Photonenenergie zu absorbieren). Es lassen sich speziell für die Durchlässigkeit von sichtbarem Licht (Photonenenergien um ~2 eV) folgende Regeln ableiten:
Da die Absorption eines Photons mit der Anregung eines Elektrons vom Valenz- ins Leitungsband verbunden ist, besteht ein Zusammenhang mit der elektrischen Leitfähigkeit. Insbesondere sinkt der elektrische Widerstand eines Halbleiters mit steigender Lichtintensität, was z. B. bei Helligkeitssensoren genutzt werden kann, siehe auch unter Fotoleitung.
Das Minimum des Leitungsbandes liegt im -Diagramm direkt über dem Maximum des Valenzbandes.
Bei einem direkten Übergang von Valenzband zu Leitungsband liegt der kleinste Abstand zwischen den Bändern direkt über dem Maximum des Valenzbandes.
Anwendungsbeispiele: Leuchtdiode
Das Minimum ist gegenüber dem Maximum auf der -Achse verschoben. Bei einem direkten Übergang von Valenzband zu Leitungsband liegt der kleinste Abstand zwischen den Bändern direkt über dem Maximum des Valenzbandes. Bei einem indirekten Übergang liegt er versetzt.
Die Absorption eines Photons ist nur bei einer direkten Bandlücke effektiv möglich, bei einer indirekten Bandlücke muss ein zusätzlicher Quasiimpuls (k) beteiligt werden wobei ein passendes Phonon erzeugt oder vernichtet wird. Dieser Prozess mit einem Photon allein ist aufgrund des niedrigen Impulses des Lichts wesentlich unwahrscheinlicher, das Material zeigt dort eine schwächere Absorption.
| Material | Art | Energie in eV | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 K | 300 K | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Elemente | - | Diamant | indirekt | 5,4 | 5,46–6,4 | - | Si | indirekt | 1,17 | 1,12 | - | Ge | indirekt | 0,75 | 0,67 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| IV-IV Verbindungen | - | SiC 3C | indirekt | 2,36 | - | SiC 4H | indirekt | 3,28 | - | SiC 6H | indirekt | 3,03 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| III-V Verbindungen | - | InP | direkt | 1,42 | 1,27 | - | InAs | direkt | 0,43 | 0,355 | - | InSb | direkt | 0,23 | 0,17 | - | InN | direkt | 0,7 | - | InxGa1-xN | direkt | 0,7–3,37 | - | GaN | direkt | 3,37 | - | GaP 3C | indirekt | 2,26 | - | GaSb | direkt | 0,81 | 0,69 | - | GaAs | direkt | 1,52 | 1,43 | - | AlxGa1-xAs | x<0,4 direkt, x>0,4 indirekt | 1,42–2,16 | - | AlAs | indirekt | 2,16 | - | AlSb | indirekt | 1,65 | 1,58 | - | AlN | 6,2 | |||||||||||
| II-VI Verbindungen | - | ZnO | direkt | 3,436 | 3,37 | - | TiO2 | 3,03 | 3,2 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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