Das Baltikum ist ein östlich gelegener Teil Nordeuropas an der Ostsee. Es umfasst die Länder Litauen, Lettland und Estland sowie die zu Russland gehörende Oblast Kaliningrad, den nördlichen Teil des früheren Ostpreußen.
Im Hochmittelalter nach dem Ende der Kreuzzüge geriet das Baltikum unter die Kontrolle des Deutschen Ordens, Großfürstentums Litauen, Dänemarks und Polen-Litauens, später auch Schwedens. Damals wurde die Gegend – als letzter verbliebener heidnischer Teil Europas – christianisiert bzw. assimiliert (Prußen).
Im nördlichen und südlichen Teil des Baltikums (deutsche und schwedische Gebiete) wurde im 16. Jahrhundert die Reformation eingeführt, Litauen, das zu Polen gehörte, blieb katholisch. Viele der baltischen Hafenstädte sind alte Hansestädte und kulturell stark von Dänemark, Deutschland oder Schweden beeinflusst.
Seit dem Mittelalter lebten in den baltischen Ländern bis zum Zweiten Weltkrieg die sogenannten "Balten", die mit dem Deutschen Orden oder der Hanse ins Land gekommen waren. Diese "Balten" (der heute gebräuchliche Begriff "Deutsch-Balten" stammt aus dem 20.Jahrhundert) waren die deutschsprachige Führungsschicht der Provinzen Livland, Kurland und Estland.
Die aus Westfalen, Schweden, Schottland stammenden Familien sprachen miteinander Deutsch; wie die Familie von Uexküll wurden auch ursprünglich estnische oder livische Familien Teile dieser Bevölkerungsschicht, aus der sich die herrschenden Ritterschaften (Oberhausparlamente), die Kaufmannsgilden der Städte und die akademischen Berufe rekrutierten.
Mit der Russischen Revolution 1917 und nach Gründung der Republiken wurde durch Nationalitätenproporze der zuvor teilweise privilegierten Minderheit zunehmend die Existenzgrundlage entzogen, so dass in den 20er Jahren viele Balten bereits nach Westeuropa oder in die USA auswanderten. Die letzten Balten wurden mit dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 planmäßig nach Deutschland ausgesiedelt.
Im 18. Jahrhundert geriet das Baltikum unter die Herrschaft des russischen Zarenreichs. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden infolge des auf Druck des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten mit der Sowjetunion geschlossenen Friedensvertrages von Brest-Litowsk unabhängige Republiken. Teile Litauens wurden allerdings von Polen annektiert.
1940 wurden infolge des Hitler-Stalin-Paktes sowjetische Truppen in Litauen, Estland und Lettland von der Sowjetunion stationiert. Dieser Stationierung stimmten die Parlamente der baltischen Staaten zu.
Im Kriegsverlauf des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebiet von Wehrmachtstruppen besetzt. Es gab tausende Freiwillige, die sich für den Dienst in Divisionen der Waffen-SS meldeten, wo sie Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Russen und Juden verübten. Bis heute noch werden ehemalige SS-Angehörige als Kriegshelden gefeiert und ihnen werden Denkmäler errichtet. Ein anderer Teil der Bevölkerung kämpfte auf Seiten der Roten Armee gegen die deutsche Besatzung.
Während der deutschen Okkupation kam es, mit einheimischer Beteiligung, zu schwersten Kriegsverbrechen. 1944 wurden die 3 baltischen Republiken schließlich von der Sowjetunion besetzt. Nach dem Krieg übernahmen baltische Kommunisten die Macht. Kollaborateure mit den Deutschen wurden durch Umsiedlung und Gefängnis bestraft. Viele Nazi-Sympathisanten setzten sich ins Ausland ab. Nationalistische Letten versuchten durch Morde an der zivilen Bevölerung Unruhen zu initiieren. Sie verschanzten sich in den umliegenden Wäldern, weshalb sie sich als Waldbrüder "bezeichneten", wurden aber letztlich besiegt.
Von 1944 bis 1990 gehörten Lettland, Estland und Litauen, zur Sowjetunion. In dieser Zeiten wurden diese Agrarländer im hohen Maß industrialisiert. Der Ausbau der baltischen Häfen machte den Zuzug von Arbeitern notwendig. Dazu kam, dass die Wehrmacht unter Mithilfe der baltischen Nationalsozialisten, die gesamte Infrastruktur und Industrie in Weissrussland, Westrussland und der Ostukraine vernichtet hatte. Für den Wiederaufbau der Sowjetunion griff man deshalb auf vorhandene Strukturen im Baltikum zurück. In Litauen, welches keinen Hafen besaß, war der Zuzug nur ein geringer. Die baltischen Sprachen hatten in dieser Zeit einen Status als Amtssprachen. Kindergärten und Schulen wurden in den baltischen Sprachen angeboten. Printmedien, Radio und später Fernsehen wurden muttersprachlich angeboten. Der Anteil der Letten in der Kommunistischen Partei der lettischen Sowjetrepublik lag mit 70% weit über deren Bevölkerungsanteil.
Am 1. Mai 2004 traten die baltischen Staaten der EU bei. Für das Kaliningrader Gebiet (Sonderwirtschaftszone Jantar), das zu Lande von der EU angehörenden Gebieten eingeschlossen ist, sind besondere Regelungen im Gespräch.
Siehe auch den Artikel Baltischer Tiger.
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