Baltijsk (
russisch Балтийск, deutsch
Pillau, polnisch
Piława) ist eine
rajonsunabhängige (kreisfrei, da militärisches Sonderverwaltungsgebiet) Stadt an der
Ostsee und Vorhafen von
Kaliningrad,
Oblast Kaliningrad,
Russland, mit 33.400 Einwohnern (2004). Zum administrativen militärischen Sonderverwaltungsgebiet von Baltijsk gehören aus militärstrategischen Gründen auch das nördlich gelegene
Pionerski (
Neukuhren),
Laduschkin (
Ludwigsort) und
Mamonowo (
Heiligenbeil).
Bis 1945 war die Stadt unter dem Namen Pillau eine Kleinstadt im
ostpreußischen Landkreis Samland.
Geografische Lage
Baltijsk liegt nördlich des Pillauer Seetiefs, das die Halbinsel
Frische Nehrung vom
Samland trennt. Es ist zugleich südlichster Ort der
Bernsteinküste. Über Land ist
Kaliningrad, ehemals
Königsberg (Preußen), etwa 60 km entfernt.
Geschichte
Gründung
Urkundlich wird
1430 erstmals eine Siedlung namens Pilen erwähnt. Der Ort gewann entscheidend an Bedeutung, als schwere Stürme
1479 und
1510 die Frische Nehrung durchbrachen und eine schiffbare Rinne schufen. Dadurch konnte sich Pillau später zu einer strategisch wichtigen Hafenstadt entwickeln.
Ausbau zur Festung
Im Zuge des
Dreißigjährigen Krieges landete am 6. Juli
1626 der schwedische König
Gustav Adolf mit einer Flotte von 37 Schiffen in Pillau, das anschließend von den
Schweden zehn Jahre lang besetzt war. Sie bauten die schon vorhandenen Schanzen aus und errichteten die Festung Pillau. Während der Schwedenzeit vergrößerte sich der Ort, eine erste Kirche aus Holz wurde erbaut. Als 1635 die Schweden abzogen, baute der
Große Kurfürst Pillau zum brandenburgischen Flottenstützpunkt aus. Dadurch wuchs die Bevölkerung erneut an, im Einzugsgebiet der Festung siedelten sich Lotsen, Händler und ehemalige Offiziere an.
1660 wird die Holzkirche durch einen Steinbau ersetzt und erhält eine Orgel.
Nachdem Pillau
1701 preußisch geworden war, verlieh ihm Preußenkönig
Friedrich Wilhelm am 18. Januar
1725 das Stadtrecht. In den Jahren
1758 bis
1762 lebte die Stadt unter russischer Besatzung, während des Napoleonfeldzuges besetzten französische Truppen Pillau.
Industrialisierung
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts brachte die Industrialisierung neuen Aufschwung für die Stadt. Eine Eisenbahnlinie verband sie ab
1865 mit Königsberg, der Hafen wurde erheblich erweitert. Durch den Bau einer großen Kaserne wurde der Marinestandort weiter aufgewertet. Zu Beginn des 20. Jahrhundert wurden Alt-Pillau und die Festung Pillau in die Stadt eingemeindet, die Bevölkerungszahl wuchs auf über 8.000 an.
1937 kamen weitere Gemeinden hinzu, sodass Pillau zu Beginn des
Zweiten Weltkrieges 12.000 Einwohner hatte.
Zweiter Weltkrieg
Durch den
Zweiten Weltkrieg gewann der Marinestandort Pillau große Bedeutung. Schon
1933 war Pillau Heimathafen einer Minensuchflottille geworden,
1939 kam ein Seefliegerhorst hinzu und ein Jahr später wurde eine
U-Bootlehrdivision stationiert. Es wurden neue Hafenbecken als Liegeplätze für Kreuzer geschaffen. Als sich der Krieg zum Ende neigte, wurden über die Stadt die Flüchtlingstransporte per Schiff abgewickelt. Am
5. Februar 1945 richtete ein erster sowjetischer Fliegerangriff große Schäden an. Am
25. April 1945 wurde Pillau von der
roten Armee eingenommen. Durch das
Potsdamer Abkommen wurde Pillau mit dem nördlichen Teil Ostpreußens sowjetisch.
Sowjetunion
Am
25. April 1945 wurde Pillau als letzte ostpreußische Stadt von der
roten Armee erobert und mit dem nördlichen
Ostpreußen unter sowjetische Verwaltung gestellt. Pillau wurde am 27. November 1946 in "Baltijsk" umbenannt (Bedeutung etwa
Baltische Stadt). Die Einwohnerzahl der Stadt wurde 1944 bis 1947 durch Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung nahezu auf Null reduziert und stieg nur langsam wieder durch den Zuzug von Menschen aus Zentralrussland, der Gegend des heutigen Föderationskreises Wolga und Weißrusslands.
Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion war Baltijsk ein sogar innerhalb des gesperrten Kaliningrader Gebietes besonders abgeschottetes militärisches Sperrgebiet.
Russische Föderation
Dies lockerte sich erst allmählich nach der Öffnung der Oblast. In dieser Zeit wurden in Baltijsk eine russisch-orthodoxe Kirche eröffnet und jeweils ein markantes Denkmal des
Zaren Peter, genannt "der Große", und der
Zarin Elisabeth errichtet. Auch heute ist das Stadtgebiet Baltijsks noch nicht uneingeschränkt zugänglich, jedoch existieren Planungen, die Stadt zu einem zivilen Hafen auszubauen.
Baltijsk.jpg
Verkehr
Bei Baltijsk wird ein für die Oblast Kaliningrad wichtiger
Fährhafen namens
Wostotschny geplant, von dem aus eine für die Exklave sehr wichtige (weil
visumfreie) Verbindung mit dem
russischen Kernland bestehen soll. Die Autofähren nach
Ust-Luga bei
Sankt Petersburg sind eisfest und benötigen für eine Richtung 48 Stunden. Der Einsatz von Schnellfähren, welche nur noch 15 Stunden brauchen werden, ist geplant. Ins Hinterland besteht - neben der Straßenverbindung - auch eine
Eisenbahnverbindung mit Kaliningrad; einzelne Züge fahren auch via
Swetlogorsk nach Baltijsk und umgekehrt.
Persönlichkeiten aus Pillau
Weblink
Literatur
- Гостюхин, Александр Федорович (Hrsg.): Пиллау - Балтийск. Прошлое и настоящее. Калиниград *.
- Blocksdorf, Helmut: Pillau - Chronik eines Untergangs. Die Flucht aus Ostpreußen. Hamburg 2000. ISBN 3-8132-0722-6
- Haberland, Konrad; Lomber, Wilhelm; Arendt, Alexander: Pillau einst und jetzt. 1725-1925. Festschrift. Pillau 1925.
siehe auch
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